He­le­na Ad­ler: Die In­fan­tin trägt den Schei­tel links

Helena Adler: Die Infantin trägt den Scheitel links

He­le­na Ad­ler: Die In­fan­tin trägt den Schei­tel links

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Über­ra­schend dann: Die Lek­tü­re, die­se dau­er­plap­pern­de, syn­äs­the­ti­sche Ich-Er­zäh­le­rin mit ih­ren hy­per­ven­ti­lie­ren­den Wahr­neh­mun­gen strengt an. Fast je­der Satz von He­le­na Ad­ler schnei­det, beißt, trifft. Aber man täu­sche sich nicht: Wo an­de­re mit Re­pe­ti­tio­nen ar­bei­ten, wo die Zorn in blin­de Wut ge­rinnt, ist hier al­les un­ter Kon­trol­le. Und gleich­zei­tig in Auf­ruhr. Eben wa­ren die Ur­groß­el­tern noch der Alp­traum, leicht müf­felnd, gei­zig, er­starrt in ih­ren Ri­tua­len – dann, we­ni­ge Sei­ten spä­ter, wird ihr Tod be­trau­ert, die »leib­haf­ti­ge Groß­mut« des Ur­groß­va­ters ge­rühmt, die Schuld­kom­ple­xe beim Tod der Ur­groß­mutter her­vor­ge­holt (das Kind hat­te die Alarm­vor­rich­tung am häus­li­chen Kran­ken­bett nach dem drit­ten Schlag­an­fall ab­ge­schal­tet) und dann wer­den Zeit­split­ter von Wohl­be­ha­gen evo­ziert, gip­felnd in ei­ne un­ter­grün­di­ge Zeit­kri­tik, die man gar nicht er­war­tet hät­te: »Sie bun­kern und hor­ten, sie sam­meln und ar­chi­vie­ren. Sie sta­peln Kon­ser­ven­do­sen und lie­ben das Wort, denn ih­re Er­in­ne­run­gen sind in ih­ren Köp­fen kon­ser­viert wie in Do­sen. Sie fal­ten Pla­stik­sackerl und sam­meln Himbeeren…Sie be­sit­zen fast nichts, aber die­ses We­ni­ge ist so viel wert, dass es mehr ist als al­les, was die Mo­der­ne an Über­fluss her­vor­bringt oder die Zeit an Fort­schritt.« [...]

Den gan­zen Bei­trag »Ei­ne sprach­ge­wal­ti­ge Re­bel­lin« hier bei Glanz und Elend le­sen

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