Lou­is Be­gley: Der Fall Drey­fus: Teu­fels­in­sel, Gu­an­tá­na­mo, Alp­traum der Ge­schich­te

Louis Begley: Der Fall Dreyfus: Teufelsinsel, Guantánamo, Alptraum

Lou­is Be­gley: Der Fall Drey­fus: Teu­fels­in­sel, Gu­an­tá­na­mo, Alp­traum

Im Pa­pier­korb des deut­schen Mi­li­tär­at­ta­chés Ma­xi­mil­li­an von Schwartzkop­pen fand die für den fran­zö­si­schen Ge­heim­dienst ar­bei­ten­de Putz­frau Ma­dame Ba­sti­an ein hand­schrift­lich ver­fass­tes Do­ku­ment, in dem ihm ei­ne nicht ge­nann­te Per­son die Über­ga­be ei­ner Schieß­vor­schrift der Feld­ar­til­le­rie und ei­ni­ge Auf­zeich­nun­gen über ein neu­es von den Fran­zo­sen ent­wickel­tes 120-Mil­li­me­ter-Ge­schütz so­wie In­for­ma­tio­nen über fran­zö­si­sche Trup­pen­po­si­tio­nen und Ver­än­de­run­gen in den Ar­til­le­rie­for­ma­tio­nen, au­ßer­dem Plä­ne zur In­va­si­on und Ko­lo­ni­sie­rung Ma­da­gas­kars be­stä­tig­te. Die­ses Do­ku­ment war mehr­fach zer­ris­sen wor­den, ein Schrift­stück auf dün­nem Pa­pier oh­ne Da­tum und Un­ter­schrift. Man nann­te es spä­ter ein­fach nur das Bor­de­reau.

Am 25. Ok­to­ber 1894 wur­de der fran­zö­si­sche Ar­til­le­rie­haupt­mann Al­fred Drey­fus (ge­bo­ren 1859, Ab­sol­vent der »Éco­le Po­ly­tech­ni­ques« und der re­nom­mier­ten Kriegs­aka­de­mie »Éco­le Su­pé­ri­eu­re de Guer­re«) un­ter dem Ver­dacht des Lan­des­ver­rats ver­haf­tet. Drey­fus wur­de be­schul­digt, der Ver­fas­ser des Bor­de­reau zu sein; ein ober­fläch­li­cher Hand­schrif­ten­ver­gleich reich­te den An­klä­gern (Drey­fus war un­ter Vor­spie­ge­lung fal­scher Tat­sa­chen bei sei­ner Ver­haf­tung ge­be­ten wor­den, ein kur­zes Dik­tat auf­zu­neh­men). Daß es meh­re­re se­riö­se Gra­pho­lo­gen gab, die zwi­schen Drey­fus’ Hand­schrift und der des Bor­de­reau kei­ne Über­ein­stim­mung fest­stell­ten, wur­de igno­riert.

Ma­ni­pu­la­tio­nen und Lü­gen

Was nun ge­schah, ent­wickel­te sich zur so­ge­nann­ten Drey­fus-Af­fä­re, die Frank­reich (und Eu­ro­pa) am En­de des 19. Jahr­hun­derts be­schäf­tig­te, er­reg­te und spal­te­te. Da das Be­weis­stück letzt­lich nicht sehr aus­sa­ge­kräf­tig war, wur­den zu­sätz­li­che »Be­wei­se« ge­fälscht, die im Straf­ver­fah­ren ge­gen Drey­fus schlech­ter­dings aus Grün­den der Lan­des­si­cher­heit nicht prä­sen­tiert wur­den. Ent­la­sten­des wur­de nicht er­mit­telt. So igno­rier­te man, daß Drey­fus, der sehr ver­mö­gend war, gar kein Mo­tiv hat­te.

Der fran­zö­si­sche Di­plo­mat und Pro­zeß­be­ob­ach­ter Mau­rice Pa­léo­lo­gue nann­te die An­kla­ge­dos­siers, die über die Jah­re mit im­mer wei­te­ren Fäl­schun­gen Vor­wür­fe ge­gen Drey­fus be­le­gen soll­ten, ein Ge­misch aus »apo­kry­phen oder ma­ni­pu­lier­ten Do­ku­men­ten, un­zu­ver­läs­si­gen Über­set­zun­gen, ver­bo­ge­nen Zeu­gen­aus­sa­gen, tö­rich­tem oder er­lo­ge­nem Kitsch, will­kür­lich zu­sam­men­ge­kleb­ten Pa­pier­schnip­seln, so si­byl­li­nisch, daß man al­les hin­ein­le­sen kann, was man möch­te« und »be­lang­lo­sen No­ti­zen, in de­nen man ei­ne tief­grün­di­ge, kab­ba­li­sti­sche Be­deu­tung ent­deckt«.

Trotz­dem wur­de Drey­fus am 22. De­zem­ber 1894 von ei­nem Mi­li­tär­ge­richt ein­stim­mig schul­dig ge­spro­chen und zu mi­li­tä­ri­scher De­gra­die­rung, De­por­ta­ti­on und le­bens­läng­li­cher Haft an ei­nem be­fe­stig­ten Ort ver­ur­teilt. Es wur­de so­gar ei­ne ei­ge­ne »Lex Drey­fus« ge­schaf­fen, die es er­mög­lich­te, Drey­fus als Ein­zel­häft­ling auf ei­ner In­sel vor der Kü­ste Fran­zö­sisch Gua­ya­nas, der Teu­fels­in­sel, zu de­por­tie­ren (nor­ma­ler­wei­se wur­den Ge­fan­ge­ne nach Neu­ka­le­do­ni­en be­för­dert). Die Haft­be­din­gun­gen wa­ren ent­setz­lich. So durf­te Drey­fus mit nie­man­dem au­ßer ei­nem spo­ra­disch vor­bei­kom­men­den Mi­li­tär­arzt und dem »Ge­fäng­nis­di­rek­tor« spre­chen, war in ei­ner drei­ein­halb mal drei­ein­halb Me­ter große[n] Stein­zel­le ein­ge­sperrt, die der brü­ten­den Son­ne aus­ge­setzt war, aber Drey­fus durf­te sich nicht mit Was­ser ab­küh­len. Schnell litt er an Tro­pen­krank­hei­ten wie Ma­la­ria (dau­er­haf­te ge­sund­heit­li­che Be­ein­träch­ti­gun­gen bis ans En­de des Le­bens soll­ten die Fol­ge sein). Die sa­ni­tä­ren Ver­hält­nis­se wa­ren ei­ne Ka­ta­stro­phe; die Gän­ge­lun­gen zahl­reich.

Vi­ru­len­ter An­ti­se­mi­tis­mus und das Ver­sa­gen der Staats­ge­walt

Der ame­ri­ka­ni­sche Schrift­stel­ler Lou­is Be­gley hat sich in sei­nem neu­en Buch der Drey­fus-Af­fä­re an­ge­nom­men. De­tail­liert und kennt­nis­reich be­rich­tet er über den Fall, die In­tri­gen in der fran­zö­si­schen Ar­mee, ins­be­son­de­re im Ge­ne­ral­stab, den selt­sa­men Ehr- und Loya­li­täts­vor­stel­lun­gen (de­nen auch Drey­fus sel­ber an­hing; aus­führ­lich wird ge­schil­dert, wie er­nied­ri­gend für den im­mer noch ar­mee-loya­len Drey­fus die De­gra­die­rung war), den per­sön­li­chen Ei­tel­kei­ten der Prot­ago­ni­sten, dem Op­por­tu­nis­mus der teil­wei­se ver­kom­me­nen po­li­ti­schen Klas­se und der »fei­nen« Ge­sell­schaft, dem ver­bre­che­ri­schen Han­deln und Ver­tu­schen der­je­ni­gen, die un­be­dingt an den »Ju­den« als Schul­di­gen fest­hiel­ten, über Drey­fu­sards (Leu­te, die an Drey­fus’ Un­schuld glaub­ten) und de­ren De­nun­zia­tio­nen als Mit­glie­der ei­nes omi­nö­sen »Syn­di­kats« – und na­tür­lich die an­ti­se­mi­ti­schen und na­tio­na­li­sti­schen Kräf­te, die, ein­fluss­reich und mäch­tig, an ober­sten Po­si­tio­nen sehr lan­ge die öf­fent­li­che Mei­nung be­stimm­ten, ma­ni­pu­lier­ten und ei­ne auf­ge­la­de­nen An­ti-Drey­fus-Stim­mung er­zeug­ten, die dann in ei­ne im­mer of­fe­ne­re und ge­fähr­li­che ju­den­feind­li­che Het­ze über­ging, was ver­blüf­fen­der­wei­se da­zu führ­te, daß die fran­zö­si­schen Ju­den den Fall ba­ga­tel­li­sier­ten oder ver­ges­sen woll­ten (hier­in sieht Be­gley ei­ne Par­al­le­le zum Ver­hal­ten der Ju­den ins­be­son­de­re in Deutsch­land wäh­rend der Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus).

Bei­spiels­wei­se hät­te man leicht er­mit­teln kön­nen, daß nicht Drey­fus der Ver­rä­ter war, son­dern ein ge­wis­ser Fer­di­nand Wal­sin-Ester­házy, ein amo­ra­li­scher So­zio­path und un­ver­bes­ser­li­cher Lüg­ner und In­tri­gant, aber nicht oh­ne Witz und Ver­stand, der zu­dem noch chro­nisch ver­schul­det war. Als Drey­fus’ Bru­der Ma­thieu 1897 Ester­házy als den tat­säch­li­chen Ver­fas­ser des Bor­de­reau an­ge­zeigt hat­te, wur­de die­ser nach kur­zem Pro­zess frei­ge­spro­chen. Es durf­te ein­fach nicht sein, daß Drey­fus nicht schul­dig war. War es nun so, daß ei­ne be­stimm­te Kli­en­tel an ei­ner kor­rek­ten Auf­klä­rung des Lan­des­ver­rats nicht in­ter­es­siert war, weil sie um ihr ei­ge­nes Wohl und An­se­hen fürch­te­te? Be­gley zieht dies durch­aus in Be­tracht und ver­wirft es nicht voll­kom­men, ob­wohl er den zen­tra­len Grund für die Es­ka­la­ti­on der Af­fä­re im vi­ru­len­ten fran­zö­si­schen An­ti­se­mi­tis­mus des aus­ge­hen­den 19. Jahr­hun­derts sieht, der weit über die tra­di­tio­nel­le Ju­den­feind­lich­keit der christ­li­chen Kir­chen hin­aus­ging (ob­schon es durch­aus auch An­ti­se­mi­ten un­ter den Drey­fu­sards gab).

1791 wur­den in Frank­reich per De­kret die Bür­ger­rech­te »für al­le Men­schen, die den Bür­gereid lei­sten und sich ver­pflich­ten, al­le von der Ver­fas­sung auf­er­leg­ten Auf­ga­ben zu er­fül­len…« [ein­ge­führt]. Fran­zö­si­sche Ju­den be­grüß­ten die Neue­rung mit Ju­bel und ström­ten in Massen zu den Groß­ver­an­stal­tun­gen der Ver­ei­di­gun­gen. Frank­reich war da­mit sehr fort­schritt­lich; die an­de­ren eu­ro­päi­schen Län­der folg­ten teil­wei­se erst Jahr­zehn­te spä­ter mit ähn­li­chen Schrit­ten. Die Men­schen der re­la­tiv klei­nen Ge­mein­de fran­zö­si­scher Ju­den (um 1900 schätz­te man 86.000 Ju­den bei ins­ge­samt 39 Mil­lio­nen Ein­woh­nern Frank­reichs) re­üs­sier­ten schnell und brach­ten her­aus­ra­gen­de Per­sön­lich­kei­ten, ins­be­son­de­re im Wirt­schafts- und Fi­nanz­we­sen, aber auch in Künst­ler- und Ge­lehr­ten­krei­sen her­vor. In der jahr­tau­sen­de­al­ten jü­di­sche Bil­dungs­tra­di­ti­on und der rück­halt­lo­sen und loya­len As­si­mi­la­ti­on sieht Be­gley die Grün­de. Drey­fus’ Fa­mi­li­en­ge­schich­te wird ex­em­pla­risch für den stei­len Auf­stieg in nur zwei Ge­nera­tio­nen aus­ge­führt. Und auch die Ar­mee stand jetzt for­mal Ju­den of­fen – nicht mehr die Her­kunft, son­dern die Lei­stung zähl­te. Im re­stau­ra­ti­ven Den­ken des fran­zö­si­schen Of­fi­ziers­korps galt dies je­doch als un­se­li­ge Ano­ma­lie. Ju­den wa­ren, so die weit ver­brei­te­te Mei­nung, kei­ne ech­ten Fran­zo­sen.

Die Ar­mee ge­noß im­mer noch ein ho­hes An­se­hen, »das So­zi­al­pre­sti­ge ei­nes Of­fi­ziers« war trotz des eher küm­mer­li­chen Solds »ganz ein­zig­ar­tig« (De Gaul­le). Die po­li­ti­sche Klas­se Frank­reichs war durch di­ver­se Kor­rup­ti­ons­af­fä­ren mehr mit sich sel­ber be­schäf­tigt; das Ver­trau­en der Be­völ­ke­rung in die Po­li­ti­ker ge­ring. So wur­de dem an­ti­se­mi­ti­schen Un­geist nichts ent­ge­gen­ge­setzt bzw. die Au­to­ri­tät der Po­li­tik war äu­ßerst ge­ring. Hier ent­deckt nicht nur Be­gley das Pro­blem, wel­ches in der Drey­fus-Af­fä­re ei­nen trau­ri­gen Hö­he­punkt er­reich­te: Drey­fus war zwar ein lei­stungs­star­ker Of­fi­zier mit be­sten Zeug­nis­sen und Re­fe­ren­zen (le­dig­lich sei­ne Stim­me wur­de als un­mi­li­tä­risch wahr­ge­nom­men) – aber er galt ob sei­ner jü­di­schen Her­kunft in­ner­halb der Ar­mee (auch bzw. ins­be­son­de­re im Ge­ne­ral­stab) als Au­ßen­sei­ter und wur­de in dem Mo­ment, als ei­ne neu­tra­le Sicht auf ihn und sein Han­deln er­for­der­lich ge­we­sen wä­re, wie ein Aus­sät­zi­ger be­han­delt.

Aber Be­gley geht über den Drey­fus-Fall hin­aus. Nicht nur im Vor­wort, son­dern an drei an­de­ren Stel­len im Buch wech­selt er über­gangs­los Zeit und Ort und stellt Par­al­le­len mit dem so­ge­nann­ten »Krieg ge­gen den Ter­ror« der Bus­h/Che­ney-Ad­mi­ni­stra­ti­on an. Die­se Ana­lo­gi­en sind spar­sam ge­setzt aber sehr di­rekt und tref­fen ins Mark.

Die Teu­fels­in­sel als Ar­che­typ für Gu­an­tá­na­mo

Hier wie dort wird die An­ge­le­gen­heit dank ent­spre­chen­der Mas­sen­me­di­en schnell zu ei­ner Fra­ge der Si­cher­heit des Staa­tes hoch­sti­li­siert (ne­ben­bei wird deut­lich, daß die quan­ti­ta­ti­ve Er­wei­te­rung der Mas­sen­me­di­en, wie bspw. Ra­dio und Fern­se­hen, die es im Frank­reich des 19. Jahr­hun­dert noch nicht gab, nicht au­to­ma­tisch ei­ne qua­li­ta­ti­ve Ver­bes­se­rung der In­hal­te zur Fol­ge ha­ben muß). Das bis­he­ri­ge Zu­sam­men­le­ben der Ge­sell­schaft wird als un­mit­tel­bar ge­fähr­det dar­ge­stellt. Da­her er­fährt der (bzw. die) Schuldige(n) ei­ne Stig­ma­ti­sie­rung, die weit über die nor­ma­le Rol­le ei­nes An­ge­klag­ten ei­nes Straf­ver­fah­rens hin­aus­geht. Si­cher­stes Zei­chen sind die für den je­wei­li­gen Fall neu er­las­se­nen Ge­set­ze, die gül­ti­ge und schein­bar längst si­che­re und für al­le ver­bind­li­che Rechts­nor­men für ei­ne be­stimm­te Grup­pe plötz­lich auf­hebt.

Statt ei­ne de­es­ka­lie­ren­de und be­ru­hi­gen­de Rol­le zu über­neh­men, ver­fällt die po­li­ti­sche Klas­se schnell in ei­nen alar­mi­sti­schen Ak­tio­nis­mus, der mit al­len Mit­teln – auch de­nen der be­wuß­ten Lü­ge und Falsch­in­for­ma­ti­on – be­trie­ben wird. Es ent­steht ei­ne ge­fähr­li­che Mi­schung zwi­schen »Vol­kes Stim­me«, der zum Han­deln ge­zwun­ge­nen Staats­macht und Mas­sen­me­di­en, die sich plötz­lich als Sprach­rohr der Mehr­heits­mei­nung ge­riert. Es zeigt sich: Un­ter­drückung und Un­ge­rech­tig­keit su­chen sich im­mer wie­der die glei­chen Op­fer: Au­ßen­sei­ter und Min­der­hei­ten, die Ab­nei­gung und Miss­trau­en wecken. In ih­rem Fall ist »die Schuld im­mer zwei­fel­los«. Das war der Grund­satz des Of­fi­ziers in Kaf­kas ‘Straf­ko­lo­nie’, und die Bush-Re­gie­rung ver­fuhr mit den Ge­fan­ge­nen, die sie im Zu­ge des Kriegs ge­gen den Ter­ror ge­macht hat­te, nach ei­nem sehr ähn­li­chen Prin­zip.

Be­gley sieht durch­aus Par­al­le­len im Frank­reich des aus­ge­hen­den 19. Jahr­hun­derts und den USA im Jahr 2001 (und, fast »ne­ben­bei«, auch im Jahr 2003, als es um die Recht­fer­ti­gung zum Irak­krieg geht). Frank­reich war durch die Nie­der­la­ge im deutsch-fran­zö­si­schen Krieg von 1870/71 (es gibt ei­nen aus­führ­li­chen Ex­kurs hier­über im Buch) ge­de­mü­tigt wor­den, muß­te ho­he Re­pa­ra­ti­ons­zah­lun­gen lei­sten und zwei Pro­vin­zen an Deutsch­land ab­tre­ten (Drey­fus’ Fa­mi­lie stammt aus El­saß-Loth­rin­gen; die Kom­bi­na­ti­on ‘El­säs­ser und Ju­de’ im Fall von Drey­fus er­wähnt Be­gley nur am Ran­de). Auch die USA wur­de durch den er­sten An­griff auf ame­ri­ka­ni­schem Bo­den seit Pearl Har­bor ge­de­mü­tigt. In bei­den Fäl­len han­de­le es sich um ein ein­schnei­den­des na­tio­na­les Trau­ma. Die Bus­h/Che­ney-Ad­mi­ni­stra­ti­on nutz­te die Ter­ror­an­schlä­ge als Le­gi­ti­ma­ti­on da­für, in den USA alar­mie­ren­de Ris­se in die Herr­schaft des Ge­set­zes zu spren­gen, wäh­rend re­stau­ra­ti­ven Kräf­ten im Frank­reich des 19. Jahr­hun­derts die Drey­fus-Af­fä­re als will­kom­me­ne Ge­le­gen­heit dien­te, ge­sell­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen auf­zu­hal­ten.

Par­al­le­len zum An­ti­se­mi­tis­mus des 19. Jahr­hun­derts

Vor die­sem Hin­ter­grund sind die hy­ste­ri­schen Af­fek­te zu er­klä­ren, die in der Be­völ­ke­rung die min­de­stens still­schwei­gen­de Zu­stim­mung zur Aus­he­be­lung ele­men­ta­rer Rechts­prin­zi­pi­en be­wirk­te. Die Teu­fels­in­sel von Drey­fus wird zum Ar­che­typ von Gu­an­tá­na­mo. Aber Be­gley geht noch wei­ter: Der [ame­ri­ka­ni­schen] Öf­fent­lich­keit fiel es of­fen­bar leicht, zu glau­ben, wer in Gu­an­tá­na­mo sei, wer­de schon mit gu­tem Grund dort sein. Ge­nau­so, wie vie­le Men­schen in Frank­reich oh­ne Mü­he glau­ben konn­ten, Drey­fus sei Ver­rä­ter, weil er Ju­de war, hat­ten vie­le Ame­ri­ka­ner kei­ne Mü­he, die Häft­lin­ge und Gu­an­tá­na­mo und in den CIA-Ge­fäng­nis­sen schon des­halb für Ter­ro­ri­sten zu hal­ten, weil sie Mus­li­me sind.

Be­gley sug­ge­riert, daß der von der Bus­h/Che­ney-Ad­mi­ni­stra­ti­on in­sze­nier­te An­ti-Ter­ro­ris­mus-Kampf Zü­ge des fran­zö­si­schen An­ti­se­mi­tis­mus des aus­ge­hen­den 19. Jahr­hun­derts trägt (am En­de zeigt Be­gley in ei­ner be­mer­kens­wer­ten klei­nen Stu­die von Mar­cel Prousts »Re­cher­che«, wie der An­ti­se­mi­tis­mus in der »bes­se­ren Ge­sell­schaft« Frank­reichs ein­ge­zo­gen war und wel­che Blü­ten er trieb). Prä­zi­siert man den Be­griff des An­ti­se­mi­tis­mus als Ju­den­feind­lich­keit, so könn­te man in An­be­tracht der Er­eig­nis­se nach dem 11. Sep­tem­ber von ei­ner vi­ru­len­ten Mus­lim­feind­lich­keit min­de­stens in den USA spre­chen.

Es wird skiz­ziert, daß die Par­al­le­len in der Ent­rech­tung der Ge­fan­ge­nen in den USA (er be­schränkt sich auf die USA und geht nicht auf an­de­re Staa­ten ein) mit der Ent­rech­tung ei­nes Al­fred Drey­fus ver­gleich­bar sind. So wur­de Drey­fus wie auch die An­ge­klag­ten von Gu­an­tá­na­mo vor ein Ge­richt ge­stellt, das in der Hand sei­ner An­klä­ger war. Hier wie dort wur­de auf der Grund­la­ge von ge­hei­mem Be­weis­ma­te­ri­al ver­ur­teilt, das we­der der bzw. die An­ge­klag­ten noch die Ver­tei­di­ger kann­ten. Bei­de Vor­ge­hens­wei­sen sind ei­nes Rechts­staats un­wür­dig. Gleich­zei­tig stellt Be­gley aber auch klar: Ver­gli­chen mit den Ver­bre­chen und Rechts­ver­let­zun­gen der ame­ri­ka­ni­schen Kriegs­füh­rung wir­ken die Rechts­brü­che de­ren sich der fran­zö­si­sche Ge­ne­ral­stab durch sei­ne er­bar­mungs­lo­se Straf­ver­fol­gung von Drey­fus schul­dig mach­te mi­ni­mal.

Zwar wur­de Drey­fus auch in Iso­la­ti­ons­haft ge­hal­ten und ihm es­sen­ti­el­le Rech­te ver­wehrt. Aber die Miss­hand­lung in Gu­an­taná­mo hat ei­ne an­de­re, schreck­li­che­re Di­men­si­on. So wer­den sie bei­spiels­wei­se durch wie­der­hol­te Trau­ma­ta in den Zu­stand »er­lern­ter Hilf­lo­sig­keit« ver­setzt, so daß ih­re Wil­lens­kraft und das Zu­trau­en, Kon­trol­le über die ei­ge­ne Welt zu ha­ben ver­lo­ren geht und sie nun voll­stän­dig ab­hän­gig von ih­ren Auf­se­hern wur­den. Be­gley scheut hier ei­nen dra­sti­schen Ver­gleich nicht: Mit die­ser Per­ver­tie­rung von Me­di­zin und Psy­cho­lo­gie zum Nut­zen der Fol­ter sind die Ver­ei­nig­ten Staa­ten in die Fuß­stap­fen Na­zi­deutsch­lands und So­wjet­ruß­lands ge­tre­ten.

Vom Hel­den­tum, doch zu blei­ben

Die­se Ur­tei­le pras­seln nach rund ei­nem Vier­tel des Bu­ches auf den Le­ser nie­der. Bis auf zwei Aus­nah­men (Sei­ten 132–134 und am Schluß) wid­met er sich dann der akri­bi­schen Schil­de­rung der Drey­fus-Af­fä­re samt sei­nen ju­ri­sti­schen Ver­äste­lun­gen (Be­gley als Rechts­an­walt ist für hier­für her­vor­ra­gend prä­de­sti­niert). Aber ir­gend­wie sucht der Le­ser im­mer auch ein biss­chen nach Par­al­le­len zu den ak­tu­el­len Um­stän­den – und wird tat­säch­lich bis­wei­len »fün­dig«. Das lenkt nicht von der Be­schäf­ti­gung mit dem Fall Drey­fus ab, son­dern er­wei­tert den Blick auf ei­ne frucht­ba­re Wei­se. Be­gley er­läu­tert nicht nur äu­ßerst an­schau­lich, kennt­nis­reich, mit kla­rer Spra­che, de­tail­liert aber nie er­mü­dend die zahl­rei­chen Ver­wick­lun­gen, son­dern ver­steht es auch, die so­zio-psy­cho­lo­gi­schen und me­dia­len Zu­sam­men­hän­ge auf­zu­zei­gen. Das Buch ist aus­ge­zeich­net über­setzt; es gibt als An­hang ei­ne zu­sam­men­fas­sen­de Chro­no­lo­gie der Er­eig­nis­se (Be­gley er­zählt zwar eben­falls chro­no­lo­gisch, es gibt aber im­mer wie­der hi­sto­ri­sche oder bio­gra­fi­sche Ein­schü­be) und ein klei­nes Ver­zeich­nis der Ak­teu­re (al­les be­zo­gen auf die Drey­fus-Af­fä­re).

Ob­wohl sich al­le Be­wei­se als ent­we­der ge­fälscht oder ein­fach nich­tig her­aus­stell­ten, wur­de Drey­fus im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren 1899 schul­dig un­ter mil­dern­den Um­stän­den zu ei­ner Haft­stra­fe von zehn Jah­ren ver­ur­teilt und kam erst nach ei­nem kom­pli­zier­ten Pro­ze­de­re durch die Be­gna­di­gung durch den Staats­prä­si­den­ten frei. Die for­ma­le Un­schuld und voll­stän­di­ge Re­ha­bi­li­ta­ti­on fand erst 1906 statt (er starb 1935). Drey­fus ging als Ma­jor zu­rück in die Ar­mee. Be­gley treibt die Fra­ge um, war­um er trotz der Er­eig­nis­se, der Ver­ach­tung und Ab­nei­gung, die ihm über all die Jah­re aus der Ar­mee ent­ge­gen­ge­schleu­dert wur­de den Rest sei­nes ak­ti­ven Le­bens in der Ge­sell­schaft von ih­res­glei­chen zu­brin­gen woll­te und zi­tiert als des Rät­sels Lö­sung ei­ne Be­mer­kung aus ei­nem Kaf­ka-Brief, als die­ser ei­nen ran­da­lie­ren­den an­ti­jü­di­schen Mob 1920 in Prag be­ob­ach­tet ein »Hel­den­tum« aus­macht, wel­ches dar­in be­steht »doch zu blei­ben«. Drey­fus klam­mer­te sich an den Platz, den er als sei­nen an­ge­se­hen ha­be, so Be­gley; die gu­te Nach­richt, das Ver­spre­chen war ein­fach zu ver­lockend.

Lou­is Be­gley ge­lingt es, den Le­ser in den Sog die­ser Ge­scheh­nis­se zu zie­hen und die Prot­ago­ni­sten, Schur­ken wie Licht­ge­stal­ten, le­ben­dig wer­den zu las­sen. Die Me­ta­mor­pho­se des Nach­rich­ten­bü­ro­chefs Ge­or­ge Pic­quart et­wa, der sel­ber Op­fer von Hass­ti­ra­den wird, die teil­wei­se noch von de­nen ge­gen Drey­fus über­trof­fen wer­den. Und na­tür­lich Zo­las Ein­tre­ten für Drey­fus, gip­felnd in sei­nem of­fe­nen Brief an den fran­zö­si­schen Mi­ni­ster­prä­si­den­ten von 1898 ‚»J’accuse«, ei­nem Mei­ster­werk po­li­ti­scher Li­te­ra­tur oder Jean Jaurès’ Ar­ti­kel­se­rie, eben­falls als of­fe­ner Brief, ge­rich­tet an den da­ma­li­gen fran­zö­si­schen Kriegs­mi­ni­ster Ca­vai­gnac, in dem er Punkt für Punkt die An­kla­ge­punk­te ge­gen Drey­fus zer­pflück­te. Und al­ler Un­ken­ru­fe zum Trotz und al­ler In­fil­tra­ti­on durch na­tio­na­li­sti­sche, ras­si­stisch und an­ti­se­mi­ti­sche Zei­tun­gen und Pu­bli­ka­tio­nen: die (links-)liberale Pres­se hat we­sent­lich zur Auf­klä­rung des Falls Drey­fus und zur Re­ha­bi­li­ta­ti­on des Of­fi­ziers bei­getra­gen.

Die­se Leu­te ha­ben, so Be­gley em­pha­tisch, die Eh­re der Na­ti­on ge­ret­tet. Auch hier der Ver­gleich mit den Jour­na­li­sten, An­wäl­ten und Mit­glie­dern der Bun­des­ge­rich­te, die sich ge­gen die Bush-Re­gie­rung stell­ten und sich für die Rech­te bei­spiels­wei­se der in Gu­an­tá­na­mo In­haf­tier­ten ein­setz­ten.

Das Vor­wort Be­gleys zu die­sem Buch trägt als Da­tum den 21. Ja­nu­ar 2009 – dem tag der In­au­gu­ra­ti­on von Ba­rack Oba­ma und die Hoff­nun­gen des Au­tors in die­sen neu­en Prä­si­den­ten sind im­mens. In­zwi­schen scheint es, daß Be­gleys dunk­le Pro­gno­se, daß die Ver­bre­chen der Bush-Re­gie­rung ei­nes nicht all­zu fer­nen Ta­ges un­ter dem Nar­ben­ge­we­be aus Schwei­gen und Gleich­gül­tig­keit ver­schwin­den könn­ten aus­ge­rech­net durch Ba­rack Oba­ma ein­ge­löst zu wer­den. Die gro­ßen Dra­men und Ro­ma­ne über die Zeit der Bush-Re­gie­rung, die das Land vor­über­ge­hend ei­ner Art Ge­hirn­wä­sche un­ter­zo­gen zu ha­ben schien, müs­sen noch ge­schrie­ben wer­den; viel­leicht von ei­ner an­de­ren Ge­nera­ti­on, weil die Aus­wir­kun­gen die­ser Po­li­tik im­mer noch in den All­tag hin­ein­ra­gen. Spä­te­stens hier hö­ren die Par­al­le­len der Drey­fus-Af­fä­re und dem »Kampf ge­gen den Ter­ror« auf: Es ist al­les ein biss­chen glo­ba­ler und ein biss­chen ek­li­ger ge­wor­den.

Aber der Mensch, das zeigt die­ses klu­ge Buch von Lou­is Be­gley, der Mensch ist ir­gend­wie im­mer noch der glei­che ge­blie­ben.


Die kur­siv ge­druck­ten Pas­sa­gen sind Zi­ta­te aus dem be­spro­che­nen Buch
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10 Kommentare zu »Lou­is Be­gley: Der Fall Drey­fus: Teu­fels­in­sel, Gu­an­tá­na­mo, Alp­traum der Ge­schich­te«:

  1. erz sagt:

    Ver­brei­tung die­ser Re­zen­si­on
    Ich ha­be mir er­laubt, die­se Re­zen­si­on bei Spree­blick an­zu­prei­sen, wo von Frédé­ric Va­lin ge­ra­de ei­ne et­was we­ni­ger ex­ten­si­ve Be­spre­chung des Bu­ches ver­öff­fent­licht hat und den Rück­be­zug auf die ak­tu­el­le ame­ri­ka­ni­sche Po­li­tik eher als Schwä­che denn als Ge­winn be­zeich­net.

    Das Fa­zit, dass al­les noch ek­li­ger (und glo­ba­ler) ge­wor­den sei, ist al­ler­dings zu­min­dest für den er­sten Teil recht mu­tig. Zieht Be­gley die­sen Schluss selbst, oder bleibt es dem Le­ser über­las­sen, sich ei­ne Mei­nung da­zu zu bil­den? Im­mer­hin schei­nen es mir doch nur die Mit­tel zur Re­pres­si­on, die sich im Lau­fe der Ge­schich­te än­dern. Und es wird zu je­dem Zeit­punkt im­mer das schlimmst­mög­lich ver­füg­ba­re ge­wählt von je­nen, die Re­pres­si­on als le­gi­tim er­ach­ten.

    #2

  2. Be­gley
    sug­ge­riert die­sen Schluss; er lässt dem Le­ser die Frei­heit, dies so zu se­hen. Er weist dar­auf­hin, dass im Ver­hält­nis Gu­an­tá­no­mo ./. Teu­fels­in­sel bei al­len Par­al­le­len so­wohl qua­li­ta­tiv als auch quan­ti­ta­tiv Un­ter­schie­de be­stehen.

    #3

  3. docke sagt:

    Ganz ne­ben­bei: Ha­waii – seit 1959 der 50.Bundesstaat – war zum Zeit­punkt des An­griffs auf Pearl Har­bor noch über­see­isches Ter­ri­to­ri­um der USA, ver­gleich­bar Pu­er­to Ri­co, Gu­am und – Gu­an­ta­na­mo Bay.

    Zu­fall oder an­spie­lungs­rei­ches Mar­ke­ting? Das Buch von Mu­rat Kur­naz über sei­ne Zeit in den Mi­li­tär­ker­kern von Kan­da­har und Gu­an­ta­na­mo hat den sel­ben Ti­tel wie Drey­fus’ nach sei­ner Frei­las­sung ver­öf­fent­lich­te Er­in­ne­run­gen: »Fünf Jah­re mei­nes Le­bens«.

    #4

  4. Der Ein­wand zu Ha­waii ist be­rech­tigt, wenn man auch sa­gen muß, daß Ha­waii schlicht­weg durch An­nek­ti­on als Ter­ri­to­ri­um der USA galt. So­mit ist die Emp­fin­dung, daß dort 1941 die USA an­ge­grif­fen wur­den, ver­ständ­lich.

    Zu Kur­naz’ Buch­ti­tel: Ich glau­be nicht, daß das ir­gend­et­was mit »Mar­ke­ting« zu tun hat, denn kaum je­mand dürf­te Drey­fus’ Bio­gra­fie und des­sen Ti­tel ken­nen. Und nur dann hät­te so­was Sinn.

    In­ter­es­sant ist es al­le­mal.

    #5

  5. lou-salome sagt:

    Na­tio­na­list, Lou­is Be­gley, Drey­fus
    Den Be­griff Na­tio­na­list ha­be ich nach Ih­rer Aus­sa­ge „nicht ge­nau zu wis­sen, was das ist“ ver­sucht, mir bes­ser zu er­schlie­ßen. In mei­nen Le­xi­ka ha­be ich „Na­tio­na­list“ nicht ge­fun­den, in Wi­ki­pe­dia ist er auf­ruf­bar ( nä­he­res sie­he dort).
    Und plötz­lich fiel mir Ih­re Re­zen­si­on zum Fall Drey­fus im Mai ’09 ein. Ich ha­be sie mir er­neut durch­ge­le­sen und nach­dem ich von Lou­is Be­gley die Ro­ma­ne „Schmidt“ und „Mist­lers Ab­schied“ vor Jah­ren schon ge­le­sen hat­te, bin ich jetzt ( et­was ver­spä­tet ) ab­so­lut neu­gie­rig, wie Be­gley die­se Re­por­ta­ge ( ich neh­me an, den In­halt die­ses Buch so be­nen­nen zu kön­nen) schreibt. Par­al­le­len wird es zu Dex­ter Fil­kins Schreib­stil und In­hal­ten wahr­schein­lich nicht ge­ben.

    #6

  6. Be­gleys Buch ist eher ein Es­say; wo­bei nach ge­nau­em Über­le­gen tat­säch­lich Re­por­ta­ge-Ele­men­te vor­han­den sind. Be­gley re­kon­stru­iert noch ein­mal die Drey­fus-Af­fä­re – und man hat das Ge­fühl, man ist mit­ten­drin. Das Buch ist un­be­dingt le­sens­wert.

    Zum Na­tio­na­li­sten: Hier fällt mir Jo­han­nes Raus De­fi­ni­ti­on ein, die sinn­ge­mäss lau­tet: Ein Pa­tri­ot ist je­mand, der sein Va­ter­land liebt – ein Na­tio­na­list ist je­mand, der die an­de­ren Va­ter­län­der hasst.

    Mei­ne (rhe­to­ri­sche?) For­mu­lie­rung, dass ich ge­nau weiss, was ein Na­tio­na­list ist, ent­springt ei­ner im­mer stär­ke­ren Ab­scheu vor Eti­ket­ten jeg­li­cher Art, die die Aus­ein­an­der­set­zung sim­pli­fi­zie­ren. Das ist aber ei­ne Ma­nie mei­ner­seits.

    #7

  7. lou-salome sagt:

    Die Rau-De­fi­ni­ti­on ( sinn­ge­mäß ) ge­fällt mir.
    Ih­re „Rhe­to­rik“ ha­be ich raus­ge­hört, trotz­dem war es mir wert, zu ver­su­chen, die­sen Be­griff zu de­fi­nie­ren. Und so bin ich ja nun auch wie­der auf Drey­fus ge­sto­ssen. Nach Lek­tü­re ge­be ich Ih­nen ei­ne Rück­mel­dung.

    #8

  8. lou-salome sagt:

    Wie wahr, ein klu­ges Buch
    Nach Ih­rer wirk­lich aus­führ­li­chen und sehr in­ter­es­san­ten Re­zen­si­on zur Af­fä­re Drey­fus ha­be ich auf mei­nem Blog nun ei­ne klit­ze­klei­ne Zu­sam­men­fas­sung ver­öf­fent­licht. http://nietzsche.twoday.net/stories/wie-wahr-ein-kluges-buch/
    Wenn Ge­schich­te und Ge­gen­wart auf die­se Wei­se im Schul­un­ter­richt ver­mit­telt wer­den wür­de, ich bin mir si­cher, das Fach hät­te ei­ni­ge An­hän­ger mehr!
    (Im Zu­sam­men­hang mit die­sem Buch bin ich auf die Ar­ti­kel der Ber­li­ner Li­te­ra­tur­kri­tik ge­sto­ssen, die er­gän­zend sind)
    Und trotz, »... wie da­mals und heu­te: Vor­ur­tei­le füh­ren zur An­kla­ge, Ra­ci­al Pro­filing er­setzt die Su­che nach der Wahr­heit, Be­wei­se wer­den fa­bri­ziert. Gu­an­tá­na­mo liegt der Teu­fels­in­sel nä­her, als man glau­ben mag.« ( Klap­pen­text) ver­liert Lou­is Be­gley nicht die Hoff­nung auf ei­ne ge­rech­te­re Welt, viel­leicht wirk­lich durch den Prä­si­den­ten Oba­ma?

    #9

  9. lou-salome sagt:

    Nach­ge­scho­ben: Ne­ben­schau­platz El­sass
    Der Deutsch-Fran­zö­si­sche Krieg und die Ab­tre­tung von El­sass-Loth­rin­gen an das von Preu­ßen ge­führ­te Deut­sche Kai­ser­reich gibt mir wie­der reich­lich Stoff zur ge­dank­li­chen Wie­der­ho­lung des Ge­schichts­un­ter­rich­tes ( da­bei gibt es so­viel noch vor mor­gen zu tun).
    In un­se­rer Wohn­ort­nä­he gibt es ein 30 Me­ter lan­ges Rund­bild zur Ge­schich­te der Stau­fer. Und ge­ra­de die Stau­fer hat­ten das El­sass und Si­zi­li­en als be­vor­zug­ten Le­bens­raum ge­nutzt. Nach der Stau­fer­zeit ( nach 1250 u.Z.) fiel das El­sass mal an Frank­reich, mal an das deut­sche Kai­ser­reich. Mei­stens war die­ses klei­ne Land, ein­ge­keilt zwi­schen den gro­ßen Mäch­ten, nach 1250 u.Z. un­ter fran­zö­si­scher Kro­ne. Welch ei­ne Wun­de al­so für Frank­reich, nach dem Deutsch-Fran­zö­si­schen Krieg, das El­sass ab­zu­tre­ten. Und wie­viel Leid muss­te die el­säs­si­sche Be­völ­ke­rung durch­ma­chen und Zank­ap­fel zwei­er rie­si­ger Nach­barn sein.
    Heu­te ist es wie selbst­ver­ständ­lich ei­ne fran­zö­si­sche Ver­wal­tungs­re­gi­on, Ré­gi­on Al­sace. Mei­ne und die nächst­jün­ge­re Ge­nera­ti­on ken­nen es gar nicht an­ders.

    #10