Noch ein­mal über Fuß­ball

Ge­ra­de hat­te man sich mit den Hof­fen­heim-Bu­ben ar­ran­giert, da stür­men die Brau­se-Bul­len von Leip­zig durch die Fuß­ball­li­gen und er­drei­sten sich ei­nen bis­he­ri­gen zwei­ten Platz in der Bun­des­li­ga. Der Fuß­ball droht, so die gän­gi­ge Mei­nung un­ter de­nen, die sich »Fans« nen­nen, sei­ne Un­schuld zu ver­lie­ren. In Dort­mund konn­te man neu­lich se­hen, wie das Fuß­ball­volk da­zu steht: RB Leip­zig wird in ei­ner Mi­schung aus Co­me­dy und Trumpis­mus für al­le Un­ge­mach des Fuß­balls ver­ant­wort­lich ge­macht. Das ist wirk­lich lu­stig, wenn es nicht so ernst ge­meint wä­re. Aus­ge­rech­net von de­nen, die of­fen­sicht­lich ver­ges­sen ha­ben, das Bo­rus­sia Dort­mund zu­letzt 100 Mil­lio­nen Eu­ro Trans­fer Ein- und Aus­ga­ben tä­tig­te und dass es ihr hei­li­ger BVB war, der als er­ster (und bis­her ein­zi­ger) Ver­ein in Deutsch­land die Profiabteilung(en) in ei­ne Ak­ti­en­ge­sell­schaft um­wan­del­te. ich weiß nicht, ob es Dumm­heit oder ein­fach nur Nai­vi­tät ist, die den Span im Au­ge des an­de­ren sieht, aber den ei­ge­nen Bal­ken wahr­zu­neh­men nicht be­reit ist.

Der Fuß­ball war und ist auch oh­ne Hof­fen­heim und Leip­zig längst durch­kom­mer­zia­li­siert bis hin zur Per­ver­si­on. Die Fuß­ball­ver­bän­de tun ihr üb­ri­ges da­zu. Da­mit ist nicht nur der Grö­ßen­wahn­sinn kor­rup­ter Or­ga­ni­sa­tio­nen wie UEFA und FIFA ge­meint. Der DFB ist sel­ber zur Pro­fit­ma­schi­ne ge­wor­den und ein En­de ist nicht ab­zu­se­hen. Ge­ra­de wird an der Ver­än­de­rung des DFB-Po­kals ge­schraubt, da­mit man noch mehr Ein­nah­men ge­ne­rie­ren kann und ver­meint­lich un­at­trak­ti­ve Spie­le für die »Gro­ßen« mi­ni­miert wer­den.

Ich kom­me aus Mön­chen­glad­bach und ha­be die Hoch­zeit die­ses Fuß­ball­ver­eins er­lebt. Mön­chen­glad­bach war tief­ste Pro­vinz; kein Mensch kann­te die­sen Ort und es gab auch we­nig Ver­an­las­sung da­zu. Bis es die Bo­rus­sia schaff­te. Das Iden­ti­fi­ka­ti­ons­po­ten­ti­al war groß; vie­le Spie­ler ka­men tat­säch­lich da­mals aus der Re­gi­on. Bei der Mei­ster­fei­er fuhr der Bus an un­se­rem Haus vor­über. Es wa­ren die Bos­se der Bo­rus­sia und von Bay­ern Mün­chen, die dann an­de­re We­ge gin­gen. Mön­chen­glad­bach war ge­zwun­gen, Spie­ler zu ver­kau­fen. Aber man kauf­te auch ein. Plötz­lich kam zum Bei­spiel ein dä­ni­scher Spie­ler nach Mön­chen­glad­bach, den wir be­staunt ha­ben wie ein Wun­der­werk. Nach ein paar To­ren lieb­ten wir ihn.

Es war ei­ne kur­ze Zeit, aber ei­ne schö­ne. Da­mals be­gann al­les, aber das wuss­ten wir noch nicht. Das Haus, in dem ich wohn­te, lag auf dem Weg vom Haupt­bahn­hof zum Bökelberg­stadion. Das Sta­di­on lag in ei­ner bes­se­ren Wohn­ge­gend; vie­le An­woh­ner hiel­ten we­nig von den al­le vier­zehn Ta­ge ein­fal­len­den Fans. Als es dann »in­ter­na­tio­nal« wur­de und irgend­welche Fans aus Eng­land oder den Nie­der­lan­den in den Su­per­markt auf der Ecke gin­gen und dort »ver­ga­ßen« die Al­ko­ho­li­ka zu be­zah­len, schlos­sen die Ge­schäf­te zwi­schen Bahn­hof und Sta­di­on an Spiel­ta­gen schon Nach­mit­tags. Spä­ter dann ging es ins ver­hass­te Düs­sel­dorf (der Ein­nah­men wil­len).

In den 1990er Jah­ren wur­den es im­mer mehr Po­li­zi­sten, die die Hor­den be­glei­te­ten. Man wuss­te, wann man noch auf die Stra­ße konn­te (beim Heim­spiel ge­gen Frei­burg oder Karls­ru­he bei­spiels­wei­se) oder wann man bes­ser ab Mit­tag zu Hau­se blieb (Bay­ern, Dort­mund, Düs­sel­dorf, Köln). Dann kam schon das Bos­man-Ur­teil und das Söld­ner­tum im Fuß­ball setz­te sich end­gül­tig durch. Ir­gend­wann gab es ei­ne Schlag­zei­le, dass in der Start­mann­schaft von En­er­gie Cott­bus kein deut­scher Spie­ler mehr stand. Die Mann­schaftsnamen wa­ren längst nur noch Be­zeich­nun­gen für künst­li­che Ge­bil­de; mit den Städ­ten, der Re­gi­on hat­ten sie nichts zu tun. Die Ab­strak­ti­ons­lei­stung, die der Fan hier be­trei­ben muss, ist nicht zu un­ter­schät­zen. In­zwi­schen la­che ich dar­über, wenn es zu so­ge­nann­ten »Der­bys« geht, die von den Me­di­en ent­spre­chend hoch­sti­li­siert wer­den. Aber wie sol­len Spie­ler aus Afri­ka oder Asi­en, die vor­her­seh­bar le­dig­lich für ein paar Jah­re beim Ver­ein X spie­len und oft ge­nug vor ih­ren Ver­trags­lauf­zei­ten wie­der ab­ge­ge­ben wer­den ei­ne so­ge­nann­te Der­by-At­mo­sphä­re emp­fin­den kön­nen? War­um soll­ten sie es über­haupt, zu­mal sie nicht wis­sen, ob sie viel­leicht ein paar Mo­na­te spä­ter beim »Erz­ri­va­len« spie­len?

Das ist kein Vor­wurf an die Spie­ler, die ge­puscht von ih­ren »Be­ra­tern« ihr phy­sisch li­mi­tier­tes Zeit­fen­ster mög­lichst schnell und ent­spre­chend hoch amor­ti­sie­ren wol­len. Nils Ha­ve­mann hat in »Sams­tags um halb 4″ vor ei­ni­gen Jah­ren im üb­ri­gens fest­ge­stellt, dass der Ama­teur­sta­tus des Fuß­ball­spie­lers schon im­mer ei­ne Mär war. Das be­deu­tet aber nicht, dass die Ex­zes­se der drei­stel­li­gen Mil­lio­nen-Ab­fin­dun­gen mit den geld­wer­ten Vor­tei­len der Fuß­ball­welt­mei­ster 1954 ver­gleich­bar sind.

Zu­wei­len fra­ge ich mich, ob man mit ähn­li­chem Ein­satz ei­ne Sport­art wie zum Bei­spiel Vol­ley­ball der­art even­ti­sie­ren könn­te. Da­bei gab es ja Be­mü­hun­gen, Eis­hockey und auch Hand­ball ent­spre­chend zu ver­mark­ten. Ent­schei­dend ist da­bei, dass die je­wei­li­ge Na­tio­nal­mann­schaft in­ter­na­tio­nal mit­hal­ten kann. Bei der Ein­zel­sport­art Ten­nis konn­te man dies se­hen: Zu Zei­ten von Stef­fi Graf, Bo­ris Becker und Mi­cha­el Stich boom­te die Sport­art – in den Me­di­en wie auch in den Ver­ei­nen. Als die Er­fol­ge bei den Nach­fol­gern aus­blie­ben, sank die Zu­wen­dung wie­der. In den Win­ter­sport-Wo­chen­en­den der öf­fent­lich-recht­li­chen Fern­seh­sen­der ARD und ZDF ist dies eben­falls sicht­bar: Die Sport­ar­ten, in de­nen es deut­sche Ge­winn­chan­cen in den so­ge­nann­ten Welt­cup-Ren­nen gibt, do­mi­nie­ren die Sen­de­zei­ten. Als im Ski­lang­lauf die deut­schen Sport­ler nicht mehr re­üs­sier­ten, wur­de es ei­ne Rand­sport­art über die noch in zehn­mi­nü­ti­gen Zu­sam­men­fas­sun­gen be­rich­tet wird.

Beim Fuß­ball kommt noch ein an­de­rer As­pekt da­zu: Der Fuß­ball lie­fert Ge­schich­ten, Le­gen­den, ja: Mär­chen, die in­zwi­schen mit über­bor­den­den Sta­ti­stik-Er­zäh­lun­gen ge­stützt wer­den. Wich­tig hier­für ist vor al­lem das, was der Fan »Tra­di­ti­on« nennt. Das zeigt sich un­ter an­de­rem auch dar­in, dass in punk­to Tech­ni­fi­zie­rung der Fuß­ball hin­ter an­de­re Sport­ar­ten wie Eis­hockey oder Bas­ket­ball mei­len­weit hin­ter­her­hinkt. Ein Vi­deo­be­weis gilt als Teu­fels­werk; was 80.000 Men­schen auf Bild­schir­men se­hen, darf der Schieds­rich­ter nicht an­schau­en. Aber vor al­lem geht es um die »Tra­di­ti­on« der Ver­ei­ne. Bei »mei­nem« Ver­ein Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach bei­spiels­wei­se wird es im­mer die Er­in­ne­rung an die 1970er Jah­re und die gro­ßen Er­fol­ge ge­ben. Non­cha­lant blei­ben bei­spiels­wei­se die Epi­so­den in der Zwei­ten Li­ga aus­ge­blen­det. Dass die Mann­schaft von heu­te mit den »Foh­len« der Sieb­zi­ger na­tur­ge­mäß nichts mehr zu tun hat, hält den Fan nicht da­von ab, die­se Zeit (die er oft ge­nug gar nicht mit­er­lebt hat) zu idea­li­sie­ren.

Die­ses Tra­di­ti­ons­ele­ment wird durch so­ge­nann­te künst­li­che Mann­schaf­ten wie RB Leip­zig oder auch 1899 Hof­fen­heim an­ge­grif­fen. Zwar ha­ben die­se Ver­ei­ne auch ei­ne Ge­schich­te, aber es gibt nun ei­ne neue, fast ge­ne­ral­stabs­mä­ssig pro­fes­sio­nel­le Aus­rich­tung. Meist ist es ein Groß­spon­sor (wie in Eng­land üb­lich; das be­kann­te­ste Bei­spiel ist Chel­sea), der sich, so der Vor­wurf, ei­nen Ver­ein und vor al­lem den Er­folg »kau­fen« will. Dass die­se Leu­te im glei­chen Fluss schwim­men wie die so­ge­nann­ten Tra­di­ti­ons­ver­ei­ne wird da­bei ausge­blendet. Längst ist es bei­spiels­wei­se Usus, ei­nen ta­len­tier­ten, wo­mög­lich erst ein­mal zweit­klas­si­gen Spie­ler aus Ost­eu­ro­pa, Afri­ka oder Asi­en ein­zu­kau­fen statt sel­ber Ju­gend­ar­beit zu be­trei­ben. Schlägt der Spie­ler ein, kann er mit Ge­winn ver­äu­ßert wer­den. Wenn nicht, wird er wie­der ver­kauft. Man er­spart sich die jah­re­lan­ge Aus­bil­dung. Das glei­che gilt auch für die we­ni­gen deut­schen Ver­ei­ne, die ei­ne se­riö­se Ju­gend­ar­beit be­trei­ben. Aus­ge­rech­net Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach kann ein Lied da­von sin­gen: Die Scouts an­de­rer Ver­ei­ne kau­fen die aus­ge­bil­de­ten Ta­len­te sehr früh auf und locken sie mit ho­hen Ge­häl­tern.

Die Ver­stö­rung bei den Fans ist groß, weil sie ah­nen, dass es ir­gend­wann auch bei ih­rem Lieb­ling nur noch ums Geld geht. Ver­ei­ne wie RB Leip­zig oder auch Hof­fen­heim sind ei­ne Pro­jek­ti­on in die Zu­kunft des Fuß­balls. Es wird ge­zeigt, dass Er­folg mit­tel­fri­stig plan­bar und vor al­lem käuf­lich ist. Geld schießt zwar kei­ne To­re, aber es hilft da­bei die­je­ni­gen zu fin­den, die sie schie­ßen. Aber die Vor­wür­fe ge­gen Leip­zig sind bi­gott, weil sie nur das kom­pri­miert be­trei­ben, was je­der an­de­re dau­er­haft er­folg­rei­che Pro­fi­ver­ein längst macht.

Nein, der Fuß­ball wird nicht »ka­putt ge­macht« von Ver­ei­nen wie RB Leip­zig. Er wird wenn über­haupt zer­stört von der Hy­bris der Ver­bän­de, den im­mer grö­ße­ren Spiel­plä­nen, sei es für EM, WM oder Cham­pi­ons League, den Ver­su­chen, vom Fan im­mer noch mehr Auf­merk­sam­keit und Geld zu er­hal­ten. Er wird zer­stört von Rech­te­ver­mark­tern und Spie­ler­be­ra­tern, all den Phra­sen­dre­schern und Möch­te­gern­ex­per­ten, von den öf­fent­lich-recht­li­chen Sen­de­an­stal­ten, die Un­sum­men für lä­cher­li­che Zweit- oder Dritt­ver­wer­tun­gen be­zah­len, statt auf ih­re Rol­le als Leit­me­di­um zu re­kur­rie­ren. Denn was pas­siert, wenn es kei­ne »Sport­schau« und kei­ne ZDF-»Champions League« mehr gibt? Und was pas­siert, wenn es je­den Tag Li­ga- und zu­sätz­lich Po­kal­spie­le gibt, da­zwi­schen eu­ro­päi­sche Wett­bewerbe? Wer will, wer kann die­se In­fla­ti­on an­schau­en? Si­cher ist: Die Qua­li­tät der Spie­le wird dar­un­ter lei­den, was wo­mög­lich zum nach­las­sen­den In­ter­es­se führt, usw. Und wer kann die­se Er­re­gung dau­er­haft hal­ten, da­mit die Zu­schau­er »da­bei« blei­ben? Wenn Le­gen­den je­de Wo­che her­bei­kom­men­tiert und zwei Wo­chen spä­ter dann wie­der de­stru­iert wer­den, wenn je­des Spiel zum Schick­sals­spiel hoch­ge­jazzt wird – wer kommt da noch mit? Wenn man sieht, wie sich in­zwi­schen man­che Trai­ner über ei­ne fal­sche Einwurfent­scheidung des Schieds­rich­ters auf­re­gen, fragt man sich nach so et­was wie Re­le­vanz. Wo bleibt der spie­le­ri­sche Cha­rak­ter? Wel­che Rol­le spie­len die Me­di­en bei der zu­neh­men­den Emo­tio­na­li­sie­rung, die par­al­lel mit ei­ner Ver­wis­sen­schaft­li­chung ein­her geht? Nicht aus­zu­den­ken, wenn Bay­ern und Dort­mund ein­mal die Grup­pen­pha­se der Cham­pi­ons League nicht über­ste­hen wür­den. Oder die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft in der Vor­run­de ei­ner EM oder WM aus­schei­den wür­de.

Wie kann es Iden­ti­fi­ka­tio­nen ge­ben, wenn Spie­ler und Trai­ner in im­mer kür­ze­ren Rhyth­men wech­seln? Das gilt so­wohl für den Fan wie auch für die Spie­ler. Ei­ne Bran­che, in der Ver­trä­ge fast nur noch ge­schlos­sen wer­den, um sie mit mög­lichst ho­hem Er­trag bre­chen zu kön­nen, ver­liert auf Dau­er den Bo­den un­ter den Fü­ßen. Aber noch funk­tio­niert das Spiel und der Fan be­wun­dert den Spie­ler, der ei­nen sechs­stel­li­gen Be­trag pro Tag ver­dient und echauf­fiert sich gleich­zei­tig über den Eh­ren­sold ei­nes ehe­ma­li­gen Bun­des­prä­si­den­ten. Noch pro­du­ziert der Fuß­ball zi­vi­le »Hel­den« (ein Fort­schritt zum Mi­li­ta­ris­mus ein­hun­dert Jah­re zu­vor). In­so­fern er­füllt er ei­ne ka­thar­ti­sche Funk­ti­on; ge­le­gent­li­che Py­ros und Prü­ge­lei­en als Kol­la­te­ral­schä­den in­klu­si­ve. Nicht aus­zu­den­ken, was die Hoo­li­gans ma­chen wür­den, wenn sie nicht den Fuß­ball hät­ten. Was ge­schieht ei­gent­lich wann sie die ein­zi­gen sind, die sich noch halb­wegs da­für in­ter­es­sie­ren?

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5 Kommentare zu »Noch ein­mal über Fuß­ball«:

  1. Gachmuret sagt:

    Ex­akt. Und es ist der­art of­fen­kun­dig, dass man ver­zwei­feln möch­te an­ge­sichts der Aber­tau­sen­den von Men­schen, die tat­säch­lich das Pro­dukt 》Tra­di­ti­on《 aus vol­lem Her­zen kau­fen und glau­ben.

    Nur ei­ne in­halt­li­che An­mer­kung: Leip­zig ist klug ge­nug, tat­säch­lich mas­siv Nach­wuchs­ar­beit zu be­trei­ben. Was al­ler­dings auf­grund des geo­gra­phisch er­heb­li­chen Ein­zugs­be­rei­ches ih­nen nun auch noch die An­hän­ger der üb­ri­gen »Ost­ver­ei­ne« übel neh­men, weil nun de­ren Sta­tus als Aus­bil­dungs­ver­ei­ne (mit den da­mit ver­bun­de­nen mo­de­ra­ten Ein­nah­men) ver­lo­ren geht – denn jetzt ge­hen die Nach­wuchs­spie­ler nicht erst im Pro­fi­sta­tus, son­dern schon im Ju­gend­be­reich weg.

    Aber dies nur als Er­gän­zung, es än­dert am oben Ge­sag­ten kein Jo­ta.

    #1

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  3. Fritz Iv sagt:

    Über die Kom­mer­zia­li­sie­rung des Sports wird oft ge­klagt. Da­bei wird der Ur­sprung über­se­hen: der gro­ßen vol­len Le­bens­ernst, den Wett­be­werb aus­lö­sen kann. Im Wett­be­werb ist ja Fuß­ball kein Spiel, son­dern Kampf. In Ita­li­en, Spa­ni­en, Por­tu­gal, Bra­si­li­en, dann auch Groß­bri­tan­ni­en, war man sich zu­erst dar­über klar. Dort ist die Pas­si­on ge­wach­sen. Dort stan­den in den 5er, 60er Jah­ren die Rie­sen­sta­di­en, dort fing man an, Spie­ler »ein­zu­kau­fen«, dann auch die Welt nach ei­nem Mes­si­as ab­zu­su­chen. Die­se Öko­no­mie war durch die Pas­si­on ge­trie­ben und dem­entspre­chend rui­nös wie bei Glücks­spie­lern. In den Nie­der­lan­den und Deutsch­land gab es auch im­mer viel Fuß­ball­lei­den­schaft und Kampf­geist, aber auch mehr Pla­nung und Nüch­tern­heit. So ist hier­zu­lan­de ei­ne Va­ri­an­te der Fuß­ball­öko­no­mie ge­wach­sen. Hoe­ness hat im­mer ver­schmäht, den Ver­ein in Schul­den zu stür­zen, son­dern ver­folg­te den öko­no­mi­schen Auf­bau be­harr­li­cher und nach­hal­ti­ger. Am ehe­sten »süd­län­disch-pas­sio­niert« geht es bei Schal­ke und Dort­mund zu, aber auch nicht so hin­ge­bungs­voll kom­pe­ti­tiv wie bei Re­al Ma­drid. Wie auch im­mer, man darf den Über­schuss an Un­ver­nunft in der Kom­mer­zia­li­sie­rung nicht au­ßer Acht las­sen. Und die Poin­te ist, dass es die pas­sio­nier­te Auf­fas­sung von Kampf auch in der Wirt­schaft gibt. Es ist eben kein Zu­fall, dass sich aus­ge­rech­net der über­ehr­gei­zi­ge Kon­zern Volks­wa­gen auch im Sport »Zei­chen« set­zen will. »Wir wol­len den Geg­ner do­mi­nie­ren« – von die­sem selt­sa­men Drang sind vie­le be­seelt und der Pro­fit ist da­bei eher das Mit­tel als der Zweck. Selbst bei der Ak­ti­en­ge­sell­schaft Bo­rus­sia Dort­mund ist der sport­li­che Er­folg zen­tral, die Ak­tio­nä­re sind dem Ver­ein eher schnup­pe. Wirk­lich kom­mer­zi­ell ge­trie­ben ist das Um­feld der Nutz­nie­ßer: die Spie­ler­be­ra­ter, die Me­di­en, die Tri­ko­ther­stel­ler. Zu­schau­er und Spie­ler ha­ben sich am we­nig­sten ge­än­dert. Sie wol­len den Kampf und wol­len ihn ge­win­nen.

    #2

  4. Na­ja, Ver­ei­ne wie Re­al Ma­drid oder auch Bar­ce­lo­na sind im­mens hoch ver­schul­det und wer­den so­gar noch staat­lich durch nied­ri­ge­re Steu­ern sub­ven­tio­niert. Das ist schon wirk­lich per­vers, wenn man über­legt, wie­viel Geld dort be­zahlt wird. Das Geld aber nicht al­les ist, sieht man am eng­li­schen Fuß­ball, der nicht so recht auf die Bei­ne kommt.

    Was mich wirk­lich er­staunt ist die nai­ve Ver­ein­s­i­den­ti­fi­ka­ti­on vie­ler Fans in Deutsch­land, den ich mal mit dem re­li­giö­sen Kin­der­glau­ben äl­te­rer Leu­te ver­glei­chen möch­te. So­bald man ih­nen zeigt, wie sich mit pro­fes­sio­nel­le­ren Struk­tu­ren aus Pro­vinz­ver­ei­nen min­de­stens teil­wei­se Er­fol­ge er­zie­len las­sen, se­hen sie das En­de des Fuß­balls auf­leuch­ten. Das sind die glei­chen, die Zig­mil­lio­nen-Trans­fer­zah­lun­gen für mit­tel­klas­si­ge Spie­ler en­thu­si­astisch be­ju­beln. Ei­ne zen­tra­le Rol­len kommt hier­bei den Me­di­en zu: Sie schü­ren die­se Hy­pes.

    #3

  5. Fritz Iv sagt:

    Ja, das mei­ne ich ja, dass die Kom­mer­zia­li­sie­rung des Fuß­ball min­de­stens eben­so ir­ra­tio­nal wie öko­no­misch ge­prägt ist. Üb­ri­gens gibt es ja die Span­nung zwi­schen Kom­mer­zia­li­sie­rung und ur­sprüng­li­chen In­ten­tio­nen auch an­ders­wo, z.B. in der Li­te­ra­tur. Wenn Buch­rech­te an Hol­ly­wood ver­kauft wer­den, Ver­la­ge »Au­toren ein­kau­fen« etc. Das ist im­mer bis zu ei­nem be­stimm­ten Grad na­tür­lich, denn »Er­folg ist, wenn du wei­ter ma­chen kannst« (Keith Ri­chards) und kein Künst­ler kommt ja je ans En­de. Du brauchst die Koh­le, so­zu­sa­gen. Je nä­her die Kom­mer­zia­li­sie­rung aber bei der all­ge­mei­nen Un­ter­hal­tungs­in­du­strie schläft, de­sto mehr wird das Ge­schäft von fi­nan­zi­el­len Ab­sich­ten ge­steu­ert, aus Buch­hal­tung und Mar­ke­ting her­aus. Aber im Fuß­ball – und viel­leicht nur da – treibt ur­sprüng­lich die Pas­si­on für den Kampf die Kom­mer­zia­li­sie­rung, wes­we­gen auch oder so­gar ge­ra­de hin­ter den un­sin­nig­sten Be­trä­gen die größ­te Lei­den­schaft für den Sport stecken kann. »Wir wol­len euch kämp­fen se­hen«, dann spielt Geld kei­ne Rol­le mehr.

    #4