Jo­sef Wink­ler: Das Glück ist ein En­gel mit ern­stem Ge­sicht

Josef Winkler: Das Glück ist ein Engel mit ernstem Gesicht
Jo­sef Wink­ler: Das Glück ist ein En­gel mit ern­stem Ge­sicht

Ir­gend­wann ging es um die ak­tu­el­len Lek­tü­ren. Pe­ter Hand­ke las die Brie­fe von Stendhal. Und von Schil­ler. Be­son­ders je­ne, in de­nen Schil­ler schon von der Krank­heit ge­zeich­net sei. Und dann sah ich bei mir den seit ei­nem hal­ben Jahr im Re­gal der un­ge­le­se­nen Bü­cher ste­hen­den Ro­man Das Glück ist ein En­gel mit ern­stem Ge­sicht und sag­te, dass ich nur noch den Wink­ler ha­be. Hand­ke war so­fort ent­setzt. Das sei grau­en­haft, so kön­ne man doch nicht schrei­ben. Al­le wä­ren schuld, al­le bö­se, nur die Schwe­ster nicht. Er stock­te. Na­tür­lich kön­ne ich das le­sen. Aber wie der Wink­ler hier schrei­be, das sei »sehr un­ver­schämt«. Aber auch ge­konnt. Sehr ge­konnt. Aber er, Hand­ke, le­se dann doch lie­ber et­was we­ni­ger Ge­konn­tes. Ich sag­te noch, dass mich Men­schen­kind und der Acker­mann aus Kärn­ten da­mals be­wegt hät­ten, was ihn er­staun­te.

Aber Hand­ke ließ nicht mit sich re­den. Na­tür­lich weiß er, das Wink­ler ihn ver­ehrt und in die­sem neu­en Ro­man fin­den sich auch (gut ver­steckt) zwei Zi­ta­te von Über die Dör­fer (die am En­de er­wähnt wer­den zu­sam­men mit all den an­de­ren Zi­ta­ten bei­spiels­wei­se von An­na Ach­ma­towa, Rai­ner Ma­ria Ril­ke und Dscha­lal ad-Din Rūmī). Mit die­ser ri­go­ro­sen, mit An­er­ken­nung ver­se­he­nen Ab­leh­nung hat­te er mein In­ter­es­se ge­weckt.

Tat­säch­lich han­delt der neue Ro­man von Jo­sef Wink­ler von sei­ner fünf Jah­re äl­te­ren Schwe­ster Ma­ria, die am En­de ih­res Le­bens sie­ben Jah­re im »psych­ia­tri­schen Pfle­ge­heim in Möll­brücke, im Obe­ren Drau­tal, kei­ne zwan­zig Ki­lo­me­ter von ih­rem Hei­mat­ort Ka­me­ring ent­fernt« ver­brach­te. Die Er­in­ne­run­gen an die Schwe­ster, das Ver­hält­nis zwi­schen dem Ich-Er­zäh­ler Seppl und ihr bil­den das Ge­rüst. Aber oh­ne die Mo­ti­ve aus den ver­gan­ge­nen (Kamering-)Romanen, die in üb­li­cher, li­tan­ei­haf­ter Art und Wei­se vor­ge­tra­gen wer­den und den Er­zäh­ler und des­sen Emp­fin­dun­gen und Qua­len in den Mit­tel­punkt stel­len, kommt auch die­ses Buch nicht aus.

Hier wei­ter zum voll­stän­di­gen Text bei Glanz & Elend: »Aus­wei­tung der Kampf­zo­ne«.

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