519 Ta­ge

John Bolton: Der Raum, in dem alles geschah

John Bol­ton:
Der Raum, in dem al­les
ge­schah

John Bol­tons Er­leb­nis­se als Na­tio­na­ler Si­cher­heits­be­ra­ter von Do­nald Trump

John Ro­bert Bol­ton, 1948 ge­bo­ren, war ei­gent­lich seit den 1980er-Jah­ren im­mer in der Re­gie­rung der USA, wenn ein Re­pu­bli­ka­ner Prä­si­dent war. Da er un­ter Ge­or­ge W. Bush zum »UNO-Bot­schaf­ter« er­nannt wur­de (per Prä­si­di­al­de­kret, nach­dem er vor­her im Kon­gress, de­ren Mit­glie­der Bol­ton Clowns nennt, durch­ge­fal­len war), wird »Herr Bot­schaf­ter Bol­ton« als An­re­de in der Ad­mi­ni­stra­ti­on ver­wen­det.

Als Trump 2016 Prä­si­dent ge­wor­den war, gab es früh Ge­rüch­te, dass Bol­ton aber­mals ei­ne ge­wich­ti­ge Rol­le im neu­en Ka­bi­nett spie­len soll­te. Ent­ge­gen der An­ti-Estab­lish­ment-Kam­pa­gne Trumps konn­te die­ser na­tür­lich nicht in al­len Po­si­tio­nen neue Kräf­te ein­set­zen. In sei­nem Buch Der Raum, in dem al­les ge­schah, wel­ches im we­sent­li­chen die 519 Ta­ge von April 2018 bis Sep­tem­ber 2019 als Na­tio­na­ler Si­cher­heits­be­ra­ter der Trump-Re­gie­rung um­fasst, gibt es denn auch ein län­ge­res Ein­lei­tungs­ka­pi­tel, in dem er schil­dert, wie es zu die­ser Er­nen­nung kam.

Zu­nächst be­kun­det Bol­ton, dass er im Wahl­kampf 2016 kei­ne be­son­de­re Rol­le ge­spielt ha­be. Er wur­de kalt er­wischt vom Sieg Trumps, was sich dar­in zeig­te, dass er in si­che­rer Er­war­tung von Hil­la­ry Clin­tons Sieg zu Bett ging. Prak­tisch so­fort er­kann­te der Rou­ti­nier die Schwie­rig­kei­ten der Leu­te um Trump, si­che­re Per­so­nal­ent­schei­dun­gen zu tref­fen. So wur­de die UN-Bot­schaf­te­rin von Trump in den Mi­ni­ster­rang er­ho­ben – ein schwe­rer Feh­ler, so Bol­ton, weil da­durch Kom­pe­ten­zen des Au­ßen­mi­ni­ste­ri­ums un­nö­tig ab­ge­ge­ben wur­den. Den­noch wur­de Bol­tons Na­me prak­tisch so­fort ge­nannt, wenn es um die Be­set­zung wich­ti­ger Äm­ter ging. Da­bei war er, wie er ein we­nig ko­kett an­gibt, aus­ge­la­stet: Se­ni­or Fel­low am Ame­ri­can En­ter­pri­se In­sti­tu­te, Kom­men­ta­tor bei Fox News, re­gel­mä­ßi­ger Red­ner, Rechts­be­ra­ter in ei­ner gro­ßen An­walts­kanz­lei, Mit­glied von Un­ter­neh­mens­vor­stän­den, lei­ten­der Be­ra­ter ei­ner glo­ba­len Pri­va­te-Equi­ty-Fir­ma und Au­tor von Mei­nungs­ar­ti­keln mit ei­ner Häu­fig­keit von et­wa ei­nem pro Wo­che. (Be­zeich­nend am Ran­de, dass der Kom­men­ta­tor und Au­tor von Mei­nungs­ar­ti­keln im ge­sam­ten Buch von Jour­na­li­sten als Pres­se­mob oder, leicht mil­der, Pres­se­meu­te schreibt.)

Der Schnurr­bart

Akri­bisch li­stet er al­le for­mel­len und in­for­mel­len Tref­fen mit Trump und sei­nen Be­ra­tern auf, in de­nen es dar­um ging, wel­che Po­si­ti­on er in der Re­gie­rung fin­den soll­te. Bol­ton fa­vo­ri­siert zwei Po­si­tio­nen: Au­ßen­mi­ni­ster oder Na­tio­na­ler Si­cher­heits­be­ra­ter. Ein stell­ver­tre­ten­der Mi­ni­ster­job, der ihm rasch an­ge­bo­ten wird, kommt für ihn nicht in­fra­ge. Das Au­ßen­mi­ni­ste­ri­um müs­se im üb­ri­gen ei­ner Kul­tur­re­vo­lu­ti­on un­ter­zo­gen wer­den, so sein Cre­do. Nach acht Jah­ren Oba­ma wä­re viel zu re­pa­rie­ren, aber auch schon vor­her sei­en in­sti­tu­tio­nel­le Feh­ler be­gan­gen wor­den.

Folgt man Bol­ton, so hat er sich nicht an­ge­bie­dert. Mehr­mals wur­den sei­ne Chan­cen für die­se oder je­ne Po­si­ti­on ab­ge­wo­gen, auch in den Me­di­en. Es gab Lo­be, Ver­si­che­run­gen und Ver­trö­stun­gen – nicht zu­letzt von Trump. Na­tür­lich wuss­te er, was das zu be­deu­ten hat­te: Nichts. Aber er wuss­te, dass Trump Bol­tons Schnurr­bart nicht ge­fiel.

Prio­ri­tät hat­ten Rich­ter­no­mi­nie­run­gen für den Ober­sten Ge­richts­hof. Hier wur­den Pflöcke für die Zu­kunft ein­ge­schla­gen. Auf Sei­te 35 er­klärt Bol­ton, dass die Be­stä­ti­gung der Rich­ter Neil Gor­such und Brett Ka­va­n­augh als ober­ste Rich­ter die größ­te Er­run­gen­schaft in Trumps Amts­zeit ge­we­sen wä­ren. Es ist das ein­zi­ge di­rek­te Lob Bol­tons auf Trumps Re­gie­rung (ein Jahr be­vor sie of­fi­zi­ell en­det) und ei­ner der we­ni­gen Ex­kur­se in die In­nen­po­li­tik.

Die No­mi­nie­rung von Rex Til­ler­son zum Au­ßen­mi­ni­ster (423 Ta­ge Amts­zeit) er­fuhr Bol­ton durch die Me­di­en. Und auch mit dem Na­tio­na­len Si­cher­heits­be­ra­ter wur­de es erst ein­mal nichts. Aber die Ge­sprä­che wer­den fort­ge­setzt und schließ­lich muss Mc­Ma­ster sei­nen Po­sten räu­men (390 Ta­ge) und Bol­ton wird Si­cher­heits­be­ra­ter des Prä­si­den­ten. Der lan­ge Marsch zu ei­nem Eck­bü­ro im West Wing ist ge­schafft. Es bleibt ein My­ste­ri­um, war­um Bol­ton für die­ses Ka­pi­tel ei­ne For­mu­lie­rung wählt, die an den My­thos des »lan­gen Mar­sches« der chi­ne­si­schen Kom­mu­ni­sten 1934 er­in­nert, bei dem Zig­tau­sen­de um­ge­kom­men sind. Der leib­haf­ti­ge Teu­fel (der da­ma­li­ge Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster Mat­tis über Bol­ton) ziert sich noch ein biss­chen, fragt die­sen und je­nen, füllt dann die not­wen­di­gen For­mu­la­re aus und gibt auch die er­for­der­li­che Urin­pro­be ab.

Spä­te­stens von hier an (Sei­te 58) soll­te sich der ge­neig­te Le­ser ein Ver­zeich­nis der Prot­ago­ni­sten nebst de­ren Äm­ter an­le­gen, wie man dies bei­spiels­wei­se bei den rus­si­schen Ge­sell­schafts­ro­ma­nen des 19. Jahr­hun­derts macht. Er­gän­zen soll­te man pro­phy­lak­tisch die je­wei­li­ge Ver­weil­dau­er in ih­ren Po­si­tio­nen. Denn im wei­te­ren Ver­lauf sei­nes Bu­ches weicht Bol­ton von der chro­no­lo­gi­schen im­mer mehr zur the­ma­ti­schen Dar­stel­lung ab. In­ner­halb die­ser Auf­ar­bei­tun­gen ver­mit­telt er ei­nen au­ßer­or­dent­lich prä­zi­sen Ein­druck sei­ner Ar­beit. Te­le­fon­an­ru­fe, Mee­tings, Flug­ter­mi­ne, wann er mit wem ge­früh­stückt und/oder ge­ges­sen hat und auch wann er Tweets ge­schickt hat – al­les wird bis­wei­len arg mo­no­ton do­ku­men­tiert. Das Ge­sag­te scheint tran­skri­biert; manch­mal wird in ecki­gen Klam­mern ein Wort er­gänzt. Manch­mal fragt man sich, ob der Mit­tei­lungs­drang der Ge­sprä­che bei­spiels­wei­se mit Pu­tin, Xi Jin­ping oder Kim Jong-un nicht min­de­stens die Ge­pflo­gen­hei­ten der Ver­schwie­gen­heit ver­let­zen. An ei­ni­gen we­ni­gen Stel­len ver­wei­gert Bol­ton dann auch Ge­sprächs­de­tails, weil dies von dem NSC vor­ge­ge­ben wur­de.

Die­se Punk­te be­rührt Bol­ton erst am En­de in ei­nem Epi­log. Nur kurz geht er dar­auf ein, dass die Trump-Re­gie­rung das Er­schei­nen des Bu­ches ver­hin­dern woll­te. Tak­ti­ker wie er ist, hat­te er, ob­wohl als nicht zwin­gend not­wen­dig er­ach­tet, frei­wil­lig das Ma­nu­skript dem Na­tio­na­len Si­cher­heits­rat (NSC) vor­ge­legt. Die Än­de­rungs­wün­sche sei­en, wie Bol­ton ver­si­chert, mar­gi­nal ge­we­sen; meist hät­te man dar­auf be­stan­den, An­füh­rungs­zei­chen zu ent­fer­nen um die di­rek­te Re­de zu ca­mou­flie­ren oder er­gän­zen­de Fuß­no­ten ein­ge­for­dert. Am En­de zi­tiert er sich sel­ber, wenn es dar­um geht, war­um die­ses Buch noch wäh­rend der Amts­zeit Trumps er­scheint. Da wird ei­ni­ges pas­send ge­re­det, et­wa das jetzt noch die Er­in­ne­rung frisch sei (das wür­de die Nie­der­schrift er­klä­ren, aber nicht die Pu­bli­ka­ti­on). Schließ­lich fällt noch das Wort Pflicht und ins­ge­samt wird das Buch als ei­ne Art Trans­pa­renz­of­fen­si­ve ge­se­hen. Wohl denn, wenn sich da­mit auch noch Geld ver­die­nen lässt.

Be­zeich­nend ist, dass Bol­tons Selbst­zi­tat ei­ner Re­zen­si­on über die Er­in­ne­run­gen von Ro­bert Gates ent­stammt (»Du­ty: Me­moi­rs of a Se­creta­ry at War«, 2014). Der par­tei­lo­se Gates war zu­nächst Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster un­ter Ge­or­ge W. Bush und dann noch drei Jah­re un­ter Oba­ma. Im deutsch­spra­chi­gen Han­del wird man die­ses Buch nicht über­setzt fin­den, was er­staun­lich ist. Ob es an der kri­ti­schen Per­spek­ti­ve Gates’ auf die Au­ßen- und Si­cher­heits­po­li­tik Oba­mas liegt? Die Fra­ge stellt sich, weil Bol­tons Buch, wel­ches sich sehr kri­tisch mit Do­nald Trumps Po­li­tik aus­ein­an­der­setzt, in Re­kord­zeit von ei­nem Über­set­zer­team un­ter der Lei­tung von Shaya Zar­rin und Pa­trick Baum­gär­tel be­ar­bei­tet vor­liegt.

Nur be­dingt als Witz­vor­la­ge ge­eig­net

Um es vor­weg zu sa­gen: Bol­tons Buch taugt als Witz­vor­la­ge ge­gen Trump nur be­dingt. Ja, es gibt die Si­tua­ti­on als Trump bei der da­ma­li­gen bri­ti­schen Pre­mier­mi­ni­ste­rin The­re­sa May sitzt und die­se er­staunt fragt, ob denn Groß­bri­tan­ni­en Atom­macht sei (Bol­ton hält die Un­kennt­nis da­mals für echt). Dann fragt er noch ob Finn­land zu Russ­land ge­hö­re. Und als Trump in ei­nem Tref­fen mit Kim Jong-un über sei­ne Plä­ne zur De­nu­kle­a­ri­sie­rung Nord­ko­reas re­det, reicht Pom­peo Bol­ton ein­mal ei­nen Zet­tel mit ei­nem saf­ti­gen »Er re­det nur Schei­ße«. (Bol­ton da­zu trocken: »Ich stimm­te ihm zu«.) Ähn­li­ches sagt dann Trump über Frank­reichs Prä­si­dent Ma­cron, als die­ser ve­he­ment das Atom­ab­kom­men mit dem Iran ver­tei­digt: »Al­les, was er an­fasst, wird zu Schei­ße« .Man er­fährt von ei­ner Si­tua­ti­on als Trump wie­der ein­mal so­fort al­le Sol­da­ten zu­rück­ho­len will, weil es bil­li­ger sei, das World Tra­de Cen­ter wie­der­auf­zu­bau­en, als in Af­gha­ni­stan zu kämp­fen, wo­bei, wie Bol­ton sar­ka­stisch an­merkt, Trump un­gün­sti­ger­wei­se den Ver­lust von Men­schen­le­ben bei den An­schlä­gen vom 11. Sep­tem­ber igno­rier­te.

Be­deckt hält sich Bol­ton be­züg­lich der im­mer wie­der kur­sie­ren­den Ge­rüch­te um die Ein­fluss­nah­me aus Trumps Fa­mi­lie in die Re­gie­rungs­ge­schäf­te. Als die »First La­dy« Me­la­nia Trump Pro­ble­me mit der stell­ver­tre­ten­den Na­tio­na­len Si­cher­heits­be­ra­te­rin Mi­ra Ri­car­del be­züg­lich der Pla­nung ei­ner Afri­ka-Rei­se öf­fent­lich macht und in ei­nem Tweet er­klär­te, Ri­car­del ver­die­ne es nicht, im Wei­ßen Haus zu ar­bei­ten, ist Bol­ton ent­setzt. Auch Trump ist wü­tend. Kon­se­quen­zen für sei­ne Frau hat es kei­ne; Ri­car­del wird von ih­rer Po­si­ti­on ent­fernt, soll­te aber auf ei­nen an­de­ren Po­sten ver­setzt wer­den, was sie ab­lehn­te. Dass Trumps Schwie­ger­sohn Ja­red Kush­ner bis­wei­len Mee­tings bei­wohnt und An­ru­fe von Per­so­nen er­hält, die Bol­ton ei­gent­lich sel­ber hät­te füh­ren wol­len, bleibt bis auf we­ni­ge Stel­len un­kom­men­tiert.

Ab­seits wohl­fei­ler Skan­däl­chen ob der ein oder an­de­ren For­mu­lie­rung über frem­de Staats- und Re­gie­rungs­chefs (man su­che die­se sel­ber) ver­langt das Buch ge­naue Lek­tü­re. Trumps Ent­schei­dun­gen, so zeigt Bol­ton, sind all­zu oft po­li­tisch ge­prägt statt stra­te­gisch. Er at­te­stiert dem Prä­si­den­ten ei­nen Man­gel an Kon­se­quenz, Stand­haf­tig­keit und Ent­schlos­sen­heit, wenn es um ein­mal ge­trof­fe­ne Ent­schei­dun­gen geht. Ein Mu­ster­bei­spiel ist ei­ne be­schlos­se­ne Sank­ti­on ge­gen den Iran. Da ei­ne US-Droh­ne im Wert von min­de­stens 130 Mil­lio­nen US$ von ei­nem Stütz­punkt im Iran zer­stört wur­de, soll­ten drei Ra­ke­ten­ab­schuss­stel­len auf ira­ni­schem Ge­biet bom­bar­diert wer­den. In letz­ter Se­kun­de und oh­ne je­man­den aus der Re­gie­rung dar­über in Kennt­nis zu set­zen, sagt Trump den An­griff ab, weil er von Rechts­an­wäl­ten (!) ge­hört hat­te, dass, ob­wohl die An­grif­fe nachts lo­ka­ler Zeit statt­fin­den soll­ten, rund 150 Ira­ner da­bei ge­tö­tet wer­den könn­ten. Die »Lei­chen­säcke«, die dann im Fern­se­hen welt­weit sicht­bar wä­ren, scheu­te Trump.

Meist wer­den al­ler­dings Hand­lun­gen durch in­ter­ne Zwi­stig­kei­ten ab­ge­mil­dert, ver­scho­ben oder ab­ge­sagt. Da an Bol­tons Sta­tus ei­nes »Fal­ken« kein Zwei­fel be­steht, sind selbst für Trump ir­gend­wann des­sen Re­ak­tio­nen be­re­chen­bar ge­wor­den. Bol­ton »kämpft« im Ka­bi­nett zum ei­nen zu Be­ginn ge­gen Ja­mes Mat­tis (711 Ta­ge Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster von 2017 bis Ja­nu­ar 2019). Ein Blockie­rer was Sank­tio­nen an­geht ist auch Fi­nanz­mi­ni­ster Ste­ven Mnu­chin (seit Fe­bru­ar 2017 im Amt; al­so Stand 14. Au­gust 1278 Ta­ge). Das end­gül­tig ver­nich­ten­de Ur­teil über den was mi­li­tä­ri­sche Ein­sät­ze an­geht stets zau­dern­den Mat­tis ist die Apo­stro­phie­rung als »De­mo­krat«. Auch mit Til­ler­son gibt es kein gu­tes Aus­kom­men; der füh­re, so Bol­ton, das Au­ßen­mi­ni­ste­ri­um wie ein Un­ter­neh­men, was kein Wun­der sei, denn Til­ler­son war 41 Jah­re bei Exxon. Sein Ver­säum­nis, so Bol­ton, be­stand dar­in, die mitt­le­re Be­am­ten­rie­ge des Au­ßen­mi­ni­ste­ri­ums nicht aus­ge­tauscht zu ha­ben. Das Ver­hält­nis mit sei­nem Nach­fol­ger, Mark Pom­peo, ist zu Be­ginn bes­ser, wo­bei bis­wei­len durch­schim­mert, dass sich Bol­ton ein­deu­tig für den bes­se­ren Au­ßen­mi­ni­ster hält.

Das Geld und die ver­pön­te »Glo­bal Go­ver­nan­ce«

Trumps oft im­puls­haf­tes Han­deln, dass sich bis­wei­len auf Twit­ter ent­lädt (Bol­ton be­rich­tet al­ler­dings auch über Tweets, die vor­her von Mit­ar­bei­tern vor­for­mu­liert wur­den), kon­ter­ka­riert mehr als ein­mal die vor­her müh­sam ver­ein­bar­ten Ab­läu­fe. Er­schüt­ternd, wenn ge­schil­dert wird, wie Trump in ei­nem Hand­streich die Kur­den, die in Sy­ri­en ge­gen den IS ge­kämpft ha­ben, ver­rät. Die Nei­gung al­les auf fi­nan­zi­el­le Di­men­sio­nen her­un­ter­zu­bre­chen, als sei­en zum Bei­spiel die US-ame­ri­ka­ni­sche Ar­mee und ih­re Stütz­punk­te in Ko­rea oder sonst­wo Söld­ner(Trump ver­langt 5 Mil­li­ar­den Eu­ro von Süd­ko­rea für die Trup­pen­prä­senz; das ist, so sug­ge­riert Bol­ton, das fünf­fa­che von dem ak­tu­el­len Be­trag), ver­ur­sacht bei Bol­ton ein Kopf­schüt­teln. Man sei doch nicht in ei­nem New Yor­ker Im­mo­bi­li­en­bus­i­ness, so sei­ne manch­mal ver­zwei­fel­ten Re­ak­tio­nen. In­ter­es­sant, dass er, als er das er­ste Mal das neue NA­TO-Ge­bäu­de in Brüs­sel be­sucht, plötz­lich eben­falls die Fra­ge nach den viel­leicht eher un­nö­ti­gen Ko­sten stellt.

Bei »Deutsch­land« denkt Trump re­flex­haft an North Stream 2, wo­mit er rus­si­sche Do­mi­nanz über Deutsch­land ver­bin­det. Aber vor al­lem an den un­zu­rei­chen­den Bei­trag Deutsch­lands zur NATO und. Statt 2% vom Brut­to­in­lands­pro­dukt stellt Deutsch­land (je nach Jahr) nur rund 1,2%. Bei den USA liegt der Wert bei 4%. Da­bei stellt Bol­ton Trump bloß, als die­ser »droht«, auch nur 1,2% zu »be­zah­len«. Der Wert ist je­doch kei­ne »Zah­lung« an die NATO (der Fonds von rd. 2,5 Mil­li­ar­den US$, den die NA­TO-Län­dern für die Ad­mi­ni­stra­ti­on des Bünd­nis­ses be­zah­len, ist et­was an­de­res), son­dern be­zieht sich auf den An­teil der Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben im je­wei­li­gen Haus­halt ei­nes Lan­des. Bol­ton ist ent­setzt, wenn Trump prak­tisch an­kün­digt, den Ver­tei­di­gungs­aus­halt um 75% zu re­du­zie­ren. Aber die­se Erup­ti­on hält nicht lan­ge.

Die Kla­gen über die Eu­ro­pä­er und de­ren Un­dank (er meint die west­eu­ro­päi­schen Staa­ten) zie­hen sich wie ein ro­ter Fa­den durch das Buch. In Han­dels­din­gen sei die EU so­gar schlim­mer als Chi­na. Den Atom­deal mit dem Iran löst Bol­ton in Über­ein­stim­mung mit Trump trotz Ge­gen­wind aus Eu­ro­pa auf (hier be­müht sich be­son­ders Ma­cron um die Ret­tung). Ins­ge­samt kommt Deutsch­land in dem Buch kaum als re­le­van­te po­li­ti­sche Kraft vor. Auch die Kün­di­gung des INF-Ver­tra­ges mit Russ­land wird er­folg­reich for­ciert. Bol­ton sieht ei­nen dop­pel­ten Nach­teil für die USA: Zum ei­nen wür­de Russ­land fort­wäh­rend ge­gen den Ver­trag ver­sto­ßen. Zum an­de­ren sei­en an­de­re in­zwi­schen hoch­ge­rü­ste­te Mi­li­tär­mäch­te nicht im INF-Ver­trag ein­ge­bun­den (u. a. Chi­na, aber auch – wie­der ein­mal – der Iran so­wie auch die neu­en Atom­mäch­te In­di­en und Pa­ki­stan). Das Ab­kom­men sei ver­al­tet, spie­ge­le die bi­po­la­re Welt der 1980er Jah­re wi­der. Die USA sei­en das ein­zi­ge Land, das sich zu­rück­hiel­te und den Ver­trag er­fül­le. Trump und Bol­ton ma­chen sich fast lu­stig über die west­eu­ro­päi­schen Ver­fech­ter die­ses Ver­tra­ges, weil sie nicht er­ken­nen wür­den, wie Russ­land sie täu­sche, was sich ins­be­son­de­re in der Sta­tio­nie­rung von Ra­ke­ten in Ka­li­nin­grad zei­ge.

Ähn­lich skan­da­li­sie­rend wie die Kün­di­gung des INF-Ver­trags wird der Rück­zug der USA aus dem Pa­ri­ser Kli­ma­ab­kom­men von den Eu­ro­pä­ern be­trach­tet. Bol­ton ver­tei­digt die­sen Schritt, der vor sei­ner No­mi­nie­rung als Na­tio­na­ler Si­cher­heits­be­ra­ter be­reits an­ge­kün­digt wur­de als wich­ti­gen Sieg ge­gen die Glo­bal Go­ver­nan­ce. Sei­ne Spott­lust zeigt sich hier ex­em­pla­risch: Die­ses Ab­kom­men hat­te eben­so viel rea­le Wir­kung auf den Kli­ma­wan­del wie Ro­sen­kranz­be­ten und das An­zün­den von Ker­zen in der Kir­che […]. Die Ver­ein­ba­rung ver­langt von den Un­ter­zeich­nern le­dig­lich, na­tio­na­le Zie­le fest­zu­le­gen, sagt aber nicht, wie die­se Zie­le aus­se­hen sol­len, und ent­hält auch kei­ne Durch­set­zungs­me­cha­nis­men. Er­staun­lich dar­an ist, dass er, als ka­te­go­ri­scher Geg­ner die­ser Ver­ein­ba­rung, ähn­li­che Kri­tik­punk­te for­mu­liert wie Um­welt­ak­ti­vi­sten, de­nen das Ab­kom­men nicht weit ge­nug geht. Die an­schlie­ßen­de Be­schimp­fung der Glo­bal Go­ver­nan­ce lässt al­ler­dings ver­mu­ten, dass aus­for­mu­lier­te Durch­set­zungs­me­cha­nis­men die USA noch mehr Grün­de für ei­ne Ab­leh­nung ge­lie­fert hät­ten.

Er­wäh­nens­wert ist, dass die Trump-Ad­mi­ni­stra­ti­on stets be­müht ist, mul­ti­la­te­ra­le Ab­kom­men zu Gun­sten bi­la­te­ra­ler Über­ein­kom­men auf­zu­kün­di­gen und nur in der Ab­rü­stung ei­nen mul­ti­la­te­ra­len An­satz pflegt. Viel­leicht, weil man weiß, dass es ei­nen der­ar­ti­gen Ver­trag nie­mals ge­ben wird?

Über­haupt sind so­wohl Trump als auch Bol­ton im­mer we­ni­ger an den so­ge­nann­ten Gip­feln (G7, G20, NATO, etc.) in­ter­es­siert. Die­se Tref­fen hät­ten, so Bol­ton, einst ih­ren Sinn ge­habt, heut­zu­ta­ge sei­en sie meist nur noch Zeit­ver­schwen­dung. Trump nutzt sie eher als Treff­punkt. Bol­ton macht sich lu­stig über die Eu­ro­pä­er, die sich be­reits über ei­ne Schluss­erklä­rung set­zen, als das je­wei­li­ge Tref­fen noch gar nicht be­gon­nen hat. Ein […] Schick­sal, das die Eu­ro­pä­er nicht in Be­tracht zie­hen konn­ten, war es, über­haupt kein Schluss­kom­mu­ni­qué zu ha­ben, denn wenn es kei­ne Schluss­erklä­rung gab, hat­te das Tref­fen viel­leicht nie statt­ge­fun­den, und wie schreck­lich wä­re das für die Mensch­heit. Und er er­zählt, wie Trump sel­ber bei ei­nem G7-Tref­fen sei­ne Sher­pas so­zu­sa­gen ent­mach­te­te und Hand an die For­mu­lie­run­gen für das Schluss­kom­mu­ni­qué an­le­gen woll­te (das Re­sul­tat war na­tür­lich chao­tisch).

Et­li­che Red­un­dan­zen im Buch sind wo­mög­lich stö­rend, aber sie do­ku­men­tie­ren eben auch das im­mer­glei­che La­men­to, dem Trumps Re­gie­rungs­mit­glie­der stän­dig aus­ge­setzt sind. Kind­lich die »Warum«-Fragen: War­um sei man in Afri­ka? War­um in Af­gha­ni­stan? War­um un­ter­stüt­ze man die Ara­ber noch? Ihr Öl bräuch­te man doch nicht mehr. Und war­um for­de­re man nicht mehr Geld von ei­nem Land wie Ko­rea, das ei­nen enor­men Han­dels­bi­lanz­über­schuss zu Un­gun­sten der USA hat? War­um kauft Land X nicht mehr land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­te aus den USA von dem Geld, was man ih­nen ge­be? Geo­stra­te­gi­sche Po­li­tik wird zum Kauf­manns­la­den.

Kim Jong-uns Ge­burts­tags­kar­ten und die »schmie­ri­gen« Brie­fe

Die ge­sam­te »Po­li­tik« Trumps zu Nord­ko­rea ist für Bol­ton ein Toll­haus. Erst wird der Dik­ta­tor von ihm be­schimpft und das Land mit voll­stän­di­ger Zer­stö­rung be­droht, dann schwenkt er um und trifft sich mit Kim. Bol­ton ver­sucht lan­ge, dies zu ver­hin­dern, bringt Be­den­ken vor, ap­pel­liert an die öf­fent­li­che Dar­stel­lung, wenn der mäch­tig­ste Mann der Welt ei­nen po­ten­ti­el­len Ver­bre­cher auf Au­gen­hö­he trifft. Auch die zä­hen Ver­hand­lun­gen mit ei­nem nord­ko­rea­ni­schen Vor­aus­kom­man­do so­wie die für Bol­ton eher lä­cher­lich er­schei­nen­den Be­schwich­ti­gungs- und po­ten­ti­el­len Wie­der­ver­ei­ni­gungs­wün­sche des süd­ko­rea­ni­schen Prä­si­den­ten brin­gen Trump nicht von sei­ner Idee ab. Bol­ton ver­sucht Scha­dens­be­gren­zung zu be­trei­ben, da er den Nord­ko­rea­nern nicht traut – und hier­für die Er­fah­run­gen der letz­ten Re­gie­run­gen ins Feld füh­ren kann. Er sieht das Land ähn­lich wie den Iran an der Schwel­le zum un­be­re­chen­ba­ren nu­klea­ren Ak­teur zu wer­den.

Die Ein­drücke, die von den drei Tref­fen Trumps mit Kim Jong-un fast pro­to­kol­l­ar­tig re­fe­riert wer­den, sind auf den er­sten Blick nicht spek­ta­ku­lär. Kim wird als ge­ris­sen und wort­ge­wandt dar­ge­stellt. Er spielt das aus dem Kal­ten Krieg be­kann­te Spiel, in dem er sei­nem Ge­gen­über sug­ge­riert, dass es »Hard­li­ner« zu Hau­se ge­be, die sei­ne fried­lie­ben­de Po­si­ti­on un­ter­gra­ben wol­len. Bol­ton glaubt da­von kein Wort. Zu­mal beim drit­ten Tref­fen – in der de­mi­li­ta­ri­sis­er­ten Zo­ne – zwei nord­ko­rea­ni­sche Un­ter­händ­ler feh­len. Ei­ner sei in Un­gna­de ge­fal­len und im Ar­beits­la­ger ge­lan­det (mitt­ler­wei­le re­ha­bi­li­tiert). Der an­de­re sei li­qui­diert wor­den. Bol­ton ver­rät die Quel­le nicht, ob­wohl man ge­neigt ist, ihm zu glau­ben.

Nicht nur, aber be­son­ders bei Kim, zeigt sich Trumps Glau­ben, dass per­sön­li­che Ver­bin­dun­gen ideo­lo­gi­sche und po­li­ti­sche Dif­fe­ren­zen über­win­den kön­nen, in­dem man Per­son und Han­deln ab­kop­pelt. In der Li­te­ra­tur nennt man das Tren­nen von Au­tor und Werk. Trump be­treibt da­mit ei­ne an­de­re Form ei­ner Ap­pease­ment-Po­li­tik; ein Vor­wurf, den er ei­gent­lich an die all­zu nach­gie­bi­gen Eu­ro­pä­er adres­siert. Trumps Nä­he zu Dik­ta­to­ren ent­springt wo­mög­lich ei­nem la­tent an­ti­par­la­men­ta­ri­schen Af­fekt. Sie kön­nen ent­schei­den, oh­ne lan­ge nach­zu­fra­gen – und das möch­te Trump auch. Von den de­mo­kra­ti­schen Re­gie­rungs­chefs hat er kei­ne gu­te Mei­nung. Mer­kel zahlt zu we­nig und Ma­crons In­itia­ti­ven um den Iran-Atom­deal zu ret­ten, kann er we­nig ab­ge­win­nen. Die bri­ti­sche Pre­mier­mi­ni­ste­rin May mag er auch nicht; mit John­son än­dert sich das. Das be­ste Ver­hält­nis hat er zu Ja­pans Pre­mier­mi­ni­ster Shin­zō Abe, mit dem er so­gar Golf spielt.

Na­tür­lich weiß Trump, dass Kim Jong-un ein Dik­ta­tor ist, der ei­ne nu­klea­re Be­waff­nung an­strebt, um nicht Spiel­ball der Groß­mäch­te zu sein. Und als die Ge­sprä­che nicht das ge­wünsch­te Be­kennt­nis zur voll­stän­di­gen, über­prüf­ba­ren und un­um­kehr­ba­ren De­nu­kle­a­ri­sie­rung Nord­ko­reas bin­nen ei­nen Jah­res brin­gen, zö­gert Trump nicht, er­neut Sank­tio­nen ge­gen Nord­ko­rea zu de­kre­tie­ren. Aber trotz­dem be­zeich­net er Kim als ei­nen »sehr gu­ten Men­schen« und ist ge­schmei­chelt, wenn er schmie­ri­ge Brie­fe (Bol­ton) und selbst­ge­ba­stel­te Ge­burts­tags­kar­ten aus Nord­ko­rea er­hält. Er ist ein­ge­nom­men, wenn Xi Jin­ping den Raum be­tritt und scheut gleich­zei­tig nicht, astro­no­mi­sche Zöl­le im Han­dels­krieg zu ver­ord­nen. Trumps Ver­hält­nis zu Pu­tin ist für Bol­ton ein Rät­sel. Viel­leicht hat es da­mit zu tun, dass er Pu­tin nicht be­züg­lich even­tu­el­ler Ein­fluss­nah­me auf den US-Wahl­kampf ver­dam­men kann, oh­ne sei­ne Wahl zum POTUS zu be­schä­di­gen.

Trump er­wog so­gar ei­nen Dis­kurs mit dem Iran, woll­te im Som­mer 2019 Cha­men­ei oder Roha­ni ein­la­den. Bol­ton kann ihn kaum da­von ab­brin­gen; Trump twit­tert sei­ne Be­reit­schaft zu ei­nem Tref­fen. Erst die Ab­sa­ge von Cha­men­ei (über Twit­ter!) klärt die La­ge.

Der lee­re Schreib­tisch

Re­so­lu­te Desk nennt man den Schreib­tisch des Prä­si­den­ten. Bol­ton ist am An­fang ver­wun­dert, war­um die­ser im­mer leer ist, wäh­rend sich bei an­de­ren Prä­si­den­ten die Ak­ten und Schrift­stücke sta­pel­ten. Trump ist an Me­mos und Be­rich­ten nicht in­ter­es­siert; er liest sie nicht oder nur ober­fläch­lich. Bei Sit­zun­gen nickt er auch schon mal ein oder streut ur­plötz­lich nicht nur Sa­che ge­hö­ren­den Fra­gen ein. Sei­ne Be­ra­ter schwir­ren um ihn her­um und je nach­dem ob es sich um »Fal­ken« oder »Tau­ben« han­delt, wol­len sie, dass die Wür­fel zu ih­ren Gun­sten fal­len. Das er­zeugt Fru­stra­tio­nen. Wo­chen vor sei­nem Aus­schei­den hat Bol­ton ein Schrift­stück mit sei­nem Rück­tritt in der Ta­sche. Aber auch Trump ver­liert ir­gend­wann das In­ter­es­se an sei­nen Be­ra­tern oder Mi­ni­stern. Sie fal­len dann in »Un­gna­de«, was er ih­nen ver­brämt mit­teilt (et­wa wie ein Leh­rer mit sei­nem Schü­ler spricht). Das er­in­nert stark an ein Günst­lings­sy­stem ei­nes ab­so­lu­ti­sti­schen Herr­schers. Nach ei­nem Jahr schreibt Bol­ton, es kom­me ihm vor als sei­en es zehn. Wer sich die Amts­zei­ten der Na­tio­na­len Si­cher­heits­be­ra­ter an­schaut, stellt fest, dass die fast an­dert­halb Jah­re von Bol­ton kein ganz schlech­ter Wert ist. Hen­ry Kis­sin­ger, Zbi­gniew Brze­zinski und »Con­di« Ri­ce wa­ren Aus­nah­men.

Im Ver­gleich mit den be­rühm­ten Na­men wirkt Bol­tons Po­li­tik­sicht arg ein­ge­schränkt. Sein Ein­füh­lungs­ver­mö­gen in ihm frem­de po­li­ti­sche Ziel­set­zun­gen ist eher be­grenzt. Die von ihm ent­wickel­te Troi­ka der Ty­ran­nei, mit der er die Ge­fah­ren­her­de für den »west­li­chen Kon­ti­nent« um­fasst (es sind dies Ve­ne­zue­la, Ku­ba und Ni­ca­ra­gua) so­wie sei­ne ewig­glei­che Lei­er von der ira­nisch-rus­si­schen Ge­fähr­dung im Na­hen Osten, wirkt epi­go­nal zu Bushs »Ach­se des Bö­sen«. Au­ßer Sank­tio­nen, Boy­kotts und zur Not auch mi­li­tä­ri­sche Na­del­sti­che kennt Bol­ton kei­ne an­de­ren, krea­ti­ven Pro­blem­lö­sun­gen. Wenn ihm nichts mehr ein­fällt, ist es die Oba­ma-Re­gie­rung, die Schuld hat. Das ist bis­wei­len nicht nur falsch, son­dern pein­lich. Et­wa, wenn die Oba­ma-Re­gie­rung für die Ent­ste­hung des IS ver­ant­wort­lich ge­macht wird. Da­bei war es Bol­tons Wir­ken im Ka­bi­nett von Ge­or­ge W. Bush als Staats­se­kre­tär für Rü­stungs­kon­trol­le und In­ter­na­tio­na­le Si­cher­heit, die zum Ira­k­ein­satz, der Mut­ter des IS, führ­te.

Sein Freund-Feind-Den­ken scheint im Kal­ten Krieg stecken­ge­blie­ben zu sein. Das trübt die halb­wegs neu­tra­le Ein­sicht in die In­ter­es­sen An­de­rer (was Kis­sin­ger und Brze­zinski we­nig­stens ge­le­gent­lich ver­such­ten). Das vul­gä­re Leit­prin­zip, dass der Feind mei­nes Fein­des zum Freund wer­de, be­hält er im We­sent­li­chen bei. Bol­ton ver­sucht – auch ei­ne Re­mi­nis­zenz an den Kal­ten Krieg – durch die Im­ple­men­tie­rung von re­gio­na­len Sa­tel­li­ten­mäch­ten, die US-ame­ri­ka­ni­sche In­ter­es­sen ver­tre­ten, die Fol­gen von Trumps Iso­la­tio­nis­mus­be­stre­bun­gen ab­zu­fe­dern. Ei­ner die­ser Stell­ver­tre­ter­mäch­te ist Sau­di-Ara­bi­en, die als Ge­gen­pol zum ex­pan­sio­ni­sti­schen Iran fun­gie­ren. Die­sen Tat­be­stand ent­wickelt Bol­ton im Buch al­ler­dings kaum. Als es um die ira­ni­schen An­grif­fe auf Öl­tan­ker bzw. ei­ne Ent­sal­zungs­an­la­ge in Sau­di-Ara­bi­en geht, wer­den die Ver­strickun­gen Sau­di-Ara­bi­ens im Je­men voll­stän­dig aus­ge­blen­det, wäh­rend dem Iran die Un­ter­stüt­zung der Hu­thi-Re­bel­len vor­ge­hal­ten wird. Dass Sau­di-Ara­bi­en von den USA mit Waf­fen ver­sorgt und da­mit ei­nen Stell­ver­tre­ter­krieg um die Re­gio­nal­macht auf der ara­bi­schen Halb­in­sel führt, er­fährt der Le­ser nur in der eher bei­läu­fi­gen Be­mer­kung, dass der Iran uns, d. h. die Ver­ei­nig­ten Staa­ten, »in der Re­gi­on« an­ge­grif­fen ha­be.

Auf­schluss­reich ist das Ka­pi­tel über die Un­ru­hen in Ve­ne­zue­la En­de 2018/Anfang 2019. Trump und Bol­ton glaub­ten dar­an, dass Ma­du­ro ab­ge­wirt­schaf­tet hat und ihm die Un­ter­stüt­zung durch das Mi­li­tär ver­sagt blei­ben wird, wenn es zur grö­ße­ren Auf­ruhr kom­men soll­te. Man un­ter­stützt den sich selbst zum In­te­rims­prä­si­den­ten pro­kla­mie­ren­den Ju­an Guai­dó, si­chert ihm te­le­fo­nisch Bei­stand zu (wie ge­nau ge­meint war, bleibt un­klar) und ver­hängt nach ei­ni­ger Zeit Sank­tio­nen ge­gen Ve­ne­zue­la. Trump trifft sich in Wa­shing­ton mit Guai­dós Frau, wo­bei ihm am nach­hal­tig­sten in Er­in­ne­rung bleibt, dass sie kei­nen Ehe­ring ge­tra­gen ha­be. Die La­ge in Ve­ne­zue­la ent­wickelt sich nicht zu Gun­sten Guai­dós; es ent­steht ein Patt (bis heu­te). Bol­ton macht da­für Ku­ba­ner ver­ant­wort­lich, die mit rus­si­scher Un­ter­stüt­zung agier­ten (oder um­ge­kehrt?). Mehr ver­mag er nicht zu er­klä­ren, war­um der er­hoff­te Macht­wech­sel aus­blieb. Ei­ne mi­li­tä­ri­sche oder auch ge­heim­dienst­li­che In­ter­ven­ti­on war nicht vor­ge­se­hen. Die all­seits ein­ge­lei­te­ten Wirt­schafts­sank­tio­nen fruch­te­ten nicht wie er­wünscht. Hat­te Trump ir­gend­wann die Lust ver­lo­ren, weil die Din­ge zu lan­ge dau­er­ten? Oder muss sich die USA ein­fach ein­ge­ste­hen, dass sie oh­ne in­ten­ven­tio­ni­sti­sche Maß­nah­men selbst in ei­nem Land wie Ve­ne­zue­la kei­ne Ein­fluss­mög­lich­kei­ten mehr hat?

Ab­kom­men mit Gau­nern

Der Wech­sel von John F. Kel­ly zu Mick Mul­va­ney als Stabs­chef des Wei­ßen Hau­ses macht das Cha­os um Trump nicht ge­rin­ger; eher im Ge­gen­teil. Kel­ly ver­such­te ei­ne ge­wis­se Ord­nung in die Ab­läu­fe zu brin­gen, was je­doch zu­se­hends schwie­ri­ger wur­de. Bol­ton schätz­te Kel­ly, der, im­mer wenn es um den schnel­len und voll­stän­di­gen Rück­zug aus Af­gha­ni­stan geht, ein Bild sei­nes dort ge­fal­le­nen Soh­nes her­vor­holt und die Sinn­fra­ge ob die­ses To­des stellt, wenn man das Land de­nen über­ge­be, die für die to­ten Ame­ri­ka­ner ver­ant­wort­lich sind. Kel­ly ist ein Mu­ster­bei­spiel, wie die Gunst Trumps bin­nen kur­zer Zeit ver­geht (520 Ta­ge Stabs­chef, vor­her 192 Ta­ge In­nen­mi­ni­ster).

Miss­ge­stimmt be­glei­tet Bol­ton die Be­mü­hun­gen des von vie­len Re­gie­rungs­mit­glie­dern eher du­bi­os ein­ge­schätz­ten Zal­may Kha­li­lzad, der Ge­heim­ver­hand­lun­gen mit den af­gha­ni­schen Ta­li­ban son­die­ren soll, die es mög­lich ma­chen sol­len, ei­nen ge­ord­ne­ten Trup­pen­ab­zug der Ame­ri­ka­ner zu ge­währ­lei­sten. Bol­ton ist pi­kiert, das Kha­lizad An­ord­nun­gen be­folgt, die ihm un­ter­sa­gen, ei­nen ak­tu­el­len Stand ei­nes aus­ge­han­del­ten Tex­tes an ihn wei­ter­zu­ge­ben.

Wie schon in Sy­ri­en ver­han­delt Trump zu­nächst re­gie­rungs­in­tern so­zu­sa­gen um je­den US-Sol­da­ten. Denn er will ei­ne voll­stän­di­ge Räu­mung. In Sy­ri­en ei­nigt man sich auf we­ni­ge Hun­dert – Af­gha­ni­stan wird schwie­ri­ger. Am En­de sol­len es 8.600 Sol­da­ten sein, die ver­blei­ben; für Trump ei­gent­lich zu vie­le. Bol­ton lehnt die In­itia­ti­ve nicht aus die­sem Grund ab. Er sieht ein­fach nicht ein, war­um man mit Gau­nern Ab­kom­men schlie­ßen soll, an die sie sich – er­fah­rungs­ge­mäß – nicht hal­ten wer­den. Als die Ver­hand­lun­gen stocken, will Trump den af­gha­ni­schen Prä­si­den­ten Gha­ni (den er stän­dig mit des­sen [kor­rup­tem] Vor­gän­ger Ka­zai ver­wech­selt, wie Bol­ton nicht mü­de ist, zu er­wäh­nen) und Ver­tre­tern der Ta­li­ban so­gar in Wa­shing­ton tref­fen. Bol­ton ist strikt da­ge­gen und fast froh, als ein Selbst­mord­at­ten­tat in Af­gha­ni­stan un­mit­tel­bar vor­her, zu­dem sich die Ta­li­ban be­kann­ten, ein Tref­fen ver­un­mög­licht. Schließ­lich wur­de am 29.2.2020 ein Ab­kom­men ab­ge­schlos­sen. Da war Bol­ton schon ein hal­bes Jahr nicht mehr da­bei.

Hy­ste­ri­sches und feh­ler­haft ge­führ­tes Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren

Am En­de be­schäf­tigt sich Bol­ton mit der Ukrai­ne und den Vor­gän­gen, die zum Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren ge­führt hat­ten. Da­bei wer­den trennt die per­sön­lich er­leb­ten Au­gen­blicke von dem Ver­fah­ren um Bol­tons An­hö­rung und sei­ner Ein­schät­zung der Af­fä­re ge­trennt. Die Trump-Re­gie­rung hat­te zur Stich­wahl zum ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten zwi­schen dem Amts­in­ha­ber Po­ro­schen­ko und dem »Schau­spie­ler« Se­lens­ki­yj kei­nen Zwei­fel an der Be­vor­zu­gung Se­lens­ki­y­js ge­las­sen (ganz im Ge­gen­satz bei­spiels­wei­se zu Deutsch­land). Nach­dem Se­lens­ki­yj die Wahl ge­won­nen hat­te, kam es zu dem be­sag­ten und spä­ter ver­öf­fent­li­chen Te­le­fo­nat, dass von Whist­leb­lo­wern in die Öf­fent­lich­keit ge­bracht wur­de. Trump hat­te durch sei­nen An­walt Giu­lia­ni er­fah­ren, dass Joe Bi­den als Vi­ze­prä­si­dent bei den Be­hör­den auf die Ent­las­sung ei­nes Ge­ne­ral­staats­an­wal­tes in der Ukrai­ne dräng­te, der ein Kor­rup­ti­ons­ver­fah­ren ge­gen die ukrai­ni­schen Gas-Hol­ding Bu­ris­ma (of­fi­zi­el­ler Fir­men­sitz: Li­mas­sol, Zy­pern) an­streng­te, in der sein Sohn be­schäf­tigt war. Tat­säch­lich wur­de der Staats­an­walt ent­las­sen, der sei­ner­seits der Vor­teils­nah­me be­schul­digt wur­de. Des­wei­te­ren soll über die Ukrai­ne Hil­la­ry Clin­ton 2016 Wahl­kampf­hil­fe für die De­mo­kra­ten or­ga­ni­siert wor­den sein. Bol­ton sug­ge­riert, dass er Ge­rüch­te dritt- oder viert­gra­di­gen Hö­ren­sa­gens nicht für re­le­vant hält und meint da­mit Giu­lia­nis Er­zäh­lun­gen.

Bei­de Vor­gän­ge ver­blas­sen hin­ter dem Vor­wurf, Trump ha­be in dem Te­le­fo­nat mit Se­lens­ki­yj sug­ge­riert, ja: ge­be­ten, nach Be­le­gen für die­se An­schul­di­gen nach­for­schen zu las­sen, um sei­ne Wie­der­wahl 2020 da­mit ab­zu­si­chern. Dies führ­te schließ­lich zum Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren ge­gen Trump. All dies er­lebt Bol­ton nicht mehr als ak­ti­ves Mit­glied der Re­gie­rung. Er be­harrt dar­auf, dass er ge­kün­digt ha­be und ver­kün­det stolz, er wä­re am 10. Sep­tem­ber 2019 wie­der ein frei­er Mann ge­we­sen.

In ei­nem Epi­log hält sich Bol­ton mit der Be­wer­tung der ei­gent­li­chen An­schul­di­gun­gen zu­rück. Statt­des­sen ar­gu­men­tiert er ju­ri­stisch, er­klärt die oft er­schreckend fal­sche Be­richt­erstat­tung in den Me­di­en und die enor­men Feh­ler der­je­ni­gen, die das Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren be­trie­ben hät­ten: Wenn Trump ei­ne Amts­ent­he­bung
und Ver­ur­tei­lung ver­dien­te, dann ver­dien­te die ame­ri­ka­ni­sche Öf­fent­lich­keit ei­nen ernst­haf­ten und gründ­li­chen Ver­such, die au­ßer­or­dent­li­che Stra­fe der Amts­ent­he­bung ei­nes ge­wähl­ten Prä­si­den­ten zu recht­fer­ti­gen. Das ist nicht ge­sche­hen. Er wirft den De­mo­kra­ten das­sel­be Ver­hal­ten vor, dass sie Trump vor­hal­ten: Ein Prä­si­dent darf die le­gi­ti­men Be­fug­nis­se der na­tio­na­len Re­gie­rung nicht miss­brau­chen, in­dem er sein ei­ge­nes per­sön­li­ches In­ter­es­se als gleich­be­deu­tend mit dem na­tio­na­len In­ter­es­se de­fi­niert…
Aber die Op­po­si­ti­on ma­che dies mit dem Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren eben­falls. Und zwar, so die Poin­te Bol­tons, in dem sie nicht tief ge­nug ana­ly­siert: Hät­te sich das Re­prä­sen­tan­ten­haus nicht nur auf die ukrai­ni­schen Aspek­te von Trumps Ver­wechs­lung sei­ner per­sön­li­chen In­ter­es­sen (ob po­li­tisch oder wirt­schaft­lich) kon­zen­triert, son­dern auf das brei­te­re Mu­ster sei­nes Ver­hal­tens – ein­schließ­lich sei­ner Druck­kam­pa­gnen, an de­nen u. a. die Halk­bank, ZTE und Hua­wei be­tei­ligt wa­ren –, wä­re die Chan­ce grö­ßer ge­we­sen, an­de­re da­von zu über­zeu­gen, dass »schwer­wie­gen­de Ver­bre­chen und Ver­ge­hen« be­gan­gen wur­den. Tat­säch­lich fällt es mir schwer, wäh­rend mei­ner Amts­zeit ei­ne be­deu­ten­de Ent­schei­dung Trumps zu er­ken­nen, die nicht von Kal­ku­la­tio­nen be­züg­lich sei­ner Wie­der­wahl ge­trie­ben war. Das Re­prä­sen­tan­ten­haus ha­be, so Bol­ton, man­nig­fal­ti­ge Feh­ler be­gan­gen, das Ver­fah­ren sei über­stürzt ein­ge­lei­tet und hy­ste­risch ge­führt wor­den.

Re­la­tiv deut­lich wird Bol­tons Mei­nung, dass er der von den De­mo­kra­ten ge­wähl­ten An­lass für das Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren – die »Ukraine«-Geschichte – für eher ir­reve­lant sieht. Zwi­schen den Zei­len kann man auf­grund der auf­ge­zähl­ten Druck­kam­pa­gnen (die im Buch aus­führ­lich be­han­delt wer­den) ei­ne ge­wis­se Nei­gung Bol­tons für die Not­wen­dig­keit ei­nes Amts­ent­he­bungs­ver­fah­rens er­ken­nen. Tri­via­li­siert wird dies mit der Aus­sa­ge, dass Trumps Han­deln häu­fig von den Ge­dan­ken an sei­ne Wie­der­wahl ge­prägt sei­en. Streng ge­nom­men dürf­te dies bei sehr vie­len Ent­schei­dun­gen auch an­de­rer Prä­si­den­ten der Fall ge­we­sen sein. Wer ver­ord­net schon ger­ne un­po­pu­lä­re Maß­nah­men?

Zur Fra­ge, war­um Bol­ton nicht vor dem Ge­heim­dienst­aus­schus­ses des Re­prä­sen­tan­ten­hau­ses aus­ge­sagt ha­be, wie­der­holt er sei­ne am 6. Ja­nu­ar 2020 ab­ge­ge­be­ne Er­klä­rung. Bol­ton ar­gu­men­tiert ver­fah­rens­tech­nisch. Grob zu­sam­men­ge­fasst: Es gibt ei­ne an­geb­lich zwin­gen­de Bin­dung an die Vor­la­dung. Gleich­zei­tig ha­be der Prä­si­dent ihn auf­ge­for­dert, nicht aus­zu­sa­gen. An­wäl­te be­schäf­tig­ten sich mit dem Pro­blem. Bol­tons Er­klä­rung geht da­hin, dass er be­reit wä­re vor dem Se­nat aus­zu­sa­gen. Da­zu ist es je­doch nicht mehr ge­kom­men, was den Le­ser ein we­nig rat­los zu­rück­lässt, weil Bol­ton es als na­tür­lich be­zeich­net, dass der Se­nat Zeu­gen ab­lehn­te.

(Fast) zum Schluss gibt es von Bol­ton noch ei­ne kaum ver­steck­te Pro­gno­se, ver­bun­den mit ei­ner Poin­te: Ein Prä­si­dent Trump in der zwei­ten Amts­zeit wird weit we­ni­ger durch die Po­li­tik ein­ge­schränkt sein als in sei­ner er­sten Amts­zeit. Die Iro­nie könn­te durch­aus dar­in lie­gen, dass sich die De­mo­kra­ten in sei­ner zwei­ten Amts­zeit in­halt­lich mit ei­nem Trump, der ein Ver­mächt­nis an­strebt, weit­aus mehr zu­frie­den­ge­ben wer­den als Kon­ser­va­ti­ve und Re­pu­bli­ka­ner. Dar­über soll­te man nach­den­ken.

Ich den­ke al­ler­dings auch dar­über nach, ob die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka ei­ne zwei­te Amts­zeit von Do­nald Trump po­li­tisch und ge­sell­schaft­lich über­haupt über­ste­hen kön­nen. Bol­tons Buch lässt ei­nem dies­be­züg­lich nicht ru­hi­ger schla­fen. Wenn je­mand wie er mit sei­nem ra­di­ka­len Neo­kon­ser­va­tis­mus fast noch als das ge­rin­ge­re Übel er­scheint, dann…

Die kur­siv ge­setz­ten Pas­sa­gen sind Zi­ta­te aus dem be­spro­che­nen Buch (Stand: Fah­nen­ein­gang vom 28.07.2020).

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Uuuuuh, das ist gründ­lich (und wird be­stimmt noch­mal durch­ge­le­sen).

    Bol­ton fin­det, Trump sei nicht Fal­ke (= Krie­ger) ge­nug, und be­legt das doch ein­drück­lich. Das kann man na­tür­lich schlimm fin­den...

    Ihr Aus­blick auf die mög­li­che zwei­te Amts­zeit Trumps ist der Glei­che wie der all­ge­mein vor­herrr­schen­de beim Amts­an­tritt von Trump (in der NYT las man da­mals: Trump sei »li­ter­al­ly Hit­ler«): Das kann, ja muss sehr übel aus­ge­hen.

    In­des hat Jo­na­than Fran­zen beim Amts­an­tritt Trumps mit sei­ner Pro­gno­se bis­her recht be­hal­ten, und nicht die Apo­ka­lyp­ti­ker: Dies sei nicht (! dk) das En­de der USA. Wir wer­den es al­le über­le­ben (Pra­phra­se aus dem Ge­dächt­nis).

    PS
    Der lt. Bol­ton of­fen­bar kor­rup­te Joe Bi­den zeigt mitt­ler­wei­le Zei­chen der De­menz und sei­ne Vi­ze­prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tin Ka­ma­la Har­ris ist so in­kom­pe­tent, dass ihr selbst ih­re Vor­wahl­kam­pa­gne ent­glitt.

  2. Bol­ton schreibt mit kei­nem Wort in dem Buch, dass er Bi­den für kor­rupt hält. Bit­te evtl. noch mal le­sen. (Über Har­ris schreibt er auch nichts, wie auch. Ob sie in­kom­pe­tent ist, ver­mag ich nicht zu sa­gen. Sie kennt sich min­de­stens mit po­lit-ad­mi­ni­stra­ti­ven Din­gen aus. Im Ge­gen­satz zu vie­len Re­gie­rungs­mit­glie­dern, die Trump ge­holt hat – steht bei Bol­ton.)

  3. wg. Joe Biden’s kor­rup­ten Ver­hal­ten steht bei Ih­nen oben doch das da – und das ist ja kor­rekt: »...dass Joe Bi­den als Vi­ze­prä­si­dent bei den Be­hör­den auf die Ent­las­sung ei­nes Ge­ne­ral­staats­an­wal­tes in der Ukrai­ne dräng­te, der ein Kor­rup­ti­ons­ver­fah­ren ge­gen die ukrai­ni­schen Gas-Hol­ding Bu­ris­ma (of­fi­zi­el­ler Fir­men­sitz: Li­mas­sol, Zy­pern) an­streng­te, in der sein Sohn be­schäf­tigt war.« Ich hab’ Ih­re Pas­sa­ge so ge­le­sen, dass sie sich auf Bol­ton be­zog. Das schien mir auch plau­si­bel, zu­mal Bol­ton wie­der­holt er­klärt hat, er wer­de bei der Wahl nicht für Trump stim­men, – aber auch nicht für Joe Bi­den.

    Joe Bi­den hat in sei­ner Ukrai­ne-Fa­mi­ly-Af­fair zu­dem wie­der­holt die Un­wahr­heit ge­sagt (ich ver­mu­te: ge­lo­gen), als sie nach und nach ans Licht kam.

  4. Der Ge­ne­ral­staats­an­walt in der Ukrai­ne galt nicht nur bei Obama/Biden sel­ber als kor­rupt. Wenn die Re­gie­rung da­bei Hand an­ge­legt hat, dann als po­li­ti­sche Maß­nah­me. Dass Bi­den bzw. sein Sohn da­bei »Vor­tei­le« hat­te – mög­lich. Bol­ton spielt die An­ge­le­gen­heit her­un­ter, wie er auch das Te­le­fo­nat Trump/Selenskyj her­un­ter­spielt.

    Dass Bol­ton für Trump stimmt, hal­te ich für wahr­schein­lich, ist aber am En­de egal, denn es ist nur ei­ne Stim­me.

  5. https://www.ad-hoc-news.de/ausland/der-fruehere-nationale-sicherheitsberater-donald-trumps-john-bolton-hat/60500767

    John Bol­ton sagt hier, wie er es ma­chen wird bei der Prä­si­den­ten­wahl: Er wer­de ein­fach ei­nen Na­men auf­schrei­ben auf den Wahl­zet­tel.

    Dass John Bol­ton sagt über­dies, er wer­de als er­klär­ter Trump-Geg­ner nicht Joe Bi­den wäh­len. Das ist von Ge­wicht. Denn John Bol­ton ist nach wie vor ei­ne viel­ge­hör­te Stim­me in der US-Öf­fent­lich­keit.

    Joe Bi­den ist in ei­nem jam­mer­vol­len Zu­stand, und zu­min­dest der­zeit we­gen sei­ner of­fen­ba­ren gei­sti­gen Pro­ble­me nicht fä­hig, Prä­si­dent der USA zu sein. – Beim Him­mel, er wür­de als Bür­ger­mei­ster­kan­di­dat ei­ner schwei­ze­ri­schen oder süd­deut­schen Klein­stadt chan­cen­los sein. Al­le wür­den sich ent­setzt an den Kopf fas­sen.

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