Vom Miss­trau­en sich selbst ge­gen­über. An­mer­kun­gen zum An­ti­fa­schis­mus.

Er wis­se nicht, sag­te ein Freund vor et­li­chen Jah­ren in ei­ner Dis­kus­si­on über den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus, was er da­mals für ein Schwein ge­we­sen wä­re: Sei­ne Wor­te fie­len mir in den ver­gan­ge­nen Ta­gen rund um die Dis­kus­sio­nen über den Aka­de­mi­ker­ball der FPÖ, die da­mit ver­bun­de­nen De­mon­stra­tio­nen und ge­walt­tä­ti­gen Aus­schrei­tun­gen wie­der ein: Es blieb das ein­zi­ge Mal bis­lang, dass sich je­mand in mei­nem Bei­sein oder auch öf­fent­lich nicht nur der­art ra­di­kal, son­dern über­haupt selbst das Miss­trau­en aus­ge­spro­chen hat­te: Noch im­mer nö­tigt mir die­ser Satz ei­ne Men­ge Re­spekt ab und ich hät­te ihn in der Ver­gan­gen­heit nicht aus­zu­spre­chen ver­mocht: Heu­te hin­ge­gen er­scheint es mir bei­na­he bil­lig ihn nach­zu­spre­chen, ob­wohl es das, so es ernst ge­meint und mit Nach­druck ge­schieht, kei­nes­wegs ist.

Die, in der Tra­di­ti­on der Auf­klä­rung ste­hen­de, Re­fle­xiv­wer­dung des Sub­jekts, sei­nes Han­delns und Den­kens, ist ne­ben der Kri­tik als sol­cher, ein un­ver­zicht­ba­res Ele­ment zur Wahr­neh­mung au­to­ri­tä­rer oder to­ta­li­tä­rer Spu­ren: Erst das Wis­sen um die ei­ge­ne An­fäl­lig­keit und da­mit: Fehl­bar­keit ver­hin­dert, im Kon­trast, mit­un­ter ei­nem Ide­al ge­gen­über, dass man sich (un­be­merkt), trotz (wo­mög­lich) be­ster Ab­sich­ten, dem­je­ni­gen nä­hert, das man ei­gent­lich ab­lehnt oder zu ver­hin­dern trach­tet: Die Re­fle­xiv­wer­dung be­deu­tet ei­ne zu­min­dest for­ma­le Dis­po­si­ti­on der ei­ge­nen An­sich­ten und Grund­sät­ze, und ist da­mit der Grund­be­din­gung je­des ernst ge­mein­ten Dis­kur­ses nicht un­ähn­lich.

Au­to­ri­tä­re und to­ta­li­tä­re Sy­ste­me ver­dan­ken ih­re Exi­stenz und ih­re Aus­brei­tung auch die­sem feh­len­den Miss­trau­en und selbst im öf­fent­li­chen Dis­kurs un­se­rer De­mo­kra­ti­en las­sen sich Spu­ren ge­nug fin­den, vor al­lem dann, wenn es um Ho­heit und Auf­merk­sam­keit geht oder den (ver­meint­li­chen) Sieg über den po­li­ti­schen Geg­ner. Da­bei soll­te dem Ar­gu­ment ei­gent­lich die grö­ße­re Rol­le und der Über­zeu­gung, der Mo­ral und der Ge­sin­nung ei­ne – be­sten­falls – klei­ne, der zeit­li­chen Rei­he nach ge­se­hen, zu­kom­men: Dies vor al­lem weil Ar­gu­men­te nach­voll­zieh­bar und prüf­bar sind, und un­ab­hän­gig Per­so­nen oder Au­to­ri­tä­ten ge­gen­über, ja mehr noch: Le­gi­ti­mi­tät nach au­ßen hin er­langt man in öf­fent­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten nur durch Of­fen­heit (for­ma­le An­greif­bar­keit) und Nach­voll­zieh­bar­keit (So­li­di­tät) ei­ner Ar­gu­men­ta­ti­on1 : Al­les an­de­re er­gibt sich im Er­geb­nis dar­aus und nicht um­ge­kehrt.

In den Dis­kus­sio­nen der ver­gan­ge­nen Ta­ge stell­te sich die Fra­ge nach der Ge­walt als ein Mit­tel der Po­li­tik ei­ner­seits, aber auch ganz grund­sätz­lich an­de­rer­seits: Bei den Bür­gern und in den Me­di­en, bei Be­tei­lig­ten und Un­be­tei­lig­ten, manch­mal rhe­to­risch, um die Pro­te­ste ins­ge­samt zu dis­kre­di­tie­ren, und aus der Si­tua­ti­on Ka­pi­tal zu schla­gen, vor al­lem aber weil man seit ei­ni­gen Jah­ren der­ar­ti­ge Di­men­sio­nen nicht mehr er­lebt hat2. Man­che Wort­mel­dun­gen wa­ren ein­deu­tig und ver­nei­nend, an­de­re zau­der­ten, mä­an­der­ten und un­ter­gru­ben, rhe­to­risch nicht un­ge­schickt, eben je­ne Ba­sis des öf­fent­li­chen Dis­kur­ses. — In ih­rer grund­sätz­li­chen Struk­tur und Ab­sicht sind sie wohl der haupt­säch­li­che Grund war­um mir die Selbst­zu­schrei­bung »An­ti­fa­schis­mus« im­mer fremd ge­blie­ben ist, wie ein Ver­spre­chen, das nicht zu hal­ten im Stan­de ist, was es zu sein vor­gibt3.

Der Bun­des­spre­cher der Jun­gen Grü­nen, Cen­giz Ku­lac, ver­wies in ei­ner Art Re­plik an die Kri­ti­ker ei­ner für die Pro­te­ste zur Ver­fü­gung ge­stell­ten Home­page und ei­ner da­mit im Zu­sam­men­hang ste­hen­den un­kla­ren Ab­gren­zung vom ge­walt­tä­ti­gen Teil der De­mon­stran­ten dar­auf, dass man am Ho­lo­caust­ge­denk­tag et­was an­de­res tun soll­te, als den An­ti­fa­schis­mus zu kri­mi­na­li­sie­ren: Hier fin­den gleich zwei Schein­ar­gu­men­te An­wen­dung: Zu­erst ein Stroh­mann­ar­gu­ment und dann ein au­to­ri­tä­rer Ver­weis auf ei­ne nicht zu hin­ter­fra­gen­de Ge­ge­ben­heit (den Ho­lo­caust­ge­denk­tag). Ähn­li­ches tun Fun­da­men­ta­li­sten, wenn sie als Recht­fer­ti­gung auf die Bi­bel oder den Ko­ran ver­wei­sen (dort steht ge­schrie­ben, da­her...). Ja­ni­ne Wulz, vor­mals Vor­sit­zen­de der öster­rei­chi­schen Hoch­schü­ler­schaft, »ar­gu­men­tier­te« ganz ähn­lich: Es sei »ex­trem pro­ble­ma­tisch«, dass die Jun­gen Grü­nen in ein kri­mi­nel­les Eck ge­drängt wür­den und man der FPÖ in die Hän­de spie­le. Wie­der wird ein Stroh­mann ge­baut und auf mil­dern­de Um­stän­de (»den Bö­sen«) als Recht­fer­ti­gung ver­wie­sen (ent­kräf­tet wird die Kri­tik frei­lich nicht, bloß ver­hüllt). Ana­log be­zeich­net sie die Vor­wür­fe an an­de­rer Stel­le als »to­tal ab­surd, sie sol­len da­zu die­nen, den Dis­kurs ge­gen An­ti­fa­schis­mus wei­ter an­zu­feu­ern« (im­mer­hin ge­lingt es ihr die ge­walt­be­rei­ten De­mon­stran­ten als Schwach­köp­fe zu be­zeich­nen).

Ju­lia Spa­cil, Sach­be­ar­bei­te­rin im ÖH-Re­fe­rat für an­ti­fa­schi­sti­sche Ge­sell­schafts­kri­tik, ant­wor­tet auf die Fra­ge ob sie sich von Ge­walt di­stan­zie­re: »Selbst­ver­ständ­lich bin ich für ei­ne Ge­sell­schaft oh­ne Ge­walt, wor­un­ter ich auch struk­tu­rel­le ver­ste­he. Da­für set­ze ich mich ein. Die­se un­säg­li­che Ge­walt­de­bat­te und die stän­di­ge Auf­for­de­rung, sich zu di­stan­zie­ren, füh­ren aber zur Spal­tung des an­ti­fa­schi­sti­schen Pro­tests in gu­te und bö­se De­mon­stran­tin­nen. Sich auf Zu­ruf der FPÖ zu di­stan­zie­ren lässt sich auf ih­re Stra­te­gie ein, vom Ball als Tref­fen der ex­tre­men Rech­ten ab­zu­len­ken. Ich ha­be den De­mon­stra­ti­ons­zug von der Uni­ver­si­tät Wien aus be­glei­tet, des­sen Ak­ti­ons­kon­sens klar ist: Von der Of­fen­si­ve ge­gen Rechts wird kei­ne Es­ka­la­ti­on aus­ge­hen. Das ist ei­ne po­li­ti­sche Ent­schei­dung, hin­ter der ich mich wie­der­fin­den kann.« Als (teil­wei­se) Ent­schul­dung wird durch den Be­griff der struk­tu­rel­len Ge­walt auf die Ge­sell­schaft ver­wie­sen; der An­ti­fa­schis­mus wird, als »sa­kro­sankt« aus­ge­wie­sen, er darf un­ter kei­nen Um­stän­den ge­spal­ten wer­den (wie­der­um ein Stroh­mann); das Bö­se wird be­nannt und da­mit die mo­ra­li­schen Ge­bo­te und Zu­ge­hö­rig­kei­ten; ei­ne Re­fle­xi­on von Feh­lern der un­ter­schied­li­chen Grup­pie­run­gen oder des Gan­zen wird, ob­wohl man sich als sol­ches ver­steht, ver­wei­gert, Be­grün­dung blei­ben au­ßen vor. Ei­ne na­he­zu iden­te Stra­te­gie ver­folg­te Na­ta­scha Stro­bl (Of­fen­si­ve ge­gen Rechts) in der Dis­kus­si­ons­run­de »Im Zen­trum»4.

All die­se Stra­te­gi­en sind kei­ne Spe­zia­li­tät des An­ti­fa­schis­mus’, sie ha­ben fast über­all Ein­gang in den öf­fent­li­chen Dis­kurs ge­fun­den: Ganz in die­sem Sinn sind die üb­li­chen Di­stan­zie­rungs­spiel­chen, die (oft un­ter­stel­lend) ei­ne be­stimm­tes Ge­sin­nungs­be­kennt­nis for­dern und ei­ne Ein­ord­nung in ein Gut-Bö­se-Sche­ma er­mög­li­chen, ein Ent­we­der-oder, das in der Rea­li­tät oft gar nicht exi­stiert. — Viel­leicht sind man­che der Prot­ago­ni­sten des öf­fent­li­chen Le­bens schon zu weit in die­sem Sy­stem ge­fan­gen und be­mer­ken nicht mehr wor­auf es an­kommt: Es spricht Bän­de über die kri­ti­schen Ga­ran­ten un­se­rer De­mo­kra­tie, Jour­na­li­sten, die zwar bei je­der Ge­le­gen­heit Ein­schrän­kun­gen der Pres­se­frei­heit be­jam­mern, aber die­se rhe­to­ri­schen Stra­te­gi­en nicht de­chif­frie­ren.


  1. ein Mindestmaß an Genauigkeit darf selbstverständlich auch nicht fehlen 

  2. die sich vermutlich in anderen Ländern, auch Deutschland, dramatischer ausnehmen 

  3. jedenfalls im Gewicht der öffentlichen Aussagen, gewiss wird die Allgemeinheit dieser Feststellung nicht allen Nuancen gerecht 

  4. alle angesprochenen Personen waren meines Wissens nicht an gewalttätigen Akten beteiligt, es geht hier nur um die Äußerungen und Argumente die in der Öffentlichkeit vorgebracht werden 

18 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich ken­ne mich jetzt nicht so gut in Öster­reich aus, aber hät­te es von dem »Aka­de­mi­ker­ball« auch nur an­satz­wei­se ei­nen solch gro­ßen me­dia­len Hype ge­ge­ben, wenn die Pro­te­ste nicht der­art ve­he­ment ge­we­sen wä­ren? Die­se Fra­ge stellt sich mir auch, wenn in ir­gend­wel­chen deut­schen Städ­ten 40 oder 50 Neo­na­zis de­mon­strie­rend her­um­lau­fen und von der Po­li­zei es­kor­tiert wer­den, weil es viel­leicht die 10- oder 20fache Men­ge von Ge­gen­de­mon­stran­ten gibt. Dann braucht nur ein Fun­ke über­zu­sprin­gen – und die an sich lä­cher­li­che Neo­na­zi-De­mo wird über­re­gio­nal in den Me­di­en ge­spie­gelt.

    Ei­ne schwie­ri­ge Sa­che, denn an­de­rer­seits ist der Spruch, den An­fän­gen zu weh­ren, durch­aus re­le­vant. Und man möch­te ja auch viel­leicht nicht un­be­dingt vor sei­ner Haus­tür ei­ne sol­che De­mon­stra­ti­on ha­ben. Zu be­den­ken ist aber: Rechts­ra­di­ka­le Grup­pie­run­gen brau­chen Öf­fent­lich­keit, um sich dort dar­stel­len zu kön­nen. Sie er­hal­ten die­se Öf­fent­lich­keit in der Re­gel nicht in »nor­ma­len« Me­di­en; ih­re Ver­tre­ter sit­zen sich nicht Talk­shows, wer­den nicht zu re­le­van­ten ge­sell­schaft­li­chen The­men be­fragt. Sie müs­sen al­so, um sich ei­ne ge­wis­se Prä­senz zu si­chern, Af­fek­te er­zeu­gen. Dies ge­lingt am be­sten mit Ak­tio­nen, die dann in den Me­di­en be­rich­tet wer­den. Im Land­tags­wahl­kampf von Nord­rhein-West­fa­len 2012 hat die rechts­ex­tre­mi­sti­sche Par­tei »ProN­RW« durch spek­ta­ku­lä­re Ak­tio­nen me­di­al ei­nen Coup ge­lan­det: Die an­schlie­ßen­den Aus­schrei­tun­gen und Stra­ßen­kämp­fe mit sala­fi­sti­schen Ex­tre­mi­sten, die durch das Zei­gen der Mo­ham­med-Ka­ri­ka­tu­ren ih­re re­li­giö­sen Ge­füh­le ver­letzt sa­hen, führ­te im­mer­hin da­zu, dass die Par­tei sich als Hü­te­rin der Mei­nungs­frei­heit ge­rie­ren konn­te. Hät­te es die Aus­schrei­tun­gen als Re­ak­tio­nen auf die Pro­vo­ka­ti­on der »ProNRW«-Partei nicht ge­ge­ben, wä­re es nicht zur (über)regionalen Auf­merk­sam­keit ge­kom­men. Ge­nutzt hat es üb­ri­gens nichts: Bei den Wah­len be­kam man 1,5%, drei Jah­re vor­her 1,4%.

    Das Bei­spiel soll zei­gen, wie schwie­rig der Sach­ver­halt sein kann, wenn es kei­ne ein­deu­ti­gen Zu­wei­sun­gen von Gut und Bö­se gibt. Beim »An­ti­fa­schis­mus« ist das ja eher an­ders: Gut und Bö­se sind klar ge­ord­net und un­ter ge­wis­sen Um­stän­den gilt Ge­walt als ei­ne Art Tu­gend; in den 1970er Jah­ren dis­ku­tier­te man über ei­nen Un­ter­schied von Ge­walt ge­gen Men­schen oder ge­gen Sa­chen.

    Die Di­stan­zie­rungs­spiel­chen sind da­her tat­säch­lich wirk­lich eher lä­cher­lich. Die Fra­ge ab­zu­tun mit der Be­mer­kung dass da­mit der Dis­kurs ge­gen den An­ti­fa­schis­mus »an­ge­feu­ert« wür­de, ist na­tür­lich nur ei­ne rhe­to­ri­sche Vol­te. Üb­ri­gens ge­nau so, als stel­le man die Po­li­zei als Ver­tei­di­ger von Fa­schi­sten dar. Wort­ge­klin­gel.

    Um vom »Aka­de­mi­ker­ball« ein biss­chen weg­zu­kom­men: Von au­ßen ver­neh­me ich ei­ne ex­tre­me Furcht bei der öster­rei­chi­schen Lin­ken, dass die FPÖ spä­te­stens bei der näch­sten Wahl nicht nur in der Re­gie­rung sitzt, son­dern so­gar den Kanz­ler stel­len könn­te. Es ist für mich ja lan­ge schon ein Alarm­si­gnal, dass die so­ge­nann­te »Gro­ße Ko­ali­ti­on« nur noch ganz knapp die Mehr­heit stellt – was sich dann ja im ver­gan­ge­nen Jahr er­schreckend zeig­te. Die Spal­tung in­ner­halb der rech­ten Par­ti­en in Öster­reich scheint so­zu­sa­gen ent­schie­den zu sein; das BZÖ ist mar­gi­na­li­siert und de­ren An­hän­ger wer­den zur FPÖ ge­hen. Der Mil­li­ar­där Stro­nach wird bei der näch­sten Wahl auch kei­ne Rol­le mehr spie­len (ich hat­te neu­lich ei­ne In­ter­view-Sen­dung mit Stro­nach ge­hört: er­schreckend, was da kam, näm­lich rein gar nichts, nur Kaf­fee­haus­pa­ro­len und Schmäh).

    Die Furcht vor der FPÖ als dem­nächst stärk­ster po­li­ti­schen Kraft dürf­te mei­ner Mei­nung nach re­al sein (trotz ver­nich­ten­der Nie­der­la­ge in Kärn­ten). Das zeigt aber auch, dass die dis­kur­si­ve Aus­ein­an­der­set­zung mit den The­sen und Pro­gramm­punk­ten der FPÖ schon jetzt prak­tisch als ge­schei­tert be­trach­tet wird.

  2. Ich ha­be noch ei­nen Link zur Ge­schich­te des Balls in den Text ein­ge­fügt, was ich vor­hat­te, dann aber ver­ges­sen ha­be. Der Ball wur­de bis vor we­ni­gen Jah­ren vom Wie­ner Kor­po­ra­ti­ons­ring (WKR; ei­ne über­ge­ord­ne­te Or­ga­ni­sa­ti­on di­ver­ser na­tio­na­ler Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen, nicht nur, aber Groß­teils Bur­schen­schaf­ten) ver­an­stal­tet, bis die Be­trei­ber­ge­sell­schaft, die für die Ver­mie­tung der Räum­lich­kei­ten in der Hof­burg ver­ant­wort­lich ist, den Ver­trag nicht mehr ver­län­gert hat; die FPÖ sprang als Ver­an­stal­ter ein und der Ball heißt nun Aka­de­mi­ker­ball. Man hat den Ball als rechts­ex­tre­mes Ver­net­zungs­tref­fen be­zeich­net (z.B. hat Ma­ri­ne Le Pen den Ball 2013 be­sucht); heu­er kann man mit ziem­li­cher Si­cher­heit sa­gen, dass kein pro­mi­nen­ter rech­ter Po­li­ti­ker aus dem Aus­land zu­ge­gen war (je­den­falls nach der Be­richt­erstat­tung und den An­ga­ben der Ver­an­stal­ter). Die Hof­burg ist na­tür­lich ei­ne re­prä­sen­ta­ti­ve Adres­se, die be­nutz­ten Räum­lich­kei­ten zäh­len je­doch nicht zu den of­fi­zi­el­len. Lan­ge Zeit hat der Ball nie­man­den in­ter­es­siert (der Fo­kus lag auf dem Opern­ball). Man­che wol­len den Ball an ei­nem an­de­ren Ort ha­ben, an­de­re ihn zu Gän­ze ver­hin­dern. Der Rechts­staat si­chert al­len (un­be­schol­te­nen) Bür­gern Ver­samm­lungs­frei­heit zu, ein ho­hes, zu ach­ten­des Gut. Das wä­re in Kür­ze die La­ge der Din­ge. Hin­zu kommt auch, dass ein ge­mein­sa­mer Geg­ner, das un­ein­heit­li­che (zer­split­ter­te) po­li­tisch lin­ke La­ger zu­min­dest kurz­fri­stig ei­nigt. Dass der Ball zu­min­dest seit­dem ihn die FPÖ ver­an­stal­tet auch ei­ne po­li­ti­sche Di­men­si­on hat, ist nicht von der Hand zu wei­sen.

    Wie Du schon schreibst: Kaum je­mand wür­de den Ball be­ach­ten, gä­be es den me­dia­len Hype nicht (ich stim­me Dei­nen Aus­füh­run­gen zu); was man vor der Haus­tü­re (oder in der Hof­burg) ha­ben möch­te in Eh­ren, aber in ei­ner De­mo­kra­tie gibt der Rechts­staat den Rah­men vor (so sehr es auch är­gern mag) — Pro­te­ste und De­mon­stra­ti­on sind na­tür­lich ge­nau­so le­gi­tim.

    Mit dem Tod von Jörg Hai­der war die Spal­tung im Prin­zip er­le­digt, sei­ne Nach­fol­ger ver­füg­ten bei wei­tem nicht über sein po­li­ti­sche Ta­lent. In­so­fern ver­wun­dert die Stär­ke der FPÖ. Oder man er­klärt sie als Schwä­che der an­de­ren: Die Ar­bei­ter lau­fen längst in Scha­ren zu den Blau­en über, ein Re­zept hat die SPÖ noch nicht ge­fun­den; et­li­che Kon­ser­va­ti­ve kön­nen mit der ÖVP nichts mehr an­fan­gen und wäh­len in der Not auch Blau (die ÖVP schwä­chelt in den Städ­ten, ist kei­ne klas­sisch kon­ser­va­ti­ve Par­tei mehr, hat aber kei­ne »mo­der­ne Form des Kon­ser­va­tis­mus« ge­fun­den, an der Spit­ze sieht es auch nicht ro­sig aus und die Par­tei ist he­te­ro­gen [kon­ser­va­tiv, li­be­ral, Wirt­schaft, Bau­ern, Ar­beit­neh­mer] und eher de­zen­triert.)

    Was fehlt ist aber ei­ne po­li­ti­sche Ant­wort jen­seits der Phra­sen: Hai­der trat ge­gen die gro­ße Ko­ali­ti­on auf, Stra­che braucht bloß kei­ne Feh­ler zu ma­chen. Das zeigt aber auch, dass die dis­kur­si­ve Aus­ein­an­der­set­zung mit den The­sen und Pro­gramm­punk­ten der FPÖ schon jetzt prak­tisch als ge­schei­tert be­trach­tet wird. Sie ist zu we­nig ver­sucht wor­den, bzw. hat man den Schwer­punkt auf an­de­res ver­la­gert; und man scheint nicht zu ver­ste­hen, dass die Wäh­ler­schaft der FPÖ nicht ho­mo­gen ist (mei­ner Ein­schät­zung nach).

    Wer Stro­nachs En­ga­ge­ment vom Fuß­all her kann­te, wuss­te was kom­men wür­de (mitt­ler­wei­le hat er sich zu­rück­ge­zo­gen). Aber: Er und die Ne­os zei­gen, dass das Be­dürf­nis nach et­was Neu­em vor­han­den ist (tot ist das po­li­ti­sche In­ter­es­se noch nicht).

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  4. Die Gro­ße Ko­ali­ti­on als Re­gel­re­gie­rung hat ver­mut­lich ei­nen Mehl­tau er­zeugt, der das po­li­ti­sche In­ter­es­se in al­le mög­li­chen Rich­tun­gen streut: FPÖ, Stro­nach aber eben auch Ne­os – von rechts­au­ßen bis li­ber­tär ist al­les ver­tre­ten. Das ist im Prin­zip nicht schlecht. Kärn­ten hat ja auch ge­zeigt, dass die FPÖ durch­aus auch wie­der Wah­len ver­liert, wenn erst ein­mal der Pro­test­bo­nus auf­ge­braucht ist und der schnö­de po­li­ti­sche All­tag ein­zieht.

    Ein gro­ßer Feh­ler wä­re es bei künf­ti­gen Wah­len die FPÖ und vor al­lem ih­re Wäh­ler per se zu dä­mo­nise­ren statt die Pro­gram­ma­tik der Par­tei aus­ein­an­der­zu­pflücken. Neu­lich ha­be ich ge­hört, wie es dem Front Na­tio­nal in Frank­reich ge­lingt, sich als au­ßer­halb des Sy­stems ste­hend zu ge­rie­ren und aus die­ser Po­si­ti­on her­aus pau­schal die Sy­stem­par­tei­en an­zu­grei­fen. Das ist na­tür­lich ab­surd, weil der FN in Frank­reich seit lan­gem Teil des »Sy­stems« ist, das er ei­gent­lich an­greift. Er wird da­mit aber zur Al­ter­na­ti­ve – und zwar längst nicht mehr für Dumpf­backen und Ewig­gest­ri­ge.

  5. Kärn­ten ist in­so­fern ein gu­tes Bei­spiel, weil nicht ein mo­ra­li­sches Ver­dikt, son­dern schlicht ein po­li­ti­sches Fi­as­ko in Rech­nung ge­stellt wur­de.

    Das mo­ra­li­sche Ver­dikt hat auch noch an­de­re Ef­fek­te: Es bin­det die Wäh­ler stär­ker an die Par­tei (die ha­ben sich aus wel­chen Grün­den auch im­mer ent­schie­den), wer­den aber dä­mo­ni­siert es ent­steht mit­un­ter ei­ne »jetzt erst recht Hal­tung« (bei Um­fra­gen schnei­det die FPÖ meist schlech­ter ab, als bei Wah­len, weil sich ein Teil der Wäh­ler nicht de­kla­riert). Man kann da­von aus­ge­hen, dass in po­li­ti­schen Dis­kus­sio­nen, pri­vat oder halb­öf­fent­lich (der nicht un­be­dingt zu Recht be­rüch­tig­te Stamm­tisch), be­stimm­te The­men und Par­tei­en eher ge­mie­den wer­den, was da­zu führt, das kei­ne Ar­gu­men­te aus­ge­tauscht oder kei­ne Pro­gramm zer­pflückt wer­den, wie du schreibst (man schweigt und in der Wahl­zel­le macht man sein Kreuz oh­ne­hin dort wo man es will). — Kei­ne wün­schens­wer­te Ent­wick­lung, aber sie be­zeugt ei­ne ge­wis­se Hilf­lo­sig­keit.

    War­um gibt es bei euch ei­gent­lich kei­ne ent­spre­chen­de Par­tei? Ha­ben CDU/CSU die­se (po­ten­zi­el­len) Wäh­ler auf­ge­fan­gen? Liegt es an den Ent­wick­lun­gen oder Men­ta­li­tä­ten der Nach­kriegs­zeit?

  6. Dass es in Deutsch­land kei­ne Par­tei wie FPÖ oder den FN gibt, hat m. E. drei Ur­sa­chen: Zum ei­nen die von Dir an­ge­spro­che­nen Ent­wick­lun­gen der Nach­kriegs­zeit, die Auf­ar­bei­tung der Na­zi-Ver­bre­chen. Dann, et­was was wo­mög­lich we­nig ge­nannt wird, die so­zi­al-li­be­ra­le Ko­ali­ti­on, die 1969 be­gann und der es ge­lang, die lin­ke au­ßer­par­la­men­ta­ri­sche Op­po­si­ti­on zu gro­ßen Tei­len in die SPD und da­mit in den po­li­ti­schen Pro­zess ein­zu­bin­den. Die FDP ent­sorg­te gleich­zei­tig ih­re rech­ten Mit­glie­der, die in der CDU/CSU ih­re neue po­li­ti­sche Hei­mat fan­den. So­mit ent­stand ei­ne sehr gro­ße Po­la­ri­sie­rung auch in­ner­halb der Be­völ­ke­rung. Strauß’ Dik­tum, rechts von der CSU dür­fe es kei­ne Par­tei ge­ben, hat ja sehr lan­ge ge­klappt: Für die, wie es heu­te heißt, rechts- bzw. na­tio­nal­kon­ser­va­ti­ven Mit­glie­der gab es durch­aus Ein­fluss über be­stimm­te Per­so­nen. Man fand sich wie­der. In der CDU hat­ten die­se Leu­te aber nie mehr als nur Fei­gen­blatt­funk­tio­nen; Kohl konn­te mit ih­nen nichts an­fan­gen, brauch­te sie aber bei den Wah­len.

    En­de der 80er brach­ten die »Re­pu­bli­ka­ner« die­ses Gleich­ge­wicht ein biss­chen durch­ein­an­der. Sie und al­le an­de­ren Par­tei­en, die rechts­po­pu­li­stisch agi­tier­ten (die Ham­bur­ger »Schill«-Partei bspw. oder auch die ein­deu­tig rechts­ex­tre­mi­sti­sche DVU) konn­ten auf Lan­des­ebe­ne ab und an re­üs­sie­ren, zer­leg­ten sich aber schnell sel­ber und wa­ren da­mit für ih­re Wäh­ler un­at­trak­tiv.

    Kon­kret gibt es in Deutsch­land die so­ge­nann­te »Al­li­anz für Deutsch­land«, AfD, die mit euro(pa)-skeptischen The­sen Wahl­kampf macht. Er­staun­lich war ja, dass sie bei der Bun­des­tags­wahl 4,7% er­reich­ten und da­mit nur knapp un­ter der 5%-Hürde blie­ben. Bei der Eu­ro­pa­wahl dürf­te das wo­mög­lich an­ders aus­se­hen.

  7. Wenn ich von öster­rei­chi­scher Po­li­tik hö­re, kom­me ich mir im­mer so Igno­ranz vor – aber ich in­ter­es­sie­re mich auch eher für Kür­bis­kern­öl.
    Den Be­trach­tun­gen kann ich, in ih­ren Be­mü­hun­gen um Ge­nau­ig­keit und Klar­heit, gut nach­füh­len – zu­min­dest ver­su­che ich es auch für die we­ni­gen Din­ge der Wirk­lich­keit die ich mir noch mit der Spa­tel­spit­ze zu­füh­re

  8. Die Al­li­anz für Deutsch­land (AfD) ist ei­ne ech­te ALTERNATIVE!!
    Spaß bei­sei­te, ich woll­te nur Gre­gor kor­ri­gie­ren, denn die AfD nennt sich tat­säch­lich: Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land.
    Lei­der ha­be ich die Ent­wick­lung der FPÖ nicht ver­folgt, ich hielt es für ei­ne lo­ka­le Er­schei­nung. In­zwi­schen se­he ich ganz Eu­ro­pa auf der »Fahrt ins Blaue«. Ich bin sehr über­rascht dar­über. So­gar Scha­den­freu­de kommt glgl. auf: jahr­zehn­te­lang hat in D. die Ge­schichts­päd­ago­gik die Zu­kunft vor der Ver­gan­gen­heit be­schützt, und sie­he da, es war kein Irr­tum. Ir­gend­wann schwingt das Pen­del zu­rück. Ge­nia­le Se­her, die­se An­ti-Fa­schi­sten...

  9. @Gregor
    Bei uns wird in die­sem Zu­sam­men­hang auch auf die Zu­schrei­bung, dass Öster­reich er­stes Op­fer Hit­lers ge­we­sen sei, hin­ge­wie­sen, die dann zur ver­spä­te­ten The­ma­ti­sie­rung der Tä­ter­schaft vie­ler Öster­rei­cher ge­führt hat (m.E. muss es da aber noch an­de­re Grün­de ge­ben; zu­nächst war die FPÖ ja ei­ne li­be­ra­le Par­tei).

    @phorky
    Öster­rei­chi­sche Po­li­tik ist (meist) pro­vin­zi­ell, in­so­fern kann ich die Igno­ranz durch­aus nach­voll­zie­hen.

    @die_kalte_Sophie
    Die FPÖ war in Öster­reich nie ein re­gio­na­les Phä­no­men und eu­ro­pa­weit sind ver­gleich­ba­re Par­tei­en auch nicht un­be­dingt neu, le­dig­lich de­ren An­zahl ... der Rück­schlag des Pen­dels (ich hal­te die Me­ta­pher für nicht ganz kor­rekt) ist m.E. zu ei­nem Gut­teil po­li­tisch ver­schul­det; zu ei­nem wei­te­ren sind die ab­wä­gen­den, ver­nünf­ti­gen Stim­men zu we­nig zu hö­ren (Eu­ro­pa­po­li­tik et­wa, be­steht fast nur aus »da­ge­gen« oder »da­für«; ein »So­wohl-als-auch« wä­re wich­ti­ger).

  10. Kur­zer Ein­wurf vom »pro­vin­zi­el­len« (weil ich das ei­gent­lich nicht mehr hö­ren kann): Wenn man im­mer wei­ter ins De­tail geht, wird schnell al­les pro­vin­zi­ell. Ob New York oder Kärn­ten, ob Shang­hai oder Bre­men. Es ist ja ge­ra­de das »Glo­ba­le«, das »Kos­mo­po­li­ti­sche«, was die Leu­te eher ver­schreckt und in den Pro­vin­zia­lis­mus zu­rück­lockt. (Neu­lich er­zähl­te mir je­mand, der in New York war sinn­ge­mäss: NY sind nicht die USA. Ich glau­be, dass das stimmt.)

  11. @Gregor
    Das Wort ist ab­ge­grif­fen, stimmt, aber es passt den­noch gut (ins De­tail muss man da gar nicht ge­hen). Es kann na­tür­lich sein, dass mein Ein­druck falsch ist, aber je­der eu­rer Mi­ni­ster­prä­si­den­ten er­scheint mir kom­pe­ten­ter als un­ser Bun­des­kanz­ler (es hängt wohl auch da­mit zu­sam­men, dass Deutsch­land ein an­de­res Ge­wicht hat, in Eu­ro­pa und der Welt, wirt­schaft­lich und po­li­tisch).

    Der Kos­mo­po­li­tis­mus ist m.E. nur die an­de­re Sei­te der­sel­ben Me­dail­le (aber es stimmt frei­lich, dass ver­ein­heit­li­chen­de Ten­den­zen, Mo­den, Ent­wick­lun­gen, etc., ei­ne [Rück]besinnung zu an­de­ren Iden­ti­tä­ten hin, be­för­dern — es ent­steht die Angst »un­ter­zu­ge­hen«).

  12. je­der eu­rer Mi­ni­ster­prä­si­den­ten er­scheint mir kom­pe­ten­ter als un­ser Bun­des­kanz­ler
    Das glau­be ich nicht. Mi­ni­ster­prä­si­dent in D ist ei­ne Tä­tig­keit, die sehr oft als Sprung­brett in die Bun­des­po­li­tik be­nutzt wird. Ei­ne Art Trai­nings­la­ger so­zu­sa­gen. Fay­mann war das nicht – mei­nes Wis­sens. Mer­kel üb­ri­gens auch nicht; aber Schrö­der, Kohl und Brandt. Nicht un­ter­schät­zen darf man auch die Zu­ar­bei­ter, die oft im Ver­bor­ge­nen agie­ren.

  13. Bei Kom­men­tar #8 kann ich mich an­schlie­ßen:

    ich ha­be das auch lan­ge Zeit gar nicht ge­merkt, was sie her­aus­strei­chen: ei­ne en­ga­gier­te Po­li­tik aus der Mit­te, aus ei­nem (evtl. un­re­prä­sen­tier­ten) bür­ger­li­chen Zen­trum fand gar nicht mehr statt. Da­zu reicht es nicht, Zi­vi­li­tät und Ge­schichts­be­wusst­sein zu fei­er­li­cher Stun­de auf­zu­tra­gen, ein po­li­ti­scher Wil­le kann sich nur in ak­tu­el­len Ak­ti­va ma­ni­fe­stie­ren.
    Wir ha­ben uns al­le ein biss­chen ein­lul­len las­sen, ver­mu­te ich. Je­den­falls ist ein va­ger po­li­ti­scher Wil­le hi­sto­risch wohl zum Schei­tern ver­ur­teilt. Das kön­nen wir zur Stun­de ler­nen. Ich wuss­te das nicht, ich ha­be wie al­le den »Pro­zess« sehr pas­si­visch ge­deu­tet. Eu­ro­pa und sein Wer­den-Las­sen!
    Das ist hübsch in die Ho­se ge­gan­gen.

  14. @die_kalte_Sophie
    Add to myself.
    Ha­be ge­ra­de ei­ne Klas­se Re­plik auf Bil­ler ge­le­sen, das müsst ihr Euch rein­zie­hen:

  15. Dan­ke für den Link. Aber ich ha­be mir ei­gent­lich vor­ge­nom­men we­der Bil­ler noch die Re­pli­ken auf ihn zu le­sen. Ob ich das bei viel­leicht ir­gend­wann er­höh­tem Al­ko­hol­kon­sum kurz­fri­stig re­vi­die­re, bleibt of­fen. Hier noch ei­ne Re­plik von Witt­stock..

    ...und im Per­len­tau­cher, aber die The­reads über­schnei­den sich wohl..

  16. @ Gre­gor
    Dan­ke sehr, ver­steh ich gut. Kann man nur mit vor­ge­hal­te­ner Hand drü­ber re­den, sonst denkt Bil­ler noch, dass wir ihn ernst neh­men. Das wä­re nicht gut für ihn. ;-)
    An­ja See­li­ger ist ein klu­ges Mäd­chen, die sieht das kom­plett rich­tig.
    Ich sag mal so: die Aus­wahl der Au­toren ist wohl klas­sen/­mi­lieu-kon­form, aber die Kri­se ist lan­des­ty­pisch. Ich ver­mag das ei­ne nicht mit dem an­de­ren in Ver­bin­dung zu brin­gen. Die Sub­sump­ti­on »Ka­pi­ta­lis­mus« und der ver­steck­te Vor­wurf an die me­dio­kren Nutz­nie­ßer ist ein­fach nur schwach. Die Kri­se ist selbst­re­dend ge­sell­schaft­li­chen Ur­sprungs, aber schwer zu dia­gno­sti­zie­ren. Ich hab mir Jah­re lang den Kopf zer­bro­chen und nur Teil­ergeb­nis­se er­run­gen.

  17. @die_kalte_Sophie
    Wir sind im kom­plett fal­schen Thread (ich glau­be, ich bea­me ab #13 die Kom­men­ta­re ir­gend­wann hier hin), aber noch zwei kur­ze Be­mer­kun­gen: Zum ei­nen glau­be ich nicht, dass die deutschspra­chi­ge Li­te­ra­tur in der Kri­se ist, zu­min­dest nicht mehr als viel­leicht die bri­ti­sche, spa­ni­sche oder ita­lie­ni­sche. Dass es Deutsch­land im Ver­hält­nis zur Be­völ­ke­rung we­ni­ger ar­ri­vier­te Schrift­stel­ler gibt wie bspw. in Öster­reich oder der Schweiz – das wä­re ei­ne in­ter­es­san­te Ur­sa­chen­su­che wert!

  18. @ Gre­gor
    Er­laub­nis zum Bea­men er­teilt, war mir schon be­wusst.
    »Lan­des­ty­pisch« soll­te kei­ne über­heb­li­che No­te sein, ich bin mir si­cher, dass es triff­ti­ge Ver­gleich gibt. Aber die sorg­fäl­ti­ge Ver­ber­gung von Schwä­chen, sei es im li­te­ra­risch-pro­duk­ti­ven Sek­tor oder an­ders­wo, kommt mir schon sehr »funk­tio­närs-ty­pisch« vor.
    Ich seit ein paar Ta­gen ei­ne neue Hy­po­the­se für den Gleich­mut ggü der Mit­tel­mä­ßig­keit, und die ist nicht kri­tisch zu ver­ste­hen. Je­de Ge­nera­ti­on der Li­te­ra­ten setzt sich na­tür­lich um­fas­send mit den ge­sellsch. Be­din­gun­gen aus­ein­an­der, aber die ge­sellsch. Ver­än­de­run­gen sind in­zwi­schen so schnell, dass es kei­ne Re­so­nanz bzw. Mehr­wert-Ef­fek­te von Ge­nera­ti­on zu Ge­nera­ti­on gibt. Al­le 20 Jah­re muss man von vor­ne an­fan­gen, und das schränkt die Chan­cen auf ei­nen grö­ße­ren Er­folg sehr viel stär­ker ein, als die ver­län­ger­te Le­bens­zeit kom­pen­sie­ren könn­te. Ei­ne dif­fe­ren­zi­el­le The­se, wie man merkt!