Zukunft

Der Song von David Bowie, der sich in meinem Kopf drehte, mit Worten in der Art von

wir standen vor der Wand
und küßten uns, als könnte nichts fallen
während die Gewehrkugeln über unseren Köpfen pfiffen
aber die Schande (Scham?) fiel auf ihre Seite…

weckte Bilder von Goya im Kopf.

Worte und Töne und Bilder wanderten Hand in Hand, schwebten auf die pummeligen Kirschbäume zu, an ihnen vorbei, durch die unscheinbare, bald endlose Allee: Können wir trotz allem Helden sein? Sollen wir uns küssen?

Küssen? Helden spielen?

Auf dem Gesicht des in der nächsten Sekunde Füsilierten stand nichts als der – what you’d say – blanke Schrecken, und das Bild nahm die Farbtöne jener anderen, viel späteren, endgültigeren Bilder an, der schwärzlichen, gestaltlosen Bilder, wo sich die grotesken, schon deformierten Leiber und Gesichter diverser Altersklassen in die Erde, den Himmel, die Wand hinein verflüchtigen und Spuren hinterlassen würden, die wir, die Nachgeborenen (Gebildeten, Geschichtsbewußten…) vergeblich zu dechiffrieren versuchen:
                    Stein? Hund? Mensch?

Ein neues Kinderspiel.


© Leopold Federmair

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Ein Kommentar zu »Zukunft«:

  1. die_kalte_Sophie sagt:

    Eine gute Frage, vorallem an das fortgeschrittene Alter: Was ist wenn man das Zartgefühl verliert?! Hat dann die Brutalität gewonnen?!
    Ich meine die Gefahr ist groß, und jeden der sich erfolgreich dagegen wehrt, kann man ohne falsches Pathos einen Helden nennen.
    Bemerkenswert in diesem Zusammenhang die Alterslosigkeit von David Bowie… Als ob die Gefahr ein permanenter Begleiter wäre, und nur der alterslose Künstler der Herausforderung gewachsen ist.
    Ein Kinderspiel?! Das wollte man den Kindern, den künftigen Alterslosen doch am liebsten ersparen…

    #1

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