Just for two weeks

Nie­mand be­ach­tet sie mehr, die Kirsch­bäu­me, seit sie ih­re Blü­ten ver­lo­ren ha­ben. Da­mals, in der kur­zen Blü­te­zeit, wa­ren sie die Stars: in Scha­ren dräng­ten sich die Leu­te um ih­re Stäm­me, lie­ßen sich nie­der un­ter der – what you’d say? – wei­ßen Pracht, lach­ten, tran­ken aus Bier­do­sen, lach­ten...

Einst bil­de­ten sie ei­ne Al­lee, jetzt ste­hen sie im Ab­seits, kaum ei­ner weiß, daß sie die sind (und nicht mehr sind), die sie wa­ren. Kö­ni­ge einst, jetzt Durch­schnitts­ge­stal­ten mit lang­wei­li­gen Blät­tern, nicht groß nicht klein, nicht dick nicht dünn, nicht dun­kel nicht hell, son­dern rund­lich, pum­me­lig, Ein­hei­ten für die Sta­ti­stik, die nie­man­den in­ter­es­siert. Sie tra­gen kei­ne Früch­te, spen­den lö­che­ri­ge Schat­ten, die kei­nen Schutz bie­ten. Ihr Holz soll hart und form­bar sein, aber wir kön­nen es nicht nut­zen, dür­fen die Bäu­me nicht fäl­len und neue pflan­zen, weil wir die – what you’d say? – kur­ze Pracht ih­rer Blü­te brau­chen für un­ser ir­di­sches Ver­gnü­gen im näch­sten und über­näch­sten Jahr.

© Leo­pold Fe­der­mair

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