Möch­te­gern­bes­ser­wis­ser

Seit Don­ners­tag bin ich ein Möch­te­gern­bes­ser­wis­ser. So ganz of­fi­zi­ell. Sagt ein Grim­me-Preis­trä­ger. Der Ste­fan Nig­ge­mei­er. Der muß es ja wis­sen. Der sieht ja stän­dig die Split­ter in den Be­rich­ten der An­de­ren. Ich weiss noch nicht, ob ir­gend­wo ei­ne Preis­ver­ga­be statt­fin­den wird oder ob es ei­nen Or­den gibt. We­nig­stens ei­ne Ur­kun­de? Mei­ne Mit­preis­trä­ger ha­ben auch noch kei­ne Nach­richt er­hal­ten. Wir sind ganz auf­ge­regt. Ich ha­be noch nie ei­nen Preis be­kom­men.

Und das kam so. Vor­ge­stern hat der Ste­fan Nig­ge­mei­er so ei­nen schö­nen Bei­trag ge­schrie­ben. Und da ha­ben drei, vier Leu­te ge­schrie­ben, dass sie es ko­misch fin­den, war­um man in den deut­schen Me­di­en im­mer »Bom­bay« liest. Si­cher, die Men­schen dort ha­ben an­de­re Pro­ble­me. Nicht erst seit die­sen Ter­ror­an­schlä­gen. Die Stadt hie­sse aber Mum­bai. So ganz of­fi­zi­ell. Den Hin­weis fand Ste­fan Nig­ge­mei­er ganz toll. So rich­tig in­ve­sti­ga­tiv.

So, wie er manch­mal sei­ne Bei­trä­ge schreibt. Die­sen hier oder hier oder hier, auch das oder das. Vor­bild war für mich jetzt das und das.

Ste­fan Nig­ge­mei­er fin­det es näm­lich al­bern, wenn man sei­ne Le­ser igno­riert und nicht auf die Feh­ler, die man macht und von Le­sern auf­merk­sam ge­macht wird, re­agiert. Er fin­det zum Bei­spiel sueddeutsche.de al­bern. Er fin­det es auch al­bern, Myan­mar Myan­mar zu nen­nen. Bir­ma klingt ge­nau so schön. Ist eben zig­fach ver­ständ­li­cher und wird von dpa, AP, AFP und reu­ters in ih­ren deutsch­spra­chi­gen Mel­dun­gen ge­wählt. Oder Le­nin­grad? Ist doch viel ver­ständ­li­cher als Sankt Pe­ters­burg. Die eng­lisch­spra­chi­ge Pres­se fin­det Nig­ge­mei­er nicht so gut, weil die nicht so ver­ständ­lich schrei­ben. Die schrei­ben näm­lich Mum­bai. Es ist ja schön, wenn die deut­schen Agen­tu­ren mal was rich­tig ma­chen. Und der Sprin­ger hat ja auch im­mer »SBZ« ge­sagt, dann »so­ge­nann­te ‘DDR’ «, dann »DDR« 1987 und seit 1987 noch zwei Jah­re DDR.

Der Ste­fan Nig­ge­mei­er fin­det es su­per, wenn die Deut­schen für die Leu­te in Mum­bai kämp­fen, da­mit die auch Bom­bay sa­gen dür­fen. Ob­wohl das ja ein biss­chen deutsch ist. Im­mer so »kor­rekt«. Mei­ne Schwie­ger­mut­ter sagt auch im­mer noch Wehr­macht. Und manch­mal Mark. Die möch­te auch, dass man in den Nach­rich­ten im­mer noch die Mark-Be­trä­ge mit an­gibt. Viel­leicht sagt der Ste­fan Nig­ge­mei­er den Agen­tu­ren das mal. Wä­re doch viel ver­ständ­li­cher für mei­ne Schwie­ger­mut­ter.

Ich lass das jetzt mit dem kom­men­tie­ren bei Ste­fan Nig­ge­mei­er. So ein tol­ler Recht­ha­ber wie er wer­de ich doch nie. Das muß man neid­los an­er­ken­nen.

26 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Spra­che lebt
    Na­ja, so im­pul­siv wie der SN in sei­ner Ant­wort re­agiert hat, so re­agierst du doch manch­mal auch.

    Und was die Na­men be­trifft: Al­le Um­be­nen­nun­gen von Or­ten oder Län­dern ver­fol­gen po­li­ti­sche Zie­le. Wenn man aber au­ßer­halb die­ses Kon­tex­tes agiert, sind die po­li­ti­schen Zie­le un­ter Um­stän­den we­ni­ger wich­tig, hier zählt mehr, dass man sein Ge­gen­über ver­steht. In Thai­land heißt Myan­mar üb­ri­gens we­der so noch Bir­ma son­dern im­mer noch Bur­ma. Die mei­sten Bur­bir­myan­me­sen wer­den die­se Trans­li­te­ra­tio­nen so­wie­so nicht ver­ste­hen, weil sie ih­re Hei­mat noch ganz an­ders be­zeich­nen.

    Als ich vor lan­ger Zeit in Ru­mä­ni­en war, ha­ben die dort le­ben­den Deut­schen ganz selbst­ver­ständ­lich Herr­mann­stadt und Kron­stadt ge­sagt, nicht Si­biu oder Bra­sov. Vor zwei Wo­chen ha­be ich mit mei­ner Gei­gen­leh­re­rin über ih­re Hei­mat ge­spro­chen, sie ist Slo­wa­kin. Wir ha­ben dann auch über die Tsche­cho­slo­wa­kei ge­spro­chen. Heu­te ge­trennt in Tsche­chi­en und Slo­wa­kei. Zwei der Na­men en­den auf »ei«, wenn man aber gleich­lau­tend Tsche­chei sagt, be­kommt man aus Grün­den der PC ei­nen auf den Deckel. Und ich sag­te brav Brno, sie ganz selbst­ver­ständ­lich Brünn.

  2. Man darf mei­nes Er­ach­tens Ex­ony­me nicht mit Um­be­nen­nun­gen ver­wech­seln. Na­tür­lich kann man Bres­lau sa­gen statt Wrocz­law oder Brünn statt Brno. Man kann so auch um­gangs­sprach­lich so re­den; das ma­che ich ja sel­ber.

    Und na­tür­lich ver­fol­gen sol­che Än­de­run­gen po­li­ti­sche Zie­le. Sieht man ja an Karl-Marx-Stadt – jetzt Chem­nitz. Nach­rich­ten­me­di­en ha­ben aber m. E. nicht da­hin­ge­hend »ge­gen zu po­li­ti­sie­ren«, dass sie schlicht­weg sol­che Um­be­nen­nun­gen igno­rie­ren und zu Gun­sten ei­ner omi­nö­sen Ver­ständ­lich­keit, die nur ei­ge­ne Be­quem­lich­keit ist, vor­ge­hen.

    Na­tür­lich nennt ein Ame­ri­ka­ner Mün­chen »Mu­nich« (weil es da­für ei­nen ent­spre­chen­den An­gli­zis­mus gibt). Wenn Mün­chen je­doch aus ir­gend­wel­chen Grün­den mal in »Ude-Stadt« um­be­nannt wür­de (oder »Franz-Jo­sef-Strauß-Stadt«), dann muss man dem »of­fi­zi­ell« fol­gen, ob man will oder nicht (um­gangs­sprach­lich bleibt das na­tür­lich noch drei Ge­nera­tio­nen Mün­chen oder Mu­nich.)

    Aber dar­auf kommt es ei­gent­lich nicht an. Wenn je­mand auf sei­nem Blog oft mi­ni­mal­ste Feh­ler gei­sselt und zu Grund­satz­fra­gen auf­bauscht, muss man in be­stimm­ten Sa­chen auch ei­ne ge­wis­se Kon­se­quenz an den Tag le­gen. Und wenn man Kom­men­ta­re zu­lässt, die dann mal vom üb­li­chen Bild der Hei­li­gen­ver­he­rung oder stamm­tisch­haf­ten Be­schimp­fung ab­se­hen, dann er­war­te ich ei­nen an­de­ren Um­gang. Aber na­tür­lich hat der Haus­herr das Recht, die un­ge­wünsch­ten Par­ty­gä­ste raus­zu­wer­fen.

  3. »Das se­he ich im Sin­ne der dor­ti­gen Dis­kus­si­ons­qua­li­tät an­ders.«

    Di­to.

    »Aber es liegt mir fern, Ih­re Ent­schei­dung in Fra­ge zu stel­len.«

    Mir nicht. Könn­ten Sie sich das noch­mal über­le­gen, Herr Keu­sch­nig? Im Sin­ne der dor­ti­gen Dis­kus­si­ons­qua­li­tät z.B.?

  4. #2
    Ich wür­de das an dei­ner Stel­le deut­lich ent­spann­ter se­hen. Das ist doch wie­der ein Fall, wo Mei­nung und Per­son nicht ge­trennt be­trach­tet wur­den. »Möch­te­gern­bes­ser­wis­ser« ist ei­ne per­sön­li­che Be­lei­di­gung, das soll­te man dem SN in ei­nem Ant­wort­kom­men­tar durch­aus schrei­ben. Aber das ver­bes­sert oder ver­schlech­tert sei­ne üb­ri­gen Tex­te und Kom­men­ta­re nicht, weil Wahr­heit und Qua­li­tät ei­nes Bei­trags nicht von den Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten ei­nes Au­tors ab­hän­gen. Man muss ei­nen Au­tor nicht mö­gen, um sei­ne Ge­dan­ken in­ter­es­sant und kom­men­tie­rens­wert zu fin­den. Erst wenn sich die ne­ga­ti­ven Re­ak­tio­nen häu­fen, soll­te man es las­sen – aber dann hat aus der ei­ge­nen Sicht zu­vor ja auch das In­halt­li­che si­cher schon ge­lit­ten.

    Was Bres­lau, Brünn, Herr­mann­stadt und Kron­stadt an­be­langt: Hier schreckt man als Deut­scher zu­rück, weil man nicht weiß, ob das nicht be­la­ste­te Be­zeich­nun­gen aus der Na­zi­zeit sind.

    Wit­zi­ger­wei­se ha­be ich bei Mum­bai zu­nächst nicht an Bom­bay ge­dacht, erst die sprach­lich ge­misch­te Be­richt­erstat­tung hat dann bei mir den Zu­sam­men­hang her­ge­stellt. Ich hät­te ge­wet­tet, dass die Um­be­nen­nung et­was mit dem »Ab­schüt­teln des ko­lo­nia­len Jochs« zu tun ge­habt hat, aber der ent­spre­chen­de Ab­schnitt in der Wi­ki­pe­dia gibt in die­ser Be­zie­hung kei­nen Hin­weis.

    Die­sel­be Dis­kus­si­on gab es schon mal bei Myan­mar, Bir­ma, Bur­ma. Da war sie ge­nau­so we­nig er­gie­big. Wenn man sich auf so et­was fi­xiert, dann ver­liert man die ei­gent­li­chen Vor­gän­ge aus den Au­gen. Und die sind doch ka­ta­stro­phal ge­nug. Die Re­ak­tio­nen in den Me­di­en sind es üb­ri­gens auch. Da wird zum Bei­spiel dar­auf hin­ge­wie­sen, dass In­di­en et­wa vier­mal we­ni­ger Si­cher­heits­kräf­te hat als an­de­re Län­der. Nur, was hät­te ei­ne grö­ße­re Zahl an Po­li­zi­sten in die­ser Si­tua­ti­on aus­rich­ten kön­nen? Die gan­ze Fi­xie­rung in Be­zug auf den Ter­ro­ris­mus, mit mehr Ge­walt das Pro­blem lö­sen zu kön­nen, führt völ­lig in die fal­sche Rich­tung. Im Fall des Is­la­mis­mus muss man nach den Ur­sa­chen for­schen und wie man sie lang­fri­stig be­sei­tigt.

  5. Köpp­nick, Du weisst, dass ich Dei­nen Gleich­mut und Dei­ne ent­spann­te Sicht schät­ze, auch wenn ich das nicht im­mer nach­voll­zie­hen kann, ge­schwei­ge denn sel­ber an­wen­den. Die­ses Un­ver­mö­gen mei­ner­seits dürf­te üb­ri­gens ei­ner der Grün­de sein, war­um ich es schät­ze.

    Ich be­trach­te »Möch­te­gern­bes­ser­wis­ser« nicht als per­sön­li­chen An­griff, son­dern als Stand­punkt. Der ist in Ord­nung; die­se Mei­nung kann er ha­ben und soll er auch sa­gen.

    Sei­ne Bei­trä­ge sind des­we­gen nicht schlech­ter oder bes­ser als vor­her. Ich se­he nur ei­ne gro­sse Dis­kre­panz zwi­schen dem An­spruch, den er an an­de­re und auch an die Kom­men­taro­ren hegt (letz­te­res mehr oder we­ni­ger un­aus­ge­spro­chen; er mischt sich eher sel­ten in die Dis­kus­sio­nen ein) und dem, wie er sel­ber The­men ein­setzt und be­wer­tet.

    In die­sem Fall ist es ihm wich­tig zu zei­gen, dass ein Bild, wel­ches im Kon­text mit den Ter­ror­an­schlä­gen in Mum­bai ge­zeigt wird, ei­ne Wo­che vor­her bei ei­ner ganz an­de­ren Ge­le­gen­heit ge­zeigt wur­de. Im Grun­de ge­nom­men er­hebt er den Vor­wurf der Bil­der­fäl­schung. Die­ser Vor­wurf ist pri­mär kor­rekt. Und das ist das The­ma.

    Jetzt kann man sa­gen – auch und ge­ra­de als Blog­be­sit­zer -: Leu­te, bleibt beim The­ma. Das heisst: The­ma ist nicht Mum­bai / Bom­bay, The­ma ist nicht der in­ter­na­tio­na­le Ter­ro­ris­mus, The­ma ist nicht die fra­gi­le La­ge des Viel­völ­ker­staa­tes In­di­en, usw. Die Pra­xis hat al­ler­dings ge­zeigt, dass sol­che »The­men­be­schrän­kun­gen« nicht be­son­ders gut funk­tio­nie­ren.

    Man könn­te mit der glei­chen Ver­ve sa­gen, dass der Nach­weis der blöd­sin­ni­gen Be­bil­de­rung in den On­line­me­di­en eben­falls al­bern ist. ich emp­fin­de das so­gar als höchst al­bern. Aber SN ist ge­zwun­gen, stän­dig neu­es Ma­te­ri­al für sei­nen Blog zu pro­du­zie­ren. Da kann doch ei­ne sol­che Al­bern­heit wie es nun ein­mal die­se Sym­bol­fo­tos sind, auch ent­span­nend auf die Le­ser wir­ken. Als nichts an­de­res se­he ich das. Viel­leicht sieht man mir aber ein­fach nach, dass ich Na­men nicht im­mer nur für »Schall und Rauch« hal­te (huch, jetzt bin ich auch noch ge­gen Goe­the; der Grö­ssen­wahn­sinn!). Ich fin­de das ei­gent­lich ein in­ter­es­san­tes The­ma: Wo ist es PC, wo ist es Igno­ranz und Dumm­heit, wo ist es be­wuss­te Pro­vo­ka­ti­on (SBZ), usw.

    Und na­tür­lich kann man über die af­fekt­ge­steu­er­te Be­richt­erstat­tung in den Me­di­en über die­se Ter­ror­an­schlä­ge spre­chen. In ei­nem Me­di­en­blog al­le­mal. Aber da­zu be­darf es mehr, als nur ein Bild ins Netz zu stel­len.

    PS: Im Grun­de ist die Be­grün­dung, et­was al­bern zu fin­den, al­bern. Ich den­ke da­bei an Reich-Ra­nicki, der in der letz­ten FASZ die Fra­ge ge­stellt be­kam, wann bzw. wor­an er mer­ke, dass ein Buch nicht gut ist (sinn­ge­mäss). Sinn­ge­mäss ant­wor­te­te Reich-Ra­nicki: ‘Wenn es mich lang­weilt’. Das ist – in die­sem Sin­ne – Reich-Ra­nicki Ni­veau. Ich se­he ein, dass das be­quem ist. Aber nicht mehr.

  6. »Sagt ein Grim­me-Preis­trä­ger. Der Ste­fan Nig­ge­mei­er. Der muß es ja wis­sen. Der sieht ja stän­dig die Split­ter in den Be­rich­ten der An­de­ren. Ich weiss noch nicht, ob ir­gend­wo ei­ne Preis­ver­ga­be statt­fin­den wird oder ob es ei­nen Or­den gibt. We­nig­stens ei­ne Ur­kun­de? Mei­ne Mit­preis­trä­ger ha­ben auch noch kei­ne Nach­richt er­hal­ten. Wir sind ganz auf­ge­regt. Ich ha­be noch nie ei­nen Preis be­kom­men. (...) der Ste­fan Nig­ge­mei­er...«

    Das ist nicht Ihr bis­he­ri­ger gu­ter Stil, Herr K.
    Scha­de.

    »Ste­fan Nig­ge­mei­er. So ein tol­ler Recht­ha­ber wie er wer­de ich doch nie. «

    Sie möch­ten das?
    Scheint so, denn man hat in die­sem (nur in die­sem) Fall den Ein­druck: Wer nicht »Mum­bai« sagt, ist ein Recht­ha­ber.
    Ab­surd.

  7. Wenn Dich Nig­ge­mei­ers In­kon­se­quenz stört, dann spricht das doch für ei­ne The­ma­ti­sie­rung auf sei­nem Blog, oder?

    Ist aber der »Möch­te­gern­bes­ser­wis­ser« Ur­sa­che des Un­muts, kann ich das »Schmol­len« zu­min­dest nach­voll­zie­hen.

    Oder spielt am En­de bei­des ei­ne Rol­le?

  8. Ich kann SN nicht vor­schrei­ben, was er auf sei­nem Blog the­ma­ti­siert. Au­sser­dem fin­det er das The­ma »al­bern« und hat das mit sei­nem Kom­men­tar zum Aus­druck ge­bracht, dass er mei­ne Be­wer­tung ent­spre­chend ein­stuft. Was soll ich da­zu noch sa­gen?

  9. Mit The­ma­ti­sie­rung ha­be ich Kom­men­tie­rung ge­meint.

    Ich ha­be eu­re Dis­kus­si­on nicht ver­folgt, aber viel­leicht hat er das The­ma des­halb als al­bern emp­fun­den, weil er be­stimm­te As­peck­te schlicht und er­grei­fend über­se­hen hat (z.B. dass er selbst oft ge­nau­so [über?]genau ist). Wä­re doch mög­lich.

  10. Wirk­lich scha­de
    Mir wer­den Ih­re oft sehr geist­rei­chen Ein­wür­fe auf Ste­fan Nig­ge­mei­ers Blog feh­len, Herr Keu­sch­nig. Ei­ni­ge, de­nen es ähn­lich geht, wer­den viel­leicht ab jetzt häu­fi­ger beim »Be­gleit­schrei­ben« vor­bei­schau­en, aber dar­auf wür­de ich nicht wet­ten. Das liegt nicht zu­letzt dar­an, dass ei­ni­ge von Nig­ge­mei­er als blog­gens­wert ein­ge­stuf­te The­men in Ih­rem Blog nicht vor­kom­men, ob­wohl Ih­re Kom­men­ta­re in Nig­ge­mei­ers Blog na­he­le­gen, dass Sie sehr wohl et­was (und nicht we­nig) da­zu zu sa­gen hät­ten.

    Per­sön­lich fin­de ich we­der Nig­ge­mei­ers un­ge­wohnt zicki­gen Kom­men­tar noch Ih­re Re­ak­ti­on dar­auf nach­voll­zieh­bar. Das mag da­mit zu­sam­men­hän­gen, dass ich in der Fra­ge, ob nun »Mum­bai« oder »Bom­bay« das To­ponym der Wahl sein soll­te, kei­ne aus­rei­chen­de Re­le­vanz er­ken­nen kann, die ei­ne emo­ti­ons­ge­schwän­ger­te Es­ka­la­ti­on der Dis­kus­si­on recht­fer­ti­gen könn­te. Zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen ist »Mum­bai« der of­fi­zi­el­le Na­me der Stadt (und soll­te dar­um nach Mög­lich­keit prä­fe­riert wer­den). Wenn je­doch wei­ter­hin der al­te Na­me Ver­wen­dung fin­det, dann ist das nicht der Un­ter­gang des Mor­gen­lan­des.

  11. Na­tür­lich wer­den hier we­ni­ger Leu­te vor­bei­schau­en, denn es gab vie­le Klicks auf­grund der Kom­men­ta­re (von den drei, vier Ver­lin­kun­gen in Nig­ge­mei­ers Blog erst gar nicht zu re­den). Da ich die­ses Blog je­doch vor­aus­sicht­lich eh lang­sam aus­lau­fen las­sen wer­de (die Zahl der re­gel­mä­ssi­gen Le­ser ist sehr, sehr über­sicht­lich), neh­me ich das hin.

    Und na­tür­lich geht von Bom­bay statt Mum­bai nicht das Mor­gen­land un­ter. Sei­ne Re­ak­ti­on zeigt al­ler­dings, was er von den Kom­men­ta­ren (und Kom­men­ta­to­ren) letzt­lich hält. Na­tür­lich kann ei­nem die­ses The­ma lang­wei­len, aber ob Cem Öz­de­mir nun ein Hand­tuch in der Sau­na trägt und dies von ei­ner Nach­rich­ten­agen­tur kor­ri­giert wird oder nicht – das fin­de ich ver­gleich­wei­se noch un­sin­ni­ger. Ich se­he na­tür­lich ein, dass SN sei­nen Blog im­mer wei­ter füt­tern muss (jetzt hat er noch ei­nen mehr), und da kann man nicht stän­dig auf ho­hem Ni­veau agie­ren.

    Ent­schei­dend war für mich sein Kom­men­tar ei­nen Tag spä­ter. Aber las­sen wir das.

  12. Ja, der zwei­te Kom­men­tar von Ste­fan ...
    hat ge­ses­sen. Ich kann vie­les in die­sem Post nach­voll­zie­hen, auch wenn es – mit Ver­laub – ein we­nig ein­ge­schnappt klingt. Ich bin auch ein we­nig an­ge­fres­sen, fin­de aber der Satz mit der Mark, der wirk­lich schla­gend ist, geht ne­ben »So ein tol­ler Recht­ha­ber ...« lei­der un­ter.

  13. Ich ge­be so­fort zu, dass mir so ein Text à la »Li­sas Welt« si­cher­lich nicht un­be­dingt liegt. Und das mit dem »ein­ge­schnappt« kon­zi­die­re ich auch. Aber Nig­ge­mier ist seit heu­te F.A.Z.-Blogger, hat ein »schö­nes« Gruß­wort von Po­cher be­kom­men und regt sich über die ARD-Brenn­punk­te auf.

    Kann es sein, dass mehr Text bzw. mehr Blogs nicht un­be­dingt ein mehr an Qua­li­tät be­deu­tet?

  14. Un­sor­tier­te Ge­dan­ken zum Kom­men­tie­ren auf Blogs (stark sub­jek­tiv)
    Es gibt im we­sent­li­chen drei Grün­de, war­um man ich auf Blogs/in Fo­ren kommentier(t)e.

    1. Man hat zum The­ma et­was zu er­gän­zen und/oder zu wi­der­spre­chen.
    2. Man hat in den Kom­men­ta­ren et­was zu er­gän­zen und/oder zu wi­der­spre­chen.
    3. Man kann (a) sei­ne Rhe­to­rik schu­len, (b) sei­ne Ar­gu­men­te über­prü­fen, (c) et­was ler­nen und – ggf. – d) noch zu­sätz­lich für sei­nen Blog/Forum wer­ben.

    Hat man nicht das Be­dürf­nis zu trol­len, er­for­dert das al­les ei­nen ge­wis­sen Zeit­auf­wand, der durch ei­nen (ima­gi­nä­ren) Mehr­wert auf­ge­wo­gen wird (die Kom­men­ta­re wer­den ja nicht ver­gü­tet). Die­ser Mehr­wert zeigt sich in Punkt 3. Die Punk­te 1 und 2 tra­gen zur Ver­voll­stän­di­gung des Bei­tra­ges bzw. des Blogs/Forums bei und he­ben sei­ne Re­pu­ta­ti­on, in dem sie ei­ne ge­wis­se Dis­kus­si­ons­kul­tur kon­sti­tu­ie­ren. Vor- und Nach­teil bei Blogs wie stefan-niggemeier.de ist, dass über das rein fach­li­che und sach­li­che ei­ne Art Com­mu­ni­ty-Ge­fühl auf­kommt, das ei­ner­seits aus­gren­zend wir­ken kann (An­ders­den­ken­de wer­den be­reit­wil­lig und schnell als »Troll« be­zeich­net), an­de­rer­seits das Kom­men­tie­ren ir­gend­wann zum Selbst­zweck kom­men lässt. Das ha­be ich zu­min­dest bei mir fest­ge­stellt – man kom­men­tiert dann ein­fach, weil man sich »be­fragt« fühlt. Das ist aber ei­gent­lich nicht gut, weil es höch­stens 3d be­dient.

    Bei Dis­ku­tan­ten wie bspw. »kurt« kann man, wenn man das Dis­kus­si­ons­prin­zip erst ein­mal durch­schaut hat (hier und hier), nichts mehr ler­nen. Es ist mir ein Rät­sel, war­um die­se Dis­kus­si­on nicht längst ge­schlos­sen wur­de, da sie Kom­men­tie­rer um Kom­men­tie­rer »ver­brennt«. Das Pro­blem hier ist, dass die Ebe­ne der Me­di­en­kri­tik längst ver­las­sen wur­de und in ei­ne bzw. meh­re­re sach­li­che Ebe­nen über­führt wur­de. Die Tat­sa­che, dass der Grü­ne Cem Öz­de­mir et­was, was ihn in den Mund ge­legt wur­de, nicht ge­sagt hat, wur­de längst zu Gun­sten von Is­lam­kri­tik, Ar­gu­men­ta­ti­ons­tech­nik, west­li­chen Wer­ten und Ge­set­zen der Phy­sik auf­ge­ge­ben.

    Ich ha­be die­se Ver­schie­bun­gen in­ner­halb der Dis­kus­si­on im­mer als pro­ble­ma­tisch emp­fun­den, ob­wohl ich na­tür­lich sel­ber flei­ssig dar­an be­tei­ligt war und mit­ge­macht ha­be. Hier wür­de ich je­den Ord­nungs­ruf ver­ste­hen. Auf Dau­er ist das näm­lich höchst un­er­quick­lich, da man ent­we­der mit sei­ten­lan­gen Ela­bo­ra­ten zu­rück­ant­wor­ten müss­te oder ein­fach den Dis­kurs auf­gibt, was vie­len aber als Ka­pi­tu­la­ti­on vor­kommt. Un­säg­lich fand ich die Dis­kus­si­on, die sich auf­grund des Vi­de­os von Tom Crui­se ein­stell­te. Nig­ge­mei­er hat­te nur die­ses Vi­deo ein­ge­stellt – und es gab über 1200 Kom­men­ta­re. Der me­di­en­kri­ti­sche As­pekt er­schliesst sich mir bis heu­te nicht.

    Nig­ge­mei­ers frei­mü­ti­ges Be­kennt­nis zur Am­bi­va­lenz von Kom­men­ta­ren ist für mich durch­aus ver­ständ­lich. Aber war­um ver­sucht er dann nicht die­se zu be­gren­zen und Hür­den ein­zu­bau­en? Denn Fakt ist, dass je­der in ei­ner Mi­nu­te bei ihm kom­men­tie­ren kann. Der Vor­teil ist, dass es ei­ne Men­ge in­ter­es­san­ter Spon­tan­kom­men­ta­re gibt – der Nach­teil ist aber (ne­ben des Troll­ef­fekts), dass die re­gel­mä­ssi­ge Kom­men­tie­rer in der Re­gel mit dop­pelt an­ony­men Kom­men­tie­rer zu tun ha­ben (ver­wei­sen die Pseud­ony­me auf ei­ne Web­sei­te oder ei­nen Blog, kann man ei­ne ge­wis­se Ein­schät­zung vor­neh­men). Mit »an­onym« mei­ne ich al­so nicht, dass der Kom­men­tie­rer mit Pseud­onym schreibt (das ma­che ich ja auch), son­dern dass er un­ter Um­stän­den Nig­ge­mei­er nicht be­kannt ist (fal­sche Mail­adres­se) und/oder – das ist wich­ti­ger – nicht ein­zu­ord­nen ist, wenn er oh­ne jeg­li­chen Be­zug (auf ei­nen Blog bspw. schreibt. In­ter­es­sant ist, dass sehr vie­le re­gel­mä­ssi­ge Kom­men­tie­rer oh­ne Blog schrei­ben (de­ren Stil und An­schau­un­gen be­kommt man recht schnell mit), aber sehr vie­le sind eben spo­ra­di­sche »Auf­mi­scher«, wo­bei man sich dann schon ein­mal fragt, war­um man dar­auf ant­wor­ten soll. Frei­lich: Man muss es ja nicht, aber an­de­rer­seits ist viel­leicht ge­ra­de ei­ne Dis­kus­si­on im Gang, und dann greift Punkt 2.

    Ein we­sent­li­ches Ele­ment für mich ist die Zeit. Ein Kom­men­tar – ge­ra­de bei je­man­den wie Nig­ge­mei­er, der enor­me Zu­griffs­zah­len hat (im Ver­gleich zu an­de­ren Blogs) – muss wohl be­grün­det und for­mu­liert sein, da er sonst in Win­des­ei­le »zer­pflückt« wür­de. Hier­für re­cher­chiert man noch ein­mal kurz nach, ver­sucht ei­nen Link als Be­leg für ein Ar­gu­ment zu brin­gen (manch­mal fin­det sich nichts, dann lässt man’s sein) und kratzt sei­ne paar Par­ti­kel Höf­lich­keit zu­sam­men. Und das al­les – sie­he oben – für 3.

    Ich ha­be oft ge­schrie­ben: Wenn der Haus­herr mei­ne Kom­men­ta­re nicht mehr wünscht, ge­nügt ein Wort. Es wa­ren mehr als ei­nes. Ich ha­be jetzt wie­der mehr Zeit (hät­te al­ler­dings bei den letz­ten vier, fünf The­men Nig­ge­mei­ers auch nichts zu sa­gen ge­habt [die Deu­tung ei­ner »Bild«-Schlagzeile ha­be ich zu­letzt in der Schu­le mal ge­macht]), und das ist doch auch was.

  15. Du ver­gisst den emo­tio­na­len As­pekt: Es macht Freu­de bzw. Spass, und ei­ne gan­ze Pa­let­te wei­ter Ge­füh­le (Ver­bun­den­heit, Ge­mein­sam­keit etc.) spielt ei­ne Rol­le, ge­ra­de wenn man sein Ge­gen­über schon et­was län­ger kennt bzw. die ei­ne, oder an­de­re per­sön­li­che Nu­an­ce. Au­ßer­dem ist die­se Ebe­ne in den Tex­ten (egal ob Aus­gangs­text, oder Kom­men­tar) ge­nau­so prä­sent (vor al­lem in »li­te­ra­ri­schen«).

  16. Ja, das stimmt. Bei SN kann­te ich al­ler­dings nie­man­den – au­sser über die Kom­men­ta­re. Das hat den Vor­teil, dass ei­ne ge­wis­se Di­stanz bei­be­hal­ten wird.

  17. @Gregor Keu­sch­nig

    »Bei SN kann­te ich al­ler­dings nie­man­den – au­sser über die Kom­men­ta­re.«

    Na­ja, wenn ich ein­mal ganz un­be­schei­den sein darf, ge­hö­re ich doch zu je­nen, die über SN auf Sie ge­sto­ßen sind. In­zwi­schen le­se ich re­gel­mä­ßig bei Ih­nen, kom­men­tie­re im­mer­hin ge­le­gent­lich (näm­lich dann, wenn ich glau­be, et­was bei­tra­gen zu kön­nen) und tau­sche hin und wie­der Ge­dan­ken und auch Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten mit Ih­nen aus.

    Und bei al­ler Di­stanz, wir sind uns doch auch nä­her ge­kom­men? Oder et­wa nicht?

    Ich wie­der­ho­le mei­ne The­se: Sie neh­men die Sa­che mit Nig­ge­mei­er zu per­sön­lich und un­ter­schät­zen da­durch ku­rio­ser­wei­se das, was Sie auch per­sön­lich bei (und auch durch) Nig­ge­mei­er ge­win­nen. Denn um Nig­ge­mei­er geht es beim Kom­men­tie­ren bei Ihm eben nur am Ran­de. Oder an­ders for­mu­liert, Sie und an­de­re ver­lie­ren durch die­se däm­li­che Ge­schich­te mehr als Nig­ge­mei­er. Und das ist scha­de. Sehr.

  18. @Peter Vieh­rig
    Ich war un­prä­zi­se: Ich mein­te, dass ich nie­man­den bei SN »re­al« kann­te; die Kon­tak­te, die es gab und gibt, »be­schränk­ten« sich auf die Kom­men­ta­re an sich und – in we­ni­gen Fäl­len – auf Mails (bis auf un­ser Te­le­fo­nat).

    Ich bin im­mer ein biss­chen ge­spal­ten: Ei­ner­seits hat man ei­ne an­de­re Ein­stel­lung den Leu­ten ge­gen­über, mit de­nen man schon mal ein Bier oder ei­nen Wein ge­trun­ken hat, an­de­rer­seits mag ich auch die Di­stanz, die vor all­zu schnel­lem »Kum­peltum« (wel­ches u. U. auch aus­schlie­ssend wir­ken kann) schützt.

    Ab­schlie­ssend zu die­sem Fall: Ich weiss nicht, wie SNs Wort­wahl an­ders als per­sön­lich (ne­ben der sach­li­chen Kom­po­nen­te: ‘das The­ma ist al­bern’) zu neh­men ist – auch (und vor al­lem) sein Kom­men­tar ei­nen Tag spä­ter. Mei­nen Ge­winn der Kom­men­tie­re­rei ha­be ich ver­sucht in Punkt 3 her­aus­zu­stel­len. Ich be­strei­te das ja gar nicht. Es war al­ler­dings auch ein nicht un­be­trächt­li­cher Zeit­auf­wand und wenn man ehr­lich ist, wa­ren nur die we­nig­sten Sa­chen von mir wirk­lich für die je­wei­li­ge Dis­kus­si­on ziel­füh­rend. Das mei­ste führ­te eher vom Ge­gen­stand weg oder war »bes­ser­wis­se­risch« (ins­be­son­de­re was Punkt 2 mei­nes Kom­men­tars von oeben an­geht).

  19. Ich bin im­mer ein biss­chen ge­spal­ten: Ei­ner­seits hat man ei­ne an­de­re Ein­stel­lung den Leu­ten ge­gen­über, mit de­nen man schon mal ein Bier oder ei­nen Wein ge­trun­ken hat, an­de­rer­seits mag ich auch die Di­stanz, die vor all­zu schnel­lem »Kum­peltum« (wel­ches u. U. auch aus­schlie­ssend wir­ken kann) schützt.

    Ich ha­be (bei mir selbst) den Ein­druck, dass die­se Di­stanz im Netz sehr schnell ver­schwin­den kann, und ich mei­ne das nicht im tri­via­len Sinn. Das vir­tu­el­le ist dem rea­len Ge­spräch mit­un­ter sehr ähn­lich: Dort wo es »ernst« und ehr­lich ist, wo sich ei­ne ge­mein­sa­me Su­che ent­wickelt, wo man sich dem an­de­ren ver­ste­hend nä­hert und um­ge­kehrt; wo Fra­gen kei­ne blo­ße Rhe­to­rik sind und Ge­gen­sei­tig­keit vor­han­den ist, da ist man auch be­reit per­sön­lich An­sich­ten preis zu­ge­ben, die man nor­ma­ler­wei­se nicht oh­ne wei­te­res von sich gibt.

    Zu­ge­ge­ben: Auf Blogs wie dem von SN wird sich das viel­leicht nicht er­ge­ben, da­zu ist er zu öf­fent­lich, selbst wenn man un­ter dem Schutz von Pseud­ony­men steht.

  20. ?
    Zi­tat: »Das mei­ste führ­te eher vom Ge­gen­stand weg oder war »bes­ser­wis­se­risch« (ins­be­son­de­re was Punkt 2 mei­nes Kom­men­tars von oeben an­geht).«

    Ist das ehr­lich oder ko­ket­tie­rend?

  21. Ein biss­chen bei­des. Aber eher ehr­lich.

    (Der Vor­wurf des »Bes­ser­wis­sers« haf­tet je­dem fast au­to­ma­tisch an, der et­was kor­ri­giert, weil er es – ver­meint­lich – bes­ser glaubt, zu wis­sen. Der­je­ni­ge, der den Vor­wurf er­hebt, spart sich da­mit die wei­te­re Aus­ein­an­der­set­zung. Ganz falsch muss es den­noch nicht sein.)