Der wun­der­ba­re Uni­ver­sal­di­let­tant

In Düs­sel­dorf gibt es Aus­stel­lung über den vor zwei Jah­ren ver­stor­be­nen Wolf­gang Welt

Wolfgang Welt (im Juni 2014) - © Lothar Struck

Wolf­gang Welt (im Ju­ni 2014)
© Lo­thar Struck

8. Sep­tem­ber 2018, 17.40 Uhr. Ich bin wie im­mer zu früh. Um 18 Uhr be­ginnt das Pro­gramm der Ver­nis­sa­ge. Die Tü­ren zur Aus­stel­lung sind schon of­fen. »Aber ich schrieb mich ver­rückt« lau­tet ihr Ti­tel. Da­ne­ben ein Aus­schnitt des in­zwi­schen fast schon le­gen­dä­ren Fo­tos von An­dre­as Bött­cher mit dem läs­sig-ver­schmitz­ten Wolf­gang Welt 1982, na­tür­lich mit Zi­ga­ret­te . Im Ein­lass gibt es ko­sten­lo­se An­steck­but­tons mit die­sem Fo­to. Man kann sich Wolf­gang Welt ans Re­vers stecken.

Ich kann nicht wi­der­ste­hen und schlen­de­re durch die Aus­stel­lung. Sie ist nicht chro­no­lo­gisch ge­glie­dert. Es be­ginnt mit den »Ein­flüs­sen«, was so­wohl für mu­si­ka­li­sche wie auch li­te­ra­ri­sche Ein­flüs­se gilt. Links als Blick­fang ein Bud­dy Hol­ly Pla­kat, wel­ches mehr­fach ge­fal­tet ge­we­sen war, nun ge­rahmt. B. H. sieht ein biss­chen aus wie der jun­ge Pe­ter Hand­ke 1968 bei der Pre­mie­re der Pu­bli­kums­be­schimp­fung (nur oh­ne Pilz­kopf-Fri­sur). Ei­nen gan­zen Schrein von Pla­ka­ten und Pu­bli­ka­tio­nen über und mit die­sem Sän­ger hat­te Welt zu­sam­men­ge­tra­gen. Wie sie wohl in sei­ner Woh­nung grup­piert wa­ren?

Li­te­ra­ri­sche Vor­bil­der sind ne­ben Joy­ce, Hes­se (»Der Step­pen­wolf«) und Ke­rouac un­ter an­de­rem Her­mann Lenz und Pe­ter Hand­ke. Die Le­se­zei­chen stecken noch in den Bü­chern – es sind ab­ge­ris­se­ne Zei­tungs­schnip­sel. Hand­kes »Angst des Tor­manns beim Elf­me­ter« sei das er­ste ge­kauf­te Buch ge­we­sen schreibt Welt ir­gend­wo. Und spä­ter, auf den wunder­baren Fo­tos (aber­mals von An­dre­as Bött­cher) von sei­ner er­ster Dich­ter­le­sung 1981 (per­for­ma­tiv un­ter an­de­rem mit T-Shirt-Wech­sel) liegt die Er­zäh­lung vom schi­zo­phre­nen Tor­mann Bloch auf dem Tisch ne­ben den ei­ge­nen Ma­nu­skrip­ten und wer um die spä­te­ren »Ver­rückt­hei­ten« Welts weiß (die er oh­ne mit­leider­hei­schen­des Pa­thos er­zählt), mag lä­cheln über die­se Vol­te.

–> Wei­ter­le­sen bei Glanz und Elend

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4 Kommentare zu »Der wun­der­ba­re Uni­ver­sal­di­let­tant«:

  1. franz sagt:

    Der Link am En­de des Ar­ti­kels funk­tio­niert lei­der nicht.

    #1

  2. Jetzt tut er es. Gruß vom Mann im Ma­schi­nen­raum!

    #2

  3. Mar­tin Wil­lems, ei­ner der Ku­ra­to­ren, weist mich dar­auf hin, dass er Hand­ke En­de letz­ten Jah­res auf die ge­plan­te Aus­stel­lung hin in­for­miert und nach ei­ni­gen Brie­fen von Welt an ihn ge­fragt ha­be. Mei­ne In­for­ma­ti­on, Hand­ke ha­be nichts da­von ge­wusst, stammt aus ei­nem Te­le­fo­nat von vor­ge­stern mit ihm. Ich neh­me an, es stimmt bei­des und Hand­ke hat­te die An­ge­le­gen­heit schlicht­weg ver­ges­sen.

    .-.-

    PS: Dank an den »Ma­schi­ni­sten«!

    #3

  4. Der Ma­schi­nist hat auch ge­se­hen, war­um das ur­sprüng­li­che Link nicht funz­te: Da stand näm­lich »dil­le­tant« drin statt »di­let­tant«. Ähn­lich wie bei »Sat­telit« vs. »Sa­tel­lit« ver­tippt man sich bei je­nem Wort auch als Bil­dungs­bür­ger ger­ne mal...

    #4

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