
Nach der Weltuntergangsdystopie Arson legt Laura Freudenthaler mit Iris nun einen Fast-Gegenwartsroman vor. Er ist bis auf seltene Ich-Passagen aus der Perspektive der in Wien lebenden Schriftstellerin Iris erzählt, die wie alle Protagonisten nachnamenlos bleibt. Die dreizehn Kapitel des Kurzromans sind, wie man dies inzwischen von Mathias Enard, Lászlo Krasznahorkai und András Visky kennt, als Langsatzprosa verfasst (nur einmal gibt es einen Doppelpunkt).
Der Roman beginn etwa 2019, es kommt die Covid-Pandemie vor, die Invasion Russlands der Ukraine im Februar 2022 und endet irgendwann danach. Iris ist in dieser Zeit sehr häufig auf Reisen; folgt Einladungen von Universitäten und Kulturinstituten von Chicago, New York, Rom, Neapel, Tirana, Breslau, Belgrad, Paris bis nach Bangalore und Goa. Wer mag, kann Parallelen zu Freudenthalers Engagements nachlesen; einige ihrer früheren Bücher wurden unter anderem ins albanische und serbische übersetzt. (Iris nahm allerdings nicht in Klagenfurt teil.)
Mit dem Fotografen Anton, ihrem Lebenspartner, unternimmt Iris Urlaubsreisen, ist in Venedig und auf Sizilien. Die beiden leben in einer offenen Beziehung. Sex mit Anton ist zumeist Maledom. Iris lässt sich dann beispielsweise die Augen verbinden und an eine Eisenstange fesseln. Oder mit einem Seil fesseln. Es gibt zwei, drei solcher Ereignisse, die erzählt werden. Iris hat auch bisweilen (sexuelle) Treffen mit anderen Männern. Antons Reisen und Affären kommen nicht vor. Am Ende will er für längere Zeit »fortgehen«.
