Rezension

Dieses dünne Buch mit dem schmucklosen, früher vielleicht lachsrosafarbenen, jetzt nur noch verjährten Einband hat ein halbes Jahrhundert in den schwach belüfteten Tiefen einer Bibliothek auf dich gewartet, in fremder, verständnisloser Umgebung, Tausende Kilometer von seinem Entstehungsort entfernt. Aus der Gruft befreit, gewinnt es im Handumdrehen seine kindliche Spielfreude zurück: »Fang mich, such mich, ich bin der Wind!« Und du darfst lange darin suchen, bis du in dem kleinen Labyrinth, das dem großen Labyrinth der Bibliothek eine lange Nase dreht, endlich auf die dir bestimmten Sätze stößt: »Es war eine Nebelnacht, und wir kreuzten uns. Jeder von uns ging weiter, aber in entgegengesetzte Richtungen. Es ist wie ein Schlaf, von dem man nicht erwacht, und wacht man endlich auf, findet man nicht zu sich selbst zurück. Es ist wie ein Schlaf, der einem die Lider zudrückt, auch wenn die Lichter tanzen.«

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