Der Is­la­mi­sche Staat: II. Wie Kriegs­trei­ber »ar­gu­men­tie­ren«.

Noch mehr als sonst, muss man sich die Ar­gu­men­te der­je­ni­gen, die so­ge­nann­te mi­li­tä­ri­sche In­ter­ven­tio­nen be­für­wor­ten, an­se­hen. Ein Bei­spiel aus der öster­rei­chi­schen Pres­se.

Ei­ne In­ter­ven­ti­on zur Ver­hin­de­rung hu­ma­ni­tä­rer Ka­ta­stro­phen be­darf ei­ner aus­führ­li­chen Be­grün­dung: Sie ist nur nach Aus­schöp­fung al­ler an­de­ren Mit­tel, der Aus­sicht auf Er­folg und un­ter ei­nem Man­dat der Ver­ein­ten Na­tio­nen ge­recht­fer­tigt. Er­folg be­deu­tet hier ei­ne (meist un­aus­ge­spro­che­ne) Ab­wä­gung von Men­schen­le­ben: Bes­ser we­ni­ge, als vie­le To­te; bes­ser ein paar hun­dert, als zehn­tau­sen­de. Das ist ein Kal­kül im An­ge­sicht ei­ner of­fe­nen Zu­kunft: Ei­ne In­ter­ven­ti­on kann die La­ge wei­ter ver­schlech­tern und das Ge­gen­teil be­wir­ken.

Der Ti­tel »Ge­gen den Krieg und für Frie­den sein: Eu­ro­pä­er, das ge­nügt nicht!« lässt vor­sich­tig wer­den, ste­hen doch der­zeit ei­ni­ge eu­ro­päi­sche Na­tio­nen im Krieg ge­gen den Is­la­mi­schen Staat, wa­ren sie in der Ver­gan­gen­heit doch an den In­ter­ven­tio­nen in Li­by­en, im Irak oder in Af­gha­ni­stan be­tei­ligt und ha­ben un­längst ei­ne ag­gres­si­ve Hal­tung der NATO ge­gen Russ­land un­ter­stützt. Man ahnt: Die Eu­ro­pä­er sind noch zu weich, sie müs­sen mehr Ver­ant­wor­tung über­neh­men, be­reit sein für den Frie­den Krieg zu füh­ren: Die Re­sul­ta­te sol­cher Vor­ha­ben lie­gen im Irak oder in Af­gha­ni­stan vor al­ler Au­gen, der Er­halt des Frie­dens war häu­fig we­der Grund noch Re­sul­tat sol­cher In­ter­ven­tio­nen und das Cha­os da­nach grö­ßer als zu­vor. — Ver­mut­lich stecken hin­ter die­ser Rhe­to­rik hand­fe­ste In­ter­es­sen, aber se­hen wir uns die Ar­gu­men­te ein­mal an.

Be­reits im Kopf­text be­ginnt die Ver­dre­hung der Tat­sa­chen: Nicht zehn­tau­sen­de, son­dern et­wa 6000 Zi­vi­li­sten be­fan­den1 sich zur Pu­bli­ka­ti­ons­zeit des Texts noch in Ko­ba­ne. Doch das be­vor­ste­hen­de Mas­sa­ker muss mög­lichst ge­wal­tig ge­zeich­net wer­den, da­mit die Kon­tra­ste – pa­zi­fi­sti­sche Eu­ro­pä­er auf der ei­nen Sei­te, die hu­ma­ni­tä­re Ka­ta­stro­phe auf der an­de­ren – auch ei­ne emo­tio­na­le Wir­kung beim Le­ser ver­ur­sa­chen, der aus eben die­ser das ei­ge­ne Ver­sa­gen be­grei­fen soll: Eu­ro­pa sieht ta­ten­los zu, es soll­te aber han­deln, aus mo­ra­li­schen Grün­den. Die­se sind des­halb wich­tig, weil man dann nicht an Recht, Ge­rech­tig­keit oder gar Hu­ma­ni­tät den­ken muss. Das soll­te man aber, denn hu­ma­ni­tär ist die In­ter­ven­ti­on selbst nicht, son­dern erst ih­re Fol­gen, das oben be­schrie­be­ne Kal­kül, von dem wir nicht wis­sen ob es auf­geht. Dar­über hin­aus er­hebt die Mo­ral den ei­ge­nen Stand­punkt und för­dert die Blind­heit (die schlech­te­ste Art Po­li­tik zu ma­chen).

Da­mit die Fron­ten mög­lichst klar wer­den, müs­sen Er­doğan und die Tür­kei dä­mo­ni­siert wer­den, was re­la­tiv ein­fach ist, wenn man die In­ter­es­sen der Kur­den au­ßer Acht lässt: Er­doğan sei ein bru­ta­ler Macht­po­li­ti­ker, pak­tie­re mit den wahn­sin­ni­gen Is­la­mi­sten (man be­ach­te dass zwi­schen fa­na­tisch und wahn­sin­nig ein Un­ter­schied be­steht) und schla­ge De­mon­stra­tio­nen ge­walt­sam nie­der: All dies hat ei­nen rea­len Bo­den, wird aber mög­lichst so ge­zeich­net, dass es in die »Ar­gu­men­ta­ti­on« passt; Zwei­fel blei­ben au­ßen vor: Dass Er­doğan mit den Is­la­mi­sten pak­tie­re ist nicht be­wie­sen, es gibt al­len­falls Hin­wei­se für de­ren (mehr oder we­ni­ger) pas­si­ve Un­ter­stüt­zung; und ob die To­ten und Ver­letz­ten bei den De­mon­stra­tio­nen (den­ken wir an Ham­burg) nur auf Über­grif­fe staat­li­cher Sei­te be­ru­hen, darf be­zwei­felt wer­den. Ab­schlie­ßend wird die Po­si­ti­on der Tür­kei in­ner­halb der NATO rein mo­ra­lisch an­ge­grif­fen, ob­wohl es durch­aus mi­li­tä­ri­sche Ar­gu­men­te gä­be. — Eu­ro­pa müs­se sich auf dem Feld der Mo­ral ver­dient ma­chen und sei­ne Eh­re wie­der­her­stel­len (ei­ne ar­chai­sche Lo­gik).

Durch ei­ne sol­che Vor­gangs­wei­se er­spart man sich mü­he­vol­le Ana­ly­sen und lei­stet zu­gleich ei­ne mo­ra­li­sche Mo­bi­li­sie­rung, Grün­de für ei­ne In­ter­ven­ti­on feh­len: Die aus­ge­schöpf­ten Mit­tel und die Um­stän­de des zu ver­hin­dern­den Mas­sa­kers oder die Aus­sicht auf Er­folg. — Da­ne­ben drängt sich die Fra­ge auf: Wo war der wer­te Ver­fas­ser ei­gent­lich, als die Men­schen zu tat­säch­lich zehn­tau­sen­den in den Kriegs­wir­ren in Sy­ri­en um­ka­men? Beim Nä­gel­schnei­den? Der Zeit­punkt der Wort­mel­dung ist ein wei­te­res In­diz da­für, dass die Grün­de für die­sen Kom­men­tar me­dia­len, po­li­ti­schen oder in­ter­es­se­ge­lei­te­ten, je­den­falls nicht hu­ma­ni­tä­ren, Ur­sprungs sind.

Was fehlt ist ei­ne Art Se­gen, der die Un­ver­brüch­lich­keit des Un­ter­fan­gens si­cher­stellt, am be­sten von mög­lichst weit oben, und da Gott nicht mehr gut an­kommt, wir er­in­nern uns an die Kreuz­zugs­rhe­to­rik, sind welt­li­che Au­to­ri­tä­ten, in die­sem Fall Ein­stein und Freund, die ge­trof­fe­ne Wahl: Wenn die­se bei­den schon ei­ne Welt­po­li­zei woll­ten, dann ist das über je­den Zwei­fel er­ha­ben, man kann sich wei­te­re Ar­gu­men­te spa­ren und den Platz an­der­wär­tig nut­zen: »Ist ei­ne sol­che [Welt­po­li­zei] im Rah­men der UNO nicht rea­li­stisch durch­setz­bar, dann ist es die mo­ra­li­sche Pflicht der west­li­chen Welt, die Ein­hal­tung der grund­le­gen­den Men­schen­rech­te auch in an­de­ren Län­dern, nö­ti­gen­falls auch mit mi­li­tä­ri­schen Mit­teln, zu ver­tei­di­gen.« Kurz­um: Steht die UNO un­se­ren In­ter­es­sen im Weg, dann oh­ne sie. Bleibt nur noch zu klä­ren wen man sich vor­nimmt: Chi­na viel­leicht? Oder Sau­di Ara­bi­en? Oder klei­ner: Bo­ku Ha­ram?

Ei­ne In­ter­ven­ti­ons­ideo­lo­gie, die als Frie­dens­si­che­rung durch­ge­hen soll, be­nö­tigt ei­ne hi­sto­ri­sche Ab­si­che­rung: Das Pro­blem ei­ner sol­chen Ar­gu­men­ta­ti­on ist, dass man da­durch zwar zei­gen kann, dass In­ter­ven­tio­nen sinn­voll wa­ren (oder ge­we­sen wä­ren), ei­ne Ga­ran­tie für die Ge­gen­wart ge­ben sol­che Bei­spie­le frei­lich nicht: Der Ver­fas­ser wählt die Mas­sa­ker von Ru­an­da 1994 und Sre­bre­ni­ca 1995. Er­läu­tert wer­den sie nicht und das hat sei­nen Grund2. Bei­de Bei­spie­le sind mit der Si­tua­ti­on vor Ko­ba­ne nicht zu ver­glei­chen, da UNO-Trup­pen vor Ort wa­ren und die­se hät­ten ent­we­der han­deln (Man­dat) oder ver­stärkt wer­den müs­sen. Und zur Äu­ße­rung der mo­ra­li­schen Pflicht, wä­re zu über­le­gen, ob ei­ne In­ter­ven­ti­on, al­so die Durch­set­zung von Rech­ten un­ter Miss­ach­tung eben­die­ser Rech­te ei­gent­lich mo­ra­lisch sein kann, son­dern nicht viel­mehr als ei­ne Art von Aus­nah­me­hand­lung oder Aus­nah­me­zu­stand be­grif­fen wer­den müss­te (Kal­kül, s.o.).

Wenn man ein­mal so­weit ist, muss noch der zu er­war­ten­den Kri­tik vor­ge­beugt wer­den, und das ge­schieht – er­ra­ten – durch das Ver­dikt An­ti­ame­ri­ka­nis­mus. Um das wei­ter ab­zu­si­chern wird zwar fak­tisch rich­tig, aber dem Kon­text nach falsch, die ame­ri­ka­ni­sche Hil­fe und die eu­ro­päi­schen Ver­säum­nis­se in der Be­kämp­fung von Ebo­la her­vor­ge­ho­ben. Dann ver­liert der Au­tor sei­ne Li­nie, fährt ei­nen An­griff ge­gen Deutsch­land (Pan­nen der Bun­des­wehr) und ei­nen ge­gen den öster­rei­chi­schen Bun­des­prä­si­den­ten (der an­geb­lich, es passt zur sei­ner »Lo­gik«, et­was wie die mo­ra­li­sche In­stanz der Na­ti­on sein soll; viel­leicht hilft ein Blick in die Ver­fas­sung). Sei­ne ab­schlie­ßen­de For­mel ist be­mer­kens­wert, weil sie, wie un­längst auch bei Ort­ner, Äng­ste schürt, aber kei­ne Kon­se­quen­zen zie­hen will:

»Es steht zu be­fürch­ten, dass sich die pas­si­ve, ja ver­ant­wor­tungs­lo­se Hal­tung Eu­ro­pas noch bit­ter rä­chen wird. Den fürch­ter­li­chen Ent­wick­lun­gen in der is­la­mi­schen Welt und de­ren Aus­wir­kun­gen vor al­lem auf Eu­ro­pa wer­den wir – frü­her oder spä­ter – mit viel mehr Ent­schlos­sen­heit ent­ge­gen­tre­ten müs­sen. Je spä­ter das aber ge­schieht, de­sto hö­her wird der Preis wer­den.«

Da­bei wä­re ge­ra­de die Fort­set­zung von In­ter­es­se, aber viel­leicht soll der Le­ser ja kriegs­lü­sternd die­se Leer­stel­le tap­pen. — In dem vor­lie­gen­den Text fin­det sich kein ein­zi­ges Ar­gu­ment für ei­ne mi­li­tä­ri­sche In­ter­ven­ti­on, noch wird auf ei­ne ex­ter­ne Ana­ly­se ver­wie­sen; als Er­satz die­nen Über­trei­bun­gen, Un­rich­tig­kei­ten und Ver­dre­hun­gen, Schein- und Au­to­ri­täts­ar­gu­men­te: – der uni­ver­sa­le Klei­ster, der das wack­li­ge Ge­rüst zu­sam­men­hält, ist die Mo­ral. So­lan­ge sol­che Herr­schaf­ten schrei­ben, ist al­les halb so schlimm, be­ein­flus­sen sie da­ge­gen po­li­ti­sche Ent­schei­dungs­trä­ger, müs­sen wir um Frie­den und Hu­ma­ni­tät fürch­ten.

An­mer­kung: Ich hat­te für den zwei­ten Text ei­gent­lich et­was an­de­res ge­plant, aber dann doch dies ein­ge­scho­ben (es passt im wei­te­sten Sinn zur The­ma­tik).


  1. Laut Wi­ki­pe­dia ei­ni­ge Tau­send, vice news spricht von Zi­vi­li­sten die sich au­ßer­halb der Stadt vor der Gren­ze be­fin­den, die Zah­len sind et­wa dop­pelt so hoch; wei­te­re An­ga­ben und zu den da­mit ver­bun­de­nen In­ter­es­sen der Kur­den dort

  2. Bei die­ser Ge­le­gen­heit sei be­zwei­felt, ob die Form ei­nes meinugs­äu­ßern­den Kom­men­tars der ver­han­del­ten Pro­blem­stel­lung über­haupt an­ge­mes­sen sein kann. 

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6 Kommentare zu »Der Is­la­mi­sche Staat: II. Wie Kriegs­trei­ber »ar­gu­men­tie­ren«.«:

  1. Die Recht­fer­ti­gun­gen für die In­ter­ven­tio­nen in Af­gha­ni­stan und dem Irak wa­ren nicht pri­mär frie­dens- bzw. Sta­tus-quo-er­hal­tend. Eher im Ge­gen­teil. Af­gha­ni­stan 2001 wur­de mit der Aus­trock­nung des Nähr­bo­dens für Ter­ro­ri­sten le­gi­ti­miert. Die Re­gie­rung der fun­da­men­ta­li­sti­schen Ta­li­ban ko­ope­rier­te mit Al Qai­da zu­sam­men. Mit groß­zü­gi­ger In­ter­pre­ta­ti­on konn­te man ei­nen UN-Be­schluß als Le­gi­ti­ma­ti­on in­ter­pre­tie­ren. Die Er­geb­nis­se sind be­kannt. Beim Irak lag die Sa­che an­ders: Hier wur­de ei­ne ter­ro­ri­sti­sche Ge­fahr durch Sad­dam Hus­sein be­haup­tet, die in Wirk­lich­keit so nicht be­stand. Bei­den In­ter­ven­tio­nen wur­de die Im­ple­men­tie­rung de­mo­kra­ti­scher Struk­tu­ren über­ge­stülpt. Da­bei hat­te man ein­fach nur ver­ges­sen, die Men­schen zu fra­gen, ob sie ei­ne west­li­che De­mo­kra­tie auch wirk­lich woll­ten.

    Dass ei­ne Ein­mi­schung aus hu­ma­ni­tä­ren Grün­den nur mit der Le­gi­ti­ma­ti­on der UN ge­stat­tet ist, mag völ­ker­recht­lich stim­men. Prak­tisch hät­ten sich die mas­sa­krier­ten Jes­si­den so­zu­sa­gen post­hum da­von nichts mehr kau­fen kön­nen.

    Tat­säch­lich ist das Ge­re­de von In­ter­ven­tio­nen mit UN-Man­dat m. E. an Lä­cher­lich­keit kaum zu über­bie­ten. Es gibt kein ein­zi­ges Bei­spiel da­für, dass ei­ne UN-Mis­si­on ei­nen (so­ge­nann­ten) Bür­ger­krieg hat ver­hin­dern hel­fen. Et­wai­ge Ein­sät­ze ka­men im­mer erst nach po­li­ti­schen Ver­hand­lun­gen zu­stan­de um ei­nen ge­wis­sen Sta­tus quo ab­zu­si­chern bzw. be­stimm­te Ver­hand­lungs­re­sul­ta­te um­zu­set­zen. Und selbst dann gab es schlim­me Aus­set­zer – das ver­hee­rend­ste war das Mas­sa­ker von Sre­bre­ni­ca, in dem sich die zu­meist nie­der­län­di­schen Blau­helm­sol­da­ten prak­tisch kampf- und wi­der­stands­los bos­ni­schen Ser­ben er­ga­ben. Die An­ge­le­gen­heit ist kom­plex – die Ur­tei­le rei­chen von Dul­dung über Mit­schuld bis Ah­nungs­lo­sig­keit. Es hat aber wohl vor al­lem da­mit zu tun, dass die Blau­hel­me der Ag­gres­si­on der bos­ni­schen Ser­ben nichts ent­ge­gen zu set­zen hat­ten. Hin­zu kam das Be­fehls­wirr­war der ein­zel­nen UN-Prot­ago­ni­sten. Auch in Ru­an­da wa­ren die mei­sten UN-Mit­ar­bei­ter bei Aus­bruch der Mord­ak­tio­nen ent­we­der nicht mehr im Land oder hat­ten sich ir­gend­wo in Schutz be­ge­ben.

    Im ak­tu­el­len Fall kommt nur et­was ähn­li­ches wie es Ge­or­ge Bush sr. 1990/91 in Ku­wait ge­lang: Ei­ne mög­lichst breit an­ge­leg­te, po­li­tisch durch­aus he­te­ro­ge­ne Ko­ali­ti­on, die sich da­hin­ge­hend ei­nig ist, den Ag­gres­sor (da­mals Sad­dam Hus­sein) zu ver­trei­ben. Am En­de mach­te die UN ein Schleif­chen drum. Die Sa­che dau­er­te m. W. et­was mehr als ein hal­bes Jahr, dann mar­schier­te man los (üb­ri­gens mit fürch­ter­li­chen »Ver­lu­sten« für die ira­ki­sche Ar­mee). Die Zeit war da­mals gün­stig; es war kurz nach dem Mau­er­fall, Ost und West auf Ent­span­nungs­kurs. Sad­dam Hus­seins Ag­gres­si­on war auch an­de­ren ara­bi­schen Dik­ta­tu­ren nicht ge­heu­er; hier lie­gen Par­al­le­len zum IS. Bei be­stimm­ten Staa­ten, die der Ko­ali­ti­on Bushs »bei­tra­ten«, ging es am En­de nur dar­um, nicht in den Kon­flikt in ir­gend­ei­ner Form ein­zu­grei­fen und die Ame­ri­ka­ner ge­wäh­ren zu las­sen.

    Ei­ne sol­che mul­ti­na­tio­na­le Ko­ali­ti­on wur­de ja in Fall von IS auch be­schlos­sen. Le­gi­ti­ma­ti­ons­mä­ssig hat man die UN nicht be­müht; Russ­land und Chi­na wür­den ent­we­der da­ge­gen stim­men oder auf an­de­re Wei­se die An­ge­le­gen­heit ver­zö­gern. Was soll man statt­des­sen tun? Dem Mor­den zu­se­hen? Den Ver­tei­di­gern Waf­fen zu­kom­men las­sen, sich aber an­son­sten her­aus­hal­ten? IS hat ja pro­gram­ma­tisch er­klärt, sei­nen Ein­fluss­be­reich auf die ge­sam­te ara­bi­sche Welt aus­zu­deh­nen. An­de­re Län­der wer­den be­reits be­äugt: Li­ba­non, Jor­da­ni­en.

    Die Ag­gres­si­on des IS zeigt deut­li­che Par­al­le­len zu den Wir­ren des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges in Eu­ro­pa. Er ist re­li­gi­ös grun­diert (statt Pro­te­stan­ten ge­gen Ka­tho­li­ken nun Sun­ni­ten ge­gen Schii­ten und an­de­re [is­la­mi­sche] Glau­bens­rich­tun­gen; üb­ri­gens auch mit ent­spre­chen­der Rhe­to­rik), ist zu­gleich ein po­li­tisch-he­ge­mo­nia­ler Krieg. Er wird mit gro­ßer Bru­ta­li­tät ge­gen die Zi­vil­be­völ­ke­rung ge­führt. Durch In­ter­ven­tio­nen an­de­rer wur­de der Drei­ßig­jäh­ri­ge Krieg zu ei­nem eu­ro­päi­schen Krieg, der am En­de ei­nen ho­hen Blut­zoll for­der­te. Pro­por­tio­nal zur da­ma­li­gen Be­völ­ke­rungs­dich­te war der Drei­ßig­jäh­ri­ge Krieg der ver­lust­reich­ste der eu­ro­päi­schen Ge­schich­te über­haupt.

    Die grund­sätz­li­che Fra­ge ist: Kann man im 21. Jahr­hun­dert, in dem na­he­zu je­de Re­gung so­fort zu Nach­rich­ten ver­ar­bei­tet wer­den kann, ein der­ar­ti­ges Ma­ro­die­ren wie es der IS be­treibt, igno­rie­ren und auf In­sti­tu­tio­nen ver­trau­en, die am En­de vor­her­seh­bar in­ter­es­se­ge­lei­tet sind de­nen die po­ten­ti­el­len Op­fer gleich­gül­tig sind? Ich bin in die­sem Punkt was den so­ge­nann­ten Is­la­mi­schen Staat an­geht, ge­spal­ten. Ei­ner­seits tei­le ich Dei­ne Po­le­mik ge­gen den In­ter­ven­tio­na­lis­mus, der, das ist schön her­aus­ge­ar­bei­tet, mo­ra­li­sie­rend da­her­kommt und da­her­kom­men muss, um ein ge­wis­ses Kli­ma zu er­zeu­gen. Auf der an­de­ren Sei­te ist es schwie­rig zu­zu­se­hen, wie sich im Mitt­le­ren Osten die Men­schen ge­gen­sei­tig mas­sa­krie­ren.

    Und es ist na­tür­lich bi­gott, Er­doğans ba­lan­cie­ren­de Po­li­tik zu kri­ti­sie­ren. Er wit­tert nun sei­ne Chan­ce, zwei Flie­gen (sprich: zwei Ter­ror­sy­ste­me) mit ei­ner Klap­pe zu be­sie­gen – und oben­drauf noch Sy­ri­ens As­sad zu stür­zen. Für ihn sind Kur­den und IS prak­tisch iden­tisch – bei­de grei­fen ja an die ter­ri­to­ria­le In­te­gri­tät der Tür­kei. Er kann die Kur­den nicht ge­gen IS un­ter­stüt­zen, weil da­mit ir­gend­wann die Rech­nung der Kur­den – der ei­ge­ne Staat – auch ihm prä­sen­tiert wür­de. An­de­rer­seits gibt es durch­aus fun­da­men­ta­li­sti­sche, sun­ni­ti­sche Tür­ken, die Sym­pa­thi­en mit dem IS ha­ben; es sind zum Teil Er­doğans Wäh­ler. Die Fra­ge, die sich da stellt ist dann: Ist die Tür­kei mit die­ser Po­li­tik noch ein Bünd­nis­part­ner der NATO?

    Die Feh­ler der Ver­gan­gen­heit auf­zu­zäh­len wä­re mü­ssig. Ich war im­mer ge­gen ei­ne In­ter­ven­ti­on des We­stens in Sy­ri­en, weil die di­ver­sen Kon­flikt­mäch­te sehr früh über­haupt nicht zu über­blicken wa­ren. Wer waren/sind die »gu­ten« Re­bel­len, wer die »bö­sen«? Es klingt nun zy­nisch, ist aber viel­leicht nur das, was man Re­al­po­li­tik nen­nen könn­te: So­lan­ge der sy­ri­sche Krieg im Land blieb und nicht ex­pan­siv an­de­re Län­der ag­gres­siv be­rühr­te, muss­te man zu­schau­en bzw. mit (eher wir­kungs­ar­men) di­plo­ma­ti­schen Mit­teln agie­ren. Der IS hat die An­ge­le­gen­heit da­hin­ge­hend ge­än­dert, dass es sich um ei­ne Er­obe­rungs­macht han­delt, die mit un­glaub­li­cher Ge­schwin­dig­keit und Ag­gres­si­on die be­stehen­den, oh­ne­hin schon fra­gi­len Staa­ten, an­grei­fen und auch vor den ra­ren Oa­sen (den ira­ki­schen Kur­den) nicht Halt ma­chen. Da­bei wer­den sy­ste­ma­tisch Min­der­hei­ten (Je­si­den, Chri­sten Kur­den) ver­folgt.

    Ich ge­ste­he so­fort, dass ei­ne mi­li­tä­ri­sche In­ter­ven­ti­on von wem auch im­mer (bspw. der oben an­ge­spro­che­nen Ko­ali­ti­on) das »Pro­blem« IS nicht lö­sen wird. Aber ich bin in die­sem Fall durch­aus wil­lig, die­sem will­kür­li­chen Mor­den et­was ent­ge­gen zu set­zen. Das Pro­blem ist nur, dass dies nicht als (neo)kolonialer Akt ge­sche­hen muss, son­dern aus der Re­gi­on – ma­xi­mal mit Un­ter­stüt­zung, aber in kei­nem Fall un­ter Fe­der­füh­rung. Tat­säch­lich sind die In­ter­es­sen auch in­ner­halb der so­ge­nann­ten An­ti-IS-Ko­ali­ti­on höchst un­ter­schied­lich. Staa­ten wie die Tür­kei und Sau­di-Ara­bi­en ha­ben zwar kein In­ter­es­se an ei­ner Er­star­kung die­ser Grup­pie­rung in ih­rem Land, he­gen aber an­de­rer­seits sehr wohl Sym­pa­thi­en für die re­li­giö­sen In­ter­pre­ta­tio­nen. Sau­di-Ara­bi­en ist dem IS in punk­to Men­schen- und Min­der­hei­ten­rech­te nicht un­ähn­lich. Dass die­ses Land dem We­sten als Bünd­nis­part­ner dient ist ei­ne der Dop­pel­zün­gig­kei­ten, die den We­sten in die­ser Re­gi­on zu recht dis­kre­di­tiert.

    Auf die UN wür­de in kei­nem Fall bau­en.

    #1

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  3. Die Frie­dens­er­hal­tung war mei­ne In­ter­pre­ta­ti­on, der Au­tor hat bei­de (Krieg und Frie­den) ei­gent­lich nur ne­ben ein­an­der ge­braucht (die In­ter­ven­tio­nen wa­ren ur­sprüng­lich sta­bi­li­sie­rend bzw. be­frie­dend ge­dacht, man hät­te ar­gu­men­tie­ren kön­nen, dass das Er­geb­nis dem Frie­den dient; ge­kom­men ist es an­ders).

    War­um die Ver­ein­ten Na­tio­nen? Hier sind zwei Ebe­nen zu tren­nen: 1) Die prin­zi­pi­el­le und 2) die rea­le. Prin­zi­pi­ell ar­gu­men­tie­re ich für die Ver­ein­ten Na­tio­nen, weil sie die ein­zi­ge Mög­lich­keit bie­ten de­mo­kra­tisch und in­ter­na­tio­nal über ei­nen et­wai­gen Ein­satz von Ge­walt zu be­fin­den. Ich wüss­te kei­ne an­de­re Mög­lich­keit ei­ner der­art brei­ten Le­gi­ti­ma­ti­on au­ßer durch ein Man­dat der Ver­ein­ten Na­tio­nen. Da­zu kommt, dass sie ei­nen Rah­men bie­ten um lo­kal ver­an­ker­te Trup­pen zu ent­sen­den, die in Kon­flik­ten eher ak­zep­tiert wer­den (es fie­le das Ar­gu­ment weg, dass im­mer der We­sten sei­ne In­ter­es­sen ver­tritt oder – wie im Fall des Na­hen Ostens – Bom­ben wirft). In der Rea­li­tät wer­den über den Si­cher­heits­rat (und die Ve­to­rech­te) In­ter­es­sen und Po­li­tik ver­han­delt; die Ein­sät­ze wa­ren, wie Du an­führst, we­nig er­folg­reich; ich mei­ne, dass man das än­dern kann (könn­te), auch wenn es nicht ein­fach ist. — War­um soll­te ein ra­scher Be­schluss wie im Fall der Je­si­den im Prin­zip nicht mög­lich sein? — Spre­chen wir al­so von prin­zi­pi­el­ler Un­mög­lich­keit oder prak­ti­scher hin­sicht­lich des Sta­tus quo?

    Ich mei­ne, man hat dem Mor­den (Sy­ri­en) lan­ge zu­ge­se­hen, es gab et­wa 160.000 To­te, ein­grei­fen woll­te nie­mand, das ge­schah erst als es zu me­di­en­wirk­sa­men Bei­na­he-Mas­sa­kern kam (Je­si­den und Kur­den) und es nicht mehr mit den ei­ge­nen In­ter­es­sen (As­sad) ver­ein­ba­ren ließ (der Bür­ger­krieg war ja ganz recht, al­ler­dings hat sich der Is­la­mi­sche Staat dann nicht mehr mit der Bau­ern­rol­le be­gnügt). Ich will da­mit nicht sa­gen, dass die Hil­fe falsch war, son­dern zu spät. Auch hier mei­ne ich, dass die Ver­ein­ten Na­tio­nen ei­nen Rah­men bil­den in dem man ent­schei­den kann, ob ein­ge­grif­fen wird oder nicht, wie Du es nennst: Her­aus­hal­ten, nur Waf­fen lie­fern oder Bo­den­trup­pen ent­sen­den, usf. – ob es nun Fäl­le gibt, wo die Struk­tu­ren der Ver­ein­ten Na­tio­nen über­for­dert sind und man wo­mög­lich an­ders han­delt, ist kein Ar­gu­ment das prin­zi­pi­ell da­ge­gen spricht (Je­si­den).

    In­ter­es­sant wä­re zu über­le­gen ob und wie man ei­nen Krieg wie den Drei­ßig­jäh­ri­gen durch In­ter­ven­tio­nen be­en­den kann (in­klu­si­ve ei­ner po­li­ti­schen Lö­sung). Man soll nicht zu­se­hen wie Leu­te ab­ge­schlach­tet wer­den, aber vor ei­nem Ein­satz die Si­tua­ti­on ana­ly­sie­ren (das ist, was ich kri­ti­sie­re, nicht dass man ge­gen den Is­la­mi­schen Staat et­was un­ter­nimmt); die Si­tua­ti­on vor Ko­ba­ne un­ter­schei­det sich vom Fall der Je­si­den: Ko­ba­ne hät­te man eva­ku­ie­ren kön­nen, die Kur­den von in­ter­na­tio­na­len Trup­pen ent­waff­nen las­sen und die kur­di­schen Kämp­fer bzw. de­ren Waf­fen ge­trennt nach Sy­ri­en brin­gen kön­nen (oder tat­säch­lich ei­ne Zo­ne bil­den, wie Er­doğan das woll­te, nur mit in­ter­na­tio­na­len Trup­pen; die tür­ki­schen Flug­hä­fen hät­ten die Un­ter­stüt­zung aus der Luft ver­bes­sert; aber dass Sol­da­ten im Ein­satz ster­ben, will ja auch nie­mand, da­her der Luft­krieg). — Dass der Bür­ger­krieg in Sy­ri­en schwie­rig zu über­blicken war und ist, stimmt, aber der Is­la­mi­sche Staat kam aus die­sen Wir­ren und frü­he­res Ein­schrei­ten hät­te die Pro­ble­me nicht der­ge­stalt an­schwel­len las­sen (Auch ein Punkt der be­fragt wer­den muss: Sind To­te das al­lei­ni­ge Kri­te­ri­um oder wä­re das Mor­den in Ord­nung so­lan­ge es Sy­ri­en nicht ver­las­sen hät­te?).

    #2

  4. die_kalte_Sophie sagt:

    Noch zum Ar­ti­kel: Ge­gen En­de gibt es dort ei­nen Ver­gleich, be­tref­fend die Fol­gen die­ser Kriegs­Her­beiSch­rei­be­rei. Ich bin nicht ganz ein­ver­stan­den, weil ich in­zwi­schen (via Slo­ter­di­jk) die öf­fent­li­che Agi­ta­ti­on kri­tisch se­he. Dass kei­ne Hand­lungs­plä­ne ent­wor­fen wer­den, und nur ein mo­ra­li­scher Kreuz­zug für al­le / ge­gen al­le un­ter­nom­men wird, hal­te ich für ein ty­pi­sches Ver­falls­sym­ptom der spät­mo­der­nen Öf­fent­lich­kei­ten. Es stimmt: die Herr­schaf­ten kön­nen nur schrei­ben, sie wer­den nichts be­wir­ken. Aber ge­nau dar­auf ha­ben sie sich fest­ge­legt. Ich be­haup­te, die jour­na­li­sti­sche Ethik fußt fest auf die­ser Rum­pel­stilz­chen-Po­si­ti­on. Prä­po­tenz (der Pre­digt) und Ver­wei­ge­rung der Wil­lens­bil­dung ge­hen Hand in Hand. Noch den ver­we­gen­sten Agi­ta­tio­nen liegt doch ein pro­fun­der Ver­zicht zu­grun­de. Liest man ge­nau, dann soll nie­mand han­deln. Al­les was pas­siert (ich hö­re da ein­fach nur in mich hin­ein) ist ei­ne ziel- und sinn­lo­se Agi­ta­ti­on. Des­we­gen fand ich Gre­gors Hin­weis toll:
    Aus Er­re­gun­gen wer­den Nach­rich­ten...

    #3

  5. @metepsilonema
    Ich muss be­ken­nen, dass ich in ei­nem Punkt dem ver­rück­ten Bush jr ge­folgt bin: Mit den Ver­ein­ten Na­tio­nen ist »kein Staat« zu ma­chen. Der Si­cher­heits­rat mit sei­nen Ve­to­mäch­ten de­ren Le­gi­ti­ma­ti­on sich aus dem zwei­ten Welt­krieg und dem Be­sitz von Atom­waf­fen fast schon er­schöpft, ist ei­ne »la­me duck«. Er ist durch sei­ne Ve­to-Po­si­tio­nen noch nicht ein­mal de­mo­kra­tisch le­gi­ti­miert. Da­bei be­rüh­re ich noch nicht ein­mal die Fra­ge, ob Län­der wie Chi­na und Russ­land als Nicht-De­mo­kra­ti­en aus­ge­rech­net in ei­nem sol­chen Gre­mi­um Ve­to-Rech­te ge­nie­ssen soll­ten.

    Um­so be­wun­derns­wer­ter fand ich die von Bush sr ge­schmie­de­te Al­li­anz 1990/91 in Be­zug auf die Rück­erobe­rung Ku­waits. For­mal war das ein­wand­frei; der Auf­trag wur­de er­füllt. Die Si­tua­ti­on war ein­fach gün­stig. So et­was wird es nie mehr ge­ben, weil Russ­land (und auch Chi­na) in ent­schei­den­den Punk­ten ih­re Groß­macht-Am­bi­tio­nen im­mer aus­spie­len wer­den; et­was, was die USA im Na­hen Osten auch im­mer macht.

    Die Un­tä­tig­keit im sy­ri­schen Bür­ger­krieg war und ist der Un­über­sicht­lich­keit der La­ge ge­schul­det. Zu­dem war der We­sten un­si­cher, ob ein »ver­läß­li­cher Des­pot« wie As­sad nicht bes­ser sei als ei­ne he­te­ro­ge­ne sy­ri­sche Op­po­si­ti­on, die von sä­ku­la­ren Mus­li­men bis zu ra­di­ka­len Fun­da­men­ta­li­sten (al-Nus­ra) al­les ent­hielt. Die Dik­ta­to­ren­stür­ze in Li­by­en und Ägyp­ten er­schüt­ter­ten die Sta­bi­li­tät ih­rer je­wei­li­gen Re­gi­on mehr als ge­dacht (ein­zig Tu­ne­si­en scheint auf ei­nem gu­ten Weg). So war auch Is­ra­el nicht si­cher, ob man mit As­sad nicht bes­ser be­dient wä­re (Go­lan-Hö­hen). Re­al­po­li­tik be­vor­zugt im­mer den Sta­tus quo, ins­be­son­de­re wenn zu er­war­ten­de Ver­än­de­run­gen re­vo­lu­tio­nä­ren und nicht evo­lu­tio­nä­ren Cha­rak­ter ha­ben.

    Um die Je­si­den hat man sich dann aus zwei Grün­den ge­küm­mert: 1. Ex­pan­si­on der IS, die, so­lan­ge sie in Sy­ri­en wü­te­ten, igno­riert wur­den, aber jetzt im Irak nach au­ßen ag­gres­siv wur­den. 2. Ver­ant­wor­tung der USA für den Irak durch den Wahn­sinn von 2003.

    @die_kalte_Sophie
    So ganz tei­le ich die The­se nicht, dass Jour­na­li­sten nur um ih­rer selbst wil­len dem In­ter­ven­tio­na­lis­mus frö­nen. Viel­leicht mag das in Deutsch­land so ein. In Frank­reich ist es an­ders, dort schwät­zen Leu­te wie BHL und Glucks­mann re­gel­mä­ssig Re­gie­run­gen in »hu­ma­ni­tä­re In­ter­ven­tio­nen«, wie zu­letzt in Li­by­en. Die Agi­ta­ti­on ist nicht fol­gen­los, sie mo­bi­li­siert. Und zwar die Mäch­ti­gen.

    #4

  6. @Gregor
    Die Ve­to­rech­te sind Groß­machts­re­lik­te und ge­hö­ren ab­ge­schafft. Der Si­cher­heits­rat müss­te er­wei­tert wer­den und im­mer aus klei­nen und gro­ßen Staa­ten (Be­völ­ke­rung) der ver­schie­de­nen Kon­ti­nen­te, be­stehen (auf dau­er­haf­te Mit­glie­der kann ver­zich­tet wer­den); die Stim­men soll­ten ge­wich­tet sein, die klei­nen Staa­ten zu­sam­men ei­ne Sperr­mi­no­ri­tät ha­ben; even­tu­ell könn­te man über­le­gen ob re­gel­mä­ßi­ge Bei­trags­zah­ler klei­ne Vor­tei­le ge­nie­ßen.

    Ich stim­me Dei­ner Kri­tik an den VN durch­aus zu, se­he aber oh­ne sie auch kei­ne dau­er­haf­te Lö­sung, weil im­mer In­ter­es­sen die Ko­ali­ti­ons­bil­dung be­stim­men wer­den.

    Wenn die Ver­ei­nig­ten Staa­ten be­züg­lich As­sad un­si­cher wa­ren, dann fra­ge ich mich, war­um man die Op­po­si­ti­on mit Geld und ab No­vem­ber 2012 auch bei der Be­schaf­fung von Waf­fen un­ter­stützt hat (zu dem wur­de As­sad an­ge­droht zu in­ter­ve­nie­ren, falls er die ro­te Li­nie [Ein­satz von Gift­gas] über­schrei­te). Man muss­te al­so durch­aus mit ei­nem Ein­satz rech­nen (es hät­te in der ame­ri­ka­ni­schen Öf­fent­lich­keit wohl we­nig Zu­stim­mung zu ei­nem Ein­satz von Bo­den­trup­pen ge­ge­ben). Dass sehr lan­ge nichts pas­siert ist, hat der Is­la­mi­sche Staat aus­ge­nutzt.

    Wir wer­den se­hen, ob man sich um die er­neut be­droh­ten Je­si­den küm­mert oder die Auf­merk­sam­keit in Ko­ba­ne bleibt.

    @die_kalte_Sophie
    Die Agi­ta­ti­on re­du­ziert wo­mög­lich den Wi­der­spruch in der Be­völ­ke­rung (al­ler­dings nur bei den­je­ni­gen die nicht mit­den­ken). Das ist nicht un­wich­tig, über­zeugt aber noch kei­ne Ent­schei­dungs­trä­ger oder nur bei sehr gro­ßem öf­fent­li­chen Druck (ich fin­de da ad hoc für die Zeit nach dem zwei­ten Welt­krieg kein Bei­spiel). Um­ge­kehrt ist es da­her ein­fa­cher: Die Ent­schei­dungs­trä­ger müs­sen über­zeugt wer­den und das Gan­ze der Be­völ­ke­rung »ver­kauft« wer­den (wie­der­um müss­te der öf­fent­li­che Druck sehr groß sein, um die Ent­schei­dung noch zu ver­hin­dern).

    #5