»Im Na­men des Gu­ten«

Alexander Kissler: Widerworte

Alex­an­der Kis­s­ler:
Wi­der­wor­te – War­um mit Phra­sen Schluss sein muss

An­mer­kun­gen zu ei­nem An­ti-Phra­sen­buch und ein klei­ner Ex­kurs in die Ver­gan­gen­heit

Der Ti­tel des neu­en Bu­ches von Alex­an­der Kis­s­ler (Res­sort­lei­ter beim Ma­ga­zin »Ci­ce­ro«) ist kämp­fe­risch: »Wi­der­wor­te – War­um mit Phra­sen Schluss sein muss«. Kis­s­ler sieht es als ei­ne Pflicht an, 15 der gän­gi­gen Phra­sen der letz­ten Jah­re zu wi­der­spre­chen, denn nicht die Lü­gen sei­en die Ge­fahr für das Den­ken, son­dern die Phra­se, so im Vor­wort.

»Viel­falt ist un­se­re Stär­ke«, »Das ist al­ter­na­tiv­los«, »Ge­walt ist kei­ne Lö­sung«, das sich im­mer ra­san­ter aus­be­rei­ten­de Cre­do vom all­sei­tig not­wen­di­gen Re­spekt, »Un­ser Reich­tum ist die Ar­mut der An­de­ren«, so­wie die Mut­ter al­ler Phra­sen der letz­ten Jah­re »Wir schaf­fen das« – um nur ei­ni­ge der ana­ly­sier­ten und se­zier­ten Re­de­wen­dun­gen zu nen­nen. Das Buch wen­det sich die­sen Phra­sen in Tex­ten zwi­schen fünf und zwan­zig Sei­ten zu, wo­bei die In­ten­si­tät der Be­spre­chung Rück­schlüs­se auf die Phra­sen­haf­tig­keit der Phra­se, al­so der Not­wen­dig­keit von de­ren De­kon­struk­ti­on zu­lässt.

Phra­sen sind »Um­wer­tungs­ver­su­che«, sol­len Ge­dan­ken len­ken, Mei­nungs­strö­me ein­he­gen, Ge­wiss­hei­ten be­to­nie­ren. »Die Phra­se be­ginnt, wo das Den­ken en­det«, so Kis­s­ler an ei­ner Stel­le süf­fi­sant. Im harm­lo­sen Fall ist es nur ein Wer­be­spruch, der in den Ka­non der Re­de­wen­dun­gen ein­fliesst und sich dort zu­wei­len ver­selb­stän­digt. »Zur Phra­se wird ein Spruch, wenn er ei­nen wah­ren Teil­as­pekt aus­spricht und die­sen zur gan­zen Wahr­heit er­klärt.« Kis­s­ler meint da­mit die po­li­tisch auf­ge­la­de­nen Phra­sen, de­ren Aus­sa­gen zu Ge­wiss­hei­ten er­klärt wer­den. Bei der Lek­tü­re stellt sich ein er­staun­li­ches Er­leb­nis ein: Die Phra­sen wer­den von et­li­chen Mas­sen­me­di­en häu­fig gar nicht mehr be­fragt, son­dern in ei­ner bis­wei­len selt­sam an­mu­ten­den Ein­tracht mit Po­li­tik und/oder In­sti­tu­tio­nen (NGOs, Kir­chen, Wis­sen­schaf­ten) als Ge­bo­te an­ge­se­hen und wei­ter­ver­brei­tet.

Wer die­sen Phra­sen nicht un­ein­ge­schränkt zu­stimmt, wer ih­ren Ge­brauch kri­ti­siert oder gar ab­lehnt, be­fin­det sich so­fort in ei­ner von au­ßen ok­troy­ier­ten, mo­ra­li­schen Zwangs­la­ge. Kis­s­ler zi­tiert den lin­ken So­zi­al­phi­lo­so­phen Ul­rich Son­ne­mann, der sich in den 1960er Jah­ren »den Kon­for­mi­täts­zwang in Ade­nau­ers Deutsch­land« fest­stell­te und – mit ei­ni­ger Be­rech­ti­gung – ge­gen die »Dif­fa­mie­rung des Da­ge­gen­seins« ein­trat. Fünf­zig Jah­re spä­ter wird das »Da­ge­gen­sein« oft ge­nug als Sa­kri­leg an ei­nen als ab­so­lut ge­setz­ten Kon­sens an­ge­se­hen. Der Deut­sche als »Sta­bi­li­täts­narr im Kon­sens­wahn«. Fra­gend fährt Kis­s­ler fort, ob »Kri­tik, die heu­te vor al­lem ei­ne Kri­tik der Phra­se sein muss, noch oder wie­der als Un­bot­mä­ßig­keit« gilt. (Si­cher­lich sind Phra­se und Kon­sens­wahn nicht un­be­dingt nur ein deut­sches Phä­no­men.)

Ei­nes der Kern­stücke des Bu­ches von Kis­s­ler bil­det die Aus­ein­an­der­set­zung um den »Wir schaf­fen das«-Spruch Mer­kels vom Herbst 2015, auf dem Hö­he­punkt der Flücht­lings­wel­le. In sehr fei­nen Schnit­ten wird nicht nur der »Plu­ra­lis Ma­je­sta­tis« des Wört­chens »wir«, der na­tür­lich das Au­to­ri­täts­ge­fäl­le zwi­schen Po­li­tik und Volk auf sub­ti­le Wei­se auf­zeigt, se­ziert son­dern er ent­wickelt an­hand von Tran­skrip­tio­nen der Aus­sa­gen der Bun­des­kanz­le­rin in der »An­ne Will«-Sendung vom 31. Au­gust 2015 die The­se, dass Mer­kels Han­deln »die Welt« ver­an­las­sen soll­te, »die Deut­schen von ih­rer Ge­schich­te« frei­zu­spre­chen. O-Ton Mer­kel: »Die Welt sieht Deutsch­land als ein Land der Hoff­nung und der Chan­cen, und das war nun wirk­lich nicht im­mer so.«

Bei al­ler Kri­tik muss man al­ler­dings kon­sta­tie­ren, dass der Ver­such ei­ner Hi­sto­ri­sie­rung der Er­eig­nis­se ei­nem Kon­troll­ver­lust der Re­gie­rung ob der Er­eig­nis­se ge­schul­det ist. Wenn man Ro­bin Alex­an­ders ex­ak­te Chro­no­lo­gie »Die Ge­trie­be­nen« liest (bis heu­te gibt es kein De­tail aus die­sem Buch, wel­ches se­ri­ös wi­der­legt wur­de), wird die Hilf­lo­sig­keit der Han­deln­den deut­lich. So han­delt es sich beim »Wir schaf­fen das« zwar um ei­nen »au­to­ri­tä­ren Ver­zweif­lungs­ruf« (Kis­s­ler), aber er ist eben auch den Über­for­de­run­gen der Prot­ago­ni­sten ge­schul­det.

Das an­ge­spro­che­ne »Wir« in Mer­kels Phra­se kann man wo­mög­lich noch als Ver­such se­hen, an das re­vo­lu­tio­nä­re »Wir sind das Volk« von 1989 an­zu­knüp­fen. Mer­kel woll­te an ei­nen Ge­mein­sinn ap­pel­lie­ren bzw. an­knüp­fen, der bes­ser aus­se­hend soll­te als sei­ner­zeit Hel­mut Kohls Aus­spruch von den »blü­hen­den Land­schaf­ten«. Die ehr­li­chen An­spra­chen über die Her­aus­for­de­run­gen der je­wei­li­gen Er­eig­nis­se blie­ben zu Gun­sten pa­ter­na­li­sti­scher Durch­hal­te­pa­ro­len, die be­sten­falls das Volk nar­ko­ti­sie­ren, aus. Der Kol­la­te­ral­scha­den die­ses stüm­per­haf­ten Agie­rend war, dass ein im Som­mer 2015 po­li­tisch am Bo­den lie­gen­der po­li­ti­scher Hau­fen Gest­ri­ger wie wei­land zum Fran­ken­stein er­weckt wur­de.

Un­klar bleibt, wer das »Wir« in »Wir schaf­fen das« sein soll­te. Es wird ap­pel­liert an ei­ne Ge­mein­schaft, ei­ne Ge­sell­schaft, die in die­ser Form we­der exi­stiert be­son­ders ge­wünscht war. Kis­s­ler ver­nach­läs­sigt die­sen As­pekt. Jeg­li­ches auf­kom­men­des Ge­mein­schafts­ge­fühl war – mit durch­aus gu­ten Grün­den – jahr­zehn­te­lang ei­ner skep­ti­schen Sicht­wei­se un­ter­zo­gen wor­den, galt ins­be­son­de­re nach ’68 als re­ak­tio­när. In­tel­lek­tu­el­le wehr­ten sich 1989/90 ge­gen die Ver­ei­ni­gung mit der DDR. Sie be­grif­fen die Spal­tung als Ur­teil der Ge­schich­te. Tat­säch­lich blüh­te im We­sten längst der In­di­vi­dua­lis­mus der Ba­by­boo­mer. Glo­ba­li­sie­rung und Di­gi­ta­li­sie­rung po­ten­zie­ren auf ih­re je­wei­li­ge Art die­se Ent­wick­lung noch und ma­chen aus dem »Ich« ein nar­ziss­ti­sches »Selbst«. Ein »Wir«, wel­ches plötz­lich zu ei­ner ge­mein­sa­men Re­ak­ti­on er­mu­tigt wer­den soll­te, war au­ßer­halb von Mul­ti­kul­ti-Adep­ten mit ih­ren »Welcome«-Schildern nicht zur Hand. Da­her er­stau­nen die Aus­füh­run­gen des Ehe­paars Münk­ler nebst de­ren »Vi­si­on« ei­nes »neu­em Wir«, auf die Kis­s­ler zu recht kri­tisch re­kur­riert.

Die Mehr­zahl der un­ter­such­ten Phra­sen und Pa­ro­len, die zu Hand­lungs­im­pe­ra­ti­ven mu­tie­ren, hat­ten sich im Rah­men des Flücht­lings­dis­kur­ses ge­bil­det. Die Kon­zen­tra­ti­on hier­auf ist scha­de für das Buch, weil man sich auch die De­kon­struk­ti­on an­de­rer Phra­sen – von »Tra­gö­die« über »Vi­si­on«, »Nach­hal­tig­keit« bis hin zum »ge­sun­den Es­sen« – ge­wünscht hät­te. (Aber das Wün­schen hat noch nie ge­hol­fen.)

An sei­ner Ab­leh­nung von Mer­kels als Po­li­tik ge­tarn­ten Über­for­de­rungs­ma­nage­ments (mit recht selt­sa­men Ver­ren­kun­gen, sie­he »Tür­kei-Deal«) der Jah­re 2015ff lässt Kis­s­ler nicht nur kei­nen Zwei­fel auf­kom­men, er the­ma­ti­siert dies zu­wei­len in­ner­halb sei­ner Vi­gnet­ten zu den je­wei­li­gen Phra­sen. Das wirkt teil­wei­se et­was über­am­bi­tio­niert und birgt die Ge­fahr, sei­ne treff­li­chen syn­tak­ti­schen Ana­ly­sen als ten­den­zi­ös ge­färbt ab­zu­wie­geln. Et­wa wenn er Kat­rin Gö­ring-Eckardts Dik­tum von der Vi­si­on ei­nes »neu­en Lan­des« zi­tiert – ein Aus­schnitt aus ih­rer Re­de im No­vem­ber 2015 in Hal­le – und dies als ei­ne durch die Mi­gra­ti­ons­po­li­tik vor­an­ge­trie­be­ne »Um­co­die­rung der deut­schen Ge­sell­schaft« in­ter­pre­tiert. (Ein ak­tu­el­les Eu­ro­pa­wahl­pla­kat der Grü­nen spricht tat­säch­lich da­von, ein »neu­es Eu­ro­pa« zu »bau­en«.) Er ent­deckt dar­in so­gar Par­al­le­len zwi­schen ihr und Alex­an­der Gau­land – wenn auch mit dia­me­tral ent­ge­gen ge­setz­ten Vor­zei­chen. Oder wenn in An­be­tracht der Ver­wei­ge­rung der Grenz­schlie­ßung im Herbst 2015 die Recht­streue der Bun­des­re­gie­rung an­ge­zwei­felt und die Kanz­le­rin als des­in­te­grie­rend be­zeich­net wird. Mit den Adep­ten der »of­fe­nen Ge­sell­schaft«, die sich in dem, was sie »Hal­tung« nen­nen suh­len und die Dis­kur­se mit mo­ra­lin­saurer Ag­gres­si­on füh­ren, kann Kis­s­ler we­nig an­fan­gen; sie ste­hen bei ihm – nicht ganz un­be­grün­det – un­ter Ideo­lo­gie­ver­dacht. Selbst­ver­ständ­lich ist das dis­kus­si­ons­wür­dig und in­ter­es­sant, aber ob dies dann im Rah­men ei­ner Phra­sen­kri­tik in der ge­bo­te­nen Tie­fe mög­lich ist, kann man be­zwei­feln.

Das Buch ist im­mer dann stark, wenn Kis­s­ler sich auf sei­ne sti­li­stisch an­spruchs­vol­le Sprach­kri­tik kon­zen­triert. Et­wa wenn er den Faux­pas als den »natürliche[n] Ag­gre­gat­zu­stand der Re­den Mer­kels« her­vor­hebt. Oder in den Er­ör­te­run­gen zur Phra­se, je­dem sei un­ter­schieds­los mit Re­spekt zu be­geg­nen. Da­mit ist heut­zu­ta­ge im­mer mehr der »Ap­plaus oh­ne An­se­hung der Lei­stung« ge­meint, ei­ne »Ach­tung oh­ne ach­tens­wer­te Grün­de«. Kis­s­ler kon­sta­tiert (mit Hil­fe von Kant, He­gel und so­gar Max Stir­ner) die selt­sam an­mu­ten­de Ver­wechs­lung zwi­schen Wür­de und Re­spekt. Wür­de steht je­dem Men­schen per se oh­ne Un­ter­schied zu – Re­spekt will er­wor­ben wer­den und exi­stiert nicht als Wert an sich.

Man­ches stellt Kis­s­ler schlich­ter­weg vom Kopf auf die Fü­ße. Et­wa wenn er den Vor­wurf, Eu­ro­pas Wer­te wür­den im Mit­tel­meer er­trin­ken zu­nächst ein­mal da­hin­ge­hend kon­tert, dass nicht Wer­te son­dern Men­schen er­trin­ken und dann auf die Ver­ant­wor­tung der Re­gie­ren­den hin­weist, vor de­ren Un­fä­hig­keits­re­gime die Men­schen flie­hen. Und ja, es scheint fast ana­chro­ni­stisch zu sein auf den frei­en Wil­len und die Selbst­ver­ant­wor­tung de­rer hin­zu­wei­sen, die sich auf Nuss­scha­len übers Mit­tel­meer auf den Weg ma­chen.

Kis­s­ler be­zeich­net die Ge­gen­wart als ein »In­ter­re­gnum der ent­leer­ten Be­grif­fe«. Aber wie setzt sich die­se »Zwi­schen­pha­se« fort? Wer wird am En­de die Deu­tungs­macht über Be­grif­fe und schließ­lich über die po­li­ti­sche Ver­fasst­heit der Ge­sell­schaft ha­ben? Das phra­sen­in­du­zier­te Un­be­ha­gen ist in­zwi­schen längst auch bei den kri­ti­schen Gei­stern im uni­ver­si­tä­ren, so­zi­al­li­be­ra­len Mi­lieu an­ge­kom­men.

Wo­mit man wie­der im Ade­nau­er-Staat an­ge­kom­men zu sein scheint. Pas­send hier­zu ent­deck­te ich fol­gen­des Zi­tat:

»Man könn­te […] sa­gen, daß heu­te über­all, wo Men­schen sich in die Brust wer­fen – da­bei den­ke ich nicht nur an ein­zel­ne Men­schen, son­dern vor al­lem an das, was ge­schrie­ben, was durch die Mas­sen­me­di­en ver­brei­tet, was ge­tönt wird – und sich auf die Idee des Gu­ten be­ru­fen, die­se Idee des Gu­ten un­mit­tel­bar, das heißt, so­weit sie nicht der Wi­der­stand ge­gen das Schlech­te ist, im­mer und aus­schließ­lich ge­ra­de das Deck­bild des Schlech­ten ist. […] Auf der ei­nen Sei­te näm­lich ist der Haß auf das Bö­se heu­te wirk­lich im Na­men des Gu­ten zu et­was Zer­stö­ren­dem und De­struk­ti­vem ge­wor­den, auf der an­de­ren Sei­te ist das Gu­te, das sich selbst als Po­si­ti­vi­tät auf­wirft, an­statt nur das Bö­se als In­dex sei­ner selbst zu se­hen, zu dem Bö­sen ge­wor­den.«

Nein, hier schreibt kein Wer­te-Re­la­ti­vie­rer, Neu-Rech­ter oder Alt-Lin­ker. Die obi­gen Zei­len stam­men aus der 17. Vor­le­sung über »Pro­ble­me der Mo­ral­phi­lo­so­phie« von Theo­dor W. Ador­no vom 25.7.1963. Es ist je­ne Vor­le­sung über die Dif­fe­renz von Ge­sin­nungs­ethik und Ver­ant­wor­tungs­ethik, in der er sei­nen in­zwi­schen sel­ber zur Phra­se ge­wor­de­nen Satz das »im fal­schen Le­ben ein rich­ti­ges nicht mög­lich sei« er­läu­tert. So­fern es, so Ador­no, über­haupt so et­was wie »ei­ne Un­ter­schei­dung zwi­schen dem rich­ti­gen und dem fal­schen Le­ben gibt, ist sie wohl am ehe­sten dar­in zu su­chen, ob man blind nach au­ßen schlägt – und sich sel­ber und die Grup­pe, zu der man ge­hört, als Po­si­ti­ves setzt und das, was an­ders ist, ne­giert -, oder ob man statt des­sen in der Re­fle­xi­on auf die ei­ge­ne Be­dingt­heit lernt, auch dem sein Recht zu ge­ben, was an­ders ist, und zu füh­len, daß das wah­re Un­recht ei­gent­lich im­mer ge­nau an der Stel­le sitzt, an der man sich sel­ber blind ins Rech­te und das an­de­re ins Un­rech­te setzt.«

Ob Alex­an­der Kis­s­lers »Wi­der­wor­te« die »Re­fle­xi­on auf die ei­ge­ne Be­dingt­heit« im Jahr 2019 be­för­dern wird? Oder ob ei­nem in An­be­tracht der sich »in die Brust« wer­fen­den Mo­ra­li­sie­rer (nebst den mehr­heit­li­chen Cla­queu­ren in den Me­di­en) nur das His­sen der wei­ßen Fah­ne mit dem Wunsch, we­nig­stens in Ru­he ge­las­sen zu wer­den, bleibt?

28 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Zu­erst sa­gen Sie, es hand­le sich beim »wir schaf­fen das« der Kanz­le­rin um ei­nen plu­ra­lis ma­je­sta­tis, Gre­gor Keu­sch­nig, dann schrei­ben Sie: Un­klar bleibt, wer das »Wir« in »Wir schaf­fen das« sein soll­te.
    Ich mei­ne, bei­des trägt eher zur Ver­un­kla­rung bei. Zu­fäl­lig ha­be ich den Vi­deo-Mtischnitt ge­ra­de noch­mal nge­schaut: Es ist klar, dass die Kanz­lein mit »wir« Deutsch­land und die Deut­schen meint. – Sei will uns al­len Mut zu­spre­chen (wohl auch sich selbst) – da steckt mei­nes Er­ach­tens kaum ei­ne An­ma­ßung dar­in.

    Kis­s­ler pro­biert zu sehr, al­les auf ein paar Wört­lein zu reu­zie­ren, und ver­liert sich dann in Ab­strak­tio­nen: »und sich auf die Idee des Gu­ten be­ru­fen, die­se Idee des Gu­ten un­mit­tel­bar, das heißt, so­weit sie nicht der Wi­der­stand ge­gen das Schlech­te ist, im­mer und aus­schließ­lich ge­ra­de das Deck­bild des Schlech­ten ist.« Das ist zu ab­trakt, und da­her nicht mehr trenn­scharf und auch nicht aus­sa­ge­kräf­tig, ja so­gar falsch und ver­wir­rend. – Es kommt mir vor wie ein ver­un­glück­ter Goe­the-Nach­all (Me­phi­sto).
    Nun ja, es ist schon Düm­me­res ge­schrie­ben wor­den.

    Zu­dem: Die Mer­kel-Be­mer­kung bei An­ne Will: »Die Welt sieht Deutsch­land als ein Land der Hoff­nung und der Chan­cen, und das war nun wirk­lich nicht im­mer so« kann red­li­cher­wei­se nicht als Be­leg da­für ge­nom­men wer­den, dass die Kanz­le­rin ver­such­te, »die Deut­schen von ih­rer Ge­schich­te« frei­zu­spre­chen. Ge­meint ist ein­fach: Frü­her han­del­ten wir schlecht, jetzt han­deln wir in den Au­gen der Welt gut – das ist doch gut.

    An sich ist das auch gut, und der Feh­ler ist gleich­wohl durch­aus ge­ge­ben, da stim­me ich Kis­s­ler na­tür­lich zu, aber er liegt auf ei­ner an­de­ren Ebe­ne: Näm­lich da, wo die Kanz­le­rin ein Ge­schäft macht: Gren­zen wei­ter­hin (!) auf­las­sen oh­ne wenn und aber – und da­üfr ei­ne wei­te­re Ver­bes­se­rung des Deut­schen An­se­hens in der Welt. Sie setzt das Deut­sche An­se­hen über das deut­sche In­ter­es­se: Das ist der Kar­di­nal­feh­ler!

    Letz­te Wo­che Mar­kus Lanz: Das Deut­sche In­ter­es­se muss es sein, im Jahr min­de­stens (!) 300 000 Zu­zü­ger zu ge­win­nen. We­gen der Über­al­te­rung und der Ren­te und den Ar­beits­plät­zen usw.! – Hät­ten Wis­senschft­ler ihm ge­sagt, stim­me ganz ge­nau... Und in Ja­pan wer­de das neu­er­dings ganz gleich ge­se­hen – wis­se er eben­falls aus ei­ge­ner An­schau­ung, zu­mal sei­ne Frau ei­ne »Halb­ja­pa­ne­rin« sei. – Al­les klär­chen my de­ar! – so geht das heu­te in be­sten Deutsch­land, das es je gab. Be­son­ders me­di­al sind wir of­fen­bar in top-Form!

  2. »und sich auf die Idee des Gu­ten be­ru­fen, die­se Idee des Gu­ten un­mit­tel­bar, das heißt, so­weit sie nicht der Wi­der­stand ge­gen das Schlech­te ist, im­mer und aus­schließ­lich ge­ra­de das Deck­bild des Schlech­ten ist.«
    Das ist von Ador­no, nicht Kis­s­ler.

  3. Ah, hab’ ichs nicht ge­sagt, es ist schon Düm­me­res ge­schrie­ben wor­den. Aber der un­be­hol­fe­ne Rück­griff auf Goe­the nutzt hier nix, da­bei blei­be ich.

  4. Die letz­ten bei­den Kom­men­ta­re ha­be ich ge­löscht. Mö­gen die Her­ren ih­re Zwi­stig­kei­ten an­ders­wo aus­tra­gen – hier nicht. Auf Wie­der­se­hen. Oder, bes­ser: eher nicht.

  5. Oh, scha­de. Das wa­ren gar kei­ne­Zwi­stig­kei­ten. Das war ein höf­li­cher Ge­dan­ken­aus­tausch.

  6. Der An­schluss ans Sy­stem ist die Tu­gend der Stun­de: Mehr bleibt dem auf Funk­tio­na­li­tät Re­du­zier­ten auch nicht. Nur wird das im­mer gründ­li­cher, ein biss­chen Mit­tun ge­nügt nicht mehr: Da­bei sein von An­fang an! Nie­mand will drau­ßen sein! Und wie die Blöd­hei­ten sonst noch lau­ten. Das Ver­häng­nis­vol­le der Phra­sen ist we­ni­ger dass sie das Nach­den­ken ver­hin­dern, als dass sie ei­ne Art kol­lek­ti­ve Ab­hol­be­reit­schaft vor­be­rei­ten und si­cher­stel­len (be­son­ders dort, wo man sich we­ni­ger gut aus­kennt und dort wo man un­ge­nau hin­sieht). Auch wenn man sich des­sen be­wusst ist, ir­gend­et­was bleibt hän­gen, das oft­mals Ge­hör­te wird ver­traut. Hü­ten muss man sich, da lag Ador­no völ­lig rich­tig, ge­ra­de vor dem, das schön klingt, von sich aus gut und wohl­mei­nend da­her kommt, ja un­schul­dig er­scheint. Auch, weil Be­grif­fe um­ge­deu­tet und ih­re Be­deu­tungs­fel­der ver­scho­be­nen wer­den (dar­in se­he ich die grö­ße­re Ge­fahr). Da­zu passt, dass das We­deln mit dem Fähn­lein, al­so das An­zei­gen kor­rek­ter Ge­sin­nung, nicht: Ar­gu­men­tie­ren, Dis­ku­tie­ren, im­mer stär­ker in den Vor­der­grund rückt: Auch ich bin da­bei! Kri­tik wirkt da im­mer mehr selbst­kon­sti­tu­ie­rend, als dass sie noch et­was aus­rich­ten könn­te. Oder?

  7. Die Fra­ge ist, ob die von Kis­s­ler »In­ter­re­gnum« ge­nann­te Pe­ri­ode tat­säch­lich vor­über­ge­hend ist oder ob sich hier dau­er­haft neue Tu­gend­zwän­ge auf­bau­en. Be­reits jetzt muss man, um in be­stimm­ten Krei­sen be­ruf­lich re­üs­sie­ren zu kön­nen, so­zu­sa­gen »mit den Wöl­fen heu­len«. Wi­der­spruch ist längst Lu­xus ge­wor­den. Das ist al­ler­dings nicht neu – je­de Zeit hat ih­re Ge­wiss­hei­ten und da­mit ih­ren spe­zi­el­len Op­por­tu­nis­mus er­zeugt. Man­ches er­le­digt sich ir­gend­wann von sel­ber, an­de­res sickert dau­er­haft ein. Die Ge­gen­be­we­gung – das zeigt sich ge­ra­de in den USA – ist na­tür­lich auch in ih­rem Ex­tre­mis­mus nicht wün­schens­wert.

  8. #8 me­tep­si­lo­n­e­ma

    Der Kon­for­mi­täts­zwang, das Ein­lul­len­de ist ge­ge­ben, Me­tep­si­lo­n­e­ma, und da hat Kis­s­ler recht. Will und Ill­ner lau­fen über­wie­gend in die­sem Mo­dus. Auch die Nach­rich­ten­sen­dun­gen der hie­si­gen Öf­fis. So­wie der Spie­gel.

    #9 Gre­gor Keu­sch­nig

    Die Ge­gen­be­we­gung in den USA und der Anglosh­phe­re und in Fran­ce und so­wei­ter (Dä­ne­mark, Finn­land, Un­garn, Ita­li­en...) hat, wie al­les Men­schen­werk, ih­re Schat­ten­sei­ten, stimmt. Aber auch ih­re Glanz­punk­te, die ich hier be­leuch­ten will. – Wer der An­sicht ist, dass der Bre­x­it nicht grund­sätz­lich schlecht ist, kann sich bei Do­mi­nic Cum­mings auf des­sen bril­lan­ten Blog um­tun. Oder Dou­glas Mur­rays Ar­ti­kel und Vor­trä­ge on­line zur Kennt­nis neh­men, oder sein Buch The Stran­ge De­ath of Eu­ro­pe le­sen – deutsch bei Ti­chys.

    Zu den Licht­blicken der Ge­gen­be­we­gung in den USA zählt der for­mi­da­ble US Blog­ger Ste­ve Sai­ler und die Psy­cho­lo­gen Pin­ker, Pe­ter­son und Haidt so­wie die Li­ter­tur­wis­sen­schaft­le­rin Ca­mil­le Paglia.

    Es fällt auf, dass die Li­te­ra­ten auf die­sem Feld weit­gend ab­ge­dankt ha­ben.
    Mur­ray könn­te man da­zu­rech­nen, und als lo­se li­te­ra­risch könn­te man die enorm ein­fluss­rei­chen Ko­mi­ker Joe Ro­gan und Da­ve Ru­bin mit ih­ren – al­ler­dings ern­sten! -On­line-In­ter­view­for­ma­ten an­se­hen: Ru­bin Re­port und Joe Ro­gan Ex­pe­ri­ence.

    Der So­zi­al­psy­cho­lo­ge Jo­na­than Haidt lei­stet nicht al­lein mit sei­nen For­schungs­ar­bei­ten und Bü­chern und Vor­trä­gen er­heb­li­che Auf­klä­rungs­ar­beit, son­dern mit der He­te­ro­dox-Aka­de­mie auch ei­ne kon­kre­te or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ar­beit. Er schuf ei­ne so­zia­le Ge­gen­be­we­gung ge­gen die Ver­knud­de­lung des ame­ri­ka­ni­schen Gei­stes »The Coddling of the Ame­ri­can Mind« (das neu­este Buch – zu­sam­men mit Greg Lu­kian­off) in­ner­halb der US-Unis. Groß­ar­tig!

    Der schot­tisch­stäm­mi­ge Hi­sto­ri­ker Ni­all Fer­gu­son gibt in die­sem höchst ein­sichts­rei­chen NZZ-In­ter­view ei­nen Über­blick über die La­ge – und kommt auch auf Haidt und Deutsch­land zu spre­chen:

    https://www.nzz.ch/feuilleton/niall-ferguson-als-rechter-bist-du-ein-potenzieller-nazi-sozialisten-und-kommunisten-hingegen-sind-moralisch-einwandfreie-sozialdemokraten-ld.1467954

    Die ein­zi­ge deutschsra­chi­ge Zei­tung, die über die­se Din­ge re­gel­mä­ssig und kennt­nis­reich be­reich­tet, ist die NZZ.
    On­line gibt es ei­ni­ges über die­se Leu­te bei Ti­chys und auf der Ach­se des Gu­ten.
    (»Die Pres­se« bringt manch­mal was über die­se Din­ge, aber das ver­fol­ge ich nicht so ge­nau.)

  9. Na­ja, auf Ti­chys Ein­blick fin­de ich zu 90% tat­säch­lich nur Schrott – Da­ge­gen­sein um Da­ge­gen­zu­sein. Ähn­lich mit der »Ach­se«. Mei­nungs­jour­na­lis­mus möch­te ich nicht mit Mei­nungs­jour­na­lis­mus aus­trei­ben. Da­her sind sol­che Sei­ten meist Zeit­ver­schwen­dung. Sie bil­den nur ein Ven­til für ih­re Bla­se.

    Die NZZ ist tat­säch­lich in vie­len Din­gen ein ak­zep­ta­bles Kor­rek­tiv.

  10. @Dieter Kief
    Das ha­be ich auch nicht be­strit­ten. Ich glau­be nur nicht, dass sich die­je­ni­gen, die zum Nach­den­ken be­fä­higt sind, das von ein paar Phra­sen aus­trei­ben las­sen (die Fra­ge ist eher, wer sie noch hö­ren wird oder kann).

  11. @ Gre­gor Keu­sch­nig

    Na­ja, 10 % bei TE sind schon ei­ne Aus­beu­te. Mir reicht das. Was mich nicht in­tres­siert, les’ ich ein­fach nicht.

    Dou­glas Mur­ray ist ein ert­klas­si­ger Au­tor, der in Deutsch­land we­gen “Is­lam­feind­schaft” nur bei Ti­chys vor­kommt – un­glaub­lich; das ist – ich sags mal ganz sanft: Ar­gu­men­ta­ti­ons­boy­kott, al­so im­Kern ge­gen­auf­klä­re­risch.

    Di­to Jor­dan B. Pe­ter­son auf der Ach­se. Die letz­te At­tacke von Elif Sha­rack im Guar­di­an auf Pe­ter­son, Haidt usw. (Pin­ker, Sar­ra­zin) wur­de vom Per­len­tau­cher mun­ter wei­ter­erzählt – dass die Da­me au­ßer Res­sen­ti­ment ar­gu­men­ta­tiv gar nichts zu­stan­de brach­te, spielt dann kei­ne Rol­le mehr: Haupt­sa­che in­ter­na­tio­nal re­nom­mier­te Frau und ge­gen die Un­ter­drückung.

    Er­freu­li­che Aus­nah­men: Ha­rald Mar­ten­stein und Ul­rich Bahn­sen in der Zeit so­wie die un­er­müd­li­che Clai­re Leh­mann mit ih­rem on­line Wis­sen­schafts­ma­ga­zin Quil­let­te (20% Tref­fer).

    @ me­tep­si­lo­n­e­ma

    Ih­re An­ly­se tei­le ich, aber ihr letz­ter Satz scheint mir quie­ti­stisch oder ein we­nig hoff­nungs­los. Ob Sie da nicht be­reits den Irr­lich­tern Ador­nos aus dem Grand-Ho­tel Ab­grund fol­gen?

    Es scheint mir so: Wenn man wie Ador­no das zwei­fel­los tut, in den Sack­gas­sen der Sub­jekt­phi­lopo­hie her­um­gei­stert, weiß man am Schluß leicht nicht mehr, wo hin­aus. Die­sen phi­lo­so­phi­schen Irr­gar­ten hat Ha­ber­mas ei­gent­lich sehr schön und fass­lich aus­ge­leuch­tet.

    Man muss dann, wür­de ich sa­gen, bald ein­mal wie­der kon­kret wer­den, und sorum wird dann auch viel leich­ter ein Schuh dar­aus. – Wer im­mer Ar­gu­men­ta­ti­ons­ver­bo­te auf­stellt im Na­men des Fort­schritts oder des Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus, wer im­mer das Ge­fühl über das Ar­gu­ment stellt, oder den In­ter­na­tio­na­lis­mus für prin­zi­pi­ell ge­recht­fer­tigt an­sieht oder meint, dass Herrr­schaft prin­zi­pi­ell ab­zu­leh­nen sei, oder dass es zwi­schen Män­nern und Frau­en kei­ne bio­lo­gi­schen Un­ter­schie­de ge­be, oder dass die Lin­ke hi­sto­risch schuld­los sei – die al­le sind, wie­der sehr mild aus­ge­drückt: Leu­te, die der zeit­ge­nös­si­schen Pro­blem­la­ge nicht Herr wer­den, weil ih­re Kon­zep­te die not­wen­di­ge Trenn­schär­fe / Kom­ple­xi­tät ver­mis­sen las­sen. Kis­s­ler hat recht mit sei­ner Phra­sen-Kri­tik, aber es ist viel­leicht nicht ganz ver­kehrt, der­lei sprach­kri­ti­sche Über­le­gun­gen in dem ganz hand­fe­sten Rah­men der vier-fünf Punk­te, zu ver­or­ten, die ich ge­ra­de ge­nannt ha­be.

    Hier ist noch ei­ner der bril­lan­ten NZZ Ar­ti­kel, die un­mit­tel­bar hier­her ge­hö­ren – eben­falls ein Ge­spräch Re­né Scheus, dies­mal mit dem Stan­for­der Ide­en­ge­schicht­ler Ro­bert Har­ri­son:

    https://www.nzz.ch/feuilleton/robert-harrison-kinder-sind-wir-in-unserer-anspruchshaltung-ld.1474483

    Es ist schon frap­pant zu se­hen, wie hier ein rie­sen Feld in­tel­lek­tue­ler Welt­erkun­dung im deutsch­spra­chi­gen Raum weit­ge­hend un­be­stellt bleibt we­gen »Rechts­ab­wei­chung«.

  12. @Dieter Kief
    Ich bin in der Tat nicht (son­der­lich) op­ti­mi­stisch, weil die durch­schnitt­li­che Fä­hig­keit zur Kri­tik ge­ring aus­ge­prägt ist und die Struk­tu­rie­rung der Sub­jek­te so ein­fach ge­lingt.

    Wenn Sie noch for­mu­lie­ren, was Ha­ber­mas aus­ge­leuch­tet hat, wä­re das schön, das wür­de mir näm­lich hel­fen Ih­re Po­si­ti­on nach­voll­zie­hen zu kön­nen. Ich glau­be, dass die Ana­ly­se des Auf­klä­rungs­pro­zes­ses von Hork­hei­mer und Ador­no rich­tig ist und das was die bei­den als in­stru­men­tel­le Ver­nunft be­schrie­ben ha­ben, das Han­deln der mei­sten Men­schen be­stimmt. Ei­ne Ver­nunft, die sich ge­gen Sinn­lich­keit, Ge­fühl und Na­tur rich­tet, die nicht fä­hig ist, et­was, wie die bei­den for­mu­lier­ten, mime­tisch in sich auf­zu­be­wah­ren. Neh­men Sie ein­mal zwei As­pek­te un­se­rer Ge­gen­wart und be­zie­hen Sie die­se dar­auf: Den Um­gang mit Mo­bil­te­le­fo­nen in der Öf­fent­lich­keit (vor al­lem im Zu­sam­men­hang mit Kin­dern) und das Auf­tre­ten von Bur­nout bzw. De­pres­si­on: Bei­des ver­weist auf ei­ne Ver­let­zung, Über­spie­lung und Un­ter­drückung des­sen was man als äs­the­ti­sche Wahr­neh­mung be­zeich­net. Was muss man sei­ner Ei­gen­wahr­neh­mung an­tun, wenn man erst merkt wie schlecht es ei­nem geht, wenn man un­ter dem Schreib­tisch liegt? War­um schließt man sich selbst via Bild­schirm oder Oh­ren­stöp­sel per­ma­nent kurz? Ich muss in der Öf­fent­lich­keit stän­dig Men­schen aus­wei­chen, die nicht mehr fä­hig sind, an­de­re und sich selbst wahr­zu­neh­men (und die folg­lich nicht mehr wis­sen, wann sie der stän­di­ge In­put über­füllt). Der Gip­fel von dem ist, dass vie­le El­tern ih­ren Bild­schir­men mehr Auf­merk­sam­keit schen­ken als ih­ren Kin­dern: So­zia­le Be­zie­hun­gen ver­kom­men zu ei­nem Ne­ben­her, man be­ach­tet und nimmt den an­de­ren wie sich selbst nur mehr un­ge­nü­gend wahr. In Sum­me: Un­se­re ra­tio­nal ver­eng­te Kul­tur rich­tet sich im­mer mehr ge­gen die Sub­jek­te die sie her­vor­brin­gen, das ist ihr »Preis«. Das ha­ben die bei­den be­schrie­ben und das ist im­mer noch rich­tig. Ge­nau­so wie es rich­tig bleibt, dass die­se Ver­en­gung das, was an der Auf­klä­rung rich­tig war, die Selbst­kri­tik und Re­fle­xiv­wer­dung des Sub­jekts – wie wir ge­gen­wär­tig se­hen –, un­ter­mi­niert. Es geht im Kern al­so um ei­ne Aus­ge­wo­gen­heit von Ver­nunft und Sinn­lich­keit bzw. Ge­fühl. Und: Dif­fe­rent sein zu kön­nen, ist das Maß, das an ei­ne Ge­sell­schaft ge­legt wer­den soll­te.

  13. @ me­tep­si­lo­n­e­ma

    Ador­no kreist um sich sel­ber – und folgt dar­in, so Ha­ber­mas, ei­ner ehr­wür­di­gen Tra­di­ti­on. Man kann es da­bei be­las­sen.

    Ha­ber­mas Aus­weg be­steht dar­in, of­fe­ne Fra­gen nicht in fo­ro in­ter­no mo­no­lo­gisch aus­zu­deu­ten – son­dern die Su­jekt­kap­sel auf­zu­sp­re­gen und dem fri­sche­ren Wind der sich in­ter­sub­je­kiv ent­fal­ten­den Ver­nunft Raum zu ge­ben.

    Das ist ei­ne Wei­chen­stel­lung, und es gibt nun zwei Neu­ig­kei­ten: a) Komnuni­ka­ti­on tritt an die Stel­le der frü­her als sub­stan­ti­ell an­ge­se­he­nen fun­da­men­ta­len Fra­gen un­se­res Le­bens und wird zur neu­en Leit­fra­ge. b) Al­les, was frü­her über lan­ge Her­lei­tun­gen zu der Fra­ge wie man am be­sten le­ben sol­le er­läu­tert und hin- und her­ge­wen­det wur­de, wird nun ge­stri­chen. Phi­lo­so­phie soll sich der Fra­gen nach dem gu­ten Le­ben ins­künf­tig ent­hal­ten.

    Was pas­siert aber nun da­mit? – Nun, die Leu­te sol­len sich dar­über aus­ein­an­der­set­zen, und sol­len es mit ein­an­der und ge­gen­ein­an­der aus­kar­teln. Zu­erst klärt man öf­fent­lich , was man in Sa­chen X will. Wenn man sich nicht ei­nigt, muss die Merhheit ent­schei­den.

    Der Mehr­heits­ent­scheid ist kein Be­weis da­für, dass ei­ne Po­si­ti­on rich­tig ist. Er ent­schei­det aber dar­über, was jetzt ge­macht wird. Ob das rich­tig ist, muss sich zei­gen.

    Man muss im Zwei­fel er­neut al­les auf den Prü­st­and stel­len, und sich an­schau­en, ob die Pro-Ar­gu­men­te ge­hal­ten ha­ben, was sie ver­spra­chen, und ob die (un­ter­le­ge­nen) con­tra-Ar­gu­men­te nach wie vor so schwach aus­se­hen, wie sie aus­sa­hen, als sie da­zu führ­ten, dass man X ab­ge­lehnt hat.

    Zu be­ach­ten bei den öf­fent­li­chen De­bat­ten ist, dass man die drei gro­ßen Wert­sphä­ren schön ge­trennt hält: Al­so dass man Din­ge die im Grun­de zu mes­sen oder durch Mes­sung zu be­stim­men sind (=vul­go: Na­tur­wis­sen­schaf­ten), trennt von den Din­gen, die nor­ma­ti­ven Cha­rac­ter ha­ben (Ge­set­ze, Kon­ven­tio­nen, Sit­ten, Ge­bräu­che) und die­se bei­den von der äs­the­ti­schen oder Ge­schmacks-Sphä­re (das ist das Sche­ma der drei kan­ti­schen Kri­ti­ken durch die Müh­le der Neu­kan­tia­ner ge­dreht – ei­ne der gro­ßen Ent­deckun­gen des spä­ten Neun­zehn­ten, frü­hen Zwan­zig­sten Jahr­hun­derts auf den Grund­fe­sten Kants).

    Al­so die Ador­no Stel­le oben – da­von bleibt nicht viel üb­rig, so­bald man die von Ador­no dar­in an­ge­spro­che­nen Pro­ble­me sor­tiert und nach dem (neu­kan­ti­an­schen) Kant-Sche­ma sor­tiert. Dann wird ins­be­son­de­re klar, dass Ador­no oben so tut, als ob die Fra­gen der An­teil­nah­me, die er in der Vor­le­sung über Mo­ral­theo­rie an­spricht, ans Rechts­sy­stem zu­rück­über­wie­sen wer­den sol­len zur bes­se­ren Klä­rung.

    Mit Ha­ber­mas (seufz – jetzt mehr »Fak­ti­zi­tät und gel­tung«, sei­en Rechts­theo­rie) – man kommt aus sol­chen Fra­ge­stel­lun­gen nicht via Recht her­aus, wie Ador­no da an­deu­tet, weil das Recht kei­ne ge­nui­ne oder viel­leicht noch deut­li­cher: Kei­ne be­son­ders rein spru­deln­de Quel­le für die Lö­sung sol­cher Pro­ble­me wie das der Fremd­heit oder der Mi­gra­ti­on usw. oder dem Um­gang mit dem Frem­den dar­stellt.

    Das Recht ist le­dig­lich ein Ver­fah­ren zur Re­ge­lung kom­ple­xe­rer prak­ti­sche Pro­ble­me. Es stellt ei­ne Mög­lich­keit dar, ethi­sches Han­deln zu for­men.

    Aber ent­sprin­gen tut die Ethik nicht dem Recht und an­ge­wie­sen für ein gu­tes eh­ti­sches Ver­ständ­nis von der Welt ist man auch nicht aus­schließ­lich dar­auf.

    Es ist so­gar so, dass das rich­ti­ge ethi­sche Ver­ständ­nis von ei­ner Si­tua­ti­on durch das Recht ver­stellt wer­den kann. Vie­le der Fra­gen, die so­zi­al­staat­lich recht­lich zu re­geln sind, sind ih­rer Na­tur nach gar nicht rechts­för­mig. Der Rechts­staat ist stän­dig da­von be­droht, dass er sei­ne mo­ra­li­schen und sitt­li­chen und eh­ti­schen En­er­gi­en an das ab­trak­ter und ab­strak­ter wer­den­de Recht v e r l i e r t . Die Ver­recht­li­chung von Le­bens­be­rei­chen kann die­se pa­ra­do­xer Wei­se ge­ra­de un­mensch­li­cher ma­chen.

    Man könn­te al­so in dem obi­gen Ador­no-Ab­schnitt ein Ex­em­pel da­für er­ken­nen, wie man es nicht ma­chen soll, denk­tech­nisch. Es ist uns Nach­ge­bo­re­nen nun mög­lich zu se­hen, dass die in­stru­men­tel­le Ver­nunft auch das Rechts­sy­stem af­fi­zie­ren kann: Dass das Rechts­sy­stem des­halb al­les an­de­re als ei­ne Ver­si­che­rung ge­gen die Über­hand­nah­me »sy­ste­mi­scher Im­pe­ra­ti­ve« (Ha­ber­mas, Theo­rie des Kom­mu­ni­ka­ti­ven Han­delns) dar­stellt, die un­se­re Le­bens­welt in den Wür­ge­griff neh­men. Es kann sich sel­ber als ein »wei­ches Mon­ster« (Kief/Enzensberger) ent­pup­pen ( k a n n – man muss im­mer im Ein­ze­fall kucken) und steht dann ge­ra­de als ein Bei­spiel in­tru­men­tel­len Han­delns – uns ent­ge­gen.

    Was das kon­kret heißt im Hin­blick auf die sinn­vol­len Kon­tex­te, in die ei­ne Lö­sung für die­ses und an­de­re der drän­gen­de­ren un­se­rer Pro­ble­me zu find­nen sind, ha­be ich oben skiz­ziert un­ter #13// me­tep­si­lo­n­e­ma, drit­ter Ab­schnitt.

  14. @Dieter Kief
    Ich fin­de bei Ador­no wie auch bei Hork­hei­mer ei­ne Ana­ly­se, die mir hilft, vie­le ge­gen­wär­ti­ge Ent­wick­lun­gen und mein mit ih­nen ein­her­ge­hen­des Un­be­ha­gen zu er­klä­ren. Im Kern geht es da­bei um die In­stru­men­ta­li­sie­rung der Sin­nes- und Ge­fühls­welt durch ei­ne von ih­nen ge­trenn­te Ver­nunft. In je­dem Kom­mu­ni­ka­ti­ons- oder Füh­rungs­kräf­tese­mi­nar lernt man heu­te, was man als Füh­rungs­kraft sa­gen muss, um ei­nen Mit­ar­bei­ter in ei­ne be­stimm­te Rich­tung zu len­ken, wie man bei ei­nem Ge­spräch sit­zen soll, um beim an­de­ren ei­nen be­stimm­ten Ef­fekt zu er­zie­len (z.B. um ihm Of­fen­heit zu zei­gen). Die Fra­ge ist im­mer, was muss ich tun um et­was zu er­rei­chen, nicht was tue ich im Ein­klang mit dem, was ich emp­fin­de (hin­sicht­lich mir selbst, der Si­tua­ti­on und mei­nes Ge­gen­übers). Dar­aus re­sul­tiert ein Han­deln, das in der Ten­denz ge­gen ei­nen selbst ge­rich­te­te ist, aber auch ge­gen mei­ne Mit­men­schen. Das hat mich im­mer schon be­frem­det, lan­ge be­vor ich et­was von Ador­no ge­le­sen ha­be. Aber sei­ne Er­klä­rung war­um das so ist, ist lu­zi­de.

    Ich will nicht in ei­ne Dis­kus­si­on Ador­no vs. Ha­ber­mas, weil das un­er­quick­lich ist und vom The­ma weg­führt, da­her nur das Not­wen­dig­ste: Ich kann nach­voll­zie­hen, dass man die For­mu­lie­run­gen Ador­nos und sei­ne Art des Nach­den­kens als ein im Kreis dre­hen ver­ste­hen kann; aber wenn wir das im Aus­gangs­text an­ge­führ­te Zi­tat auf die Ge­gen­wart be­zie­hen, dann fal­len mir so­fort die Krie­ge der ver­gan­ge­nen Jah­re ein, die im Na­men von Men­schen­rech­ten und De­mo­kra­tie ge­führt wur­den (vgl. »[...] auf der an­de­ren Sei­te ist das Gu­te, das sich selbst als Po­si­ti­vi­tät auf­wirft, an­statt nur das Bö­se als In­dex sei­ner selbst zu se­hen, zu dem Bö­sen ge­wor­den«). Si­cher ist die For­mu­lie­rung schrift­stel­le­risch und deut­bar, aber den­noch tref­fend. Oder? Und ich glau­be nicht, dass Ador­no mit »Recht« und »Un­recht« ko­di­fi­zier­tes Recht meint, aber ich mag mich ir­ren.

    Die Sub­jekt­kap­sel hat nur ei­nen Ein­gang, je­nen über die Sin­ne. Das gilt auch für das, was Sie Kom­mu­ni­ka­ti­on nen­nen. Was ist ge­won­nen mit ei­ner in­ter­sub­jek­tiv sich ent­fal­ten­den Ver­nunft, wenn de­ren Ver­selbst­stän­di­gung un­ser Pro­blem ist? Ei­ne wie im­mer auch ar­gu­men­tie­ren­de, dis­ku­tie­ren­de, kom­mu­ni­zie­ren­de Ver­nunft muss ge­nau­so auf die sinn­li­che Welt be­zo­gen blei­ben, sonst ver­rät sie die­se. Je­ne lee­re Spra­che, die sich um das Phy­si­sche nicht küm­mert und den an­de­ren stets zu ma­ni­pu­lie­ren ver­sucht, ist auch Kom­mu­ni­ka­ti­on, ge­nau­so wie es ver­nünf­tig ist, den Sy­stem­schluss mit­zu­ma­chen und zu ju­beln, wenn es für die Kar­rie­re wich­tig ist (es mag für ei­nen selbst viel­leicht schlecht sein, aber das ist ei­ne Fra­ge der Wahr­neh­mung und erst dann ei­ne der Ver­nunft). — Ver­zei­hung, wenn ich po­le­misch bin und das mag nicht Ha­ber­mas’ Schuld ist, aber wo­zu hat das kom­mu­ni­ka­ti­ve Pa­ra­dig­ma denn ge­führt? Doch zu ei­nem Hau­fen un­ge­bun­de­nem Ge­re­de, al­ler­or­ten und das ist auch völ­lig klar, wenn ge­ra­de die sub­stan­zi­el­len Fra­gen au­ßen vor blei­ben.

  15. @ me­tep­si­lo­n­e­ma
    Ador­no hat schon auf das for­ma­le Recht ge­setzt. Und jetzt wur­de in Frank­furt, am In­sti­tut für So­zi­al­for­schung, un­ter der Lei­tung von Mar­tin Seel aus­drück­lich in den Fuß­stap­fen Horkheimer/Adornos ein Son­der­for­schungs­be­reich mi­gran­ti­sches Recht auf­ge­macht mit dem Ziel, die gan­ze Welt zu ei­nem für Mi­gran­ten prin­zi­pi­ell of­fe­nen, al­so prin­zi­pi­ell gren­zen­lo­sen Raum zu ma­chen; und das rechts­theo­re­tisch ab­zu­si­chern. Das wird auf al­len Ebe­nen durch­gzo­gen – EU-Recht, Bun­des­recht, UN-Mi­gra­ti­ons­pakt. Die any­whe­res ver­su­chen der so­me­whe­res Herr zu wer­den.

    Ein Feh­ler liegt tat­säch­lich in Horkheimer/Adornos sub­jet­phi­lo­so­phi­schen Denk-Sy­stem oder viel­leicht bes­ser: In den Gren­zen, in de­nen Horkheimer/Adorno – wie vie­le an­de­re (nicht zu­letzt de­ren An­ti­po­de Ma­rin Hei­deg­ger) – sub­jekt­zen­triert dach­ten.

    In­so­fern ist das be­rühm­te Bei­spiel, das Gre­gor Keu­sch­nig hier her­ge­stellt hat aus Ador­nos Vor­le­sun­gen über Mo­ral­phi­lo­so­phie kei­nes­wegs zu­fäl­lig, son­dern steht für ei­ne bei Ador­no durch­gän­gi­ge Ten­denz. Wers mir nicht glaubt, kann das en dé­tail in Ha­ber­mas’ »Der Phi­lo­so­phi­sche Dis­kurs der Mo­der­ne« nach­le­sen.

    Sy­ste­ma­tisch ist das kein Wun­der, denn Horkheimer/Adorno ste­hen – für Neo­mar­xis­mus. D. h. für die Idee, es müs­se ei­ne – zu­nächst – in­tel­lek­tu­el­le Ge­gen­welt ge­gen den vol­ler Übeln stecken­den Ka­pi­ta­lis­mus ge­schaf­fen wer­den; die Merk­ma­le die­ser Ge­gen­welt aber sind, auf ih­ren Kern re­du­ziert: Herr­schafts­kri­tik und In­ter­na­tio­na­lis­mus – ge­paart mit der Gleich­heits­sidee und Athe­is­mus: A l l e vom Opi­um der Re­li­gi­on ent­wöhn­ten Men­schen – wer­den nach Marx Brü­der (und nun halt auch Schwe­stern – oder gleich Schwe­stern!)

    Die­se Din­ge wan­deln sich un­ab­läs­sig. So hat sich mit der Zeit ein Feld her­aus­kri­stal­li­siert, das vor dem Hin­ter­grund des Neo­mar­xi­sti­schen Gleicheits­pa­thos
    die Men­schen­rech­te be­tont und stärkt.

    Im Grun­de ist das die Qua­dra­tur des in­ter­na­tio­na­li­sti­schen Mar­xi­sti­schen Krei­ses: Da al­le Men­schen gleich sind, sind sie auch gleich­be­rech­tigt, und da al­le gleich­be­rech­tigt sind, kann man auch kei­nen mehr aus­schlie­ßen. – Das aber heißt in der Kon­se­quenz: Die Mar­xi­sti­schen in­ter­na­tio­na­li­sti­schen un­ver­sa­li­sti­schen Any­whe­res sie­gen über die be­schränk­ten, neu­ro­ti­schen, anal-sa­dist­si­chen, pro­vin­zi­el­len, ten­den­zi­ell na­zi­sti­schen und des­halb zu­min­dest la­tent ho­mo­pho­ben und Is­lam- und frau­en­feid­n­li­chen, an­ti­se­mi­ti­schen und au­to­ri­täts­gläu­bi­gen ras­si­sti­schen So­me­whe­res – wie z. B. – na­ja: So­me­whe­res wie die Schwei­zer – oder die Dä­nen neu­er­dings und ganz si­cher die Nor­we­ger und die Mehr­heit der eng­li­schen Wäh­le­rinn­nen und Wäh­ler usw. ...

    Und an die­ser Stel­le ma­chen eben Leu­te wie Ro­bert Put­nam und Jo­na­than Haidt und Ca­mil­le Paglia und Ste­ve Sai­ler und Charles Mur­ray und Thi­lo Sar­ra­zin und Eric Wein­stein und Ste­ven Pin­ker und Clai­re Leh­mann und – - – - als ei­ner der ganz sel­te­nen Deut­schen un­ter den ak­ti­ven Profs: Der Kon­stan­zer Evo­lu­ti­ons­bio­lo­ge Axel Mey­er lang­sam nicht mehr mit. – So­wie die Ach­se des Gu­ten, Tichy’s Ein­blick, TUMULT, und – was die in­tel­lek­tu­el­le Trenn­schär­fe an­geht – vor al­lem die NZZ.

    Jetzt hab’ ich Ih­re An­kla­ge der ver­lo­ge­nen oder ein­fach schlich­ten und gro­ben und ma­ni­pu­la­ti­ven Ex­per­ten für Un­ter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on usw. gar nicht be­rück­sich­tigt. Nur so­viel: Wer wür­de bei kla­rem Ver­stand sol­che Leu­te oder Gei­stes­hal­tun­gen gut­hei­ßen? An­ders­her­um: Ich den­ke, da sind wir uns ei­nig.

    PS
    Es gibt na­tür­lich auch re­spek­ta­ble Un­ter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­onse­per­ten.
    Da wirds schon kniff­li­ger: Aber ich den­ke, grund­sätz­lich wä­ren wird uns auch da noch ei­nig. Oder? Ko­misch ist: Mir will grad’ au­ßer Dil­bert kei­ner ein­fal­len. Dil­bert ist aber wirk­lich ko­misch. Und: Ha – der Ver­fas­ser des Dil­bert ist so ein Un­ter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ex­per­te, den man, den­ke ich , als re­spkta­ble Fi­gur an­se­hen kann: Scott Adams. Das wä­re wohl auch – Ste­ven Pin­ker – und Cy­ril North­cote Par­kin­son. In ge­wis­ser Wei­se auch Ge­or­ge La­koff – na ja – we­nig­stens par­ti­ell.

    Ich hal­te aber da­für, dass die Un­ter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on ein Ne­ben­kriegs­schau­platz ist. Die ak­tu­el­len Haupt­kon­flikt­li­ni­en lau­fen durch mei­ne Punk­te, dei ich oben un­ter #13 me­tep­si­lo­n­e­ma Ab­satz 43 ge­nannt ha­be.

  16. @Dieter Kief
    Aus dem Zi­tat oben: »[...] auch dem sein Recht zu ge­ben, was an­ders ist, und zu füh­len, daß das wah­re Un­recht ei­gent­lich im­mer ge­nau an der Stel­le sitzt, an der man sich sel­ber blind ins Rech­te und das an­de­re ins Un­rech­te setzt« geht das nicht her­vor. Und wenn je­mand an Ador­no an­knüpft, ge­ra­de wenn es um ein For­schungs­pro­jekt geht, man al­so Gel­der da­für be­nö­tigt, sagt das nicht viel, da ist je­der will­kom­men, der ei­nen Na­men hat. Sie dre­hen da ei­nen Zu­sam­men­hang zu­sam­men, der nicht hält (Ein Zi­tat von Ador­no nach die­ser Quel­le, die Sie ken­nen):

    „Das ge­läu­fi­ge Ar­gu­ment der To­le­ranz, al­le Men­schen, al­le Ras­sen sei­en gleich, ist ein Bu­me­rang. Es setzt sich der be­que­men Wi­der­le­gung durch die Sin­ne aus, und noch die zwin­gend­sten an­thro­po­lo­gi­schen Be­wei­se da­für, daß die Ju­den kei­ne Ras­se sei­en, wer­den im Fal­le des Po­groms kaum et­was dar­an än­dern, daß die To­ta­li­tä­ren ganz gut wis­sen, wen sie um­brin­gen wol­len und wen nicht. Woll­te man dem­ge­gen­über die Gleich­heit al­les des­sen, was Men­schen­ant­litz trägt, als Ide­al for­dern, an­statt sie als Tat­sa­che zu un­ter­stel­len, so wür­de das we­nig hel­fen. Die ab­strak­te Uto­pie wä­re all­zu leicht mit den ab­ge­feim­te­sten Ten­den­zen der Ge­sell­schaft ver­ein­bar. Daß al­le Men­schen ein­an­der gli­chen, ist es ge­ra­de, was die­ser so paß­te. Sie be­trach­tet die tat­säch­li­chen oder ein­ge­bil­de­ten Dif­fe­ren­zen als Schand­ma­le, die be­zeu­gen, daß man es noch nicht weit ge­nug ge­bracht hat; daß ir­gend et­was von der Ma­schi­ne­rie frei­ge­las­sen, nicht ganz durch die To­ta­li­tät be­stimmt ist. Die Tech­nik der Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger läuft dar­auf hin­aus, die Ge­fan­ge­nen wie ih­re Wäch­ter zu ma­chen, die Er­mor­de­ten zu Mör­dern. Der Ras­sen­un­ter­schied wird zum ab­so­lu­ten er­ho­ben, da­mit man ihn ab­so­lut ab­schaf­fen kann, wä­re es selbst, in­dem nichts Ver­schie­de­nes mehr über­lebt. Ei­ne eman­zi­pier­te Ge­sell­schaft je­doch wä­re kein Ein­heits­staat, son­dern die Ver­wirk­li­chung des All­ge­mei­nen in der Ver­söh­nung der Dif­fe­ren­zen. Po­li­tik, der es dar­um im Ernst noch gin­ge, soll­te des­we­gen die ab­strak­te Gleich­heit der Men­schen nicht ein­mal als Idee pro­pa­gie­ren. Sie soll­te statt des­sen auf die schlech­te Gleich­heit heu­te, die Iden­ti­tät der Film- mit den Waf­fen­in­ter­es­sen­ten deu­ten, den bes­se­ren Zu­stand aber den­ken als den, in dem man oh­ne Angst ver­schie­den sein kann. At­te­stiert man dem Ne­ger, er sei ge­nau wie der Wei­ße, wäh­rend er es doch nicht ist, so tut man ihm ins­ge­heim schon wie­der Un­recht an. Man de­mü­tigt ihn freund­schaft­lich durch ei­nen Maß­stab, hin­ter dem er un­ter dem Druck der Sy­ste­me not­wen­dig zu­rück­blei­ben muß, und dem zu ge­nü­gen über­dies ein frag­wür­di­ges Ver­dienst wä­re. Die Für­spre­cher der uni­ta­ri­schen To­le­ranz sind denn auch stets ge­neigt, in­to­le­rant ge­gen je­de Grup­pe sich zu keh­ren, die sich nicht an­paßt: mit der stu­ren Be­gei­ste­rung für die Ne­ger ver­trägt sich die Ent­rü­stung über jü­di­sche Un­ma­nie­ren. Der mel­ting pot war ei­ne Ein­rich­tung des los­ge­las­se­nen In­du­strie­ka­pi­ta­lis­mus. Der Ge­dan­ke, in ihn hin­ein­zu­ge­ra­ten, be­schwört den Mar­ter­tod, nicht die De­mo­kra­tie.“

    Neo­mar­xis­mus? Wenn, dann Freu­domar­xis­mus. Mich wür­de aber viel mehr in­ter­es­sie­ren, was das – wie die Sub­jekt­zen­ris­mus­kri­tik – nun mit der von mir an­ge­führ­ten Ana­ly­se des Auf­klä­rungs­pro­zes­ses bzw. der Mo­der­ne zu tun hat. Um die geht es doch (mir je­den­falls). Und las­sen Sie bit­te das Na­me­drop­ping, das er­setzt kei­ne Ar­gu­men­te.

    Wenn wir uns ei­nig sind, dass die Art und Wei­se wie in der Öko­no­mie viel­fach kom­mu­ni­ziert wird, pro­ble­ma­tisch ist, weil sie ei­nen Mit­ar­bei­ter als steu­er­ba­re Ver­fü­gungs­mas­se an­sieht (dar­aus re­sul­tiert dann das, was man Hu­man­ka­pi­tal nennt); wenn wir ins Au­ge neh­men, dass Be­grif­fe wie der der Res­sour­ce, die ge­nau das­sel­be Den­ken ent­hal­ten heu­te in päd­ago­gi­schen und So­zi­al­be­ru­fen zum fe­sten Be­stand ge­hört, dann wird doch deut­lich, dass es sich hier nicht um ei­nen Ein­zel­fall, son­dern ein kul­tu­rel­le Ent­wick­lung han­delt, es ist eben kein Ne­ben­schau­platz, son­dern ein Spe­zi­al­fall, der bei­spiel­haft für das All­ge­mei­ne steht. Ist das denk­bar für Sie?

  17. @ me­tep­si­lo­n­e­ma #18 (u. #13)
    Man muss auf­pas­sen, dass man den Wald vor lau­ter Bäu­men nicht über­sieht. Es ist ei­ne so­zia­le Tat­sa­che, dass Ha­ber­mas in dem nicht un­er­heb­li­chen Buch »Der Phils­ops­hi­sche Dis­kurs der Mo­der­ne« zeigt, dass dem Ador­no­schen Den­ken et­was Sub­stan­tia­li­sti­sches eig­net, und dass Ador­no die­se Ei­gen­schaft iro­ni­scher­wei­se mit sei­nem Groß-An­ti­po­den Hei­deg­ger teilt (auch mit Der­ri­da).

    Mit Ha­ber­mas ge­spro­chen: Man kann al­les so sa­gen, wie Ador­no oben, aber man wird sich nichts ver­ge­ben, wenn man an­er­kennt, dass es nicht reicht, auf den Ka­pi­ta­lis­mus oder die Öko­no­mie als Sün­den­bock zu ver­wei­sen.

    Das heißt ganz und gar nicht, dass man nicht Din­ge am Ka­pi­ta­lis­mus kri­ti­sie­ren soll. Es kann frei­lich nicht scha­den, sich klar­zu­ma­chen, dass das Maß an Selbst­be­stim­mung und Frei­heit, das un­ter den Be­din­gun­gen des (so­zi­al­saat­lich ge­zähm­ten!) Ka­pi­ta­lis­mus er­reicht wor­den ist, welt­ge­schicht­lich sei­nes­glei­chen sucht.

    Um es noch wei­ter zu ver­ein­fa­chen: Fra­gen der prak­ti­schen Po­li­tik wer­den nicht da­durch leich­ter kös­bar, dass man sich der Il­lu­si­on hin­gibt, sie sei­en erst dann wirk­lich an­zu­packen, wenn die Sy­stem­fra­ge zu­frie­den­stel­lend be­ant­wor­tet wä­re. Ha­ber­mas ist mit Schwung an­ti-re­vo­lu­tio­när, Ador­no – und Mar­cu­se ins­be­son­de­re, – wa­ren da zu­min­dest zwei­deu­tig.

    Ha­ber­mas’ Haupt­ein­wand an die­ser Stel­le ist: Dass ethi­sche und äs­the­ti­sche Fra­gen in streng öko­no­mi­schen Kon­tex­ten nichts zu su­chen ha­ben. Punk­tum. Und dass die­se Sy­stem­dif­fe­ren­zie­rung gut ist und so­gar ei­nen Fort­schritt dar­stellt.

    Wo Ador­no nach der mime­tisch zu voll­zie­hen­den Groß­ver­söh­nung zwi­schen al­ler lei­den­den Krea­tur auf Er­den un­ter den Au­spi­zi­en der kru­den be­stehen­den po­li­ti­schen Rea­li­tät se­he­risch greift, re­det er ir­re. (Spu­ren die­ses Ir­re­redens fin­den sich auch in dem lan­gen Ador­no-Zi­tat Gre­gor Keu­sch­nigs – es ist auch dort die Il­lu­si­on ge­nährt, es kön­ne und sol­le so­zu­sa­gen je­der je­der­manns Näch­ster sein – das ist der Kern von Ador­nos obi­gem Irr­tum – und der ist in­ter­es­san­ter Wei­se ein theo­lo­gisch fun­dier­ter Irr­tum, denn er über­trägt un­aus­ge­spro­chen das Ge­bot der Näch­sten­lie­be auf das Feld der Ethik und un­ter der Hand wird Ador­no dar­aus ein Ge­bot selbst der Fern­sten­lie­be – und das ge­nau ist die fal­sche Ver­hei­ssung des Mar­xi­stisch in­spi­rier­ten In­ter­na­tio­na­lis­mus, die ak­tu­ell in Ge­stalt of­fe­ner Gren­zen ein­ge­for­dert wird – nicht ganz zu­fäl­lig an Horkheimer/Adornos ein­sti­gem In­sti­tut, un­ter der Lei­tung von Mar­tin Seel , ei­nem di­rek­ten Nach­fah­ren so­zu­sa­gen, der al­ten Frank­fur­ter. Mein schlich­ter ein­wand lau­tet: Die­se Fern­sten­lie­be geht ein­fach nicht – und ei­ne solch Ethik ist im Kern mon­strös und in ih­rer gna­den­lo­sen Über­for­de­rung des­sen, was wir als Ein­zel­we­sen zu schaf­fen ver­mö­gen, un­mensch­lich).

    Der­lei Den­ken zeugt zwar von durch­aus öster­li­cher Er­lö­sungs­hoff­nung, fällt aber beim phi­lo­so­phi­schen (!) Ha­ber­ma­si­schen Rea­li­täts­test durch. Die Öko­no­mie folgt zu­nächst ei­ge­nen Ge­set­zen, und das ist nicht schlecht, son­dern sinn­voll und sehr sehr hilf­reich: Ein wirk­li­cher Fort­schritt – cf. Ste­ven Pin­kers neu­estes Buch »Auf­klä­rung jetzt!«, das zu die­sem von den Neo­mar­xia­nern ger­ne über­se­he­nen – wo nicht rund­weg be­strit­te­nen -Punkt enorm vie­le und durch­aus in­struk­ti­ve Bei­spie­le auf­führt.

    Das Glei­che lässt sich auch in Sa­chen Res­sour­ce und So­zi­al­päd­ago­gik oder Päd­ago­gik sa­gen. Man muss im Ein­zel­fall (!) zei­gen, wel­cher Ge­brauch von die­sen Vor­stel­lun­gen ge­macht wird, und war­um die­ser spe­zi­fi­sche Ge­brauch je­wei­len falsch wä­re. Es gibt hier nicht mehr die Ab­kür­zung des Marx­schen (oder Mar­xi­sti­schen) Ad­ler­blicks, so Ha­ber­mas. Ich wür­de aus ei­ge­ner Kennt­nis an­fü­gen: Es gibt auch Fäl­le, wo von dem Be­griff der per­sön­li­chen Ressource(n) ein durch­aus sinn­vol­ler Ge­brauch ge­macht wird. Und der hat ei­ne ehr­wür­di­ge Tra­di­ti­on, nur dass man frü­her nicht von Res­sour­cen, son­dern vom Ver­mö­gen je­des Ein­zel­nen sprach, im Sin­ne von Fä­hig­kei­ten. So ge­se­hen ist das ein ganz men­schen­freund­li­ches auf­klä­rer­si­ches Kon­zept. Aber die­se po­si­ti­ven Bei­spie­le spre­chen nicht grund­sätz­lich ge­gen Ih­ren Ein­wand.

    Vom Öko­no­men Marx bleibt ver­ständ­lich­rwei­se auch kaum was üb­rig – ge­ra­de we­gen der so­zi­al­staat­li­chen Zäh­mung des Ka­pi­ta­lis­mus, die auch in mei­nen Au­gen als al­ter Re­for­mist ein er­heb­li­ches (und sehr sehr er­freu­li­ches) Fak­tum dar­stellt. Tat­sa­che scheint zu sein, dass Ador­no nach dem Krieg je­den­falls SPD ge­wählt hat – und nicht die Ge­samt­deut­sche Volks­par­tei Gu­stav Hei­ne­manns und des jun­gen Er­hard Ep­p­lers, oder die KPD oder wen. Sagt je­den­falls ir­gend­wo Jür­gen Ha­ber­mas, ganz ne­ben­bei.

    Ich bin lax mit den Be­grif­fen Neo­mar­xi­mus oder Freu­domar­xis­mus. Es läuft auf das glei­che hin­aus in al­len kon­kre­ten Zu­sam­men­hän­gen, und wenn ich mir die Lin­ke vor Ort an­schaue und/oder mit Lin­ken dis­ku­tie­re, ver­steht oft kaum noch wer, dass da über­haupt ein Un­ter­schied zu ma­chen wä­re. Nor­ma­ler­weis zählt man die al­ten Frank­fur­ter aus­rück­lich zum Neo­mar­xis­mus, sagt aber, es hand­le sich bei et­li­chen die­ser Neo- um – - – Freu­domar­xi­sten. Eh.

  18. Na­ja, die Ab­nei­gung ge­gen­über Ador­no mag ei­ne Sa­che sein. Aber das pau­scha­le Weg­wi­schen ge­würzt mit dem At­tri­but »neo­mar­xi­stisch« kann ei­gent­lich nur zwei Grün­de ha­ben: Ent­we­der man kennt von ihm nichts. Oder man will sich ihm vom Lei­be hal­ten.

    Ich möch­te, dass an der Sa­che dis­ku­tiert wird und man doch wenn ir­gend­wie mög­lich xe­no­pho­ben State­ments, die nichts mit den auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen zu tun ha­ben, un­ter­lässt.

    Zur Her­ge­hens­wei­se: Das Ador­no-Zi­tat hat­te je­mand auf Face­book ge­po­stet. Zu­nächst dach­te ich, es sei aus dem Zu­sam­men­hang ge­ris­sen und be­stell­te mir das Buch, in der die Mo­ral­phi­lo­so­phie-Le­sun­gen ab­ge­druckt sind. Tat­säch­lich ent­spricht es dem Te­nor dort.

    Zu spü­ren ist hier Ador­nos Un­be­ha­gen an ei­nem Re­vo­luz­zer­geist, der erst Jah­re spä­ter die Uni­ver­si­tä­ten bra­chi­al heim­su­chen und des­sen »Op­fer« er wer­den wird. Nicht um­sonst gab es das Ha­ber­mas-Wort über die APO und den dort agie­ren­den »lin­ken Fa­schi­sten«, das Ador­no im üb­ri­gen ver­tei­dig­te. In­ter­es­sant ist es, weil es eben von 1963 stammt – Ade­nau­er ist noch Bun­des­kanz­ler; spä­ter im Jahr kommt Er­hard [bes­ser wird es nicht]. Das Pa­ra­do­xon geht da­hin, dass im Lau­fe von po­li­ti­schen Pro­zes­sen aus den Gu­ten, die das Gu­te wol­len, die Bö­sen wer­den, weil sie sich selbst er­mäch­tigt se­hen, das Bö­se zu de­fi­nie­ren und dann ir­gend­wann sel­ber zum Bö­sen wer­den. Die Bei­spie­le hier­für sind zahl­reich. Da­her ist Ador­nos Be­fund nicht »ir­re« (ne­ben­bei dis­qua­li­fi­ziert man sich doch sel­ber, wenn man so et­was schreibt). Er ist auf ver­blüf­fen­de Art und Wei­se zeit­ge­mäss.

    Ehr­lich ge­sagt bin ich zu mü­de, den zum Teil ha­ne­bü­chen­den Un­fug von Herrn Kief zu ana­ly­sie­ren oder gar auf­zu­drö­seln. Drau­ßen ist ein­fach zu schö­nes Wet­ter.

  19. Ador­no ist ein Neo­mar­xist rein­sten Was­sers. Der Nach­wei­se sind un­zäh­li­ge. Ich weiß nicht, was es soll das Of­fen­sicht­li­che und weit­her­um Be­kann­te zu skan­da­li­sie­ren oder in Fra­ge zu stel­len.

    Für ganz gro­ße Skep­ti­ker emp­feh­le ich, im Phi­lo­so­phi­schen Wör­ter­buch (Ham­burg, 2005) aus dem (re­nom­mier­ten, bit­te­schön!) phi­lo­so­phi­schen Fach­ver­lag Mei­ner nach­zu­schla­gen. Es gibt da ein ei­ge­nes Stich­wort für Neo­mar­xis­mus – und da fin­det sich das, was ich ge­schrie­ben ha­be in haar­klei­nem De­tail be­legt. – Ich bin bass er­staunt – nicht nur über die­sen Ein­wand, ehr­lich ge­sagt.

    Hier war auch schö­nes Wet­ter, aber nun ist es dun­kel ge­wor­den, ne.

  20. @Dieter Kief
    Es wä­re schön, wenn Sie mich nicht dau­ernd als fik­ti­ven Ador­no-Jün­ger an­grif­fen, ich so­zu­sa­gen pro­jek­tiv für ei­nen sol­chen her­hal­ten muss. Mir geht es im­mer wie­der so, ähn­lich wie Gre­gor oben schrieb, dass ich ver­blüfft bin, wie ak­tu­ell vie­les ist, was ich bei ihm le­se. Wenn Sie mir schrei­ben, dass Ha­ber­mas die­ses oder je­nes ein­ge­wandt hat, ist das gut und schön. Sa­gen Sie mir doch, war­um das im ge­ge­be­nen Kon­text schla­gend ist. Ich se­he nicht, dass ich über Men­schen oder mensch­li­che Be­lan­ge dis­ku­tie­ren kann, oh­ne ei­ne wie auch im­mer ge­ar­te­te We­sens- oder Sub­stanz­be­stim­mung vor­neh­men zu müs­sen. Und sei es nur die An­nah­me, dass wir als An­ge­hö­ri­ge ei­ner Gat­tung be­stimm­te Merk­ma­le tei­len.

    Äs­the­tik meint das sinn­lich Wahr­ge­nom­me­ne (nicht das Schö­ne und nicht den Ge­schmack). Wie soll das aus der Öko­no­mie drau­ßen blei­ben? Ei­ne Wa­re ist nun ein­mal ding­lich und wird wahr­ge­nom­men. Und Ko­sten-, Preis-, Ef­fi­zi­enz- und Nütz­lich­keits­for­de­run­gen ha­ben Aus­wir­kun­gen dar­auf, wie wir der Welt um uns be­geg­nen, und da­vor noch wie wir sie wahr­neh­men. Als äs­the­ti­sches We­sen müss­te ich mich selbst ver­leug­nen, um ih­rem Kri­te­ri­um zu ge­nü­gen.

    Ja, se­he­risch kann man das schon nen­nen. Wir hat­ten oben doch Kon­sens dar­in, dass di­ver­se, heu­te üb­li­che Phra­sen, auf ei­ne Ein­tracht hin ziel­ten oder die­se er­rei­chen, we­nig­stens sug­ge­rie­ren wol­len. Den »[...] den bes­se­ren Zu­stand aber den­ken als den, in dem man oh­ne Angst ver­schie­den sein kann [...]« wä­re doch ein An­satz. Ich je­den­falls se­he mich im­mer wie­der da­mit kon­fron­tiert, ei­gent­lich nicht da­zu­ge­hö­ren zu wol­len, aber ei­ne Nö­ti­gung da­zu doch ver­spü­re. Oder schät­zen Sie das Wort al­ter­na­tiv­los? Viel­leicht kann man aus dem Zi­tat auch ei­ne Fern­lie­be ab­lei­ten, aber muss man das?

    Wit­zig, dass ge­ra­de Sie im Fall mei­ner Ar­gu­men­ta­ti­on auf den Ein­zel­fall po­chen, da­vor aber Ador­no als Neo­mar­xi­sten und von Ha­ber­mas kri­ti­sier­ten rund­her­aus ab­leh­nen. Ist es in ih­rem Ver­ständ­nis nach le­gi­tim ei­ne Rei­he von be­ob­ach­te­ten Ein­zel­fäl­len zu ver­all­ge­mei­nern oder darf man das – viel­leicht laut Ha­ber­mas – nicht? Was könn­ten wir sonst tun? Über Ein­zel­fäl­le kom­mu­ni­zie­ren? — »Ich ver­mag et­was«, »ich bin fä­hig zu« und »ich ha­be Res­sour­cen für« ist se­man­tisch nicht das­sel­be, das ei­ne streicht ein Kön­nen her­aus, das an­de­re be­zieht sich auf die Mit­tel, die not­wen­dig sind. Na­tür­lich muss man ei­nen ver­än­der­ten Sprach­ge­brauch nicht als Zei­chen für ei­ne be­stimm­te ge­sell­schaft­li­che Ent­wick­lung se­hen, aber bloß zu­fäl­lig wird der nicht statt­fin­den. — Ich weiß schon, dass wir auf ho­hem Wohl­stands­ni­veau über Din­ge dis­ku­tie­ren, die beim ra­schen Hin­se­hen lä­cher­lich er­schei­nen, trotz­dem kann es sein, dass die­se Ent­wick­lung (der Wohl­stand) mit (im­mer grö­ße­ren) Nach­tei­len auf ei­ner an­de­ren Sei­te er­wor­ben wird. Da­hin­ge­hend kann man sich über­le­gen was sinn­voll ist, von dem was man tut, was man muss und was nicht.

    Üb­ri­gens trägt Ador­nos Den­ken im Sin­ne ei­ner ra­di­ka­len Kri­tik an der Auf­klä­rung durch­aus kon­ser­va­ti­ve Zü­ge, steht aber mög­li­cher Wei­se nicht im Wör­ter­buch...

  21. Ja Ador­no ist kon­ser­va­tiv, er ver­ach­tet die Po­pu­lär­kul­tur, den We­stern, den Jazz und was nicht al­les – den Schla­ger, Hap­pe­nings, bar­bu­si­ge Frau­en in der Öf­fent­lich­keit. Liebt aber da­für das Deut­sche Land­städt­chen, – we­nig­stes das, das es ein­mal gab.

    Dass man auch mal schwach sein darf – ein wun­der­ba­res Ge­fühl, das die Leu­te Ko­se­wor­te für­ein­an­der sa­gen lässt: Ba­by, Schat­zi, Ha­se usw. Ted­dy, hehe – es gab Men­schen, die zu Ador­no Ted­dy sag­ten. Den­noch hat er die­se Sphä­re nicht durch­weg ge­schätzt. In ei­nem voll­be­setz­ten Bier­zelt beim Mai­bock und laut­hals ge­sun­ge­nen Schla­gern- no go! Nä­he schon – aber kei­nes­wegs so. Ein gu­ter Ro­man über u. a. Ador­no: Die Roth­schilds von Her­mann Pe­ter Pi­witt, der bei ihm stu­dier­te. Ador­no fir­miert dar­in als Ti­vo­li Kunst. Das war frech, ging da­mals (19772) aber so gra­de eben noch durch. Auch der Ti­tel ging da­mals noch. Pi­witt schrieb – ganz an­ders, als er es bei Ador­no ge­lernt hat­te, na­tür­lich erst recht über den Schla­ger. Er schrieb auch das da auf dem Um­schalg des Bu­ches, es wird Ih­nen ge­fal­len: »Der Ro­man ist ei­ne Land­schaft des Ge­dächt­nis­ses. In ei­nem Au­gen­blick, in ei­nem Ge­ruchs­reiz zum Bei­spiel, der von ei­nem halb ab­ge­blüh­ten Ap­fel­baum aus­geht, zu­sam­men­ge­drängt ei­ne Mas­se von Ta­gen. Zum Bei­spiel das Jahr ’58: Mor­gen­däm­me­run­gen mit Am­seln, die Packung »P 4«, kal­te Stra­ßen­bah­nen in der Frü­he, Bal­dus’ Fahr­rad, Re­bec­cas Par­fum, die müt­ter­li­chen Li­ta­nei­en, Frank­furt vor der Zerst­sö­rung durch Ban­ken, Ver­si­che­run­gen und Grund­stücks­spe­ku­lan­ten, die Bocken­hei­emr Land­stra­ße wäh­rend der Ka­sta­ni­en­blü­te, der Ei­ser­ne Steg, Er­hards und Ger­sten­mei­ers Re­den, Paul An­kas »Dia­na«, die Nach­kriegs­kar­rie­re On­kel Ras­has, die Mün­ster­län­der Bucht nach dem Krieg, die Nach­kriegs­zeit als Aus­beu­tung­idyl­le, der Phi­lo­emi­tis­mus als Form, über den Ur­sprung des Fa­schis­mus aus der ka­pi­ta­li­sti­schen Wirt­schafts­wei­se zu schwei­gen, das Ba­by Doll Kleid.«

    Die Öko­no­mie als funk­tio­na­ler Teil­be­reich be­trach­tet braucht die Äs­the­tik nicht – da geht es um Zah­len und Vor­schrif­ten usw. Pro­fi­te. Ha­ber­mas hat es für gut be­fun­den, sich klar zu ma­chen, dass es die­se funk­tio­na­len ge­sell­schaft­li­chen Teil­be­rei­che mit ih­ren spe­zi­el­len Lo­gi­ken gibt.

    Es gibt da­ne­ben auch äs­the­ti­sche Fra­gen, die im Zu­sam­men­hang mit der Wirt­schaft ste­hen. Aber das ist ein mit­tel­ba­rer Zu­sam­men­hang. Der Kern ist ein an­de­rer.

  22. Hm, nein, ich spü­re da kei­nen Wi­der­hall...

    Na­tür­lich braucht die Öko­no­mie kei­ne Äs­the­tik. Aber viel­leicht wä­re sie ein­zu­for­dern? Fra­gen wir von ei­ner an­de­ren Sei­te: Was ist der Sinn öko­no­mi­schen Han­delns? Wenn es ein Teil­be­reich der Ge­sell­schaft mit ei­ner ei­ge­nen Lo­gik ist, wie steht er im Be­zug zu eben­die­ser? Er kann ja nicht Teil­be­reich ei­ner­seits sein und an­de­rer­seits kei­ne Ver­bin­dung mit der Ge­sell­schaft ha­ben. Dient die Öko­no­mie dem Men­schen, in­dem sie sei­ne Le­bens­be­din­gun­gen ver­bes­sert oder geht es bloß um den Pro­fit um je­den »Preis«? Was, wenn sich öko­no­mi­sche Lo­gi­ken, al­so die ei­nes Teil­be­reichs der Ge­sell­schaft im­mer stär­ker auf die ge­sam­te aus­brei­ten, wie wür­den Sie das be­wer­ten? Wenn Bil­dung, wie in der Hu­man­ka­pi­tal­theo­rie, als In­ve­sti­ton ver­stan­den wird, ist das doch die Über­schrei­tung ei­ner Gren­ze oder we­nig­stens ei­ne ein­sei­ti­ge Ver­ein­nah­mung. Spä­te­stens da wä­ren dann die äs­the­ti­schen Ein­wän­de im Recht.

  23. # me­tep­si­lo­n­e­ma 24

    »Wenn Bil­dung, wie in der Hu­man­ka­pi­tal­theo­rie, als In­ve­sti­ton ver­stan­den wird, ist das doch die Über­schrei­tung ei­ner Gren­ze oder we­nig­stens ei­ne ein­sei­ti­ge Ver­ein­nah­mung. Spä­te­stens da wä­ren dann die äs­the­ti­schen Ein­wän­de im Recht.«

    Ja, aber das hat­ten wir oben schon­mal.

    Es ist nicht falsch, die Öko­no­mie zu kri­ti­se­ren. Es ist aber falsch zu den­ken, der Marx­sit­si­che Weg sei ein Aus­weg. U. a. weil die glo­ba­le Mar­xi­sti­sche Kri­tik die Steue­rungs- und Dif­fe­ren­zie­rungs­ge­win­ne igno­riert, die der Ka­pi­tas­lis­mus an­dau­ernd her­vor­bringt.
    Man kann den So­zi­al­staat so ver­ste­hen, dass der Ka­pi­ta­lis­mus lern­fä­hig ist und den Un­ter­gang des Kom­mu­nis­mus (oder Ve­ne­zue­las) als Bei­spiel da­für neh­men, dass das Kom­mu­ni­sti­sche Sy­stem syte­mi­sche De­fi­zi­te her­vor­bringt, die es (zu un­ser al­ler Nutz und From­men) in al­ler Rgel schei­tern las­sen.

    Zi­zek und Pe­ter­sons De­bat­te ist gra­tis on­line – da wird das auch durch­ge­nom­men – und Zi­zek sagt klipp und klar: Marx’ Ge­schichts­phi­lo­so­phie, sei­ne Re­ligins­kri­tik und sein Glücks­ver­spre­chen (=der Kom­mu­nis­mus als Him­mel auf Er­den) sei­en al­le­samt – - – ge­schei­tert. Tja.
    Der Ar­no Frank auf spon res­u­miert gleich­wohl, Zi­zek ha­be die De­bat­te haus­hoch ge­won­nen. Puh.

  24. Ob Ador­no nun »Neo­mar­xist« ist, Schla­ger moch­te oder klei­ne Kin­der zum Früh­stück ver­spei­ste – das, @Dieter Kief, spielt für die Be­ur­tei­lung des Zi­tats kei­ne Rol­le. Al­les an­de­re sind Glas­per­len­spie­le, die Sie hier vor­neh­men, die vom we­sent­li­chen weg­füh­ren. Ih­re Re­fe­ren­zen be­zie­hen Sie aus »re­nom­mier­ten« Quel­len – und ma­chen den glei­chen Feh­ler wie die Er­re­gungs- und Phra­sen­dre­scher: Sie ar­gu­men­tie­ren nicht, Sie mei­nen – Sie set­zen Ih­re Mei­nung ab­so­lut und su­chen nun nach Ver­bün­de­ten, die Sie in el­lip­ti­schen Be­we­gun­gen im­mer wie­der zi­tie­ren. Al­les an­de­re wird aus­ge­blen­det. Al­lei­ne dass Sie die De­bat­te Zizek/Peterson be­wer­ten wie ein Fuß­ball­spiel zeigt dies. Kein Mensch von Ver­stand wür­de so et­was als »Re­sul­tat« her­an­zie­hen (dass es Spie­gel On­line macht, gilt nicht, weil es Jour­na­li­sten­schrei­be ist, so zu den­ken).

    Was ist dar­an so kom­pli­ziert, wenn ich Ador­nos Vor­be­hal­te ge­gen die re­vo­lu­tio­nä­ren Um­trie­be, die sich in den 60ern an­deu­te­ten, auf­schrei­be und da­zu die Par­al­le­len zu heu­te zie­he? Ich fin­de das näm­lich in­ter­es­sant, weil dies dem land­läu­fi­gen Ur­teil wi­der­spricht, Ador­no hät­te das be­grüsst. Hat er auch, aber er hat eben auch die Ge­fah­ren ge­se­hen. Ob der Mar­xis­mus ge­schei­tert ist oder nicht ist da­bei voll­kom­men un­er­heb­lich. Da Sie aber kei­ne Ar­gu­men­te ha­ben oder zur Sa­che nicht ar­gu­men­tie­ren wol­len, zün­den Sie die­se Ne­bel­ker­zen. Sie sind wie ei­ner die­ser Py­ro-Fuß­ball­fans, die ih­re Leucht­ra­ke­ten bei Är­ger oder Zu­stim­mung zün­den und das Spiel­feld da­bei im Ne­bel las­sen. Am En­de sieht man nichts mehr au­ßer Ego­ma­nie.

    Ich wer­de mor­gen den Thread und die Kom­men­ta­re schlie­ßen.

  25. In­ter­net-Faust­re­gel, Gre­gor Keu­sch­nig: Ad ho­min­ems zei­gen, dass ei­ner ei­ne De­bat­te für ver­lo­ren an­sieht.
    Der Neo­mar­xis­mus mit sei­ner ewi­gen Herr­schaft­kri­tik, ver­strickt in die Apo­ri­en der Sub­jekt­phi­lo­so­phie, hilft mit Blick auf Kis­s­lers Phra­seo­lo­gie als Herr­schaft­kri­tik nicht wei­ter. Dass man der­lei Er­wä­gun­gen für Ne­bel­ker­zen hal­ten kann, will ich Ih­nen ger­ne glau­ben, rich­tig ist Ihr Ver­dikt aber kei­nes­wegs.

    Dass Sie be­reits die Be­zug­nah­me auf spon in kri­ti­scher Ab­sicht (!) schlecht­re­den lässt mich in der Tat ver­wun­dert zu­rück­fra­gen: Ist das Ihr Enst?

    Es ist Ihr frei­lich Ihr blog. – Schö­ne Fei­er­ta­ge!

  26. Herr Kief, was Ihr Ernst ist, wa­ge ich nicht zu fra­gen. Sie sind nicht fä­hig ei­ne Dis­kus­si­on auf dem Ni­veau ei­nes The­mas zu füh­ren. Wenn Sie nicht mehr wei­ter­wis­sen, es­ka­lie­ren Sie auf Ne­ben­zwei­ge, die Sie auf­plu­stern und in de­nen Sie dann her­um­wüh­len.

    In der gan­zen Dis­kus­si­on um das Ador­no-Zi­tat in mei­ner Kis­s­ler-Be­spre­chung ha­ben Sie nicht ein Ar­gu­ment ge­nannt, war­um es in dem von mir ge­setz­ten Zu­sam­men­hang falsch ist. Oder pass­te es da­mals in die Zeit nicht? Oder passt es nie, weil es per se falsch ist? Wir wer­den es von Ih­nen nie er­fah­ren, weil Ih­nen die Per­son Ador­no in die­sem Zu­sam­men­hang nicht passt.

    Da­bei ha­ben Sie in Ih­rem er­sten Kom­men­tar die­ses Zi­tat gar nicht als Zi­tat von Ador­no er­kannt. Ich muss­te Sie dar­auf hin­wei­sen. Da­mals schrie­ben Sie )in­klu­si­ve Schreib­feh­ler):

    »Das ist zu ab­trakt, und da­her nicht mehr trenn­scharf und auch nicht aus­sa­ge­kräf­tig, ja so­gar falsch und ver­wir­rend.«

    Was be­deu­et denn »ja so­gar falsch«? In­wie­fern? Was ist dar­an »ver­wir­rend«?

    Sie po­stu­lie­ren und mut­ma­ßen dann (weil Sie nicht rich­tig ge­le­sen ha­ben):

    »Es kommt mir vor wie ein ver­un­glück­ter Goe­the-Nach­all (Me­phi­sto).«

    Als Sie er­fuh­ren, dass es von Ador­no war, fiel Ih­nen nichts An­de­res ein, als das Zi­tat durch Ador­nos »Zu­ge­hö­rig­keit« als »Neo­mar­xist« zu de­nun­zie­ren. Die­ser Lo­gik nach müss­ten ja Alex­an­der Kis­s­ler min­de­stens eben­falls »Neo­mar­xist« sein, denn den hat­ten Sie ja ur­sprüng­lich für den Au­tor ge­hal­ten.

    Da­mit war für mich die Dis­kus­si­on ei­gent­lich er­le­digt, zu­mal ich von ei­ni­gen Le­sern Post er­hielt, wie lan­ge die­ses Spiel­chen noch wei­ter­ge­hen soll. @metepsilonema hat dann den Fa­den auf­ge­nom­men, Ih­nen Fra­gen ge­stellt, die dann wie­der­um in Ih­rem Stil »be­ant­wor­tet« wur­den (näm­lich gar nicht). Das ist der Grund für mich, die Dis­kus­si­on jetzt zu be­en­den. Es ist frucht­los; rei­ne Zeit­ver­schwen­dung. Sie ha­ben Ih­re Mei­nung mehr als deut­lich ge­nannt, Nach­fra­gen nicht be­ant­wor­tet, son­dern mit an­de­ren Be­haup­tun­gen, die nichts mit der je­wei­li­gen Sa­che zu tun hat­ten, ge­kon­tert. Ha­ben Sie sich wohl und ein lan­ges Le­ben.

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