Spre­chen Sie die mal an

Bei ei­ner Li­te­ra­tur-Ver­an­stal­tung in ei­ner Buch­hand­lung im Frie­denau­er Dich­ter­vier­tel sprach die Re­fe­ren­tin – ei­ne be­rühm­te Pro­fes­so­rin üb­ri­gens – so rhe­to­risch bril­lant wie un­ter­halt­sam über Tho­mas Mann und sei­ne Fa­mi­lie und er­wähn­te da­bei ei­nen Zi­geu­ner auf dem gel­ben Wa­gen. Das Pu­bli­kum be­stand ganz über­wie­gend aus jun­gen und we­ni­ger jun­gen Se­nio­rin­nen und Se­nio­ren be­sten, alt­ein­ge­ses­se­nen West­ber­li­ner Bildungsbürger­tums, so­wie Stu­die­ren­den der Li­te­ra­tur­wis­sen­schaf­ten, und et­li­che schie­nen ein­an­der zu ken­nen. Man war ein­ge­la­den und auf­ge­for­dert, nach dem Vor­trag zu dis­ku­tie­ren und Fra­gen zu stel­len. Ich frag­te nach dem »Zi­geu­ner«, er­fuhr, dass es sich um ein Zi­tat von Tho­mas Mann hand­le und er­wi­der­te, dass es schön ge­we­sen wä­re, wenn sie das Zi­tat kennt­lich ge­macht hät­te, weil der Be­griff »Zi­geu­ner« pro­ble­ma­tisch sei, wor­auf die Pro­fes­so­rin sich so­fort der näch­sten Wort­mel­dung zu­wand­te, die ein an­de­res The­ma be­traf.

Hin­ter­her schenk­te der Buch­händ­ler Wein aus, und ei­ne je­ner bil­dungs­bür­ger­li­chen jun­gen Se­nio­rin­nen pro­ste­te mir zu mit den Wor­ten, sie sei froh, dass ich das Zi­geu­ner-Zi­tat an­ge­spro­chen hät­te, denn das Zi­tat sei falsch. In Wahr­heit sei der Wa­gen grün und nicht gelb! Das kön­ne man nach­le­sen, sie wis­se es be­stimmt. Wir nipp­ten am Wein, sie trank wei­ßen, ich ro­ten. Auch dies sei si­cher ein in­ter­es­san­ter As­pekt, gab ich zu, je­doch sei es mir um et­was an­de­res ge­gan­gen, näm­lich um den Be­griff »Zi­geu­ner«, der … und wur­de un­ter­bro­chen da­mit, dass der Wa­gen aber wirk­lich grün …

Es dau­er­te gar nicht lan­ge, bis die Da­me von der fal­schen Far­be des Wa­gens ab­ließ, auf den sie aber nun auf­ge­sprun­gen und der in Fahrt ge­ra­ten war: »Sol­len wir et­wa ›Der Sin­ti-und-Ro­ma-Ba­ron‹ sa­gen!« schleu­der­te sie mir kamp­fes­lu­stig ent­ge­gen, dar­auf ich: »Um Got­tes Wil­len!«, und wie­der sie: »Na al­so!« und, ge­ra­de­zu tri­um­phie­rend, »Die Zigeuner­lieder, die wir in der Kind­heit ge­sun­gen ha­ben, sind nun ein­mal Zi­geu­ner­lie­der, auch wenn Sie da­mit nicht ein­ver­stan­den sind, und die Lie­der sind wun­der­schön!« Sie ließ kei­nen Zwei­fel dar­an, dass sie nicht im Traum dar­an dach­te, sich von ir­gend­je­mand das Wort »Zi­geu­ner« weg­neh­men zu las­sen, das füh­re näm­lich auch zu ei­ner Ver­ar­mung der deut­schen Spra­che. Ich hat­te ei­ne Hit­ze­wal­lung. Hät­te ich bloß nicht ge­sagt, dass das Wort »Zi­geu­ner« ei­ne Fremd­zu­schrei­bung ist, und hät­te ich sie bloß nicht ge­fragt, was es ei­gent­lich da­ge­gen ein­zu­wen­den ge­be, Leu­te bei ih­rem Na­men zu nen­nen, denn nun schüt­tel­te sie den Kopf und er­klär­te seuf­zend: »Die Zi­geu­ner ha­ben ein Iden­ti­täts­pro­blem. Die Ju­den ha­ben doch auch nach dem Krieg wei­ter­hin »Ju­den« hei­ßen wol­len. Das ha­ben sie aus­drück­lich so ge­sagt, und das hät­ten die Zi­geu­ner auch ma­chen müs­sen.«

Von den Pla­ka­ten, die zwi­schen den ober­sten Rei­hen der Buch­re­ga­le und dem ho­hen Pla­fond an der Wand an­ge­bracht wa­ren, blick­ten li­te­ra­ri­sche Grö­ßen der eu­ro­päi­schen Gei­stes­ge­schich­te auf uns her­ab. Den Hin­weis dar­auf, dass das Wort »Ju­de« kei­ne Fremd­zu­schrei­bung, son­dern ei­ne Ei­gen­be­zeich­nung wie »Sin­ti und Ro­ma« ist, hielt ich nun­mehr für ver­geb­lich und er­wog dar­um, ei­nen Skan­dal in Sze­ne zu set­zen. Das Um­feld war ge­eig­net, um die Stim­me et­was zu he­ben und zu er­klä­ren: »Al­so gut, wenn Sie ›nach dem Krieg‹ sa­gen und auf ›Zi­geu­ner‹ be­stehen, dann sa­ge ich ›nach der Shoa und nach dem Por­aj­mos‹ und be­stehe dar­auf, Sie mit je­ner Fremd­zu­schrei­bung zu nen­nen, mit der wir Deut­schen da­mals von der Welt­öf­fent­lich­keit be­zeich­net wur­den, und auch ein Schimpf­wort hän­ge ich an, weil das Wort ›Zi­geu­ner‹ im­mer auch als Schimpf­wort in Ge­brauch ist.« Hier­auf, oh­ne ihr Zeit für ei­ne Ent­geg­nung zu las­sen, und noch et­was lau­ter, so dass al­le es hö­ren wür­den, wür­de ich mich an den wirk­lich char­man­ten Buch­händ­ler wen­den: »Ent­schul­di­gen Sie, die­se Na­zischlam­pe hier möch­te noch et­was Weiß­wein nach­ge­schenkt ha­ben«, und dann wie­der zu ihr: »Wer Na­zi ist, be­stim­me ich, nicht wahr?«

Die Hit­ze­wal­lung ließ nach. Na­tür­lich tat ich es nicht. Ich un­ter­ließ es aus pu­rer Feig­heit, und weil ich be­fürch­te­te, dass sich al­le An­we­sen­den mit der selbst­er­nann­ten Zigeuner­baronin ho­no­ris cau­sa in ei­nem kol­lek­ti­ven Iden­ti­täts­pro­blem so­li­da­ri­sie­ren wür­den, und der Skan­dal so zum Ge­gen­teil sei­nes Zwecks ge­wor­den wä­re. Die­ser sekundenbruchteil­kurze Blick, mit dem mich vor­hin die Pro­fes­so­rin noch an­ge­se­hen, be­vor sie den Rent­ner rechts ne­ben mir zu sei­nem Re­de­bei­trag auf­ge­for­dert hat­te, war be­denk­lich ge­we­sen. Es hat­ten dar­in glei­cher­ma­ßen das Wis­sen um die Pro­ble­ma­tik und ei­ne ra­di­ka­le Verwei­gerungshaltung ge­le­gen, so als wol­le sie sa­gen: »Dar­über re­den wir nicht. Und schon gar nicht mit Leu­ten, die un­se­re Re­de­wei­se kri­ti­sie­ren, aber nicht ein­mal das Tho­mas-Mann-Zi­tat ken­nen.«

So­gleich soll­te ich es ken­nen­ler­nen, je­nes Tho­mas-Mann-Zi­tat, das die be­rühm­te Pro­fes­so­rin of­fen­bar auch nicht recht kann­te, denn es stell­te sich her­aus, dass der Wa­gen tat­säch­lich grün war.

Wie ei­ni­ge an­de­re Be­su­che­rin­nen und Be­su­cher der Ver­an­stal­tung auch, war ich in­zwi­schen nach drau­ßen ge­gan­gen, um ei­ne Zi­ga­ret­te zu rau­chen. Die kal­te, fri­sche Luft tat gut. Ich bat um Feu­er, und noch be­vor die an­de­ren die Bit­te über­haupt re­gi­striert hat­ten, nick­te, zeig­te mit dem rech­ten Zei­ge­fin­ger auf und griff mit der Lin­ken in die Ho­sen­ta­sche nach dem Feu­er­zeug ei­ne je­ner Stu­den­tin­nen der Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft. Wäh­rend sie mir die Flam­me an die Zi­ga­ret­te hielt, be­gann sie mit un­ge­heu­rer, ge­ra­de­zu zun­gen­bre­che­ri­scher Ge­schwin­dig­keit zu spre­chen: »Sie ha­ben doch vor­hin nach dem »Zigeuner«-Zitat ge­fragt …«, und dann brach ein Re­de­schwall auf mich nie­der, der sei­nes­glei­chen such­te.

Die Stu­den­tin war be­sorgt, Tho­mas Mann ge­gen den Vor­wurf der Sin­ti-und-Ro­ma-Feind­lich­keit zu ver­tei­di­gen, ob­gleich nie­mand die­sen Vor­wurf er­ho­ben hat­te. Es ging so­weit, dass ich ei­ne Zi­ga­ret­te dreh­te, in der Ab­sicht, sie ihr an­zu­bie­ten, um in dem Au­gen­blick, in­dem sie dar­an zog, ein­zu­ha­ken. Nichts de­sto trotz lern­te ich, dass das Zi­tat vom »Zi­geu­ner auf dem grü­nen Wa­gen« im Ba­jaz­zo und im To­n­io Krö­ger vor­kä­me, im Krö­ger leit­mo­ti­visch; dass der »grü­ne Wa­gen« kein Wa­gen und der »Zi­geu­ner« kein Mensch sei, bei­de sei­en rei­ne Me­ta­pher. Der »Zi­geu­ner« als Me­ta­pher. Und zwar als Me­ta­pher fürs Künst­ler­tum, für die ge­fahr­vol­le, un­or­dent­li­che Welt jen­seits ge­si­cher­ter und wohl­ge­re­gel­ter Bür­ger­lich­keit. Aus­bruch aus Nor­men, Frei­heit, Lust, Ri­si­ko, ge­speist von töd­li­chen Sehn­süch­ten und Äng­sten, die die wil­de­sten Fan­ta­si­en ins Kraut schie­ßen las­sen: Die Eli­te eu­ro­päi­schen Li­te­ra­ten­tums pro­ji­ziert ih­re Ab­grün­de. Das über­lebt kei­ner, und vor al­lem kei­ne von ih­nen. Sie müs­sen al­le ster­ben, sie ha­ben Glück, wenn sie bloß fal­len­ge­las­sen wer­den im Text. Na­tio­nal­dich­ter Goe­the, der al­te Ober­zi­geu­ner­li­te­rat, geht weit über die Schmerz­gren­ze pri­mi­tiv­sten An­stands­ge­fühls für die Wür­de mensch­li­chen Da­seins hin­aus. Die­ser Dreck – und sie ha­be Goe­the nur als Re­prä­sen­tant ge­nannt und ihn aus­ge­wählt, weil er Na­tio­nal­dich­ter sei – die­ser Dreck zieht sich als Ro­ter Fa­den durch die li­te­ra­ri­sche Hoch­kul­tur bis in die Ge­gen­wart und wirkt nicht nur ins so­zia­le Le­ben, son­dern wirk­te in der Ver­gan­gen­heit nach­weis­lich auch in die Recht-, man möch­te sa­gen Unrecht­sprechung hin­ein. Ich hielt ihr die Zi­ga­ret­te hin. Bei Tho­mas Mann aber ge­be es kei­ne bun­ten Kopf­tü­cher, kei­ne War­zen auf der Na­se und tief­schwar­zen Au­gen, kei­ne nack­ten Fü­ße, kei­ne Hüh­ner­die­be, Beu­tel­schnei­der, Wahr­sa­ge­rin­nen und Seil­tän­zer, kei­ne blit­zen­den Rin­ge an Fin­gern und gol­de­nen Kett­chen an brau­nen Häl­sen. Es wür­den kei­ne Kin­der ge­raubt, es wer­de nicht an­alpha­be­tisch ge­stam­melt, nicht ge­stoh­len, nicht ge­lo­gen, nicht se­xu­ell ver­führt, und vor al­lem: nicht ver­schwun­den. Nichts der­glei­chen. In Manns er­zäh­le­ri­schen Werk trä­ten »Zi­geu­ner« erst gar nicht auf.

Längst wa­ren die an­de­ren wie­der hin­ein­ge­gan­gen. Die Stu­den­tin und ich hat­ten die Schul­tern hoch­ge­zo­gen und tra­ten von ei­nem Bein aufs an­de­re. Es war doch ziem­lich kalt, wenn man so lan­ge stand, ein wär­men­des Zi­geu­ner­la­ger­feu­er, das wärs jetzt ge­we­sen, statt­des­sen der viel zi­tier­te Satz von Tho­mas Mann aus den Be­trach­tun­gen:

»Der Künst­ler ist und bleibt Zi­geu­ner, ge­setzt auch, es han­del­te sich um ei­nen deut­schen Künst­ler von deut­scher Kul­tur.«

Die Stu­den­tin er­ei­fer­te sich. Es sei be­zeich­nend, dass von die­sem Satz fast im­mer nur der An­fang zi­tiert und der zwei­te Teil un­ter­schla­gen wer­de! Mit dem zwei­ten Teil aber ver­keh­re Mann das Leit­mo­tiv deut­scher Zi­geu­ner­li­te­ra­tur, näm­lich die Ver­sto­ßung aus der Ge­sell­schaft, in ihr Ge­gen­teil. Oh­ne Deutsch­tum, kein »Zi­geu­ner­tum«. Das »Zi­geu­ner­tum« als deut­sches Kul­tur­pro­dukt: Die Ab­grün­de und Äng­ste der – wie wir heu­te sa­gen wür­den – Mehr­heits­kul­tur und eben nicht die tat­säch­lich hier le­ben­den Sin­ti und Ro­ma, für die sich Mann zu sei­ner Zeit al­lem An­schein nach kaum in­ter­es­siert ha­be.

Aus der Buch­hand­lung ka­men die er­sten Gä­ste her­aus, um nach Hau­se zu ge­hen, zwei äl­te­re Her­ren hiel­ten noch ein Schwätz­chen vor der Tür.

Das Pro­blem sei ei­gent­lich, fuhr die Stu­den­tin fort, dass man Ro­ma und Sin­ti fälschlicher­weise für Zi­geu­ner hal­te, ob­wohl Zi­geu­ner in Wahr­heit nichts an­de­res sei­en, als un­se­re Lei­chen im Kel­ler, ko­stü­miert als Mi­gnon, Zi­geu­ner­ba­ron oder Car­men, und be­deckt von der Asche aus den Öfen der La­ger.

Die äl­te­ren Her­ren ver­ab­schie­de­ten sich, und dann ging je­der in ei­ne an­de­re Rich­tung da­von.

Letzt­end­lich müs­se man sa­gen, so die Stu­den­tin: »Wir nen­nen un­ser Iden­ti­täts­pro­blem ›Zi­geu­ner‹«, nur müs­se man da­bei ir­gend­wie ge­währ­lei­sten kön­nen, dass es nicht wie­der auf die Sin­ti und Ro­ma über­tra­gen wer­de, man ha­be ja ge­se­hen, wo das hin­führt.

Die äl­te­ren Her­ren wa­ren ver­schwun­den, je­der um ein an­de­res Eck.

»Ich muss jetzt auch ge­hen«, sag­te ich, »nur eins noch, die­se Da­me da­hin­ten, die in dem le­ge­ren Ko­stüm, ja, ge­nau die, mit der hab ich vor­hin auch ganz kurz über die­ses The­ma ge­spro­chen, die ist fürch­ter­lich in­ter­es­siert, spre­chen Sie die mal an.«



Wei­ter­füh­ren­de Li­te­ra­tur:
– »Da­sein als Staf­fa­ge – Zur li­te­ra­ri­schen In­sze­nie­rung der ›Zi­geu­ner‹« Ra­dio­fea­ture von Bea­te Ziegs (PDF):
http://www.dradio.de/download/143164/
– »In­sze­nie­rung des Frem­den. Fo­to­gra­fi­sche Dar­stel­lung von Sin­ti und Ro­ma im Kon­text der hi­sto­ri­schen Bild­for­schung« Hg.: Sil­vio Pe­ri­to­re und Frank Reu­ter:
http://www.sintiundroma.de/uploads/media/TagungsbandEnd.pdf
– »Eu­ro­pa er­fin­det die Zi­geu­ner« von Mi­cha­el Bog­dahl:
http://www.suhrkamp.de/buecher/europa_erfindet_die_zigeuner-klaus-michael_bogdal_42263.html

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15 Kommentare zu »Spre­chen Sie die mal an«:

  1. en-passant sagt:

    Das ha­be ich jetzt in­ter­es­siert ge­le­sen, weil ich mich neu­lich sel­ber dar­um be­müht hat­te her­aus­zu­fin­den, ob ich in ei­ner Er­zäh­lung Zi­geu­ner noch „Zi­geu­ner“ nen­nen durf­te.

    Ich habs dann ge­tan, nicht nur, weil „Sin­ti und Ro­ma“ die gan­ze Sa­che in ei­nen fal­schen An­klang zu die­ser Kor­rekt­heits­höl­le ge­bracht hät­te, in der ir­gend­wel­che Alt­tä­ter an­schei­nend zu­recht schmo­ren ne­ben den Neu­en, die es bes­ser ma­chen woll­ten (et­wa ent­spre­chend der Aly-The­se mit den Na­zis und der RAF). Son­dern auch, weil ich da­bei mei­ne ei­ge­nen – ich bin un­schul­dig!, nach den ein­gän­gi­gen Dia­lek­tik-Pi­rou­et­ten al­so um­so schul­di­ger ob­wohl mir mit die­sem Ge­dan­ken er­laubt wird, ihn schein­bar zu durch­blicken – weil ich al­so in der Ge­schich­te mei­nen ei­ge­nen Ab­grund mal kurz auf­klaf­fen las­sen woll­te. Ja, ich brauch­te mal kurz den Zi­geu­ner als das An­de­re mei­ner selbst! (Ich ha­be es dann aber auch wie­der zu­rück­dre­hen müs­sen, weil es ge­wis­se an­de­re, nicht mehr kon­trol­lier­ba­re Ef­fek­te im Text ge­habt hät­te. In­ter­es­sant!)

    Klei­ne Ab­schwei­fung: Die mei­sten der Zeit­ge­nos­sen ha­ben sich so sehr dar­an ge­wöhnt, dass die Spra­che lügt – „die Po­li­ti­ker“ lü­gen, die Eli­ten lü­gen, die Re­kla­me lügt, die Nach­rich­ten lü­gen… und ei­gent­lich je­der, der ein In­ter­es­se zu über­zeu­gen hat, lügt so­wie­so –, dass es manch­mal so ei­nen Rück­griffs­ef­fekt gibt auf die al­te, ver­meint­lich un­ver­fälsch­te­re Spra­che. Die ist na­tür­lich nicht wahr­haf­ti­ger und nie ge­we­sen, sie scheint nur durch Ge­brauch und Be­har­rung ge­klär­ter. Aber der Ef­fekt wirkt trotz­dem.

    („Haut mir bloß ab mit die­sem Ver­dre­her-Scheiß: Ich wer­de ei­nen Dreck­sack ei­nen Dreck­sack nen­nen.“ Das kann in ei­ner Knei­pe dann schon mal ei­ge­ne Über­zeu­gungs­kraft ha­ben, ob­wohl es nach al­len Re­geln der Höf­lich­keit und bes­se­ren Ein­sicht falsch ist. Ich sel­ber ge­he üb­ri­gens fast nie in Knei­pen, auch we­gen sol­cher Ver­ge­mein­schaf­tungs­ef­fek­te. Zu ei­nem sol­chen Pro­fes­so­rin­nen-Vor­trag wür­de ich al­ler­dings auch nicht ge­hen. Viel­leicht müss­te man über­haupt so man­ches Wis­sen wie­der schlie­ßen.)

    Dem Volk al­so eins aufs Maul? Das wä­re fa­tal. „Die Wahr­heit“ – ge­dacht als „Re­fe­renz“ (et­wa auch: sich in ei­nem sprach­li­chen Werk dar­auf zu be­zie­hen) – , die Wahr­heit al­so und nicht de­ren pa­the­ti­schen Kon­struk­tio­nen, wird im­mer noch zwi­schen Men­schen aus­ge­han­delt und wie sie re­den. (Was na­tür­lich sei­ner­seits et­was pa­the­tisch, das heißt auch wie­der ein biss­chen Lü­ge ist. Aber oh­ne die klei­nen Falsch­hei­ten kä­men wir ja zu nix – nicht ein­mal an An­nä­he­run­gen, was sie denn mein­te, er­reich­ten wir sie. Und so, mit der An­stren­gung, wird sie dann im­mer öf­ter egal.)

    Die­se Kon­struk­tio­nen des Ei­ge­nen aus dem An­de­ren, aus Pro­jek­tio­nen und Zu­schrei­bun­gen sind na­tür­lich ei­ne schicke Selbst­läu­fer­ma­schi­nen. Je­der braucht sei­nen Zi­geu­ner (sei­nen Ne­ger, sei­nen Deut­schen, die jü­di­sche Welt­ver­schwö­rung etc.) – man dankt es de­nen nur nicht. Will sa­gen, das An­de­re kann eh nie zu En­de be­stimmt wer­den. Nur wer­den die­se dia­lek­ti­schen Pi­rou­et­ten da­hin auch nie so rich­tig gän­gig, sie lau­fen und lau­fen… und nicht zu­letzt, weil es bald neue gibt, macht man sie ir­gend­wann nicht mehr mit. Die Leu­te, die un­ter­ein­an­der un­be­irrt „Zi­geu­ner“ sa­gen, wis­sen al­le, was ge­meint ist, und das hilft so­weit. Die Kom­pli­zie­run­gen bräch­ten ih­nen kei­ne Ver­bes­se­rung. Nur neue Sprach­re­ge­lun­gen, de­ren Sinn nicht nach­voll­zo­gen wird.

    Selbst wenn das ak­tu­ell Rich­ti­ge tat­säch­lich bes­ser wä­re als das gest­ri­ge Rich­ti­ge: Wir müs­sen ja auch noch be­den­ken, dass nicht schon wie­der die Deut­schen die Kor­rekt­heits-Klas­sen­be­sten sein w/sollen dar­an zu ge­ne­sen, und die ei­ge­nen bes­se­ren Ein­sich­ten auf­zu­zwin­gen. Wohl­ge­merkt, die mö­gen ver­nünf­tig er­schei­nen, aber – sie­he et­wa „die En­er­gie­wen­de“ -, in­dem wie­der die Lüg­ner, al­so längst dis­kre­di­tier­te Ver­däch­ti­ge dar­über be­stim­men, wer sie be­zahlt, läuft dar­an wie­der et­was falsch. Und wer kann die be­han­del­ten Kom­pli­ziert­hei­ten je wirk­lich durch­blicken?

    Al­le Kri­tik am Men­schen läuft dar­auf hin­aus, ihn „an sich“ zu än­dern. Wahr­schein­lich ist da­für in ei­ner Ge­sell­schaft wie un­se­rer so­gar höch­ste Zeit. Aber na­tür­lich ge­biert der rich­ti­ge Ge­dan­ke dann wie­der x fal­sche. Und man weiß ja auch, dass das Bes­se­re das Schlim­me­re mit sich bringt und wer kann das wol­len? Und so wei­ter.

    Wenn wir Tho­mas Mann um­schrei­ben, wer­den wir ihn auch nicht mehr ha­ben, um dar­an un­ser frü­he­res fal­sches Selbst zu er­ken­nen. Mei­ne ei­ge­ne Ver­däch­tig­keit be­hält ihn dann lie­ber, so­zu­sa­gen als ei­nen ih­rer Lieb­lings­zi­geu­ner.

    #1

  2. S. U. Bart sagt:

    @ en-pas­sant: Ich möch­te nur kurz et­was zu der Kor­rekt­heits­höl­le sa­gen, die Sie in Ih­rem Kom­men­tar na­ment­lich er­wäh­nen. Es ist über­aus an­ge­nehm dort, aus dem ein­fa­chen Grun­de, weil man vor Dis­kri­mi­nie­run­gen si­cher ist, und das so­gar dann, wenn man dem herr­schen­den Teil der Mehr­heit an­ge­hört. Be­su­chen Sie uns doch ein­mal. Sie wer­den es ge­nie­ßen.

    #2

  3. Auch wenn ich nicht ge­meint bin: Nein, ich möch­te der Ein­la­dung in die Kor­rekt­heits­höl­le nicht fol­gen. Neu­lich ha­be ich ein Kri­ti­ker­ge­spräch über Ja­mes F. Coo­pers »Der letz­te Mo­hi­ka­ner« ge­hört. Das Buch ist neu über­setzt er­schie­nen und wie ne­ben­bei lob­te der Kri­ti­ker, dass die neue Über­set­zung Be­grif­fe wie »Halb­blut« nicht mehr ver­wen­de. Das ist na­tür­lich sehr kor­rekt. In der schrift­li­chen Be­spre­chung ist die­ser Hin­weis lei­der nicht ent­hal­ten. Es ist ja be­kannt, dass Mark Twain in den USA jeg­li­cher N-Wör­ter ent­le­digt wur­de, ob­wohl ge­ra­de die­se Dis­kri­mi­nie­run­gen in sei­nem »Huck­le­ber­ry Finn« ei­ne nicht ge­rin­ge Rol­le spie­len (ein­fach als Chro­nik der Zeit).

    Als Hand­ke in »Lang­sa­me Heim­kehr« 1979 sei­nen Prot­ago­ni­sten auf der er­sten Sei­te mit ei­nem »Be­dürf­nis nach Heil« auf die Rei­se schick­te, stöhn­te das Feuil­le­ton da­mals ob der Ver­wen­dung die­ses Be­griffs auf. Wie kann man nur die­ses durch die Na­zis in­kri­mi­nier­te Wort so­zu­sa­gen po­si­tiv ver­wen­den? Hand­kes Ge­dan­ke ist der Um­ge­kehr­te: Er will die Be­grif­fe den­je­ni­gen, die sie für ih­re Ver­bre­cher­ideo­lo­gie miß­braucht ha­ben, wie­der ent­rei­ssen in dem er sie neu und an­ders »be­setzt«. Das ist na­tür­lich an­stren­gen­der als ein­fach nur Wör­ter strei­chen. Wenn man Klem­pe­rers »LTI»gelesen hat, fällt dies zu­nächst schwer, aber mit Ver­bots­li­sten durch die Welt zu ge­hen, emp­fin­de ich ir­gend­wann nur noch lä­cher­lich. Der Sprach­ge­brauch muss im je­wei­li­gen Kon­text be­ur­teilt wer­den.

    Da kann dann na­tür­lich auch »Ju­de« pe­jo­ra­tiv ge­meint sein, ob­wohl es viel­leicht for­mal stimmt. Mein Va­ter (Jahr­gang 1913) spiel­te im­mer die­ser sprach­li­chen Kipp­fi­gur. Wenn er im Fern­se­hen je­man­den sah und be­merk­te, dass die­ser ein Ju­de sei und dann mei­ne Mut­ter ein­schritt und mein­te, das sei doch un­wich­tig, heu­chel­te er, uns nur ei­ne In­for­ma­ti­on ge­ge­ben zu ha­ben.

    Na­tür­lich sind Be­grif­fe wie »Zi­geu­ner« oder »Ne­ger« noch stär­ker kon­ta­mi­niert, weil sie zu­meist die Ver­ächt­lich­ma­chung in sich tra­gen. Die USA zei­gen aber, dass Ver­bo­te die Ge­sin­nung der Ge­sell­schaft nicht än­dern. Die ras­si­sti­schen Vor­be­hal­te sind dort nur an der Ober­flä­che ver­schwun­den; es schwelt wei­ter, wie man am Wahl­kampf um die US-Prä­si­dent­schaft ein biss­chen se­hen konn­te. Auch sonst kommt man mit Ame­ri­ka­nern (auch den ver­meint­lich pro­gres­si­ven New Yor­kern) im Ge­spräch schnell auf ste­reo­ty­pi­sche Aus­sa­gen. Die Afro-Ame­ri­ka­ner sind zum Teil längst wei­ter und spie­len mit den Wort­zäh­lern (das hier ist ja auch in­zwi­schen fast be­rühmt).

    #3

  4. S. U. Bart sagt:

    Al­so in der Kor­rekt­heits­höl­le gibt es kei­ne ver­bo­te­nen Wör­ter, son­dern das Ge­bot der Auf­merk­sam­keit für die Wort­wahl, bei der na­tür­lich der Kon­text mit ent­schei­dend ist. Und wenn je­mand in der Kor­rekt­heits­höl­le sagt: »Leu­te, seid so gut, nennt mich nicht Zi­geu­ner, Ne­ger, etc..« dann hält man sich halt dran, und das tut auch gar nicht weh. Es geht ei­gent­lich nur dar­um, nie­mand zu krän­ken. Das ist al­les.

    Ob man al­te Wer­ke um­schrei­ben soll oder nicht, wird in der Kor­rekt­heits­höl­le lei­den­schaft­lich dis­ku­tiert. Gut, dass man dar­über mal re­det. Ich per­sön­lich fän­de es am schön­sten, wenn man sie las­sen wür­de und et­was Lie­be dar­ein steck­te, sie so zu prä­sen­tie­ren, dass kein Raum für Miss­ver­ständ­nis­se bleibt. Ob das aber nun in je­dem Fall das rich­ti­ge, oder we­nig­stens sinn­voll wä­re, kann ich nicht be­ur­tei­len.

    #4

  5. In­ter­es­sant, dass in dem Text ei­gent­lich al­le an ein­an­der vor­bei­re­den, sich kein Kon­sens er­gibt, auf dem ein Ge­spräch in sei­nem Wort­sinn statt­fin­den kann, ob­wohl oder ge­ra­de weil al­le Per­so­nen von der The­ma­tik (in ei­ner an­de­ren Wei­se) be­trof­fen sind.

    —-

    Be­lei­di­gung oder Be­lei­digt­sein kann, wie Herr Man­gold un­längst im Deutsch­land­ra­dio sehr rich­tig be­merkt hat, in ei­nem ab­so­lu­ten Sinn (!) nur für Kin­der Gel­tung ha­ben: Von ei­nem Er­wach­se­nen darf man an­neh­men, dass er (we­nig­stens) in ei­nem Fall von Zwei­fel re­flek­tie­ren kann, dass Wör­ter von ver­schie­de­nen Per­so­nen in ver­schie­dent­li­cher Ab­sicht ge­braucht wer­den und ih­re Be­deu­tung kei­nes­wegs fest­ge­setzt ist. Nicht nur acht­ge­ben was man sagt, das soll­te man ei­gent­lich im­mer, fast im­mer je­den­falls, son­dern auch dar­auf, was wie ver­stan­den wird (und wer­den kann).

    Manch­mal kommt mir die­se Art der Kor­rekt­heit schon fast wie Ver­drän­gung vor, et­wa hi­sto­ri­scher Ge­ge­ben­hei­ten oder, dem Bei­spiel in der Knei­pe fol­gend: Ist es nicht selbst in der Öf­fent­lich­keit manch­mal bes­ser zu wis­sen was je­mand tat­säch­lich denkt? Zu be­den­ken wä­re, dass das we­der Nar­ren­frei­heit noch Kon­se­quenz­lo­sig­keit für des­sen Tun be­deu­tet.

    #5

  6. Michael Weidler sagt:

    mir ist, als wä­re ich da­bei ge­we­sen.

    #6

  7. Köppnick sagt:

    Ein sehr schö­ner Text.

    Es ist in­zwi­schen gut be­legt, wie Sprach­ge­brauch (u.a. die Wort­wahl) das Den­ken und Han­deln be­ein­flusst. Hier ein biss­chen sen­si­bel zu sein, scha­det al­so nicht. Der­zeit scheint das Pen­del aber ge­ra­de nach der an­de­ren Sei­te aus­zu­schla­gen – in Rich­tung ei­nes über­kor­rek­ten (und mei­stens ul­tra­femi­ni­sti­schen) Sprach­ge­brauchs. »Ne­ger« kommt ja hier­zu­lan­de kaum vor und auch um den Ge­brauch des Wor­tes »Ju­de« drückt man sich (bzw. ich mich) nach Kräf­ten. Aber dass an der Uni an mei­nem Hei­mat­ort »Stu­den­ten« ein Un­wort ist und nur noch »Stu­die­ren­de« ge­nehm sind, das hat schon reich­lich skur­ri­le Zü­ge.

    #7

  8. @Köppnick
    Hin­zu kommt noch, dass die Wör­ter Stu­dent und Stu­die­ren­der se­man­tisch nicht deckungs­gleich sind.

    #8

  9. S. U. Bart sagt:

    Dies er­klärt hier: http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachstruktur/2011–12-14/frauen-natuerlich-ausgenommen der Sprach­wis­sen­schaft­ler A. Ste­fa­no­witsch und an die­ser Stel­le gibt es auch ein Vi­deo da­zu

    #9

  10. Um dann noch ein paar Links mehr zu set­zen: Hier der zum Lo­go­kla­sten Ste­fa­no­witsch auf die­sem Blog. Und hier zu ei­nem pro­vo­ka­ti­ven Text von Al­ban Ni­ko­lai Herbst.

    (Das al­les er­in­nert mich ein biss­chen an die Sen­dun­gen von Ra­dio Ti­ra­na in deut­scher Spra­che in den 1970er Jah­ren.)

    #11

  11. herr.jedermann sagt:

    Da ha­be ich auch noch ei­nen.

     

    #12

  12. Fritz sagt:

    Erst­mal: Ei­ne sehr schö­ne er­zäh­len­de Be­richt­erstat­tung. Sie wirft ein Licht auf die Fra­ge, wie ei­nen al­le Kul­tur, Sen­si­bi­li­tät und Klug­heit nicht per se zum Men­schen­freund macht.
    Ähn­lich ist es auch mit den Wör­tern und den Be­zeich­nun­gen. Der Wett­lauf ge­gen die As­so­zia­tio­nen geht im­mer ver­lo­ren, so­lan­ge die Ge­mein­heit an­hält. In den USA gibt es in­zwi­schen ei­ne re­gel­rech­te Tra­di­ti­ons­ket­te der Um­be­nen­nun­gen: von nig­ger zu ne­groe zu black zu co­lou­red peop­le zu di­ver­si­fied ... doch auch das di­ver­si­fied wird ir­gend­wann nicht mehr nichts­sa­gend ge­nug sein und man sucht ein neu­es, noch all­ge­mei­ne­res Be­deu­tungs­neu­trum. Das hilft nur nichts, wenn die al­ten As­so­zia­tio­nen sich nicht auf­lö­sen, son­dern sich im­mer bald wie­der an die neu­en Wör­ter an­hef­ten. »Er ist eth­nisch di­ver­si­fi­ziert« ist dann das neue »He’s a black per­son«. Wenn wir al­le die Sin­ti bis in un­se­re Träu­me hin­ein nur noch Sin­ti nen­nen wür­den – was hilft es, wenn wir im­mer noch den­ken, der Künst­ler sei doch so ei­ne Art Sin­ti und »die Lie­be ist ein Sin­tikind, nie hat sie ein Ge­setz ge­kannt«? Das macht den Sprach­kampf ei­ner­seits zu et­was, das dem Kampf des Ober­leh­rers um das kor­rek­te Deutsch äh­nelt, an­der­seits – und das ha­ben sie schön ge­schil­dert – darf man nicht auf­hö­ren, den Schutz­zaun um die­se As­so­zia­tio­nen zu stö­ren, denn erst dann wer­den »wir« (als Sprach­ge­mein­schaft) uns der Bar­ba­rei­en be­wusst, die hier und dort mehr oder min­der of­fen mit­ge­schleppt wer­den durch die Jahr­hun­der­te. Aber das ei­gent­li­che Elend sind nicht die Wör­ter, son­dern die As­so­zia­tio­nen, die Vor­ur­tei­le, die Au­to­ma­tis­men. Das heißt auch, dass 2 Leu­te Zi­geu­ner sa­gen kön­nen und da­bei ganz un­ter­schied­li­che Vor­stel­lun­gen ha­ben. Je­mand wie Tho­mas Mann er­träumt sich dar­in We­sens­freun­de des un­bür­ger­li­chen Künst­lers, ein an­de­rer denkt »schmut­zig, Bett­ler, Be­trü­ger, Ta­schen­die­be«. Ähn­lich ist es mit dem Be­griff »schwul«, der in­zwi­schen glei­cher­ma­ßen men­schen­feind­lich wie ganz neu­tral und an­ti-men­schen­feind­lich ge­meint sein kann. Gibt vie­le sol­cher Wör­ter, die hef­tig os­zil­lie­ren kön­nen. Für Schrift­stel­ler —die Kern­auf­ga­be beim Schrei­ben, die Assoziations(ge-)schichten stän­dig im Au­ge zu ha­ben.

    #13

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  14. Klaus sagt:

    A pro­pos Mark Twain:
    Der wur­de in sei­nem Le­ben zwei­mal in Sa­chen »N.« zen­siert (und 100 Jah­re nach sei­nem Tod zum drit­ten Mal).
    Lu­stig und vor al­lem: ent­lar­vend! ist, dass die Zen­sur da­mals zu­erst sein of­fen­sicht­li­ches Wohl­wol­len dem »Nig­ger« ge­gen­über ganz ganz pö­se fand. Spä­ter dann war’s um­ge­kehrt: Der N. wur­de der Zen­sur nicht po­si­tiv ge­nug dar­ge­stellt und über­haupt darf man ja nicht mehr »Nig­ger« schrei­ben.
    .
    Oder war’s zeit­lich an­ders­rum?
    Egal. Haupt­sa­che die Ste­fa­no­witschs die­ser Welt ha­ben was zu meckern, sor­ry: zu tun.

    #14