Do-It-Yourself

Was der Spiegel übersieht.

Die ganze Diskussion erinnert mich fatal an das Aufkommen der »Do-It-Yourself«-Bewegung, die in Deutschland irgendwann Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre durchbrach. Kern war ja nicht, dass jemand in seinem Häuschen oder Wohnung kleinere Reparaturen vornahm oder der heute noch teilweise in Dörfern praktizierte »Austausch« von Fertigkeiten untereinander (der Schreiner hilft dem Fliesenleger und vice versa).

Hingabe und engagiertes Tun

Es ging um die Ermöglichung einer Autarkie von dem, was (1.) viel Geld kostete und (2.) dann doch qualitativ hinter dem zurückfiel, was man sich vorstellte. Im Wirtschafts­wunderland wurde seinerzeit oft genug handwerklich unzureichend gearbeitet (inzwischen werden die ersten Bauten, in den 60er Jahren hastig errichtet, abgerissen). Handwerker sein hiess damals: Man hatte keine Zeit – und nicht genug Fachkräfte. Der Wohnungs- oder gar Häuslebesitzer war mit dem angebotenen nicht mehr zufrieden. Der Heimwerker wurde erschaffen – anfangs belächelt, später wenn nicht bewundert, dann geachtet. Und wie so oft wurde der Trend vom Fernsehen aufgegriffen – und massen­kompatibel gemacht. »Vollendet« wurde diese Entwicklung durch die Baumärkte, die dieses Konzept perfekt umsetzten, in dem sie alle Produkte für den Massenverkauf zur Verfügung stellten.

Man erinnere sich an das Lamento der alteingesessenen Handwerker. Der Amateur imitierte und kopierte ihre Fertigkeiten. Was sie mit routinierter Lieblosigkeit machten, erledigte der dilettierende Heimwerker mit Hingabe (und also besser!). Richard Sennett definiert in seinem Buch »Handwerk« Handwerker als Menschen die ihrer Arbeit mit Hingabe nachgehen und sie um ihrer selbst willen gut machen wollen. Ihre Arbeit sei nicht nur Mittel zu einem anderem Zweck. Der Handwerker, so Sennett, steht für die besondere menschliche Möglichkeit engagierten Tuns.

Dieses engagierte Tun wurde des Heimwerkers Leitlinie. Es war »meine« Wand, die tapeziert werden musste; »mein« Fenster, was er einsetzte, »mein« Regal, dass man bastelte – und war dann eben »mein« Fehler, wenn ich etwas falsch machte. Aber wie leicht es vielen fiel, das vormals so bewunderte Wissen, die bewunderte Fertigkeit selber durchzuführen! Es fand eine Entzauberung des Handwerkers statt (Sennett versucht diesen Zauber wieder herbeizuschreiben; mit eminentem Wissen und – Furor), die bis heute anhält.

DIY für Texte

Bloggen ist ja nichts anderes als die Möglichkeit, »Do-It-Yourself« für Texte zu praktizieren. Baumärkte sind hier die Bloghoster. In wenigen Minuten ist jeder sein eigener Schreiber. Die entzauberten Handwerker sind die Journalisten, die über die Jahre ihre investigative Ader zu Gunsten des Abschreibens von Agenturmeldungen ersetzt haben. Begünstigt wird dies durch das Internet, welches auch Nachrichten abseits gängiger Mainstream-Agenturmeldungen anbietet (allerdings mit gelegentlich nicht zu unter­schätzendem Fehlerpotential – welches aber durchaus vom Laienschreiber gegen­recherchiert wird).

Blogger haben sehr oft ein Nischenwissen, welches sie im blossen Schreiberbrei nicht ausreichend berücksichtigt sehen. Sie sind in der Regel nicht von der Hybris befallen, von Allem Alles zu wissen. Aber vielleicht muss man in diesen Richterstatus fallen, weil man jahrzehntelang gehört hat, man sei die vierte Gewalt. In Anbetracht grosser Teile des real-existierenden Journalismus kommt diese Feststellung einer Drohung gleich, die alltäglich (oder allwöchentlich) in diversen Medienerzeugnissen greifbar und fassbar ist: Schlag­zeilentrendiges statt seriöser Recherche. Und neuerdings Reportagen, in der der Autor als Hauptdarsteller wie ein Zirkusdompteur durch den Beitrag wuselt (man vermisst im Abspann den »eingekleidet von«-Hinweis).

Mit der Attitüde abgewiesener Verehrer

Was ist also an Bloggern arroganter als an diesen mit zum Teil sechsstelligen Gehältern gut situierten Robin-Hood-Nachahmern? Vom Katzenblog, der sich in auf Privates und Intimes konzentriert und dies – hautnaher und tatsächlich manchmal trefflicher als jede soziologische Studie – kommuniziert, über den Fussballblogger, dessen ausgewogenes Urteil so manchem Pseudoexperten anstehen würde, zum den engagierten Ostlinken, der sich mit dem Kapitalismus nicht abzufinden vermag bis zum Literaturkritikersurrogaten – alle haben »ihre« Sprache gefunden und Gleichgesinnte, die ihnen Relevanz zugestehen und den leidenschaftlichen Amateur dem profanen Abschreiber und Bildergalerie-Entwerfer vorziehen.

Diejenigen, sie sich mit der Attitüde abgewiesener Verehrer nun dem Leser vor die Wahl »Der oder ich!« stellen, reagieren im Stile beleidigter Wursterzeugnisse, wenn die Antwort in speziellen Fällen »Die!« lautet, statt des erhofften »Du«. Ihr Verlust an Souveränität muss gross sein – anders ist diese Attitüde kaum verständlich.

Dass Blogger In Deutschland nicht die Durchdringung wie in den USA haben, liegt an mindestens drei, bei näherem Nachdenken offensichtlichen Punkten: Erstens gab es in Deutschland kein so allgemeines Versagen des Journalismus wie in den USA in den Jahren 2001-03 (mündend im Irakkrieg 2003). Zweitens ist die »Szene« der Blogger sehr viel länger in den USA aktiv als in Deutschland. Und drittens gibt es in den USA ein grund­legend anderes kulturelles Verständnis über die Meinungen anderer.

Hinzu kommt, dass in Deutschland jahrzehntelang die Eindimensionalität in den Medien nicht nur konserviert, sondern kultiviert wurde. Wie soll eine Gesellschaft, in der das passive Konsumverhalten im Nachrichten- und Informationswesen sozusagen weiter­vererbt wurde, innerhalb weniger Jahre verändert werden? Die Bloggerszene in Deutsch­land befindet sich – ungeachtet etlicher Perlen (und auch katastrophaler Aus­wüchse) – immer noch in einem strukturellen Aufbau; einem Verfahren des »Trial and Error« – die Basis dessen, wie Professionalität irgendwann entsteht (auch das ist jetzt nach Sennett paraphrasiert).

In dem der Spiegel beispielsweise Stefan Niggemeier als Beta-Blogger in einem selten dämlichen Wortspiel darstellt und seinem Möchtegern-Rebellen Broder, der nur wartet, bis der Mainstream feststeht, um dann in aller bräsigen Bequemlichkeit die Gegenposition zu übernehmen [bei entsprechender Notwendigkeit würde er auch bestreiten, dass 2 + 3 = 5 ergibt]) damit die Stange hält, disqualifizieren sich die Autoren selber, weil sie keine Kriterien definieren, sondern Geschmacksurteile fällen – und damit exakt das tun, was sie den »Bloggern« vorwerfen. Das ist in etwa so, als würde der Tiger die anderen hinter Gitter vermuten.

Dieses Verhalten kennt man zur Genüge. Und als Kind galt das Buch an sich als der Quell des Übels (sogar manchmal des Bösen). Lesen verdarb den Charakter – mindestens aber die Augen. Zwei Generationen später wäre man froh, wenn mehr gelesen würde und verwechselt das Lesen mit dem, was gelesen wird (oder gelesen werden soll). Geradezu lächerlich der Vorwurf, Blogger wären einseitig – lächerlich, wenn man die unverhohlen lobbyistische Einseitigkeit der Journalisten sieht – zum Beispiel beim Thema »Blogs«.

So sieht also Berichterstattung im Jahre 2008 vom (angeblich) führenden deutschen Nachrichtenmagazin aus. Der Friseur merkt, wenn ein Amateur die Haare geschnitten hatte. Er wird nie anerkennen, wenn diese laienhafte Arbeit gut war. Er wird das finden, was er bei sich niemals finden würde. Viele werden es wohl nie verkraften, dass inzwischen der Laie auch die Fehler des vermeintlichen Meisters findet. Es ist ein schwaches Zeichen, sich herausreden zu wollen. Und ein noch schwächeres, sich in Abfälligkeit zu flüchten.

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43 Kommentare zu »Do-It-Yourself«:

  1. en-passant sagt:

    Noch eine Analogie zum DIY fällt mir auf:
    Das „Customising“: Immer kleinere Auflagen von Fabrikaten, die nach Kundenwünschen individualisiert werden. Eine halbe Sache? Immerhin ein Markt für Viele! Man könnte es eine gewisse Demokratisierung nennen.

    Auffällig aber wie ausgerechnet die politische Selbstermächtigung, die Demokratie der Entscheidungsfindung nämlich im Kleinen oft verhindert wird: man will Engagement und Freiwilligkeit usw. („Ehrenamt“), aber direktere Machtausübung, ein Hineingeredetbekommen in die entscheidenden Zirkel, das will man eher nicht.

    Es geht also in einem sehr konkreten Sinn um Hoheiten: Definitionshoheiten, Wortführertum, Ruler of the Agenda. Und um es salopp zu sagen aber auch auszusprechen(„Man spricht nicht drüber“, der SPIEGEL über Blogs): Die Presse verliert nun mal, und das rasant und katastrophal.

    Kann sogar sein, es ist ein „vitales“ Interesse seine jeweiligen Hoheiten zu behaupten. Aber demokratisch sind solche Hoheiten eben meist eher nicht.

    #1

  2. Aber man spricht ja drüber!
    Hierin liegt das Paradox: Man spricht dauernd über Blogs in diesen sogenannten Qualitätsmedien, aber kartätscht sie gleichzeitig nieder. Wobei Arroganz immer eine Tochter der Angst ist. Komisch eigentlich.

    (Am fundiertesten erschien mir noch die Kritik von Schirrmacher damals in der FAZ)

    #2

  3. en-passant sagt:

    Und bei der Fragmentierung von allem und jedem sind Zahlen oder Quantitäten meist auch gar kein Gradmesser mehr, schon längst nicht von Qualität. (Selbst die werberelvanten Alterskohorten von 19-49 sind bald in der Minderheit!)

    Und wegen der Blog-Perlen: Heute bei telepolis gefunden.

    #3

  4. Klar,
    nicht alles, was »Blog« ist, ist eine »Perle«. Aber man reduziert ja auch »Zeitung« nicht auf »Bild« oder »National-Zeitung«. Aber niemand käme auf die Idee, das Gedruckte deswegen per se zu verdammen (»die Beta-Drucker«).

    Die Fragmentierung der Blogs kommt den Blog-Verächtern natürlich entgegen. Sie hilft beim Ignorieren des Guten sowohl wie beim Verdammen des Dummen. Meine »Forderung« aus früheren Zeiten: Ein Forum müsste her… Naja, ich glaube, dieser Zug ist abgefahren (und die Diskussion hatten wir auch schon mal).

    #4

  5. Köppnick sagt:

    Anlass des Spiegelartikels ist wahrscheinlich ein Bloggertreffen, das hier erwähnt wird. Ein Teil der Geringschätzung der Profischreiber liegt vielleicht auch darin, dass sie Äpfel mit Birnen vergleichen. Wenn man Blogs mit klassischen Medien vergleicht und dann deren Kriterien anlegt (Themen, Reichweite, sprachliche Qualität, monetäre Verdienstmöglichkeiten), dann schneiden die meisten Blogs schlecht ab. Der Grund ist auch klar: Die Profis schreiben in ihrer Arbeitszeit für Geld, die Laien in ihrer Freizeit aus Spaß.

    #5

  6. Naja, ich bin mal keck und sage…
    einige Blogs brauchen (inzwischen?) keinen Vergleich zu scheuen – und ich meine nicht nur welche, die von Journalisten geschrieben werden.

    Beim »Spiegel« kommt dazu, dass man eigentlich schon immer eine gewisse Arroganz an den Tag legte. Die war sicherlich auch mal berechtigt, aber inzwischen wohl nicht mehr. Ich habe vor vielen Jahren aufgehört, die Printausgabe zu lesen – sie schnitt (damals) im Vergleich zur »Zeit« viel zu schlecht ab. Bei der »Zeit« versucht man übrigens geschickterweise neue Autoren zu gewinnen – jeder kann dort Artikel schreiben, die dann auch diskutiert werden können…

    #6

  7. Peter sagt:

    L’homme Blog
    Und dann gibt es noch diese Pseudo-Hybriden. Ausgeschlachtet, von den ewig dem Zeitgeist auf der Spur wandernden Zombies. Das Modewort soll der banalen Linksauce das Mäntelchen des Modernen umlegen, um auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten als adäquates Accessoire einer Lifstyle-Zeitung zu dienen.

    Vernunft, Haltung schützt nicht vor Eitelkeit. Dotcommunarde (wie albern) ist der eine angeblich. Inhaltlich verantwortlich gar der andere. Zwei Menschen die ich geachtet habe, am Nasenring durch die Manege geführt.

    Ich glaube einen guten Schnitt zu erkennen, vor allem, wenn er nicht nur Facon ist. Begleitschreiben, von Klagenfurt-Teilnehmern empfohlen.

    #7

  8. Peter sagt:

    Korrektur
    Der Link hat nicht funktioniert. Dieser Dotcommunarde ist hier zu finden.

    #8

  9. Du bist streng
    »Pecunia non olet«.

    Der Dotcommunarde spielt doch nur herum. Was ich ihm vorwerfe, ist die Verwaisung der von ihm übernommenen Plattform. Aber: Auch das Kapitel ist inzwischen beendet… (für mich).

    #9

  10. Peter Viehrig sagt:

    Nur am Rande (und etwas weg vom Thema): Dieser Beitrag taucht nicht auf Ihrer Startseite auf. Da gehört er aber hin. Ja, ich weiß, es ist ein abgewandelter Kommentar, den Sie zuvor bei en-passant abgegeben hatten. Trotzdem.

    Außerdem mußte ich die Schriftfarbe soeben per Tags auf schwarz umstellen, sonst wäre sie blau. Auch die Schriftdicke hat sich verändert. Die Verlinkung in Peters anonymen Kommentar von 21.21 Uhr ist falsch. Ich habe mir gerade den Quellcode angesehen. Offenbar wird die dadurch ausgelöste veränderte Formatierung über den einzelnen Kommentar hinaus beibehalten. Letztes allerdings nur beim Opera-Browser, mit dem ich vorzugsweise »unterwegs« bin.

    Seltsam.

    #10

  11. Das der Beitrag nicht auf der Startseite steht, ist Absicht. Das es in Peters Kommentar um 21.21 Uhr einen Link gegeben haben soll, kann ich mit meinem IE nicht erkennen; er hat ja den funktionierenden Link nachgereicht Die anderen von Ihnen geschilderten Problemchen kann ich nicht beurteilen, da ich nur mit dem IE unterwegs bin. Ich habe nichts geändert.

    #11

  12. Mit Mozilla Firefox ist alles in Ordnung (d.h. wie immer).

    #12

  13. Klaus sagt:

    Danke, Herr Keusching.
    Die DIY-Bewegung ist ein gutes Beispiel. Wie ist es aber mit der »Offenen Kanal«-Bürger-Beteiligung-an-den-Medien, die (zumindest hier im Berliner »OK«) nur peinlich ist. Was lief und läuft da falsch? Was funktioniert im »OK« nicht, was bei den Bloggern (zum großen Teil) wunderbar klappt? Ist’s die »Privatheit« am heimischen Computer vs. in ein TV-Studio gehen zu müssen und mit dortigen Technikern zusammenzuarbeiten..? Was mag es sein?

    #13

  14. Ich kenne die »OK« nicht..
    habe aber gehört, dass das teilweise grottenschlecht sein soll. Vielleicht hat es mit der Form zu tun – das Schriftliche verlangt andere Konstanz als sein Gesicht in eine Kamera zu halten.

    Im übrigen gibt es natürlich auch viele Blogs, die ich für eine Katastrophe halte.

    #14

  15. Sebastian sagt:

    Interessanter Vergleich
    Auf »Do it Yourself« wäre ich selbst nie gekommen – kein Wunder, ich bin erst in den 70ern geboren worden und für mich sind Baumärkte seit meinem 10ten Lebensjahr eigentlich der Normalfall – und zwar an jeder Ecke.

    Ich finde aber irgendwo, dass der Vergleich doch etwas hinkt, und nenne dann auch gerne ein paar Gründe.

    Erstens fand in den 60ern das Wirtschaftswunder statt. Es herrschte Vollbeschäftigung und wie sie selbst anmerkten, fehlten damals einfach Handwerker. Heute nennt man das alles Schwarzarbeit, weil es genügend Leute gibt, die arbeitslos sind, und nebenher noch arbeiten können. Mein verstorbener Großvater war Maurer – er hat sich vor Arbeit auf dem Bau vor seiner Rente nicht retten können und danach hat er weitere Häuser neben der Rente hochgezogen, sein eigenes Haus selbst gebaut mit Kollegen etc. pp. Heute würde das niemand mehr machen. Warum? Weil wir meiner Meinung nach durch den weiter dazu gewonnenen Wohlstand zum einen zerklüfteter leben (die Familie als solche wird immer weiter aufgeweicht), weil wir mehr Singlehaushalte haben, weil die Arbeit spezieller wird und deshalb auch einen Spezialisten benötigt und nicht zuletzt weil es durch die EU billigere Arbeitskräfte aus dem EU-Ausland gibt (Schengen lässt grüßen).

    Darüber hinaus handelt es sich bei den von Ihnen angesprochenen Arbeiten um Handwerk. Ist Journalismus ein Handwerk? Ich glaube irgendwo nicht, aber da das Argument etwas schwach daher kommt, komme ich gerne mit einem weiteren Beispiel (ich liebe ja Beispiele, man merkt mir das sicherlich an): eine ehemalige Schulkollegin hat 1997 durch das erste breiter verfügbare Satellitenprogramm Zeichentrickfilme aus Japan über einen exotischen Sender in ihr »Kinderzimmer« (oder Jugendzimmer) bekommen. Sie wurde Fan und gründete mit Freunden _aus dem Internet_ einen Verein. Die kritische Masse wurde dabei nur erreicht, weil es im Usenet eine Newsgruppe zu dem Thema gab. Der »Anime noch Tomodachi« wurde gegründet und alsbald die Webseite http://www.funime.de registriert, der Name der Vereinszeitschrift. Über die Jahre haben freiwillige Autoren diese Zeitschrift am Leben gehalten, vor allen Dingen Ron und sicherlich auch Fan-Yi, um sie hier mal zu nennen (und Elisa und und und). Das Internet spielte die zentrale Rolle – alles wurde darüber besprochen, die Texte hin und her geschickt und am Ende dann zum Drucker gebracht und die Fanzeitschrift an die über ganz Deutschland, Österreich und die Schweiz verstreuten Mitglieder des Vereins (bzw. Bezieher der Zeitschrift) verschickt. Heute ist das Magazin in Vollfarbe und wird auch an die Vereinsmitglieder des später gegründeten, jetzt größten deutschen Anime und Manga-Vereins Deutschlands Animexx e.V. verschickt.

    Worauf ich hinaus will: ohne das Internet hätten diese Menschen nie so zusammen gefunden. Ohne das Internet hätten viele Menschen, die ganz einfach »Fans« sind, so nie in ein Autorentum gefunden, nie eigene Rezensionen zu Filmen, Büchern und anderen Dingen verfasst, keine Editorials und keine Beiträge über solche Dinge wie »Wie mache ich Sushi« und »Was sind Kanji/Kana« oder »Wie ziehe ich einen Kimono richtig an«. Meine Schulkollegin ist inzwischen Japanologin.

    Ich selbst habe darüber hinaus z.B. ab 2004 in einem Magazin zum Thema Sci-Fi mitgeschrieben. Ich habe mich nie für einen Autoren gehalten. Ich rede gerne viel, mein Stil lässt aber oft zu Wünschen übrig, da ich gerne lang und breit werde. Ich habe ein gewisses Redebedürfnis und über mein eigenes Blog lebe ich dies aus (und sicherlich auch in den Kommentaren in der Anime.Ger, bei Niggemeier, auf IMDb, auf TVSquad etc. etc.). Wenn es nach meinen Schulnoten geht, hätte ich niemals auch nur im entferntesten daran gedacht, diese Arbeit aufzunehmen.

    Nur: bestand für mich eine Not dazu? Ich denke nein. Ich hätte genau so einfach in ein Tagebuch schreiben können. Es gibt für eine große Anzahl Menschen einfach den Trieb, ihr Leben aufzuschreiben. Das ist sicherlich der Ursprung des »Blogs« an sich – das ist nicht »Do it Yourself« das ist »Schreib Deine Gedanken auf« und hilft niemandem außer einem selbst, und was es von dem Do it Yourself« unterscheidet ist die Tatsache, dass keine Not besteht, es zu tun (ohne Dach regnet es rein, ohne Tagebuch denkt man im stillen nach und vergisst es wieder, einziger Nachteil ist, später mal nicht in Erinnerungen schwelgen zu können).

    Um den Kreis dann zu schließen können Sie ja mal die Autoren der Funime nach dem Spiegel fragen und einem Artikel, der glaube ich 2005 in Spiegel Online erschienen ist über das Thema »Anime und Manga«. So ein grottenschlechtes Versatzstück von SCHEIßE (entschuldigung) ist mir persönlich noch nie unter gekommen. Die Quintessenz des Artikels war: Anime und Manga sind sowas wie Japan-Erotik. Als Beispiel wurden Bilder aus einer Ausstellung genommen, die wirklich MALEREIEN zeigten – man stelle sich vor Micky Maus und Donald Duck würden anhand von Einzelbildern von Carl Barks besprochen werden – eine Zumutung.

    Der Autor hatte KEINE Ahnung, auch nicht ansatzweise. Er hat NICHT versucht sich zu informieren und hat im Endeffekt noch Geld dafür bekommen, über ein Thema zu referieren, das ob seines geringen Bekanntheitsgrades schwer nachprüfbar war. Spiegel Online hat auch (unseren) nach Leserbriefzuschriften diesen Zeichen-Müll nicht aus dem Netz genommen.

    So, und nun zurück zu den Bloggern: was heute »Der Blogger« mithin sein soll, ist nämlich, aus Sicht des Spiegels, der Watchblogger (!). Investigativ, aufdeckend.

    Ich sage dazu nur: Bla! Das ist EIN Ziel des Bloggens. Aber auch nur EINES. Die Autoren der FUNime schreiben wunderbare Artikel – es ist aber kein Blog. Sie decken nicht auf – sie informieren. Wikipedia ist auch kein Blog, es informiert jedoch inzwischen so gut, dass zahllose Autoren von gestandenen Zeitungen einfach abschreiben, ohne sich weiter darüber zu informieren, wie das System von Wikipedia ist – die richtige Verwendung von unsicheren Quellen wie dem Internet haben scheinbar viele von ihnen nicht gelernt. Recherche? Ein Fremdwort.

    Doch weiter im Text, nehmen wir jetzt mich als Beispiel: meine Texte sind (über Sci-Fi) im Corona Newsletter gelandet (teils). Ich habe von der Kinofilm-Rezension angefangen bis hin zu einem Artikel über den Start eines Space-Shuttles EINIGES an verschiedenen Themen verfasst – der Artikel über den Shuttle-Start stand aber (und das ist jetzt der Unterschied) zunächst erst in meinem eigenen Blog, und fand dort auch in ungekürzter Fassung ein Zuhause.

    Darüber hinaus schreibe ich, was mir in den Sinn kommt. Über den Garmin Edge 305. Über Kinofilme. Über meine Blog-Software Serendipity. Über Fotoalben wie Flickr, Zooomr und Picasa. Über GMail. Oder über den MSI Wind, der mir über einen Trackback neulich 2000 Besucher in 10 Tagen verschafft hat. Einfach so. Nicht viele sind wirklich lange geblieben, keiner hat kommentiert. Mir egal.

    Nur ist das (und das ist mein abschließendes Argument) genau DAS Killer-Feature des Bloggens: der Trackback. Die Möglichkeit, sich über Referrer durch das halbe Netz zu hangeln, und zu dem zu kommen, was der Zeitung nämlich ganz einfach fehlt: DIE GOTTVERD*zensiert* zweite Quelle! Die zweite Meinung. Das, was in Wikipedia ebenso fehlt. Weitere Ansichten. Diversifizierung. Wo ist denn im Spiegel der Link zu weiteren Inhalten? Wo ist denn die transparente Kommentarfunktion? Wie bei Niggemeier angemerkt besteht die Kommentarfunktion bei den etablierten Zeitungen doch im Prinzip aus einer Müllhalde für Buchstaben. Spiegel Online ist wieder das beste Beispiel: das ist keine Kommentarfunktion, wo alles untereinander steht, das ist ein Leserbrief-Friedhof wo allenfalls die letzten drei Seiten untereinander besprochen werden (IMDb entwickelt sich leider auch in diese Richtung).

    Die Demokratisierung von Meinung und das freie Autorentum sorgen dafür, dass Blogging ein viel weiteres Feld ist, als NUR Zeitung. Es ist nicht NUR investigativer Journalismus. Die Lolcats sind auch ein Blog. Was ist der Sinn dahinter? Keiner im Prinzip außer Lachen. Ist das dann auch »mit Dreck schmeißen«? Ich glaube kaum.

    Von daher kann der Spiegel-Artikel mir persönlich gestohlen bleiben. Man informiere sich doch mal gerne über (und das habe ich bei Niggemeier schon gesagt) Frontal 21 und das Thema Amoklauf und Killerspiele. Was, wenn nicht mit Dreck schmeißen, ist DAS denn bitte? Was ist die Wirkung gewesen? Strengerer Jugendschutz, der NICHTS bringen wird. Erziehung der Erwachsenen hin zu mehr Medienkompetenz? Fehlanzeige. Wegsperren ist das Gebot der Stunde. Warnschilder aufstellen für Menschen, die durch die ach so guten öffentlich rechtlichen Medien mit Nebelkerzen so zugeschmissen wurden, dass sie überhaupt nicht mit der Thematik umgehen können. Anstatt Eltern dazu aufzufordern, sich mit ihren Kindern gemeinsam mit den Dingen auseinander zu setzen, wird der Teufel an die Wand gemalt (auch und gerade von der Bild-Zeitung).

    Doch hier ist dann das Internet zur Stelle, wenn man nur will. Man setzt sich hin und schreibt einen Artikel in seinem eigenen Blog, man kommentiert auf der Webseite einer Zeitung und verlinkt auf sich selbst und dort gibt es dann Links zu vielen anderen Quellen. Wenn denn dann die ver*fluch* Zeitung nicht ob des Links im Kommentar diesen nicht sofort löscht, DANN werden immer mehr und mehr Leser von diesen einseitigen, teils hochgradig uninformierten Webseiten weg gelenkt.

    Und auf den Blogs sorgen die Kommentarfunktionen dafür, dass falsche Aussagen auch mal revidiert werden. Texte werden nachträglich geändert, strikethrough ist dein Freund. Fehler werden eingestanden, weil man eben nicht die große Zeitung ist, die sich bei Änderungen ja eine Blöße gibt, ein Konglomerat, das nur Gegendarstellung oder komplette Richtigstellung als Mittel versteht.

    Klar ist Blogging ein gewisses »Do it Yourself«. Nur ist das bei den Zeitungen das nicht auch? Da sitzt meist auch nur EIN Autor – und der »tut es selbst« – und bekommt teils Geld dafür, dass er keine Qualitätsarbeit abliefert, sondern ob des Sparens und der mangelnden Ausbildung SCHROTT abliefert. Der Unterschied: die Gebäude aus den 60ern, die Sie als Beispiel namen, die nunmehr abgerissen werden, erkennt man auf den Seiten der Zeitungen nicht als solche. Sie werden einfach nicht abgerissen, so baufällig sie auch sein mögen, so schlecht die Arbeit des Autoren auch war. Wenn ein Handwerker aus Polen heute eine Fliese an die Wand pappt, und diese runter fällt, dann sieht man das sofort. Wenn ein nicht-recherchewilliger Autor bei Spiegel Online einen schlechten Artikel ins Netz pappt, dann fällt der nicht runter – der wird irgendwann für 1 Euro per Click & Buy immer noch verkauft, egal wie nieder die Qualität auch sein mag.

    Man entschuldige wie immer die Länge meiner Antwort ^^;

    #15

  16. @Sebastian
    DIY ist eine Analogie; eine Metapher – sie muss natürlich nicht 100% übertragbar sein. Die Gründe, die gegen den Vergleich sprechen, sind alle richtig – mir geht es aber um gewisse Parallelen.

    Zur Strafe antworte ich jetzt auch mal ein bisschen länger: Mein Schwiegervater war jemand, der aus einfachen Verhältnissen heraus ein Haus für sich und seine drei Kinder gekauft hat. Die Mittel waren für herausragende Reparaturarbeiten begrenzt, also hat er alles selber gemacht. Freizeit: Null – an Wochenenden wurde am Haus gewerkelt. Das hatte primär die angesprochenen finanziellen Gründe.

    Dahinter schimmerte aber auch noch etwas: Die Handwerker waren unzuverlässig, machten die Sache nicht genau und präzise genug und – in gewisser Weise – »lieblos«; mechanisch. Selbst als er in der Lage gewesen wäre, bestimmte Arbeiten von Profis machen zu lassen, hat er sie immer selber gemacht (bis es irgendwann gesundheitlich nicht mehr ging).

    Sie fragen, ob Journalismus ein »Handwerk« ist. Ich möchte sagen – ja. Wenn es natürlich auch nicht die klassische Form von »Handwerk« darstellt. Ich hatte gerade Sennett gelesen und seine Definition vom »Handwerker«. Er geht über die Handfertigkeit hinaus. Das, was Sie (und ich) beim 08/15-Journalisten beklagen, ist meines Erachtens der Urstoff des journalistischen Handwerks: Recherche.

    Und hier eine Teilanalogie zum Handwerker: Wenn ich jetzt etwas über eine »Skandaläusserung« eines Schriftstellers oder ein »Skandalbuch« höre und/oder lese – jetzt recherchiere ich selber den ganzen Text, lese das ganze Buch, usw. Und sehr oft stelle ich fest, wie dämlich da einer vom anderen abgeschrieben hat. Ich mache es selber.

    Das verrückte: Die Qualität des Journalismus nimmt mit der Möglichkeit der schnellen Recherche ab! Das hat hauptsächlich zwei Gründe:

    1. Es herrscht ein enormer Zeitdruck, ausgelöst durch eine harte Konkurrenzsituation, in der Präsenz mit Qualität verwechselt wird.

    2. Das schnelle Rechercheresultat verleitet zum schnellen Urteil. Das ist aber u. U. falsch, weil nicht immer das richtige (und wichtige) bei Google oben steht (damit ist nicht nur dieser Blog hier gemeint, der in den letzten Wochen aus unerfindlichen Gründen enorm verloren haben muss).

    Weiter ist es ein Problem, dass die Journalisten von heute Generalisten sein müssen. Das kann natürlich nicht funktionieren.

    Zeitdruck -> scheinbare Faktensicherheit -> die eigene, für sakrosankt gehaltene Meinung -> hastig konsumiertes Halbwissen: Eine üble Suppe, die dem »Konsumenten« da vorgesetzt wird.

    Noch was zu den Trackbacks: Ich verstehe Ihre Äusserung nicht ganz. Meinen Trackbacks sind gut oder sind sie schlecht? Ich habe eher das Gefühl, sie sind »schlecht«, da sie Diskussionen atomisieren. Mich durch die diversen Angebote klicken – das ist äusserst anstrengend und oft unergiebig.

    #16

  17. Sebastian sagt:

    Trackbacks
    Das Problem des Trackbacks ist, dass viel zu viele »unbedeutende« andere Webseiten (andere Blogs) verlinken. Hier fehlen eindeutig Bewertungsfunktionen, um herauszufinden, welche weitere Webseite etwas zusätzlich Intelligentes zum Thema gesagt hat. Vielfach sind die Kommentar-Trackbacks bei Niggemeier von Leuten, die einfach nur »Bei Niggemeier stand (Zusammenfassung) – Find ich auch.« schreiben und mehr nicht. Von daher vertraue ich (wie auch hier jetzt geschehen) eher dem manuellen Link auf eine andere Seite.

    Zu Ihren Trackbacks habe ich aber glaube ich so gar nichts gesagt. Wollte ich jedenfalls nicht. Wenn Sie das Verlinken eigener Texte zum Thema (sprich der manuelle Trackback) dann finde ich ihn ok, gerade weil es nur jemand so machen würde, der wirklich meint, dass er noch was zum Thema zu sagen hat, die gleiche Meinung aber nicht in dutzenden anderen Weblogs nochmal aufschreiben will, sondern einfach auf das eigene Blog mit dem einen Eintrag verlinkt.

    Das ist bisweilen natürlich anstrengend und doppelt gemoppelt, aber es hilft ja nix, wir sind ja nicht eine große Webseit :-)

    Ihre Bemerkungen zu Journalisten sind natürlich so alle richtig. Die Frage, die ich mir dann noch stellen musste, ist die nach dem Intelligenzgrad der Nutzer. Ich meine wenn der Journalist als solcher massenkonform schreibt, dann sicherlich nicht immer mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner im Blick, aber doch sicherlich mit dem großen Gemeinsamen. »Wie erreiche ich sagen wir mal 60% meiner Leser«. Jetzt laufen den Zeitungen die Leser weg – heißt das, dass die ganzen User jetzt im Netz rumstreifen und sich ihre Meinung intelligent selbst bilden? Oder wird einfach statt dessen jetzt Blog konsumiert, wo man dann »Ich find das auch« drunter schreiben kann, und ob der ganzen Interaktivität gleich feuchte Augen bekommt. Sehr sehr viele Leser sind ja passiv – würden nie kommentieren. Sind die Blogs jetzt einfach die neuen Zeitungen, die ebenfalls wieder ohne Gegenrede akzeptiert werden? Oder reicht es vielen, wenn sich »die anderen streiten«, sprich der Diskurs im Kommentarbereich mitgelesen wird zum Artikel?

    Ich jedenfalls finde den Button »Kommentare ausblenden« bei Niggemeier extrem kontroproduktiv und zerstörend. Sein Blog ist ohne Kommentare nur halb so viel wert und die Diskussionskultur doch definitiv nicht schlecht – und weiter führende Inhalte werden immer wieder geliefert.

    Ich hoffe jedenfalls, dass der ehemalige Zeitungs- und jetzt Blogleser (oder Internetleser) weniger passiv daherkommt. Es wird Zeit für ein paar universitäre Studien.

    Ja ich weiß. Ich google ja schon ^^;

    #17

  18. Trackbacks sind meines Erachtens mindestens ambivalent. Sie sollen die Diskussion von einem Blog oder Forum auf einen anderen »herüberziehen«. Ich habe das gelegentlich auch bei meinem Beiträgen erlebt. Man zog einen Trackback und kommentierte dann meinen Beitrag dort, auf dem eigenen Blog. ich war »gezwungen«, den Kommentar auf meinem Beitrag auf einem anderen Blog zu kommentieren.

    Daher favorisiere ich eigentlich den Gedanken eines Forums, in dem es sowohl eine Art »Tagebuch«-Funktion gibt, in dem jeder sich austoben kann – als auch Beiträge entweder durch die User (oder eine bestimmte Gruppe von usern) ausgewählt werden. Diese Beiträge kommen aus der Forumgemeinde – und diese stimmt dann darüber ab. Vielleicht auch mit einer kleinen »Redaktion«. Das würde kluge Geister »bündeln«, wenigstens für das ein oder andere Thema. So etwas gab es früher in Ansätzen; es hiess »Nensch« und krebst jetzt bedingt durch persönliche Streitigkeiten unter den Teilnehmern und die Lustlosigkeit der Admins am Rande der Bedeutungslosigkeit.

    Leute wie Niggemeier wären für ein solches Forum natürlich nie zu bekommen. Und inzwischen ist die Vereinzelung auch sehr weit fortgeschritten. Vor drei, vier Jahren wäre noch Zeit gewesen, das zu formen. Inzwischen bruzzelt jeder lieber auf seinem eigenen Blog herum, ist sein eigener Herr – aber: er versinkt mehr oder weniger in Bedeutungslosigkeit.

    Ich setze bei Niggemeier nicht nur Links auf meine Beiträge, aber eben auch (richtige Trackbacks gehen mit »twoday« irgendwie nicht oder ich bin zu doof dafür). Das hat zwei Gründe: 1. Kann man damit vielleicht neue Leser gewinnen und 2. mache ich das, wenn das Thema meines Beitrages weiterführend zum Niggemeier-Beitrag ist, aber direkt als Kommentar eine Abschweifung wäre.

    Ich finde auch die »Abschaltfunktion« bei Niggemeier falsch – aber er bietet es eben an. Ich glaube allerdings, dass zu einem Blog unbedingt eine Kommentarfunktion gehört. Wer das nicht lesen will, hat alle Möglichkeiten, in dem er nicht auf »Kommentar« klickt. Warum es noch eines Abschaltens bedarf, weiss ich nicht. Aber manche Leute bevorzugen Doppeltüren.

    Die Diskussionskultur bei Niggemeier finde ich ziemlich gut – auch und gerade im Vergleich mit so manch‘ anderem Blog oder Forum. Dennoch wird die Interaktivität in Deutschland noch lange ein Stiefkind bleiben.

    #18

  19. Eine a) köstliche und b) treffende Umschreibung des Phänomens! Und (leider) eine der wenigen, differenzierten Betrachtungen, die nicht der Versuchung erliegen, eine Wertung nach dem Motto »Sind Blogger die besseren Journalisten« vorzunehmen. Danke!

    #19

  20. Matthias Sch. sagt:

    *applaus* für diesen hochinteressanten Artikel!

    #20

  21. max sagt:

    wikipedias zweite meinung
    Eine kurze Anmerkung dazu, das bei Wikipedia eine gottverdammte zweite Meinung fehlen soll – daß stimmt so nicht ganz, da ja alle Artikelversionen gespeichert werden. Und auch die Diskussion zu dem Artikel – gerade bei kontroversen Themen in die man sich schon eingelesen hat ist die Diskussionsseite meist interessanter.

    #21

  22. Sebastian sagt:

    Zweite Meinung
    @max:

    Die einzigen »zweiten Meinungen« finde ich in Besprechungen zu Filmen in der englischen Wikipedia, in denen verschiedene Filmkritier zu Wort kommen.

    Ansonsten sind die gerade abgerufenen Artikel immer final in sich. Sachlichkeit ist oberstes Gebot in einer Enzyklopädie von daher ist es sicherlich unfair, der Wikipedia dies vorzuwerfen.

    Aber, und das ist meiner Ansicht nach das Problem: viele Menschen in Deutschland (und hier zog ich die Parallele) nehmen die Artikel in »guten« Zeitschriften und nunmehr auch in der Wikipedia als DIE Meinung, sprich DIE absolute Aussage zum Thema. Alles wirkt final, alles scheint, als wäre es in Stein gemeißelt.

    Ich mahnte irgendwo den vernünftigen Umgang mit den Medien an. Sehr viele Leser können dies nicht. Ich dränge auch immer mehr Menschen zur Wikipedia mit »Guck doch einfach selbst nach« wenn ich etwas gefragt werde, aber immer auch mit dem Nachsatz, dass man nicht alles als absolute Aussage nehmen kann und immer auch einen Blick in die Versionsgeschichte werfen wollte, wenn es um heiklere Themen geht. Manchmal mache ich dann auch noch vor, dass wirklich JEDER den Text ändern kann in der Wikipedia und sage dann dazu »Wenn Du etwas besser weißt, schreib es doch einfach rein, und gib im Kommentar an, warum. Vielleicht bleibt es ja längere Zeit drin«. Das motiviert die einen, die anderen fühlen sich abgestoßen und sind sauer, dass da jetzt nicht »alles wahr« ist.

    Dann weise ich meist darauf hin, dass das in der Tageszeitung auch nicht der Fall ist, und ernte bisweilen ungläubige Blicke. Es muss ja wahr sein, stand ja so in der Zeitung :-)

    #22

  23. Wikipedia
    Eine »zweite Meinung« in einer Enzyklopädie ist vielleicht nur der falsche Begriff. Ich würde das – allerorten inzwischen bis zur Unkenntlichkeit pervertierte – Wort der Ausgewogenheit benutzen. Ausserdem wird bei den Admins der Wikipedia mit zweierlei Maß gemessen. So wurden Weblinks entfernt, die eine kontroverse Meinung vertraten (bei Dawkins war das eindeutig).

    Inzwischen kann bei der Wikipedia meines Wissens nicht mehr jeder herumändern; es muss »freigegeben« (gesichtet) werden. Das hat Vor- und Nachteile. Der Nachteil ist, dass inzwischen auch in der Wikipedia eine Usurpierung durch die »richtige Sichtweise« stattfindet. Dass sich hier eine Art Meinungsmonopol gebildet hat, ist unzweifelhaft.

    Der ursprüngliche »Charme« von so etwas wie Wikipedia – eine Pluralität von Wissen »abzubilden« – wird ins Gegenteil verkehrt. Da man danach strebt, Allgemeingültigkeit zu beanspruchen, macht sich der Mainstream breit. Hinzu kommt die Intransparenz bzw. Kompliziertheit des Systems.

    #23

  24. Thomas sagt:

    Darf ich mal eben in eine reines Konsumverhalten verfallen und um eine paar HInweise zu »Blogperlen« bitten?

    #24

  25. steppenhund sagt:

    Ich habe bisher geglaubt, dass Do-it-Yourself etwas mit Masturbation zu tun hat. Und Ikea-Möbel-Zusammenschrauben.
    Dass die Medien ab und zu das Bloggerwesen kommentieren, ist ein Rückzugsgefecht, weil die Sprache des Journalismus schlechter und schlechter wird. Also muss man die vermeintliche Konkurrenz noch schlechter machen.
    Man kann Bloggen auch anders sehen: als Zeitvertreib. Als Schachspiel, als Kartenspiel, als Tagebuch, als individuelles Vergnügen, vor allem aber als etwas Unpolitisches. Damit gebe ich schon meine Hauptaversion gegen den Spiegel preis: ich glaube, dass solche Artikel über das Bloggen rein politisch sind.
    Ich selber stelle manchmal Artikel unter der Rubrik »Politik« hinein, aber das ist gerade einmal ein Räsonieren. Wenn ich etwas verändern wollte, müsste ich selbst in die Politik gehen.
    Das Internet als Medium hilft einfach, dass der Stammtisch größer wird. Sonst sehe ich nicht viel Unterschied.
    Meine 2 Cent sind unter dem Aspekt des Stammtisches zu sehn, auch wenn jetzt ein paar »Alt« fällig währen:)

    #25

  26. Peter Viehrig sagt:

    @steppenhund

    Für dieses mutmaßliche Sinnbild mit den 2 Cent bedarf ich einer Erläuterung. Stammtische sind mir fremd.
    Das »auch wenn jetzt ein paar »Alt« fällig währen« verstehe ebenfalls ich nicht. Ist damit Bier gemeint? Das mag für Sie ironisch klingen, ist aber keineswegs so gedacht.

    #26

  27. walhalladada sagt:

    Aus ‚Alt‘ mach ‚Kölsch’…!
    Prost, Herr Steppenhund, das mediale ‚Bashing‘ des – nennen wir das Kind ruhig beim Namen – obskuren Blogwesens – erscheint mir als unmittelbare Reaktion einer Institution, der ihre bislang gut dotierte Deutungshoheit verlustig zu gehen droht. (Die Focussierung schreitet unerbittlich voran!) Die Journaille Der Journalismus hat – bislang – nicht schlecht am ‚Stammtisch des Lobbyismus‘ gelebt! Jetzt droht auf einmal das Schild ‚RESERVIERT‚ nicht mehr respektiert zu werden…Politics goes POPS – und wer hier nicht mitpoppen kann, der hat zwar seine Rente auf der sicheren Seite, aber eben nicht mehr – das ist alles!

    PS: Die vermeintlich hehre Unterscheidung zwischen ‚rein politisch‘ – und – was bitteschön – sollte die Alternative sein – ist erklärungsbedürftig; zumindest in diesem ernsten Blogkontext!

    #27

  28. steppenhund sagt:

    politisch und – – – Lebensfreude.
    Beispiel:
    ein Eintrag bei mir ist heute politisch – Querverweis, übrigens wirklich lesenswert.
    zwei Einträge schildern Lebensfreude und sind allenfalls einmal interessant, wenn ich nicht mehr bin. Dann werden sie allerdings Dokumentation in Reinkultur sein.
    »Kannst Du dich noch erinnern, wie wir dem Hans eine Schachtorte gebacken haben?« etc.

    #28

  29. steppenhund sagt:

    Das wird jetzt vielleicht ein bisschen schwierig. Das mit dem Bier stimmt schon und ist eine Insiderinformation, die auf den Genuss jenes Bieres Bezug nimmt. (Monsieur Keuschnig versteht das natürlich ohne Rückfrage:)

    2 Cent, wobei übrigens die amerikanischen Cent gemeint sind, ist das Sinnbild für IMHO oder auch: Das ist meine rein persönliche Meinung, von der ich weiß, dass ich möglicherweise der einzige auf der Welt bin, der sie vertritt. Natürlich soll dieses nur als Understatement verstanden werden. In Wirklichkeit sollte man für die geschriebenen Zeilen mindestens einen Literaturpreis wenn nicht schon gar den Nobelpreis bekommen.

    Ob das mit dem Stammtisch wirklich so eine rein österreichische Angelegenheit ist? Ich glaube, Stammtische gibt es auch in Deutschland. Und an Stammtischen ist jedes Problem einfach. Jeder ist sein eigener Bundeskanzler und weiß, wie er die Welt zu regieren hätte.
    Bei Stammtischen entfällt folgender Dialog:
    »Und was machst Du dann, wenn ‚das‘ oder ‚jenes‘ eintritt?« –
    Antwort: »Das habe ich nicht bedacht.«

    Leider bedenken ja auch Politiker vieles nicht, was dann zu Gesetzgebungen führt, die unzählige Novellen nachschleifen müssen, damit sie überhaupt durchführbar werden.

    2 cent sind Blogger, bzw. früher Chat-Jargon.
    Stammtisch könnte man auch mit Hausmeisterpolitik bezeichnen.
    Das »Alt« ist echt. Das gibt es wirklich. Und das hat auch Qualität.

    #29

  30. medizynicus sagt:

    Aber das ist doch ein alter Hut, oder?
    …ist zwar ein sehr schön geschriebener Text, aber genau diese These hört man doch seit Jahren in verschiedensten Variationen… oder habe ich etwas übersehen?

    #30

  31. stripe sagt:

    #23 – Wikipedia
    @Gregor: Die Admins bei Wikipedia sind ein Thema für sich. Dass Wikipedia keine lupenreine Demokratie ist, ist für eine Enzyklopädie sinnvoll und wird gern zitiert. Aber bei vielen aus der Adminclique hat man den Eindruck, dass es ihnen mehr um das willkürliche Schikanieren in Blockwartmanier als um die Sache geht. Das hat mit der Unterdrückung von Meinungen erst in zweiter Linie zu tun, da kann es dann auch bloß um ein umstrittenes Komma oder Ähnliches gehen. Es fehlt in der Wikipedia die Aufteilung auf 3 Gewalten wie im Staat. Die 300 Admins kontrollieren sich nur gegenseitig. Und man kennt sich und eine Hand wäscht die andere.

    Der Begriff Sichtung ist missverständlich: »Gesichtet« bedeutet eigentlich nur, dass ein Sichter keinen Vandalismus erkannt hat. Das hat nicht direkt mit sachlicher Richtigkeit zu tun. Zwischenzeitlich war es so, dass die neuesten, ungesichteten Versionen nicht mehr automatisch angezeigt wurden (man konnte sie aber in jedem Fall durch einen Klick auf »Versionen/Autoren« ansehen). Das ist jetzt aber wieder anders, es wird wieder die neueste, eventuell ungesichtete Version angezeigt. Und möglicherweise soll die ganze Sichterei in Zukunft sowieso wieder abgeschafft werden, sie ist unter den Wikipedianern (den deutschen, anderswo gibt es das sowieso nicht) aus verschiedenen Gründen höchst umstritten.

    @Sebastian: Max hat es zwar schonmal geschrieben, aber ich wiederhole es vielleicht noch mal: Wenn es ein umstrittenes Thema ist, liest man auf der Diskussionsseite des Artikels mit Sicherheit jede Menge verschiedener Meinungen. Dazu braucht man bestimmt nicht in Spezialgebiete der englischen Wikipedia zu gehen. Aber natürlich, Bloggen ist anders.

    #31

  32. @stripe
    Ich erwarte keine »lupenreine Demokratie«, schon gar nicht in einem System wie Wikipedia (das wäre m. E. auch gar nicht wünschenswert). Aber das, was Du über die Admins sagst, ist auch meine Beobachtung: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Das perfide an der Situation ist, dass man Hierarchien einfordert, wo es keine geben soll, um die sich informell gebildeten Strukturen (in Köln nennt man das »Klüngel«) aushebeln zu können. Die Erfahrung zeigt aber – gerade in grösseren Wirtschaftsunternehmen – dass dies eine Schraube in Gang setzt, die immer neue Kontrollebenen einführt und sich vom ursprünglichen Zweck des Unternehmens immer weiter entfernt.

    Bzgl. der Sichtung: Bei einigen Artikeln hatte ich in der Vergangenheit das Gefühl, die »Sichtung« sei ein willkommener Anlass, kontroverses zu entfernen. Ob diejenigen, die schnell bei Wikipedia etwas nachschlagen wollen, zur Vertiefung auch die Diskussionsseite anklicken, wage ich mal zu bezweifeln. Viele Leute, die ich kenne und die gelegentlich Wikipedia benutzen, wissen gar nicht, dass es so etwas gibt (obwohl sie natürlich sichtbar ist). Ihnen geht es nur um die schnelle Information.

    #32

  33. Köppnick sagt:

    Bei aller Kritik an der Wikipedia sollte man nicht außer Acht lassen, was für einen phantastischen Mehrwert man dort im Vergleich zur Vor-Wikipedia-Zeit erhält. Die Kontroversität von Themen bemerkt man auch bei Artikeln, die »gebügelt« wurden, und auch die sprachlich unterschiedliche Qualität von Texten erlaubt Rückschlüsse auf die Autoren und deren fachliche Qualifikation. Meiner Meinung nach sind bestimmte anderswo übliche Mechanismen nicht ohne Weiteres auf die Wikipedia oder andere Open-Source-Projekte zu übertragen, ohne ihren Geist zu zerstören und wichtige Mitarbeiter zu vertreiben. Neue Medien eröffnen nicht nur neue Möglichkeiten, sondern führen halt auch zu neuen Problemen.

    #33

  34. @Köppnick
    Klare Sache! Wenn ich einen Begriff eingebe, über den ich Klarheit wünsche, kommt zu (geschätzten) 80% ziemlich promonent ein Wikipedia-Eintrag. Die Qualität dieses Beitzrags ist manchmal recht bescheiden, aber es gibt überhaupt eine Definition. Wenn ich nach einer zweiten Quelle suche, muss ich u. U. lange suchen (oft trifft man auf einen von der Wikipedia abgeschriebenen Text).

    Was mich skeptisch macht, ist, dass die Wikipedia über ihre Präsenz ein gewisses Meinungsmonopol bekommt. Das ist bei einigen Themen unerheblich – bei anderen aber wichtig. Wobei »Wikipedia« natürlich falsch ist – denn das Meinungsmonopol entsteht aufgrund des Eintrags des/der Autor(en) – und vor allem der Durchlässigkeit anderer Quellen/Meinungen/Argumente gegenüber. Ich weiss nicht, ob der Geist nicht durch diese Handlungsweise ebenfalls geschädigt wird.

    #34

  35. #24 Thomas
    Einige stehen unter »Parallel« und etliche davon sind meines Erachtens vollkommen zu Unrecht kaum beachtet: TABU oder das Blog von La Tortuga. Auch Herbsts Die Dschungel, obwohl das natürlich längst kein Geheimtip mehr ist.

    Und auch wenn ich mit den dort vertretenen Meinungen oft nicht einverstanden bin, interessieren mich Kwaku Ananse und MMs Senf mehr als so mancher Leitartikel eines »Nachrichtenmagazins«.

    Ich habe jetzt bewusst Blogs von twoday genommen und die »üblichen Verdächtigen« (wie beispielsweise Niggemeier) nicht erwähnt. Selbst Blogs wie »Blogbar«, die ich nur unregelmässig lese, haben aufgrund ihrer pointierten Meinung für mich mehr Bedeutung als so viele stromlinienförmige Standardartikel. Auch und gerade wenn sie mal vollkommen daneben liegen.

    Ach ja, und dann das hier noch.

    Nur so’n paar Beispiele.

    #35

  36. steppenhund sagt:

    Natürlich sind jetzt alle Nichtgenannten beleidigt:)

    #36

  37. Ja, natürlich. Aber Du stehst ja auch unter »Parallel«. Wie Dr. Schein. Und mein »Blogroll« ist ja nicht so gross.

    (Normalerweise darf man solche Fragen gar nicht beantworten.)

    #37

  38. steppenhund sagt:

    Es war ja auch keine Frage sondern eine emotionale Eruption. Eine ge«smiley«te EE sollte auch nicht für besondere Aufregung sorgen:)

    #38

  39. @steppenhund
    Ich meinte die Frage von Thomas.

    #39

  40. Thomas sagt:

    @Gregor: Danke ;)

    #40

  41. stripe sagt:

    #32, 33 – Wikipedia
    @Gregor: Dass es keine Hierarchien bei Wikipedia geben soll, ist meines Erachtens nicht wünschenswert. Ganz ohne Macht würde man die infantilen Vandalen nicht in Schach halten können. Der Kardinalfehler ist aber, dass es ein oben und ein unten gibt, was bei einer Teilung zwischen 3 Gewalten (also zusätzlich einer unabhängigen »Judikative«, die die Exekutive der Administratoren überwacht) so nicht notwendig der Fall wäre. Natürlich kann es auch zu Klüngel unter Einbezug der Judikative kommen.

    Das mit der Unbekanntheit der Diskussionsseite ist wahr, deshalb sollte man es immer wieder bekanntmachen.

    @Köppnick: 100% Zustimmung. Und es gibt bestimmt auch viele verantwortungsvolle Administratoren, die einfach nicht so auffallen. Aber die positiven Seiten sind den meisten Nutzern bekannt, die negativen erschließen sich der öffentlichen Wahrnehmung erst allmählich. Dass man die üblichen Mechanismen nicht einfach übertragen kann, heißt noch nicht, dass man nicht doch einiges Gute übernehmen kann.

    Gerade die Willkür und der oft nicht sanktionierte aggressive Ton (nicht bloß von Administratoren, sondern auch von erfahrenen Benutzern, die die Verfahrensweisen natürlich besser kennen als die Novizen) mag auch viele fähige Neu-Autoren vertreiben, siehe z.B. [dies und] die Beiträge von Giocoso zum Thema »Die Hassenstein-Debatte (ursprüngliche Diskussion)«. Giocoso war Redakteur des Herder-Lexikons für Biologie und hat sich nach seinem unerfreulichen Erstkontakt anscheinend endgültig aus der Wikipedia zurückgezogen. Ist zwar schon 4 Jahre her, aber es erscheint mir auch heute noch symptomatisch. Bloß dass viele schon früher als Giocoso und ohne Schlusswort frustriert aufgeben und es dann nicht mehr so nachvollziehbar ist.

    #41

  42. @stripe / Wikipedia
    Danke für diesen Link. Das illustriert prächtig, was ich meine. Es mag ja auch an meiner Unfähigkeit liegen, aber wer dieser »Isis2000« ist, der sich da ao an seinen Löschantrag klammert, wird gar nicht klar. Da trifft jemand für alle u. U. eine Entscheidung, der weder legitimiert ist, noch ent-anonymisiert, sondern sich auf Regeln beruft, die an Mehrdeutigkeit kaum zu überbeiten sind. Das ist lächerlich.

    Ich glaube, für viele ist die Wikipedia eine schöne Spielwiese, die es ihnen ermöglicht, ihre über Jahre angesammelten Vorbehalte gegenüber allen möglichen Themenbereichen oder Personen auszuleben.

    #42

  43. @Peter Viehrig / steppenhund – Stammtische
    Ehrlich gesagt halte ich das Bild des Stammtischs für eine wie immer geartete »Community« gar nicht für so falsch. Auch Professoren oder sonstige Intellektuelle haben »Stammtische« (und ich glaube, der Ton ist dort gelegentlich ähnlich dem, was man sich gemeinhin so vorstellt). Hier wie dort gibt es einen Codex – hier wie dort gibt es eine Art impliziten (Meinungs-)Konsens. In der Wikipedia steht dazu: »Bei heutigen Stammtischen steht vor allem die Zusammengehörigkeit, Vertrautheit und das Ausleben gemeinsamer Interessen im Vordergrund.«

    #43