Die au­to­ri­tä­re Mo­der­ne – Pao­lo Flo­res d’Arcais schiesst auf Ha­ber­mas und trifft sich selbst

In der ak­tu­el­len Aus­ga­be der »Zeit« ist ein Auf­satz des ita­lie­ni­schen Phi­lo­so­phen Pao­lo Flo­res d’Arcais auf Jür­gen Ha­ber­mas’ Auf­satz­samm­lung »Zwi­schen Na­tu­ra­lis­mus und Re­li­gi­on« mit dem wuch­ti­gen Ti­tel »Elf The­sen zu Ha­ber­mas« er­schie­nen.

We­ni­ger die Kri­tik als der Zeit­punkt über­rascht. Schliess­lich ist Ha­ber­mas’ Buch vor mehr als zwei Jah­ren er­schie­nen. Die von Flo­res d’­Ar­cais vor­ge­brach­ten Vor­wür­fe, Ha­ber­mas wür­de die Mo­der­ne zu Gun­sten ei­ner ver­stärk­ten Re­li­gio­si­tät op­fern sind auch nicht neu. War­um al­so jetzt? Es dürf­te kaum an­zu­neh­men sein, dass der Au­tor bis­her kei­ne Zeit hat­te, das Buch zu le­sen. Viel­mehr er­scheint die Ge­le­gen­heit in An­be­tracht des der­zeit pu­bli­zi­stisch ve­he­ment vor­ge­brach­ten »neu­en Athe­is­mus« gün­stig. Das The­ma ist en vogue, die Ba­stio­nen der Re­li­gio­nen wer­den sturm­reif ge­schos­sen und war­um nicht qua­si als Ne­ben­ef­fekt gleich ei­nen füh­ren­den Re­prä­sen­tan­ten der eu­ro­päi­schen Lin­ken at­tackie­ren.

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Got­tes­sen

I – Pro­vo­ka­tio­nen

Die Ta­bus, die in un­se­rer Ge­sell­schaft Schau­der und Ent­rü­stung her­vor­ru­fen, wer­den im­mer we­ni­ger. Für ge­ziel­te Ta­bu­bre­cher, die ih­re Wir­kung nur noch auf die­se Art er­zie­len kön­nen, wird der Markt schwie­ri­ger. Ei­le ist ge­bo­ten – der Kol­le­ge könn­te am glei­chen Stoff ar­bei­ten. Bes­ser als die Prä­sen­ta­ti­on des ta­bu­bre­chen­den Kunst­wer­kes ist de­ren me­di­al in­sze­nier­te Ver­hin­de­rung. So­viel Öf­fent­lich­keit ist sel­ten und tut gut. Ker­ner ist ge­wiss. In die­se Rich­tung ge­hen die Ma­cher und Ver­lei­her des Films über die Er­eig­nis­se um den so­ge­nann­ten „Kan­ni­ba­len von Ro(h)tenburg“.

Denn: Kan­ni­ba­lis­mus ist noch ein Ta­bu. Aber war­um ei­gent­lich?

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