Ein Hauch von Ya­moussou­kro

Nie­mand spricht das heh­re Wort von »der Kul­tur« so in­brün­stig aus wie Ti­na Men­delsohn, wenn sie wie­der ein­mal in ei­nem »Kul­tur­zeit ex­tra« oder ir­gend­ei­ner Ra­di­odis­kus­si­on mit Funk­tio­nä­ren und Kul­tur­schaf­fen­den zu­sam­men­sitzt und über die Zu­kunft »der Kul­tur« dis­ku­tiert. Lei­der kommt man dann ziem­lich schnell auf den ei­gent­li­chen Punkt: das Geld. Hier sub­ven­tio­nier­te Geld­ein­trei­ber, die längst ver­in­ner­licht ha­ben, dass Kul­tur und Geld sia­me­si­sche Zwil­lin­ge sind und in In­sti­tu­tio­nen und Etats den­ken. Und dort die Kom­mu­nal-, Lan­des- und Bun­des­po­li­ti­ker, die mit dem Wort »Kul­tur« zu­nächst ein­mal je­ne Form von Event-Fe­ti­schis­mus ver­bin­den, den sie jahr­aus jahr­ein er­öff­nen, be­fei­ern, be­su­chen und be­schlie­ßen. Wie steht es mit ei­ner »Kul­tur«, wie sie sich in der Auf­takt­ver­an­stal­tung zur Kul­tur­haupt­stadt Ruhr­ge­biet 2010 in Es­sen vom 10. Ja­nu­ar 2010 zeigt?

Was soll man von wohl­fei­len Be­kennt­nis­re­den hal­ten, die ei­ne Re­gi­on als Kul­tur­haupt­stadt fei­ert, die da­nach Mil­lio­nen Eu­ro für ih­re Stadt­thea­ter, Kon­zert­phil­har­mo­ni­en und Stadt­bi­blio­the­ken ein­spa­ren muss? Wer nur ein biss­chen an der Fe­sti­val­fas­sa­de kratzt, stellt fest: Für die Zeit nach 2010 ste­hen et­li­che Kul­tur­ein­rich­tun­gen auf dem Prüf­stand, wie zum Bei­spiel das TuP in Es­sen, wel­ches in den näch­sten Jah­ren 15 Mil­lio­nen Eu­ro ein­spa­ren soll oder das Schau­spiel­haus in Wup­per­tal, das so­gar vor der Schlie­ßung im Jahr 2012 ste­hen soll. In an­de­ren Kom­mu­nen rund um das Ruhr­ge­biet sieht es nicht bes­ser aus. Die Schwarz­se­her wa­ren, was die Zeit ab 2011 an­geht, »blau­äu­gig«, fasst die F.A.Z. in ei­nem ak­tu­el­len Ar­ti­kel die Si­tua­ti­on zu­sam­men.

»Flockig auf­ge­reiht«

Na­tür­lich wird das Gros der rd. 60 Mil­lio­nen Eu­ro, die nach be­stimmt kom­pli­zier­tem Schlüs­sel un­ter den Ruhr­ge­biets­städ­ten auf­ge­teilt wird, von Spon­so­ren, dem Land oder dem Bund be­reit­ge­stellt. Und dann gibt es ja noch den Tou­ris­mus (der soll ja im­mer hel­fen – al­lei­ne: es funk­tio­niert nicht auf Dau­er). Aber kaum je­mand fragt, ob die­ses Geld nicht in nach­hal­ti­ge Kul­tur­pro­jek­te am je­wei­li­gen Ort, d. h. in den Kom­mu­nen bes­ser an­ge­legt wä­re als in one-day- oder one-night-stands. Und selbst wenn man der Mei­nung ist, die Kul­tur sei ge­nug »sub­ven­tio­niert«, könn­te man in lo­ka­le Bil­dungs­ein­rich­tun­gen wie Kin­der­gär­ten, Schu­len oder Hoch­schu­len in­ve­stie­ren. Statt­des­sen lädt man Her­bert Grö­ne­mey­er und den Bun­des­prä­si­den­ten ein. Das al­lei­ne zeigt, wie er­bärm­lich der Be­griff der Kul­tur in­zwi­schen de­fi­niert wird.

Kul­tur­haupt­stadt be­deu­tet: Mit vie­len Ver­spre­chun­gen lockt man Gel­der an, um sich mit dem Odi­um des Kul­tur­gön­ners zu par­fü­mie­ren. (Da­bei ver­gisst man re­gel­mä­ßig, dass ein paar Mo­na­te spä­ter nicht ein­mal Geld für Was­ser und Sei­fe da ist – und ver­wen­det statt­des­sen die Rest­be­stän­de des Par­füms, um den mod­ri­gen Ge­stank der Schul­den, die für Un­ter­halts­ko­sten zu ma­chen sind, vor­über­ge­hend zu über­tün­chen.) An­fangs wit­tern Lo­kal­po­li­ti­ker durch­aus Mög­lich­kei­ten zur Selbst­dar­stel­lung ih­rer Stadt (und na­tür­lich auch der ei­ge­nen Per­son). Ab­ge­half­ter­te Prot­ago­ni­sten, die man end­lich im wohl­ver­dien­ten Ru­he­stand wähn­te, wer­den zu Kul­tur­bot­schaf­tern oder Or­ga­ni­sa­ti­ons­lei­tern er­nannt. Nicht ge­nug al­so, dass je­mand wie Fritz Pleit­gen wäh­rend sei­ner In­ten­dan­ten­zeit di­ver­se Hör­funk­pro­gram­me des West­deut­schen Rund­funks auf Du­del­funk-Ni­veau her­un­ter­ge­bro­chen hat. Jetzt muss er auch noch ein Dis­ney­land im Ruhr­ge­biet auf­zie­hen und al­le fei­ern mit, als wüss­ten sie nun, was Kul­tur so ist: »Flockig auf­ge­reiht und flott ru­bri­ziert, liest sich das Sam­mel­su­ri­um der Vor­ha­ben wie ei­ne Wer­be­bro­schü­re für Stand­ort­po­li­tik und Kul­tur­tou­ris­mus. Haupt­sa­che po­pu­lär, brei­ten­wirk­sam, mas­sen­kom­pa­ti­bel scheint die De­vi­se«, so An­dre­as Ross­mann in der F.A.Z. im No­vem­ber 2009 zum Pro­gramm von »Ruhr 2010«.
Da­bei ste­hen die sa­kra­len Wor­te für und über die »Kul­tur« in kras­sem Ge­gen­satz zu ei­nem sol­chen Pro­gramm. In ei­nem gibt es al­ler­dings ei­ne oft ge­nug un­frei­wil­lig-ehr­li­che Er­kennt­nis: Es wird so ge­tan, als gä­be es die Streich- und Vio­lin­kon­zer­te nur, weil es »Ruhr 2010« gibt. Und das kann tat­säch­lich so sein, wenn nach dem gro­ßen Fest der Kas­sen­sturz die un­an­ge­neh­me Wahr­heit of­fen­bart.

Kölns »Not­la­ge«: 295 Mil­lio­nen Eu­ro für ein Schau­spiel­haus, das nie­mand möch­te

Die Kom­mu­nen las­sen in­des kei­nen Pres­se­ter­min aus, ih­re Not­la­ge her­aus­zu­stel­len. Man über­bie­tet sich in Ka­ta­stro­phen­sze­na­ri­en. Es ge­he, so liest man im­mer wie­der, um die »Le­bens­qua­li­tät von Städ­ten«. Da­bei ist ja durch­aus Geld da (sie­he oben). Es wird nur für an­de­re Prio­ri­tä­ten ver­wen­det. Ber­lin woll­te ei­ne von drei Opern schlie­ßen (was als Ka­ta­stro­phe be­trach­tet wur­de, oh­ne ge­nau zu sa­gen, war­um), bau­te aber gleich­zei­tig (mit Un­ter­stüt­zung des Bun­des) Mu­se­um­bau­ten vom Fein­sten. Köln er­hebt ei­ne Bet­ten­steu­er, weil Ein­nah­men aus der Ho­tel-Um­satz­steu­er, die An­fang des Jah­res von 19% auf 7% re­du­ziert wur­de, aus­blei­ben und ver­ab­schie­det fast gleich­zei­tig den Bau ei­nes neu­en Schau­spiel­hau­ses, wel­ches rund 295 Mil­lio­nen Eu­ro ko­sten soll und selbst von der ak­tu­el­len Schau­spiel­in­ten­danz ab­ge­lehnt wird. Ham­burg lei­stet sich ei­ne neue Elb­phil­har­mo­nie, die in­zwi­schen mit ak­tu­ell 500 Mil­lio­nen Eu­ro kal­ku­liert wird.

Kosten Elbphilharmonie Hamburg - Quelle: Wikipedia

Ko­sten Elb­phil­har­mo­nie Ham­burg – Quel­le: Wi­ki­pe­dia


Wenn es nicht reicht, kann man ja viel­leicht die Stadt­bi­blio­theks­aus­wei­se ver­teu­ern, Leih­ge­büh­ren ein­füh­ren bzw. er­hö­hen, Buch­neu­erschei­nun­gen ma­xi­mal nach der Best­sel­ler­li­ste aus­rich­ten, die Ba­de­tem­pe­ra­tur in den Schwimm­bä­dern um zwei Grad re­du­zie­ren oder viel­leicht ei­ne Ha­fen­rund­fahrt­zu­satz­steu­er ein­füh­ren.

Auch merk­wür­dig, die­ser mis­sio­na­ri­sche Drang der Ar­chi­tek­tur der 1960er Jah­re fast ge­walt­sam den Gar­aus ma­chen zu wol­len. Als wä­re der durch Neu­bau­ten im­mer wie­der pro­gno­sti­zier­te »Bil­bao-Ef­fekt« nicht längst die Aus­nah­me. Nach ei­nem kur­zen Run blei­ben die Kom­mu­nen in den spä­te­ren Jah­ren meist auf den ho­hen Un­ter­halts­ko­sten sit­zen. Aber egal, was spä­ter pas­siert: Man hat sein Le­bens­werk voll­endet und trägt sich stolz auf ewig in die An­na­len der Stadt ein. Die Hy­bris ei­ni­ger Lo­kal­po­li­ti­ker wird als kul­tu­rel­ler Im­pe­tus ver­brämt. Bür­ger­initia­ti­ven, de­nen in­tui­tiv die­se Groß­manns­sucht su­spekt ist, spie­len längst kei­ne Rol­le mehr; man kann ih­nen zur Not noch das Eti­kett des kul­tur­lo­sen Bar­ba­ren an­kle­ben. Die Prot­ago­ni­sten wer­den zu ih­rem Glück ge­zwun­gen. Ge­le­gent­lich glaubt man ei­nen Hauch von Ya­moussou­kro zu spü­ren, ob­wohl na­tür­lich nie­mand mehr Kir­chen baut (die wer­den eher still­ge­legt und ab­ge­ris­sen). Hier wer­den Mu­se­ums­bau­ten er­rich­tet, die für neue Aus­stel­lun­gen auf Spon­so­ren an­ge­wie­sen sind, wo­bei sich selbst der wohl­mei­nend­ste Kul­tur­freund fragt, war­um ein En­er­gie­kon­zern, der quar­tals­mä­ssig sei­ne Prei­se er­höht, um da­mit sein Netz auf­recht zu er­hal­ten, noch Geld für Spon­so­ring er­üb­ri­gen kann.

Die seit Jahr­zehn­ten fort­schrei­ten­de Even­ti­sie­rung der Frei­zeit­in­du­strie (die vor al­lem ei­ne Kom­mer­zia­li­sie­rung ist) wur­de längst von der Kul­tur ad­ap­tiert. Der Pro­zess ist ver­gleich­bar mit der Tri­via­li­sie­rung der öf­fent­lich-recht­li­chen Me­di­en durch ei­ne all­zu wohl­ge­fäl­li­ge An­pas­sung an das Pro­gramm der so­ge­nann­ten pri­va­ten An­bie­ter. Hier wie dort droh­ten und dro­hen Le­gi­ti­ma­ti­ons­pro­ble­me, die zu »Kom­pro­mis­sen« zu zwin­gen schie­nen. Frü­her spiel­te die »Quo­te« nie ei­ne Rol­le, heu­te nur noch. Bei­de Ex­tre­me sind – wie so oft – falsch. Der Ver­such, die Feh­ler der Ver­gan­gen­heit zu kom­pen­sie­ren, führt da­zu, an­de­re Feh­ler zu ma­chen. Da­bei wä­re grund­sätz­lich ge­gen ei­ne Bün­de­lung der Kräf­te (re­spek­ti­ve In­sti­tu­tio­nen) in Bal­lungs­räu­men nichts ein­zu­wen­den, wenn die­se in ge­ord­ne­ten Bah­nen ver­lau­fen. War­um nicht Spar­ten kon­zen­trie­ren und so nach­hal­ti­ge Kul­tur­oa­sen in ei­ner Re­gi­on er­rich­ten? Muss je­der grö­sse­re Ort ein Bal­lett, ein Or­che­ster, ein Thea­ter ha­ben? Kann es nicht in X ei­ne her­aus­ra­gen­de Phil­har­mo­nie ge­ben, in Y ein zeit­ge­nös­si­sches Thea­ter und in Z ei­ne her­aus­ra­gen­de Bi­blio­thek? War­um kei­ne sinn­vol­len Ab­stim­mun­gen zu­min­dest in Bal­lungs­räu­men?

We­der die Geld­ver­ga­be nach dem Giess­kan­nen­prin­zip noch der Qua­li­täts­an­spruch wird the­ma­ti­siert. Zu sehr be­fürch­tet man, das Kind gleich mit dem Ba­de aus­zu­schüt­ten. Man hat Angst, ab­ge­hängt zu wer­den, alt­backen zu wir­ken oder – noch schlim­mer! – als eli­tär zu gel­ten. Da­her wählt man den Weg der vor­aus­ei­len­den Af­fir­ma­ti­on, er­wei­tert da­bei den Kul­tur­be­griff auf na­he­zu al­les (und je­den) und möch­te das dann noch als avant­gar­di­sti­sches Ver­ständ­nis ver­kau­fen. In Wirk­lich­keit hinkt man Trends aus Ki­no und Fern­se­hen hin­ter­her statt ei­ge­ne Ge­gen­im­pul­se zu set­zen. Die Avant­gar­de er­schöpft sich in Be­sitz­stands­wah­rung.

Das schmut­zi­ge Ge­schirr bleibt zu­rück

Am En­de ist die Event­ka­ra­wa­ne des Kul­tur­be­triebs längst in die näch­ste der zahl­rei­chen Kul­tur­haupt­städ­te wei­ter­ge­zo­gen. Wen in­ter­es­sie­ren denn die Auf­räu­mungs­ar­bei­ten? Des Be­su­chers Pri­vi­leg ist das Zu­rück­las­sen des schmut­zi­gen Ge­schirrs. In Be­zug auf Graz als Kul­tur­haupt­stadt von 2003 sprach »Der Stan­dard« von »he­cheln­der Kurz­at­mig­keit«. Ob im näch­sten Jahr Stadt­teil­bü­che­rei­en, Fahr­bi­blio­the­ken oder Thea­ter Gel­der ge­stri­chen be­kom­men, Per­so­nal ent­las­sen oder ganz schlie­ßen müs­sen, be­kommt der Kul­tur­tou­rist, der sei­ne Er­in­ne­rungs­fo­tos bis da­hin längst auf der Fest­plat­te sei­nes Com­pu­ters ka­ta­lo­gi­siert hat, nicht mehr mit.

In ei­ner Ge­sell­schaft, die den Men­schen fast nur noch als Kun­den, als Kon­su­men­ten wahr­nimmt, wird über­se­hen, dass Kul­tur kein Kon­sum­gut ist. Da­bei schei­nen Groß­ver­an­stal­tun­gen wie die »Ruhr 2010« wie ein mo­der­ner Ab­lass­han­del zu funk­tio­nie­ren: Den Ver­an­stal­tern dient er als Zur­schau­stel­lung der ei­ge­nen Ak­ti­vi­tä­ten. Und den Teil­neh­mern wird ei­ne Art vir­tu­el­les Zer­ti­fi­kat aus­ge­stellt (»Ich war da­bei«). Man sonnt sich in der Ge­wiss­heit, sein Quan­tum Kul­tur er­lebt zu ha­ben und wähnt sich mit sei­nem ge­le­gent­li­chen Fern­seh­kon­sum von ar­te und 3sat als In­si­der.

Wo sind wir in zwan­zig Jah­ren? Stellt man dann für Kul­tur­haupt­städ­te im­mer noch Zig Mil­lio­nen Eu­ro zur Ver­fü­gung? Oder wagt man ei­ne Wen­de und legt bis da­hin das Geld in In­fra­struk­tur­maß­nah­men für Kul­tur an? In Schu­len, Bi­blio­the­ken, Ki­nos, die kei­ne Schmon­zet­ten mehr zei­gen müs­sen, um über­le­ben zu kön­nen, Mu­sik­schu­len, die je­dem mit ent­spre­chen­den Ta­lent zu­gän­gig sind oder Thea­ter, die in ih­rer Re­gi­on durch kon­trast­rei­che Pro­gram­ma­tik wie­der in­ter­es­sant wer­den und nicht nur The­ra­pie­or­te für wich­tig­tue­ri­sche Re­gis­seu­re sind. Das setzt so­wohl vor­aus, dass Bil­dung nicht mehr per se als eli­tär gilt als auch die Ent­sa­kra­li­sie­rung von Li­te­ra­tur, Kunst, Thea­ter, Mu­sik. Das kann man nur durch ein be­herz­tes, we­der un­ter­wür­fi­ges noch ar­ro­gan­tes Zu­ge­hen auf das po­ten­ti­el­le Pu­bli­kum er­rei­chen, oh­ne ihm sei­ne schein­ba­re In­kom­pa­ti­bi­li­tät durch ei­ne mas­sen­taug­li­che Ni­vel­lie­rung nach un­ten vor­aus­ei­lend zu un­ter­stel­len. Kul­tur wird zwar im­mer für Min­der­hei­ten sein, aber das Po­ten­ti­al wird der­zeit bei wei­tem nicht mehr aus­ge­schöpft.

Und viel­leicht wür­de dann das häss­li­che Wort von der Sub­ven­tio­nie­rung der Kul­tur ver­schwin­den. Schließ­lich kä­me ja auch nie­mand ernst­haft auf die Idee, die Auf­wen­dun­gen von Bund, Län­dern und Ge­mein­den für den Stra­ßen­bau als Sub­ven­ti­on für die Au­to­mo­bil­in­du­strie zu be­zeich­nen.

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Simp­le Minds
    »...Stadt­bi­blio­theks­aus­wei­se ver­teu­ern, Leih­ge­büh­ren ein­füh­ren bzw. er­hö­hen, Buch­neu­erschei­nun­gen ma­xi­mal nach der Best­sel­ler­li­ste aus­rich­ten, die Ba­de­tem­pe­ra­tur in den Schwimm­bä­dern um zwei Grad re­du­zie­ren oder viel­leicht ei­ne Ha­fen­rund­fahrt­zu­satz­steu­er ein­füh­ren. ...«
    Ob­wohl si­cher­lich lau­nig ge­meint, be­fürch­te ich, Sie brin­gen da manch’ schlich­te Ge­mü­ter in der Po­li­tik auf tol­le Ide­en.

  2. Manch­mal tun mir die Lo­kal­po­li­ti­ker ja wirk­lich leid: Sie müs­sen die Sup­pe aus­löf­feln, die ih­nen zwei an­de­re Ebe­nen ein­ge­brockt ha­ben. Ich ten­die­re im­mer mehr da­zu, die Macht­schalt­stel­le Bun­des­rat ab­zu­schaf­fen und die Ebe­ne »Län­der« auf rein re­prä­sen­ta­ti­ve Auf­ga­ben zu be­schrän­ken. Lan­des­par­la­men­te und -re­gie­run­gen ab­schaf­fen und da­für ei­nen Se­nat par­al­lel zum Bun­des­par­la­ment. Na­ja, ein wei­tes Feld.

  3. Vor­schlag. Idee. An­mer­kung.
    Ach­so, noch­was hab ich: Ih­re meist lan­gen Tex­te :-) las­sen sich be­stimmt leich­ter le­sen (es mir zu­min­dest leich­ter ma­chen) wenn die Zei­len nicht so lang wä­ren, z.B. hat bei Ih­nen ei­ne Zei­le zwi­schen 130 bis 140 Zei­chen; in ei­nem Buch sind’s nur et­wa 60 pro Zei­le und das liest sich tat­säch­lich leich­ter und bes­ser; man sucht nicht lan­ge die neue Zei­le, weil man ja »das Gan­ze« im Blick­feld hat. Denn so ganz doof wa­ren die Set­zer und Drucker da­mals ja nicht (sie­he auch noch heu­te: http://www.blog.druckerey.de). Viel­leicht den je­wei­li­gen Text in zwei Spal­ten tip­pen?

  4. Kei­ne Ah­nung wie so­was hier funk­tio­niert; mit Lay­out­ver­än­de­run­gen tu ich mich schwer, zu­mal ich das von Ih­nen be­schrie­be­ne Phä­no­men nicht wahr­neh­me. So ist mir die Schrift bei Nig­ge­mei­er schlicht­weg zu klein – und dann ver­grö­sse­re ich sie mir mit den ent­spre­chen­den Short­cuts.

    PS: Doch mal was ver­sucht. Bes­ser so?

  5. Dan­ke
    Huch? Das ging ja fix. DANKE! Oder ist das durch ir­gend­ei­nen die­ser my­ste­riö­sen Zau­ber­tricks nur bei mir so? Der Text der Sei­te ist PLÖTZLICH WUNDERBAR LESBAR!
    Ich ver­spre­che, ich le­se ab jetzt JEDEN Bei­trag hier. Auf je­den Fall mit mehr Ver­gnü­gen als zu­vor.

    A pro­pos »zu klei­ne Schrift«,
    ...da fällt mir ei­ne Ge­schich­te ein: Der in­zwi­schen al­te Herr, der von der Oden­wald­schu­le, Hart­mut von Hen­tig, der hat­te mal vor vie­len Jah­ren in der ZEIT ei­nen lan­gen ne­ga­ti­ven Ar­ti­kel über’s INTERNET ver­fasst. Sein »Haupt­ar­gu­ment« war, wenn ich’s rich­tig er­in­ne­re, dass man die Schrift in den mei­sten Web­sei­ten ja lei­der kaum le­sen kann, weil sie im­mer so klein sei.
    Zu der Zeit, vor 15 oder mehr Jah­ren, hat­te ich selbst noch we­nig Er­fah­rung mit Web­sei­ten, Brow­sern etc. — aber DAS wuss­te ich im­mer­hin (und ich schrei­be kei­ne Ar­ti­kel in der ZEIT): dass man mit ei­nem simp­len Klick die Schrift etc. je­der Web­site ver­grö­ßern und ver­klei­nern kann. Und die­ser – da­mals auch von mir – an­ge­se­he­ne Er­zie­her wet­ter­te in der ZEIT über ein Me­di­um, dass er ganz of­fen­sicht­lich gar nicht kennt?! ..und der zu­stän­di­ge Re­dak­teur der ZEIT auch nicht? Ich hab mich da­mals dar­über so stark ge­wun­dert und ge­är­gert (was schreibt der Trot­tel da? Im­mer­hin ist’s der an­ge­se­he und ver­ehr­te H. von Hen­tig!), dass ich’s heu­te noch er­in­ne­re: ein zwar sym­pa­thi­scher aber ah­nungs­frei­er Schön­geist.

  6. ...und, wie ge­sagt, ei­ne ah­nungs­lo­se Re­dak­ti­on (so­viel hat sich, glau­be ich, bei der ZEIT da nicht ge­än­dert...)


    Für die nur noch we­ni­gen, re­gel­mä­ssi­gen Le­ser tut man (fast) al­les.
  7. »Und viel­leicht wür­de dann das häss­li­che Wort von der Sub­ven­tio­nie­rung der Kul­tur ver­schwin­den. Schließ­lich kä­me ja auch nie­mand ernst­haft auf die Idee, die Auf­wen­dun­gen von Bund, Län­dern und Ge­mein­den für den Stra­ßen­bau als Sub­ven­ti­on für die Au­to­mo­bil­in­du­strie zu be­zeich­nen.«

    Öh. Was soll das denn sonst sein?

    Und selbst­ver­frei­lich ist der Aus­bau der Ems ei­ne Sub­ven­tio­nie­rung der Mey­er-Werft. Nur ist man mal mehr, mal we­ni­ger ehr­lich...
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    Zur Le­se­freund­lich­keit bei­tra­gen wür­de üb­ri­gens mei­ner Mei­nung nach, wenn die Gram­ma­tik- und Tip­feh­ler-Sorg­falt ge­nau­so hoch wä­re wie es Ih­rem In­tel­lekt ent­sprä­che, der mehr als ge­le­gent­lich auf­blitzt.

  8. Es gibt rechts ein Kon­takt­feld – da kann man mir Tip- und son­sti­ge Feh­ler mit­tei­len. An­son­sten: Ich bin kein Dienst­lei­ster. Und be­nut­ze Wor­te wie »selbst­ver­frei­lich« schon mal gar nicht.

  9. Ein sehr in­ter­es­san­ter Ar­ti­kel! Sie be­ob­ach­ten ge­nau, se­zie­ren und re­flek­tie­ren.
    Und Sie spre­chen mir aus der See­le, u.a. im Ab­satz „ Das schmut­zi­ge Ge­schirr...“. Hat doch im er­sten Au­gen­blick die Event­ka­ra­wa­ne als Ge­schäfts­idee Cha­ris­ma und bie­tet dem Kon­su­men­ten ein Pa­ra­dies ( nein, in Wirk­lich­keit ein Er­satz­pa­ra­dies!). Lei­der sind die gan­zen Un­ter­neh­men für den teil­neh­men­den Men­schen zu oft ober­flä­chig und be­die­nen pseu­do­f­röh­li­che Be­dürf­nis­se ( ich den­ke da auch an Ein­kaufs­pa­ra­die­se, Frei­zeit­park­pa­ra­die­se, Ur­laubs­pa­ra­die­se, ...).

    Das gro­ße Sze­na­rio ha­ben Sie ja oben be­schrie­ben, ich möch­te am Ran­de nur ein klei­nes Bei­spiel brin­gen, wie sehr Kul­tur und tra­di­tio­nel­le Wer­te in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten ( oder verändern/verschieben sich die tra­di­tio­nel­len Wer­te nur? ):
    Im letz­ten Jahr, kurz vor Chri­sti Him­mel­fahrt, schwärm­te ei­ne 21-jäh­ri­ge An­ge­stell­te in un­se­rem Be­trieb von dem frei­en Va­ter­tag, der be­vor­ste­hen wür­de. Ich frag­te sie, ob sie an Chri­sti Him­mel­fahrt et­was mit Freun­den un­ter­neh­men wür­de. Sie staun­te „Bau­klöt­ze“. Chri­sti Him­mel­fahrt? Den Be­griff ha­be sie noch nie ge­hört. Sie wür­de nur den Be­griff „Va­ter­tag“ ken­nen und da wür­de sie seit Jahr und Tag ku­li­na­ri­sche Ver­an­stal­tun­gen be­su­chen, al­les an­de­re sei ihr un­be­kannt. Da staun­te ich dann „Bau­klöt­ze“.
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    Auf Be­gleit­schrei­ben gibt es so gut wie kein Bei­trag, der mich nicht ir­gend­wie in­ter­es­sie­ren wür­de. Manch­mal sind Ih­re Ein­stel­lun­gen schon et­was lang, da le­se ich sie halt ein paar Ta­ge spä­ter, wenn bei mir mehr Zeit ist. Ei­ne ak­ti­ve Gesprächs/Diskussionsteilnahme fällt dann al­ler­dings häu­fig weg, steht ja auch schon der näch­ste Bei­trag auf der er­sten Sei­te ( den ich ja auch wie­der ger­ne „kon­su­mie­ren“ möch­te). LG lou-sa­lo­me