Die letzte Buchbesprechung (und Buchbesprechungsbesprechung) meines Lebens

Marion Poschmann: Die Kieferninseln

Marion Poschmann: Die Kieferninseln

Inzwischen gelesen (im Shinkansen): Die Kieferninseln. Mit leichter Hand hingeworfener Kaiserschmarren. Vulgo Aufenthaltsstipendiatenprosa. Zum Roman aufgepäppel­ter, für sich genommen bescheidener – eine Zier! – Kurzreisebericht (»mit dem Shinkansen auf Matsuo Bashos Spuren«, oho!). Japanklischees, Oberflächenbild­chen, auch (bewußt?) Falsches. Kühle Ironie unter den Achseln. Seltbstmord-Spielchen. Im Ernstfall ist alles ein Traum, oder Tagtraum. Fröhliches Figur-Konstruieren und -Entsorgen. Am Ende hat der alternde Mensch seinen Eifersuchtsanfall überwunden. Danke, Matsuo! Danke, Kiefern! Alles in Butter! Vom dt. Feuilleton hochgelobt, Rezensenten sanft aufgegeilt. Das Leben, ein Traum! Kulturtotalitarismus, Exit Buchpreis. Literatur light. Auch wir können mit Schlagwörtern hantieren!

© Leopold Federmair

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14 Kommentare zu »Die letzte Buchbesprechung (und Buchbesprechungsbesprechung) meines Lebens«:

  1. Leopold Federmair sagt:

    Wenige Tage, nachdem ich diese Minirezension geschrieben habe, erfaehrt man aus den Massenmedien von einer Serie von Morden an jungen Lebensmueden in Kanagawa, unweit von Tokyo, wo ein offenbar geistesgestoerter Mann den Sterbewunsch dieser Leute ausnutzte, um sie zu toeten und hernach zu zerstueckeln. Auch sexueller Missbrauch duerfte dabei stattgefunden haben; in der Biographie des Moerders spielt das Sexgeschaeft eine Rolle. Vergleiche ich die nette, unbedarfte, auf ihre Art auch arrogante literarische Petitesse von Poschmann, wo ein deutscher Bartforscher sich mit einem jungen japanischen Selbstmordkandidaten amuesiert, den er unterwegs dann »verliert«, um zuletzt mit wiedergefundenem seelischem Gleichgewicht nach Deutschland zurueckzufliegen – vergleiche ich diese leicht hingeworfenen Geschichtchen mit der Wirklichkeit, hier freilich in besonders scheusslicher Auspraegung, so waechst mein Aerger ueber das Werk um ein Vielfaches, selbst wenn ich mir bewusst halte, dass Literatur nicht realistisch sein muss (oder soll oder kann).

    #1

  2. chargesheimer sagt:

    Ich kenne Frau Poschmann nicht, ich kenne auch deren hier besprochene Geschichte nicht, ich kenne nur die »Minirezension« und jetzt den dazugehörigen Kommentar des Rezensenten.
    Der nachvollziehbare Kommentar bestätigt erneut meine Ansicht, dass es schier unmöglich ist, z.B. ein Buch/Werk ohne reale (subjektive) Beeinflussungen von aussen zu besprechen. Oder andersherum, eine Interpretation eines Buches oder Werkes sind nie ohne eigene Wahrnehmungen oder Erfahrungen möglich. Ein Werk spricht nie für sich alleine.
    Ausnahmen – mir fällt gerade keine ein – mag es geben, aber sie bestätigen eher diese Regel.
    Deswegen sind für mich Buchbesprechungen selten relevant, ausser ich erfahre dadurch über ein Werk, dass ich allgemein interessant genug finde, mir selber eine Meinung dazu zu bilden und dies bedeutet dann, es selber zu lesen.

    #2

  3. Leopold Federmair sagt:

    Im großen und ganzen würde ich Ihnen recht geben. Trotzdem glaube ich, daß es sinnvoll und auch interessant sein kann, sich über Bücher auszutauschen. Ich glaube weiters, daß Literatur diesen Austausch regelrecht fordert, aufgrund ihrer wesentlichen Vieldeutigkeit und daher Interpretierbarkeit.
    Noch ein Trotzdem: Meine Rezension war nicht in erster Linie durch den Wunsch, etwas über das Buch zu äußern, veranlaßt, sondern durch die Beobachtung, dass es, ins Zentrum massenmedialer, kulturjournalistischer Aufmerksamkeit gerückt, eine in den einzelnen Artikeln kaum variierte Einheitlichkeit der Bewertung gab. Das ist halt das Mainstreamprinzip, wird man sagen. Ich wollte eine (meine) Gegenstimme zu Gehör bringen.

    #3

  4. chargesheimer sagt:

    Ich kann Ihnen in allen Argumenten gerne folgen. Selbstverständlich halte ich einen Austausch über Bücher ebenfalls für sinnvoll, zum einen weil ich die soziale Komponente eines Austauschs sehr hoch einschätze und zum anderen, weil andere Sichtweisen möglicherweise zu neue Erkenntnisse führen und aus meiner Sicht persönlich bereichernd sein können.
    Ich habe hier in diesem Blog oft alleine schon durch die sehr ausführlichen und präzisen Rezensionen von G.Keuschnig oft viel Input bekommen.
    Ihre beobachtete Einheitlichkeit in vielen Bewertungen mit meist folgenden Rankings (Spiegel, Scheck) empfinde ich als geistige Minderleistung und eine kulturelle Perversion.
    Ich habe auch nie den Personenkult um Reich-Ranicki als Literaturkritiker nachvollziehen können, auch wenn ich ihn grundsätzlich unterhaltsam fand. Mediale, »professionelle« Literaturkritiker werden total überschätzt.
    Auch die oft erbitterten und z.T. persönlichen verletzenden Diskussionen über das »richtige« Verständnis eines Textes schrecken mich eher ab, da sie in einem dogmatisch geführten Diskurs eher auf die narzistische Befindlichkeit der Diskutanten schließen lassen. Ich blende mich in solchen Diskussionen meistens aus.
    Hier in diesem Blog wird aus meiner Sicht oft auf sehr hohem Niveau diskutiert und ausgetauscht, Mainstream findet hier zum Glück selten statt. Allerdings kann ich der Diskussion nicht immer folgen, weil es mir persönlich manchmal doch zu »sprachwissenschaftlich« erscheint.
    Dennoch hole ich mir hier von Zeit zu Zeit immer wieder gerne Anregungen und bin ziemlich dankbar dafür. Auch wenn mir persönlich manchmal das eine oder andere zu sehr »l´art pour l`art« ist.
    Mit den besten Grüßen und Wünschen an alle…

    #4

  5. Reihenfolgen, Listen, Rankings – das ist längst notwendig geworden, um die Masse der Neuerscheinungen irgendwie zu strukturieren. Literaturkritiker sind ja irgendwie eine bemitleidenswerte Spezies: Sie müssen zu jeder irgendwie relevant erscheinenden Neuigkeit ein Urteil zur Verfügung haben. In den gängigen Diskussionsrunden habe ich noch nie ein »habe ich noch nicht gelesen« gehört, wenn Kritiker A nebenbei etwas über ein Buch zu Kritiker B sagt.

    Das dabei Genauigkeit und Muße auf der Strecke bleibt, ist zwangsläufig. Mehr als Lesen kann man auch nicht – die Zeit ist begrenzt. Der Trend zum Herdentrieb ist auch bei der Kritik längst virulent. Schlimm ist dabei, dass der Fokus der Kritik auf im Verhältnis zu den Neuerscheinungen wenigen Bücher begrenzt bleibt. Jeder bespricht eben den neuen Walser oder den neuen Franzen. Irgendwann ist das für den Leser der Kritiken ermüdend und es tritt (bei mir) ein Überdrusseffekt ein.

    Kritiker sind für jeden Exotismus dankbar, zumal wenn ihre eigenen Klischees bedient werden. Das erleichtert ungemein die eigene Rezeption und auch die Vermittlung. Ich kenne Poschmanns Buch nicht und habe nur die enthusiastischen Besprechungen wahrgenommen.

    Mir geht es inzwischen so, dass mich einhellige Lobe eher abschrecken. Hingegen werde ich neugierig bei kollektiv schlechten Kritiken. Hier muss man (= ich) aufpassen, dass man nicht in einen unfruchtbaren Automatismus gerät.

    #5

  6. Chukk Beslowair sagt:

    Wo immer sich Tabus auftun, als auch Extrema (positiv/negativ) sollte dieses ein Signal dafür sein genauer hinzusehen.

    In puncto der Arbeit eines Literaturkritikers/einer Literaturkritikerin gibt es vielleicht bald eine Wende. Aufgrund der erwähnten großen Menge an Neuerscheinungen, welche in Zukunft vielleicht eher noch zunehmen wird, wird ein Großteil der Rezensionen vielleicht durch KI erstellt und die menschlich-intellektuelle Rezension wird zu einer Luxusware werden wie heutzutage Kaviar, da menschlich-intellektuelles Rezensieren eine sehr aufwändige Tätigkeit ist, wenn sie nach allen Regeln der Kunst erfolgen soll.

    Zur Rezension und dem Werk: Das ist eine interessante Frage: Welchem Genauigkeitsanspruch sollte ein Roman gerecht werden? Ist es möglich diese Frage allgemein gültig zu beantworten oder müsste sich die Antwort nach der/den intendierten Zielgruppe/Zielgruppen richten?

    #6

  7. @Gregor
    Müssen? Es klingt vielleicht zunächst einmal toll, wenn da einer zu allem möglichen etwas zu sagen hat. — Mich interessiert mittlerweile nur mehr das, was begründet wird und eben eher das, was auf Widerspruch stößt.

    Ich fürchte auch, dass die ökonomischen Bedingungen hier über die Masse der Neuerscheinungen mit in den Betrieb wirken: Man greift im Alltag aus Zeitgründen mal schnell und gerne auf die Verlagsinformationen zurück (oder gleich auf die vorsortierten Listen).

    @Chukk Beslowair
    Wenn wir über Literatur reden, dann gibt es die ohne Genauigkeit (und auch Langsamkeit) nicht, weil Stil und Ausdruck ein sprachliches Sondieren (Sortieren) und Hineinhören erfordern; Flüchtigkeit, Eile, usw. können das nicht leisten.

    #7

  8. Leopold Federmair sagt:

    Wie Chukk stelle mir ebenfalls vor, daß Buchbesprechungen in Zukunft von Automaten geschrieben und von Algorithmen erstellt werden. Bei Sportberichten ist das ja schon der Fall, es klappt einigermaßen, die wichtigsten (wichtigsten?) Daten kommen alle vor, beim Fußball Tore, gelbe und rote Karten, Auswechslungen etc. Das kann man im Prinzip auch mit Büchern machen (Figuren, Begegnungen, Situationen, Handlungsstränge und Auflösungen (besser nicht verraten!), Anteil an Dialogen, Satzlänge usw.). Die Korpuslinguistik geht bereits so vor. Das wird dann auf die Machart von Literatur und das Selbstverständnis der Autoren zurückwirken, weil sie positiv besprochen werden wollen und entsprechend schreiben.

    Man kann sich dann allerdings auch eine automatisierte Literatur vorstellen (Figuren, Begegnungen, Handlungsvariationen, Lokalkolorit, soziale Probleme, am besten solche, die in den Massenmedien gerade en vogue sind, Intertextualität, ein paar Gramm Matsuo Basho usw.).

    #8

  9. Dann fehlen nur noch die Leseautomaten, die dem Menschen am Ende eine komprimierte Fassung des Romans oder der Erzählung liefern. Damit geht man dann auf die nächste Party.

    Die Frage des »Genauigkeitsanspruchs« für ein fiktionales Werk ist natürlich nicht unwichtig. Vor einigen Jahren bemängelte einmal ein Juror beim Bachmannpreis das für ein Datum, dass in einer Erzählung genannt wurde, der Wochentag nicht stimmte. Es war – so glaube ich – nicht ein Dienstag, sondern ein Mittwoch. Die Frage ist ob dies von Relevanz ist. Und worin der Unterschied zwischen Wahrheit und Wahrhaftigkeit von Prosa besteht. Und – das trifft wohl den Kern des Unbehagens von Leopold Federmair – ob in einem fiktionalen Text Stereotypen bedient werden sollten. Dabei sind Stereotypen fast immer ein Zeichen von fehlender Sprachkunst.

    #9

  10. Wenn die Wahrheit der Literatur mit der Interpretation verbunden ist, dann wäre die entscheidende Frage, ob dieser Unterschied (der Wochentag, s.o.) Relevanz für die Erzählung hat.

    Wahrhaftig könnte der spezifische Stil bzw. die »Stimme« des Autors, die man kaum erlernen (eher aus einer Anlage entwickeln) kann.

    #10

  11. en-passant sagt:

    Die Geschichte des Bleistifts

     

    … aber es weiß doch jeder, dass Literatur eigentlich eine Art Diesel ist, trivial-kontaminiert, mit oft falsch und zu niedrig deklarierten deklarierten Schadstoffen, unergiebigen Oktanzahlen, zu kurzen Fahrt- und Halbwertszeiten – nach wenigen Wochen keine Besprechung mehr viel wert.
     
    Es bleibt das Geschäft damit (die Überproduktion und ihre Abtragung in den Markt); es gibt die erwähnenswerten Mittellagen, denen oft Ungerechtigkeit widerfährt, wenn sie dann doch untergehen; und es gibt die dringenden, die einen so oder so angehenden Ausnahmen, wo einen die Lesarten anderer interessieren, aber nichts wesentlich daran ändern.
     
    (Die Resumees dann von Zeit zu Zeit, darin Strömungen und Trends, und ja, dann auch mal Argumente und hängen gebliebene Thesen kurz überschlagen werden, sind keine dritte Kategorie, obwohl man da umso mehr von aktuellen Deutungsmustern und Themenmoden von interessierten Seiten erfährt. Ansonsten ist ‚Kritik‘ , womöglich nicht nur wegen der Zersetzung ihrer Form und Kriterienschwund, vielleicht tatsächlich überholt, und es reichte, ein anderes Wort dafür zu nehmen?)

     

    Alle paar Wochen denke ich, dass ich ja auch mal wieder »Quartett« kucken könnte, und dann vergesse wieder den Recorder zu programmieren. Das Höchste der Gefühle – ein Liebling der Saison (zu singen in der Tonlage einer leicht überdrehten 20er Jahre Chanteuse).

     

    Zu Poschmann. Das ist eines der seltenen Male, wo ich auf Autorenfotos reagiert habe. Sie schaut immer so … (jedenfalls ganz anders als all die anderen) dass es mich neugierig auf sie macht. Jemand brachte sie mal mit dem angeblich ‚Hexenhaften‘ von Sarah Kirsch in Zusammenhang – ich weiß nicht, wieso, aber das blieb also bei mir hängen, und es ist vielleicht bezeichnend für meine Art Neugierden neuerdings. Das Bild des Autors ist der Roman des Lesers … oder so ähnlich. Aber dann waren ihre, Poschmanns Gedichte, leider meist doch eher konventionell. Und Federmairs ‚Kritik‘ (auch wo sie keine ist, weil sie abfertigend und rüde ist), muss sie sich, zumal an der Spitze der Bestenliste usw., dann eben gefallen lassen.
     
    Aufenthaltsstipendiatenprosa trifft es schon auf den Kopf. Aber wenn die Verhöhnung des Buches stimmt – und ich kann es mir gut vorstellen, dass sie es tut – sagt es nämlich auch was über das blutleere Getüftel, für das sie, Poschmann, selber als Protagonistin steht und mit verantwortlich ist, indem sie sich nicht davon absetzt.

     

    Das mit den Automaten – wenn es denn ernst gemeint war – glaube ich nicht, weil dann das Sekundärgeschwätz den Gegenstand endgültig kannibalisierte und vollends überflüssig machte. Das Resultat bräuchten nicht mal die Lesefutterer in ihren Hamsterrädern. Der Lebendköder als Simulation blutet vorher aus. Für die anderen Automaten und Zombies – die Telefontipper und Wischer, die Foto-Novelas an der Bushaltestelle lesen – müsste sogar diese Textsorte rasch zu läppisch zu sein. Ich warte eigentlich auf eine Art Regeneration durch Punk, strictly roots oder so was. Zurück zum Wesentlichen. Vergiss die Wischer – hier sind die Sex-Bleistifte!

     

    #11

  12. Warum sollte sich Poschmann auch absetzen? Sie erklimmt doch die Karriereleiter problemlos und wird mit der Zeit Preis um Preis bekommen (in ein paar Jahren dann den Büchner-Preis). Es gibt keinen Grund etwas zu ändern, solange die Kritiker wohlgesonnen bleiben. (Wobei die Frage ist, woran sich dieses Wohlwollen knüpft. Ist es wirklich Exotismus? Oder einfach nur eine feine Sensorik für Trends? Und was haben denn solche Protagonistinnen wie Judith Hermann und, noch »schlimmer«, Zoe Jenny »falschgemacht«? Waren ihre Nacherstlinge wirklich soviel schlechter? Bei Hermann kenne ich mich ein wenig aus und würde das verneinen. Aber warum dann dieser Unmut?)

    Die Kritik versteht sich fast nur noch als Empfehlungsbetrieb. Ästhetische Auseinandersetzungen finden nicht mehr statt, weil sie als elitär gelten. Und auch wohl kaum noch verstanden würden. Eine Kritik, die nur nach der »Message« sucht, macht sich gemein mit dem gerade angesagten Mainstream. Vielleicht hat man Helmut Schmidts für die Politik gebrauchtes Diktum vom Arzt, den man bei Visionen aufsuchen soll, längst auch für die Literatur verinnerlicht.

    Für das Quartett braucht man keinen Videorekorder mehr: https://www.zdf.de/kultur/das-literarische-quartett

    #12

  13. en-passant sagt:

    Der Unmut? Vielleicht ist es der über sich selbst? Weil man sich als verführbar erlebte, wo die Sache dann doch nicht so nachhaltig war? Und dass dann auch jemand dran schuld sein muss, dass man selber auf immer schnelleren Umschlag der Ware setzt. Und die Aufmerlsamkeitsspannen sich weiter verkürzen.
    (Aber! Twitter jetzt 280 Zeichen! Ist das die Kehrtwende?)
     
    Lese gerade in einem Interview von wegen (bei Virginie Despentes), dass man vielleicht zu lange an Kunst geglaubt hat: Dass die heute abzuliefernde, also normative »Kreativität« eben viel mehr mit Geld und Erfolg verknüpft ist und man das vielleicht einsehen sollte (bevor man im Kunst-Prekariat landet oder in einem Anlern-Job für die, die demnächst auch kreativ sein wollen).
     
    Also von Stipendien, von der Emsigkeit im Betrieb leben. Vernetzt, ’sozial‘ angeschlossen sein. »Schlau sein, dabei sein!« (Kippenberger) Schließlich wird auch schlechte Arbeit in der Bürowelt so oder so bezahlt.
     
    (Dagegen heute Franzen: « Die Essenz des fiktionalen Schreibens ist die Isolation.«)
     

    #13

  14. Die Emsigkeit des Betriebs erzeugt ein Karussell in dem Stipendiaten, Preisträger, Bestenlistespitzenreiter und Betriebslieblinge in immer wieder austauschbaren Rollen aufeinandertreffen und die Pfründe schön aufgeteilt werden. Das ist allerdings überall so, nicht nur im sogenannten Literaturbetrieb. Das Problem ist – à propos »an Kunst geglaubt« – das man von Literaten et. al. moralisch mehr erwartet als beispielsweise von einem Versicherungskonzern oder einem Autohändler. Dass aber auch hier der Filz wärmt, ist längst eine Binsenweisheit.

    Franzen ist ja so ein Schreiber, der sich jetzt an den Werten des 19. bzw. Anfang 20. Jahrhunderts (neu?) zu orientieren scheint (man vergleiche vor einiger Zeit sein Eintreten für Karl Kraus). Das macht ihn zwar altmodisch, aber er bleibt »im Geschäft«. Er ist in der Lage derart aus der Rolle zu fallen – man nimmt ihm das ab. Vor den »Korrekturen« wäre das nicht gegangen und hätte seinen Aufstieg gehemmt wenn nicht gar verunmöglicht.

    #14

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