Ent­hül­lungs­geil

Edo Re­ents hat viel Schnaps ge­trun­ken und mit ei­nem Pro­fes­sor ei­ne gar tol­le Ent­hül­lung prä­sent: Wal­ter Kem­pow­ski war ein Spi­on! Ei­ne »Bom­be« er­kennt der of­fen­bar nicht ganz trink­fe­ste Re­dak­teur da und »spek­ta­ku­lär« schallt es aus den Feuil­le­ton-Stu­ben (ins­besondere der FAZ), die in aus­glei­chen­der Ge­rech­tig­keit jetzt end­lich auch ein­mal ei­nen Nicht-Alt­lin­ken de­kon­stru­ie­ren möch­te. So ganz neu sei das al­les nicht sagt dann der Pro­fes­sor im sin­ni­ger­wei­se lan­ge ins Be­zahl­ar­chiv ge­steck­ten Bei­trag, der sich beim ge­nauen Le­sen schon als Rohr­kre­pie­rer er­weist (Ge­spräch mit Alan Kee­le [»Das geht ja aus den Ro­ma­nen selbst her­vor«]).

Der Nach­klapp von heu­te will die tau­meln­de Mücke noch ein biss­chen auf­pep­pen und be­haup­tet noch ein­mal trot­zig ei­ne Ba­na­li­tät: Wal­ter Kem­pow­ski hat in sei­nen Ro­ma­nen nicht im­mer die Wahr­heit ge­schrie­ben!

Was kommt als Näch­stes? Hat Bruce Chat­win Pa­ta­go­ni­en in Wirk­lich­keit gar nicht be­sucht? Wel­che Sta­si-Ak­te wird als Näch­stes zu­sam­men­ge­puz­zelt? Und: Hät­te Tho­mas Mann heu­te Kin­der­por­no­gra­fi­sches auf sei­nem Com­pu­ter?

Was ist das ei­gent­lich für ei­ne Li­te­ra­tur­kri­tik, die für ih­re Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen den Schrift­stel­ler noch nach­träg­lich haft­bar macht? Was sind das für Re­dak­teu­re, die in­ter­es­san­te De­tails zu Ent­hül­lun­gen auf­bla­sen und die Bou­le­var­di­sie­rung des Feuil­le­tons mit ih­ren af­fek­tier­ten Su­per­la­ti­ven for­cie­ren?

Zur un­se­li­gen »Fotoreporter«-Kampage der »Bild« hat­te vor ei­ni­gen Jah­ren Ste­fan Nig­ge­mei­er die Idee, den Ur­he­ber der Kam­pa­gne mit sei­nen ei­ge­nen Mit­teln zu schla­gen (mit mä­ssi­gem Er­folg). Viel­leicht gibt es aber ir­gend­wann ein­mal die mo­ra­lin­sauren Re­por­ta­gen über die ent­hül­lungs­gei­len Pseu­do-Feuil­le­to­ni­sten. (Nicht, daß mich das in­ter­es­sie­ren wür­de. Es wä­re eher aus hy­gie­ni­schen Grün­den.)


Er­gän­zung 05.05.09: Pro­fes­sor Kee­le nimmt Stel­lung zum pu­bli­zi­sti­schen »Stru­del«.
Noch ei­ne Er­gän­zung 08.05.09: Dirk Hem­pel wi­der­spricht en­er­gisch – auch in der FAZ.
Jetzt ist da­mit Schluß. Ver­spro­chen. Sor­ry, ver­mut­lich nicht...
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12 Kommentare zu »Ent­hül­lungs­geil«:

  1. MMarheinecke sagt:

    Deutsch­stun­de
    (Nicht die von Lenz, son­dern die in der Schu­le.) Ir­gend wann ein­mal, ich glau­be, in der 8 Klas­se, da nah­men wir au­to­bio­gra­phi­sche Ro­ma­ne durch. Ei­ner der Un­ter­schie­de zwi­schen Au­to­bio­gra­phi­en bzw. Me­moi­ren und au­to­bio­gra­phi­schen Ro­ma­nen, den wir her­aus­ar­bei­te­ten, war, dass der Au­tor ei­nes au­to­bio­gra­phi­schen Ro­mans die Tat­sa­chen frei­er be­ar­bei­tet als in ei­ner Au­to­bio­gra­phie, dass al­so et­was, was in ei­ner Au­to­bio­gra­phie oder in Me­moi­ren ei­ne feh­ler­haf­te Dar­stel­lung oder gar ei­ne Lü­ge wä­re, in ei­nem au­to­bio­gra­phi­schen Ro­man »dich­te­ri­sche Frei­heit« ist.
    Spä­ter, im Fach Ge­schich­te, han­del­te sich ein Mit­schü­ler ei­ne Rü­ge ein, weil er in ei­ner Haus­ar­beit / ei­nem Re­fe­rat »Ta­dellöser und Wolf« (von Kem­pow­ski) als »Quel­le« ge­nannt hat­te. An­ders als Me­moi­ren sei­en au­to­bio­gra­phi­sche Ro­ma­ne (auch wenn sie in der Haus­ar­beit kri­tisch be­han­delt wer­den) kei­ne hi­sto­ri­schen Quel­len – eben we­gen der »dich­te­ri­schen Frei­heit« des Schrei­bers.

    Ru­fe ich mir die­se Schul­stun­den ins Ge­dächt­nis zu­rück, kom­me ich zu der Ver­mu­tung, dass ei­ni­ge Li­te­ra­tur­kri­ti­ker kei­ne auf­merk­sa­men Schü­ler ge­we­sen sein kön­nen. Das ist zwar ei­ne Über­in­ter­pre­ta­ti­on, aber kei­ne, die über die An­nah­me hin­aus­gin­ge, Kem­pow­ski hät­te nie spio­niert, weil sein li­te­ra­ri­sches »Al­ter Ego« in ei­nem Ro­man nach Tat­sa­chen nicht spio­nier­te.

    #1

  2. mikerol sagt:

    wenn das spio­nie­ren die leu­te zum le­sen bringt
    dann ist das doch nicht so schlimm! es macht den schrift­stel­ler
    in­ter­es­sant! ich selbst hab kempowki’s schoe­ne »ha­ben sie hit­ler ge­se­hen« in den 70ziger jah­ren ins ame­ri­ka­ni­sche ue­ber­setzt, ein buch wo­durch man mehr ue­ber hit­ler deutsch­land er­fa­ehrt [ich je­den­falls] als hun­de­re­te von stu­di­en und sta­ti­stik samm­lun­gen, al­so wie um­nach­tet wa­eh­ler­scha­fe im all­ge­mei­nen sind. sonst ei­ni­ges ge­le­sen.

    bei die­ser an­ge­le­gen­heit fa­ellt mir enzensberger’s schoe­ne satz ein dass »das ei­gent­li­che staats­ge­heim­nis dar­aus be­steht dass es kein staat­ge­heim­nis gibt;« da­durch be­wie­sen dass die so­viets den kem­pow­ki we­gen an­geb­li­chen sen­dens von ei­ner li­ste von ost see frach­te­rei­en ver­haf­te­ten und ver­ur­teil­ten: al­so das oef­fent­lich­ste muss ver­heim­licht wer­den um wert­voll zu wer­den. auf die­ser art ent­ste­hen dann in­ein­an­der­ver­zweig­te pa­ra­noi­as, pa­ra­noi­den, und ein gan­zes sy­stem von spio­nen, die sich wich­tig vor­kom­men. leu­te wer­den er­schos­sen, ver­haf­tet, usw. kem­pow­ki scheint in ei­nem p.x. in wies­ba­den ge­ar­bei­tet zu ha­ben, en­zens­ber­ger wo­an­ders und hat schnell­sten eng­lish ge­lernt. wenn baut­zen den k. zu ei­nem gro­ssen samm­ler und gu­ten schrif­stel­ler mach­ten, dann war das vie­leicht der pein wert; ich neh­me an er wa­er es so­wie­so ge­wor­den.

    der an­de­re kom­men­tar hier­zu, al­so der vor dem mei­ni­gem, hat mir auch sehr ge­fal­len.

    http://web.archive.org/web/20100626050527/http://humanities.byu.edu/germslav/faculty/afkeele/keele_bib.php

    ist die bi­blio­gra­phi des pro­fes­sor alan keele’s der sich wahr­lich
    mit kem­pow­ski und an­de­rem deut­schen zeug ab­ge­rackert hat.
    und zwar aus der sicht der Lat­ter­day Saints.

    #2

  3. MMarheinecke sagt:

    En­zens­ber­ger hat recht
    »Das ei­gent­li­che Staats­ge­heim­nis be­steht dar­aus, dass es kein Staats­ge­heim­nis gibt«. Nicht von un­ge­fähr war ei­ner der wich­tig­sten Zwei­ge (man­che sa­gen: der Wich­tig­ste Zweig) der bri­ti­schen Nach­rich­ten­dien­ste im 2. Welt­krieg die »pu­blic in­tel­li­gence« – al­so die Aus­wer­tung öf­fent­lich zu­gäng­li­cher Quel­len. Auch z. B. der BND stützt sich über­wie­gend auf »of­fe­ne Quel­len«.

    Vor die­sem Hin­ter­grund re­la­ti­viert sich die Be­deu­tung von Kem­pow­skis Spio­na­ge. Oh­ne die pa­ra­noi­de Grund­stim­mung des kal­ten Krie­ges, oh­ne den für au­to­ri­tä­re Staa­ten ty­pi­sche Kon­troll­wut, oh­ne die an­geb­li­che all­ge­gen­wär­ti­ge »Agen­ten­tä­tig­keit« als pro­pa­gan­di­sti­sche »Sün­den­bock« für wirt­schaft­li­che Miss­erfol­ge, und vor al­lem oh­ne das für den Sta­li­nis­mus cha­rak­te­ri­sti­sche Sy­stem des per­ma­nen­ten Miss­trau­ens ist das har­te Ur­teil ge­gen Kem­pow­ski nicht er­klär­bar.

    Scha­de nur, dass der zeit­ge­schicht­li­che Hin­ter­grund über die »skan­da­lö­se« Ent­hül­lung ins Hin­ter­tref­fen ge­rät. Fast ha­be ich den Ein­druck, dass vie­le »Ent­hül­ler« sich als »staats­tra­gend« emp­fin­den, und da­her so et­was sub­ver­si­ves wie »Spio­na­ge« grund­sätz­lich nicht mö­gen. Vor al­lem schei­nen mei­ner An­sicht nach vie­le mit Kem­pow­kis po­li­ti­schem Stand­punkt nichts an­fan­gen kön­nen. Kem­pow­skl selbst sag­te ein­mal: »Ich bin kon­ser­va­tiv und li­be­ral, und das darf man in Deutsch­land nicht sein.«

    #3

  4. Die Si­tua­ti­on war 1947/48 ei­ne au­sser­or­dent­lich Schwie­ri­ge; ei­ne Si­tua­ti­on, die je­mand der 1965 ge­bo­ren ist (wie Re­ents) nie er­lebt hat. Das ist na­tür­lich nicht schlimm. Aber wenn man dar­über schreibt und die­sen (pseudo-)investigativen An­spruch for­mu­liert oh­ne ein Ein­füh­lungs­ver­mö­gen für dei da­ma­li­ge La­ge zu ent­wickeln, dann soll­te man bes­ser mit Mur­meln spie­len oder über ro­te Tep­pi­che schrei­ben.

    Kem­pow­ski hat sel­ber ein­mal sinn­ge­mäss ge­sagt, dass Baut­zen ihn zum Schrei­ben ge­bracht ha­be; in die­sem Sin­ne hat sich die­se acht ver­lo­re­nen Jah­re »schön ge­re­det«.

    Es ist tat­säch­lich so, dass Kem­pow­ski nie die An­er­ken­nung in der »Sze­ne« er­fah­ren hat, die er ge­sucht und vor al­lem ver­dient ge­habt hät­te. Das zeigt sich al­lei­ne an dem m. E. nicht un­er­heb­li­chen Skan­dal, dass die­ser Mann nicht ein­mal den Büch­ner-Preis be­kom­men hat. Das hat dann (lei­der) auch mit der man­geln­den Em­pa­thie für sei­nen po­li­ti­schen Stand­punkt zu tun.

    Wil­li Wink­ler schrieb ge­stern in der Süd­deut­schen Zei­tung: »Acht Jah­re saß er in Baut­zen, ehe er in die Frei­heit und die Bun­des­re­pu­blik ent­las­sen wur­de. In der Haft hat­te er sich ei­ne glän­zen­de Re­ha­bi­li­tie­rung er­träumt. In Wies­ba­den wür­de er bei den Ame­ri­ka­nern ei­ne Pres­se­kon­fe­renz ge­ben, nein, bes­ser gleich in New York, am al­ler­be­sten vor der Voll­ver­samm­lung ei­ne Re­de: ‘Be­hut­sam und lei­se ein ein­zel­nes Wort fal­len las­sen von äu­ßer­stem Ge­wicht, dann noch ein Wort, grö­ßer und grö­ßer wer­den, hö­her hin­auf!’ Doch die Ame­ri­ka­ner re­ha­bi­li­tier­ten nicht ihn, son­dern – mit Ver­zö­ge­rung – sei­ne Le­ser.«

    #4

  5. mikerol sagt:

    Ich aber er­in­ne­re mich sehr ge­nau an 1947/8
    als ich schon seit 1945 im Al­ter von 8 Jah­ren das/ ein »Pet der CIC/ OSS« in Bre­men war. Und seit spa­et-Frueh­ling 1945 po­li­tisch ganz hell wach wur­de.
    + An­bei, auf Eng­lish, ei­nen auf­klae­ri­schen Brief den ich an den wacke­ren Pro­fes­sor Ka­ne schrieb:
    »I hap­pen­ed on your in­ter­view about Kem­pow­ski in the F.A.Z. As I ex­pect you know, I trans­la­ted his »Did you ever se­en Hit­ler« the­se ma­ny ye­ars ago for Pe­ter May­er at Avon Books, but ne­ver met the aut­hor; or heard from him....

    As to CIC/ OSS/ CIA I know a fair amount sin­ce I was as it we­re the
    »pet« of the Bre­men CIC from 1945-un­til 1950 when I ca­me to this
    coun­try on a US tro­opship, the USS Mau­rice Ro­se, as a US Ar­my de­pen­dent, and was at their ed­ges for ma­ny ye­ars whenever I went back to Ger­ma­ny sin­ce I knew US am­bassa­dors etc. I re­call so­me event spon­so­red by the US em­bas­sy in Go­des­berg with a lot of CIA and KGB guys pre­sent, who knows so­me of the wo­men may have be­en too, peop­le sort of knew who was who, but all pre­ten­ded not to, but me who ma­de gre­at fun of them for that, which rai­sed qui­te a few eye­brows. They we­re all litt­le boys, de­ad­ly se­rious.

    The rea­son that this so hap­pen­ed had to with both pa­rent and ma­ny other mem­bers of my fa­mi­ly ha­ving be­en in the re­si­stan­ce to Hit­ler, and co­m­ing un­der the pro­tec­tion of the­se hard-par­ty­ing fel­lows as of Spring 1945, who howe­ver we­re all OSS and had CIC as a co­ver. For examp­le, in 1949, in Ber­lin for Christ­mas, and what an event­ful few weeks it we­re, I first met Rai­ner Hil­de­brandt, head of the just foun­ded Kampf­grup­pe ge­gen Un­mensch­lich­keit, whom my my
    mo­ther, a coun­ter spy, had known sin­ce 1940, she herself sur­vi­ved Ge­sta­po im­pri­son­ment, and Rai­ner his KZ. But the man who was al­rea­dy my ste­pfa­ther, Ri­chard We­ber, then a cap­tain, CIC, la­ter re­ver­ting to his ori­gi­nal out­fit, Corps of En­gi­neers, was the per­son who then ar­ran­ged for the fi­nan­cing and con­trol of the Kampf­grup­pe, which even­tual­ly be­ca­me a ter­ro­rist or­ga­ni­za­ti­on in­si­de the DDR – Rai­ner left it about the time that it tur­ned vio­lent. CIC was a co­ver, as we­re qui­te a few others, such as of­fi­cers char­ged with News and In­for­ma­ti­on and gi­ving out li­cen­ses. My un­cle Ge­or­ge Al­dor, a Sar­gent in the in­for­ma­ti­on and news li­cen­sing di­vi­si­on in Kas­sel,
    a Hun­ga­ri­an Jew by way of Vi­en­na; Fred Pra­e­ger... lots of emig­res who had got­ten out in time, re­tur­ned as OSS ope­ra­ti­ves be­cau­se they knew Ger­man [my ste­pfa­ther Ri­chard We­ber, who re­ti­red as a US Co­lo­nel, was a north-Ger­man farmer’s son emig­re at a fair­ly ear­ly age, and af­ter re­ti­ring and get­ting him­elf an MA in Ger­man lit he went to Uni Bonn on the GI bill for so­me post grad stu­dies,
    but sup­ple­men­ted his re­ti­re­ment in­co­me by hit­ching back up with the CIA and tel­ling them what his old coun­ter­parts in the Ger­man corps of en­gi­neers we­re do­ing, or plan­ning to do in the
    event the tanks star­ted to roll west­ward – I was al­ways told to go for a walk in the gre­at woods ne­ar Vil­li­prot du­ring the few mon­ths I spent with them the­re in 1965 and the ca­se of­fi­cer show­ed up!].

    You might find out mo­re by loo­king at OSS files if they are avail­ab­le.
    But my guess is that you are right. K. wan­ted to be ab­le to bring his
    fa­mi­ly to the West, and he was be­tray­ed? or sim­ply caught.

    I myself tur­ned the com­pa­ny down in Ber­lin in 1957, back for a ju­ni­or
    ye­ar ab­road, the examp­le of my mo­ther suf­fi­ced; and I think
    I rea­li­zed on­ce in you we­re ens­na­red for li­fe; and I could have re­al­ly
    used an ex­tra $ 100 a month just for un­loa­ding what I hap­pen­ed
    to see on my vi­sits to the Ber­li­ner En­sem­ble, the ope­ra, etc. $ 100
    had a gre­at ex­chan­ge va­lue, one buck be­ca­me 4 West Mark be­ca­me 16 East mark, and 32 bought you the com­ple­te sub­si­di­zed works of Le­nin.; 100 the com­ple­te 20 vo­lu­mes of Ge­or­gy Lu­kacs from Auf­bau... just a guess how much I paid.

    But I was the first US li­tera­ry scout to go to East Ber­lin and vi­sit the
    Auf­bau Ver­lag, well pri­med by Uwe John­son who their wri­ters
    we­re. But when I hap­pen­ed to ask Uwe, so­me­time in the ear­ly 70s
    in New York, about to drop him off at the Iro­quois Ho­tel, right next to the Al­gon­quin, he had just pu­blished »Two Views«, whe­ther he hap­pen­ed to know Rai­ner Hil­de­brandt... he le­apt out of the car... and da­shed, in as much as the Nil­pferd that he had be­co­me from his al­co­hol con­sump­ti­on could run or wadd­le... he had be­co­me so dread­ful­ly pa­ra­no­id, howe­ver my vi­sit with Herr Kas­par of Auf­bau ma­de me rea­li­ze that the­re was so­me re­al ju­sti­fi­ca­ti­on for the pa­ra­noia. Uwe tried as much as pos­si­ble too, to not get in­vol­ved, to live in the in­bet­ween.
    Sin­ce­rely Mi­cha­el Ro­loff, Hand­ke Nut

    #5

  6. en-passant sagt:

    Ge­heim­nis & Ver­rat
    Al­so “Staats­ge­heim­nis­se” gibt’s ganz si­cher – man den­ke nur mal an das, was re­gel­mä­ßig raus­kommt, wenn die CIA sich mal wie­der ge­richt­lich zwin­gen lässt, so ge­nann­te Do­ku­men­te zu ver­öf­fent­li­chen. Gäbs das bei uns, wür­de es si­cher ent­spre­chen­de Fin­ster­nis­se ent­hül­len – man den­ke nur mal an das Ri­tu­al mit den Un­ter­su­chuns­gaus­schüs­sen. Da braucht es nicht viel ei­ge­ne Pa­ra­noia, wenn man mal an­fängt zu re­ka­pi­tu­lie­ren, was al­les schon raus­ge­kom­men ist. Wo es ein­mal her­ge­stun­ken hat, ist fast im­mer noch mehr.

    Ich – der Kem­pow­ski nach und nach für sich ent­deckt – se­he aber auch, dass sol­che Hin­ter­grün­de sehr wohl in­ter­es­sant sein kön­nen, um ge­wis­se De­tails der Li­te­ra­tur bes­ser zu ver­ste­hen; ich ver­wei­se auf das, um was uns die Un­er­müd­lich­keit der Kaf­ka-For­scher be­rei­chert hat. Für das Ver­ständ­nis muss das nicht zwin­gen et­was brin­gen – kann es aber durch­aus, auch wenn es den Ge­ni­us der Tex­te nicht er­klärt, ihn oft noch ver­stärkt. (Aber doch auch manch­mal ei­ne Ebe­ne hin­zu­fügt – oder ebe­ne neue Rät­sel.)

    Fra­gen muss man aber wohl doch nach ei­nem Jour­na­lis­mus, der der­art bou­le­var­desk ver­fährt. Wenn man die (viel­leicht noch ver­ständ­li­che) Freu­de des Spe­zia­li­sten über sei­ne Trou­vail­len weg­rech­net, bleibt die Lust an der Ent­hül­lung, am Scoop, für den der ori­gi­nä­re Geist der Bü­cher letzt­lich schon nach­ran­gig ist. Das, was ein­mal ein „Werk“ war, wird hier auf ei­ne ge­wis­se Wei­se se­kun­där, die ei­gent­lich viel skan­da­lö­ser ist. Und kon­ze­diert man dem Schrei­ber ei­ne »Lieb­ha­be­rei« mit dem Au­tor, hat es schon fast et­was von Ver­rat.

     

    #6

  7. scott abbott sagt:

    slow news day
    much ado about not­hing, as you say so well.

    the ma­jor claim in the in­ter­view is that the cha­rac­ter in the no­vel does mo­re spy­ing than the ac­tu­al Kem­pow­ski.

    so what’s the big deal? slow news day?

    #7

  8. Ich find’s als me­dia­les Phä­no­men in­ter­es­sant. Es ist ja auch nicht das er­ste Mal, dass man Kem­pow­ski skan­da­li­siert. 1990 wur­de er im »Stern« als »Ab­schrei­ber« de­nun­ziert. Die Ver­su­che schei­ter­ten, weil der Vor­wurf ab­surd war.

    #8

  9. In ei­ner Mail an Mi­cha­el Ro­loff schrieb Pro­fes­sor Alan Kee­le:

    Es ha­gelt aus al­len Him­mels­rich­tun­gen. Und auch der sauer­ste hat­te im Grun­de auch recht: die­se En­thu­el­lung ist ei­ne Fuss­no­te, hoech­stens, wert, aber wenn man Mar­ken­ar­ti­kel-Kem­pow­ski plus Spio­na­ge kom­bi­niert, da in­ter­es­sie­ren sich die Jour­na­li­sten, weil sie Zei­tun­gen ver­kau­fen wol­len. Aber sie wol­len auch auf­klae­ren und be­leh­ren, au­sser viel­leicht bei der Bild­zei­tung und Fox News

    Kee­le ge­stat­tet mir aus der Mail zu zi­tie­ren und er­gänzt:

    Ja, ich bin jetzt in ei­nen Stru­del da ge­ra­ten, ich weiss gar nicht, was ich ma­chen soll. ich ko­enn­te so­gar mei­nen gan­zen Vor­trag als Po­sting frei­ge­ben, nur, das wu­er­de die Leu­te in Ro­stock ae­r­gern, die es bald als Buch­ka­pi­tel in der Pro­ce­e­dings er­schei­nen las­sen.

    #9

  10. mikerol sagt:

    die ver­schie­de­nen ge­heim­dien­ste mu­es­sen
    ih­re kri­men na­tu­erch­lich ver­heim­li­chen, ob ein ver­schwie­ge­nes kri­men dann ein ge­heim­nis ist? sind al­le so­ge­nann­ten »staats« [vater/muetter] ge­heim­nis­se von kri­mi­nel­ler na­tur? au­sser in fa­el­len da sich ge­heim­dien­ste, oder bran­chen, selbst­sta­en­di­ge ak­teu­re wer­den, ko­en­nen ih­re un­ta­ten auf be­feh­le ih­rer ob­rig­kei­ten zu­ru­eck ver­folgt wer­den. al­so my­sti­fi­ka­tio­nen, »the my­ste­ries«... was liegt da wirk­lich ver­bor­gen? hei­kel wur­de es im­mer be­son­ders wenn’s auf es­pio­na­ge von waf­fen­ar­ti­gen sa­chen an­kam.

    #10

  11. en-passant sagt:

    Was wä­re da ei­gent­lich bes­ser?
    USA: Die CIA und wei­te­re mit den oft wi­der­li­che­ren Ver­bre­chen – aber der Mög­lich­keit, sie doch spä­ter pu­blik zu ma­chen (und der min­de­stens in­di­rek­ten Be­stra­fung durch Ver­ach­tung der USA durch wei­te Tei­le der Welt­öf­fent­lich­keit).

    Oder D: Mit der duck­mäu­se­ri­sche­ren Klan­de­st­ini­tät – und dem fal­schen – und da­mit letzt­lich zu im­mer »fal­sche­ren« Selbst­bil­dern füh­ren­den wei­ßen We­ste?

    (Blie­be noch Hu­go Cha­vez – aber der ist wahr­schein­lich nur aus der gro­ßen Di­stanz sym­pa­thisch...)

     

    #11

  12. @en-passant
    Oh­ne Ge­heim­dienst­ex­per­ten­tum: Ist nicht die »Fall­hö­he« beim BND ei­ne ganz an­de­re als die der Ge­heim­dien­ste in den USA? Was gibt es schon für groß­ar­ti­ge »Ge­heim­nis­se« – vor al­lem nach dem so­ge­nann­ten Kalk­ten Krieg? Und wie oft dient(en) die Ge­heim­dien­ste in den USA als ver­län­ger­ter Arm der Re­gie­run­gen, die sie für’s Gro­be dann ein­setz­ten, um sich sel­ber nicht die Fin­ger schmt­zig zu ma­chen. Da muß dann ir­gend­wann der Ge­heim­dienst­boß ab­tre­ten (oder wird hoch­ge­lobt). Tat­säch­lich so et­was wie ein Bau­ern­op­fer (da trifft’s dann mal).

    Und tat­säch­lich: Die Pu­bli­zi­tät, die Ka­thar­sis, die man dann in den USA vor­nimmt – we­nig­stens gibt man’s (ir­gend­wann) zu. Wo an­de­re Dien­ste das Män­tel­chen drauf­hal­ten (ich den­ke an Russ­land aber auch De­mo­kra­ti­en wie Is­ra­el), da wird in Zy­klen ei­ne Art von Re­me­dur prak­ti­ziert. Manch­mal muß man auf­räu­men, da­mit es wie­der wei­ter­ge­hen kann.

    #12