Go­ya und die Zeit­fä­den

Ein Künst­ler, der durch Be­harr­lich­keit, Un­be­irr­bar­keit und na­tür­lich durch Fleiß im Lauf der Jah­re im­mer bes­ser, tie­fer, dü­ste­rer wur­de. Bes­ser ist dü­ste­rer?

Ja. Viel­leicht nur durch Nach­denk­lich­keit, viel­leicht ist das die wich­tig­ste Ei­gen­schaft. Durch­drin­gung, das braucht Zeit, oft Jahr­zehn­te. Be­son­ders, wenn man aus ei­nem ab­ge­le­ge­nen Dorf stammt, wo es nichts zu se­hen gibt. Das muß man erst ein­mal ver­ste­hen: nichts zu se­hen.

Aber Die Er­schie­ßung der Auf­stän­di­schen ist doch ei­ne Art Ge­le­gen­heits­ma­le­rei, fast wie Jour­na­lis­mus, Il­lu­stra­ti­on der jüng­sten Er­eig­nis­se...

Francisco de Goya: "Die Erschießung der Aufständischen" - Francisco De Goya de España [Public domain], via Wikimedia Commons (Quelle)

Fran­cis­co de Go­ya: »Die Er­schie­ßung der Auf­stän­di­schen« –
Fran­cis­co De Go­ya de Es­paña [Pu­blic do­main], via Wiki­me­dia Com­mons (Quel­le)

Ja, aber ver­tieft, und da­zu ge­hört Vor­be­rei­tung. Viel­leicht brin­gen glück­li­che Um­stän­de die Zeit­fä­den zu­sam­men, time li­nes, sagt man heu­te, so daß ein Werk ent­ste­hen kann. Man­che Künst­ler brau­chen kei­ne Ent­wick­lung, sie sind von An­fang an die, die sie sind. Für die an­de­ren bleibt nur Ent­wick­lung, und die geht lang­sam, sie braucht Zeit. Die Er­schie­ßung über­schrei­tet als Kunst­werk die Zeit, sie zeigt die Sol­da­ten als be­lang­lo­se Mör­der, als un­ter­ge­ord­ne­te Graue Her­ren, als Funk­tio­nä­re, die das Le­ben be­herr­schen (und letzt­lich aus­rot­ten) wol­len, wo es sich nicht be­herr­schen läßt. Sie sind ge­fühl­los, ge­sichts­los, zei­chen­los. Für sie gibt es nur ein ein­zi­ges Zei­chen: Feu­er!

Am En­de, wenn ich dich rich­tig ver­ste­he, steht die schwar­ze Ma­le­rei. Das Berg­werk, in das der fein­füh­li­ge Künst­ler hin­ab­zu­stei­gen hat. Das voll­kom­me­ne, er­hel­len­de Dun­kel.

Aber kein chia­ros­cu­ro. Schwarz­ma­le­rei... Ja, so könn­te man sa­gen.

"Coloso de Goya" - Francisco De Goya de España [Public domain], via Wikimedia Commons (Quelle

»Co­lo­so de Go­ya« – Fran­cis­co De Go­ya de Es­paña [Pu­blic do­main], via Wiki­me­dia Com­mons (Quel­le)

© des Tex­tes: Leo­pold Fe­der­mair

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2 Kommentare zu »Go­ya und die Zeit­fä­den«:

  1. Vor vie­len Jah­ren wid­me­te sich ei­ne Aus­stel­lung in Wien dem gra­phi­schen Werk Go­yas, das mich seit­her nie (ganz) los­ge­las­sen hat: Im­mer wie­der er­in­ne­re ich mich dar­an. Da­ge­gen »ver­blasst« für mich die Er­schie­ßung der Auf­stän­di­schen, viel­leicht weil die Far­be ge­ra­de der Tie­fe, der Dü­ster­nis, in die Go­ya zwei­fels­oh­ne »ab­ge­stie­gen« ist, we­nig hin­zu­zu­fü­gen hat, ja ihr wo­mög­lich so­gar hin­der­lich ist.

    #1

  2. Leopold Federmair sagt:

    Es ist nicht nur die »Er­schie­ßung der Auf­stän­di­schen«, son­dern die gan­ze Se­rie der pin­tu­ra ne­gra, Go­yas Al­ters­werk, ein gan­zer Saal im Pra­do in Ma­drid. Un­end­lich vie­le Nu­an­cen in der Dü­ster­nis. »If you want it dar­ker...«

    #2

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